Argentinien

Staatsanwalt fordert Haft für Unternehmer wegen Menschenrechtsverbrechen während der Diktatur


(Montevideo, 24. April 2018, la diaria).- Der Staatsanwalt der argentinischen Provinz Tucumán, Pablo Camuña, hat die Festnahme von sechs Personen beantragt, die die Zuckerplantage La Fronterita während der argentinischen Militärdiktatur in den 1970er Jahren führten. Camuña legte sein Schreiben dem Bundesrichter Daniel Bejas vor. In diesem beschuldigte er sechs Unternehmer und Geschäftsführer von La Fronterita der Mittäterschaft bei 68 Entführungen von Arbeiter*innen bzw. deren Verwandten und Nachbar*innen, sowie bei der Folter und dem Verschwindenlassen von elf weiteren Menschen.

Die Verantwortlichen von La Fronterita hatten den Streitkräften damals erlaubt, einen Militärstützpunkt auf der Plantage einzurichten. Dieser diente als illegales Gefangenlager. Ein Prozess wegen Menschenrechtsverbrechen, der im letzten Jahr beendet wurde, brachte außerdem zum Vorschein, dass die Unternehmer mit dem Militär kollaborierten: So gaben sie den Militärs Listen mit Namen von Personen, damit diese verhaftet wurden. Außerdem überließen sie dem Militär Lieferwägen des Unternehmens für Entführungen und Verschleppungen.

Gemeinsame Interessen der Unternehmer und des Militärs

“Die Interessen der Unternehmer und die des Militärs stimmten miteinander überein”, schreibt Camuña in seinem Antrag. Er fügt hinzu, dass “die Militärs die Zuckerarbeiter*innen Tucumáns schwächen wollten, was den Unternehmern aus ökonomischen Gründen entgegen kam”, da es ihnen erlaubte, auch die Gewerkschaft der Zuckerplantage La Fronterita zu demobilisieren.

Gegenüber der argentinischen Tageszeitung Página 12 teilte Camuña außerdem mit, dass die Unternehmer Mittäter bei Verbrechen gegen die Menschlichkeit waren. Zu dieser Schlussfolgerung gelangte Camuña, nachdem er hunderte von Zeug*innenaussagen gehört, sowie Dokumente von La Fronterita und öffentliche Protokolle im Rahmen des 2017 beendeten Prozesses geprüft hatte. Eine Antwort des Bundesrichters auf den Haftantrag der Staatsanwaltschaft steht noch aus.

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