Venezuela

Staat toleriert Umgang mit häuslicher Gewalt gegen Frauen


(Guatemala-Stadt, 24. April 2010, cerigua).- Am 18. April wurde Carolina Vieira von ihrem Ehemann ermordet. Einem Bericht der Organisation Isis International zufolge, der am 23. April auf der Webseite „Pon fin a la violencia contra las mujeres“ veröffentlicht wurde, verstarb die junge Frau durch die Hand ihres Ehemannes, dem Boxweltmeister Edwin Valero, auch bekannt unter dem Namen „Inca“ Valero. Dem Bericht zufolge erschlug er sie und tötete anschliessend sich selbst.

In dem Bericht beklagen venezolanische Wortführerinnen und Aktivistinnen das mangelnde juristische Eingreifen von Seiten des venezolanischen Staates. Dies zeige eine tolerierende Haltung im Umgang mit häuslicher Gewalt. Carolina Vieira sei aufgrund der Tatsache, eine Frau zu sein, ermordet worden. Und dies praktisch vor den Augen einer Gesellschaft, die ihre Gleichgültigkeit im Umgang mit dem Thema Femininizid demonstriere. Obwohl die Frau seit etwa einem Monat Opfer einer Gewaltspirale gewesen sei, hätten sie die Behörden in den Händen ihres Mörders belassen, wo sie keine Möglichkeit hatte, sich zur Wehr zur setzen, heißt es in dem Text.

Mit dieser Tat sei sowohl die 1995 von Venezuela unterzeichnete Interamerikanische Konvention zur Verhinderung, Bestrafung und Beseitigung von Gewalt gegen Frauen (Convención Interamericana para Prevenir, Sancionar y Erradicar la Violencia contra la Mujer), sowie das Gesetz zum Recht der Frau auf ein Leben in Freiheit und ohne Gewalt verletzt worden.

Der von verschiedenen venezolanischen Organisationen erarbeitete Bericht kritisiert, dass das Rechtssystem weder mit der erforderlichen Dringlichkeit reagiert, noch sich gerecht oder effizient gezeigt habe. Ebenso wenig seien in angemessener Weise Schutzmaßnahmen erfolgt, denen Carolina Vieira als Ehefrau einer in der Öffentlichkeit stehenden Person oblag.

Andere staatliche Institutionen hingegen seien darüber informiert gewesen, dass die Frau konstant Opfer der gewaltsamen Übergriffe und Schläge ihres Mannes war. Der Fall wurde bereits im März bekannt, als Carolina im Krankenhaus wegen mehrerer Rippenbrüche behandelt werden musste. Ein Einschreiten der Behörden sei jedoch ausgeblieben. Die venezolanische Zivilgesellschaft sei mittlerweile der Meinung, Gewalt gegen Frauen müsse zum Gegenstand ausführlicher Untersuchungen gemacht werden. Dabei sollten die Verantwortlichen in den jeweiligen Behörden ermittelt und bei Unterlassung oder Untätigkeit bestraft werden.

Präsident Chavez drückte sein Bedauern und seinen Schmerz über die Tat aus. Der Großteil der Medien habe lediglich den Tod eines Sportlers bedauert. Er sei eine Figur, die nationale und weltweite Bekanntheit erreichte und als ein Idol zur Nachahmung für die nachfolgenden Generationen dargestellt wurde, so der Bericht. Er forderte nachdrücklich Gerechtigkeit im Fall von Carolina Vieira, denn dies bedeute eine Erlösung der vielen Frauen, die in der Anonymität das gleiche erleideten.

CC BY-SA 4.0 Staat toleriert Umgang mit häuslicher Gewalt gegen Frauen von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Das könnte dich auch interessieren

Aufklärung des Mordes an Berta Cáceres? Sie musste ihren Kampf mit dem Leben bezahlen. Am Grab der Menschenrechtsaktivistin Berta Cáceres. Foto: Erika Harzer Am 2. März 2016 wurde Berta Cáceres in La Esperanza, Intibucá, Honduras, ermordet. Auftragskiller erschossen die weit über ihre Landesgrenzen hinaus bekannte Feministin, Menschenrechts- und Umweltaktivistin und Anführerin des Rates der indigenen Völker von Honduras COPINH. Mehr als 16 Monate sind seitdem vergangen. Acht Verdächtige sitzen in Untersuchungsh...
Medienmacherinnen aus dem Amazonas-Gebiet Von Jessica Zeller Fotografin Yánua Vargas portraitiert die Teilnehmenden des Panamerikanischen Sozialforums in Peru. Alle Fotos: Jessica Zeller (Tarapoto, im Mai 2017, npl).- Frauen machen Medien. Das gilt auch für das Amazonasgebiet. Yánua Vargas ist mit ihrer Kamera unterwegs: Die junge Shuar-Indígena studiert in Ecuadors Hauptstadt Quito Fotografie. Die Peruanerin Gabriela Bardales ist als Radioreporterin mit ihrem Mikrofon nah am Menschen. Beide Frauen sind Mitte ...
Sieg der Doppelmoral: Abtreibung bleibt absolut verboten Von João Flores da Cunha Ihre Kleidung ist sauber, ihre Hände sind es nicht: Die Bischöfe der Dominikanischen Republik. Foto: Ihu-unisinos (São Leopoldo, 9. Juni 2017, ihu-unisinos).- Der Senat der Dominikanischen Republik hat sich am 31. Mai gegen die Entkriminalisierung der Abtreibung in dem Karibikstaat entschieden. Die Abstimmung war Teil einer Reform des dominikanischen Strafrechts. Das Strafrecht des Landes sieht bis zu drei Jahren Gefängnisstrafe für Frauen vor,...
Mit Kamera und Mikrofon unterwegs: Medienmacherinnen aus dem Amazonas-Gebiet Fotografin Yánua Vargas portraitiert die Teilnehmenden des Panamerikanischen Sozialforums in Peru. Foto: Jessica Zeller Frauen machen Medien – das gilt auch für Lateinamerika. Manche Medienmacherinnen sind mit der Kamera unterwegs, so wie Yánua Vargas. Die junge Shuar-Indígena studiert in Ecuadors Hauptstadt Quito Fotografie. Die Peruanerin Gabriela Bardales dagegen ist mit ihrem Mikrofon nah an den Menschen. Schon nach der Schule fing sie an, als Radioreporterin zu arbei...
onda-info 409 Hallo und willkommen zum onda-info 409! Wir haben gleich drei schicke Beiträge für euch! Kolumbien: Über 300 Seiten ist er dick, der Friedensvertrag, den die kolumbianische Regierung und FARC-Guerilla ausgehandelt haben. Doch der Weg zu einem wirklichem Frieden ist weit. Helfen sollen dabei  Community Radios. Wie das geht? Wir haben uns bei Radiomachenden vor Ort umgehört. Costa Rica: Das kleine Land lebt von seinem Öko-Image. Doch Dank Globalisierung und Freihandel ist C...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.