Honduras

Sonderstaatsanwältin für Menschenrechte geht


von Johannes Schwäbl

Ponce bei einem Interview (Dezember 2010) /Foto: Nora Bluhme. hondurasdelegation.blogspot.com(30. November 2011, amerika21.de).- Die honduranische Sonderstaatsanwältin für Menschenrechte, Sandra Ponce, hat im November vor Pressevertreter*innen ihren baldigen Rücktritt angekündigt. Ponce, die in Honduras seit 17 Jahren als Staatsanwältin arbeitet, betonte, der Rücktritt sei eine freiwillige und persönliche Entscheidung.

 

„Keine Möglichkeiten unabhängig zu arbeiten“

In ihrer Erklärung äußerte Ponce starke Kritik an der Abhängigkeit der Staatsanwaltschaft für Menschenrechte von der honduranischen Polizei. “Es gibt keine Möglichkeiten unabhängig zu arbeiten und unabhängige Ermittlungen aufzunehmen”, erklärte Ponce. “Wir sind auf die Arbeit der Polizei angewiesen und gegen genau diese richten sich 90 Prozent der Anzeigen die wir erhalten”.

Die Staatsanwältin kritisierte nicht nur die mangelnde Bereitschaft der Polizei, angezeigte Menschenrechtsverletzungen aufzuklären, sondern beschuldigte diese zudem, Ermittlungen aktiv zu blockieren. Dies sein ein ständiges Problem mit dem sich die Sonderstaatsanwältin konfrontiert sehe. So wurden die Ermittlungen gegen vier Polizeibeamte, welche Ende Oktober zwei Studenten ermordeten, immer wieder hinausgezögert und eine Verhaftung der Mörder, die mittlerweile untergetaucht sind, verhindert. Aufgrund der mangelnden Ermittlungsergebnisse und der Straffreiheit bei begangenen Menschenrechtsverletzungen äußerten auch unabhängige Menschenrechtsorganisationen in der Vergangenheit mehrfach Kritik an der Staatsanwaltschaft für Menschenrechte.

Verdreifachung der Mordrate

Die Gewalt und die systematische Straflosigkeit in Honduras erhöhten sich seit dem zivil-militärischen Putsch im Juni 2009 und der damit verbundenen institutionellen Krise erheblich. Auch unter der Regierung von Porfiro Lobo steigt die Zahl der Ermordungen kontinuierlich an. So prognostizieren Beobachter*innen für das zweite Halbjahr 2011 im Vergleich zu 2010 fast eine Verdreifachung der Mordrate. Mit durchschnittlich 20 Morden pro Tag und einer Mordrate von 82 Ermordungen pro 100.000 Einwohner*innen nimmt Honduras mittlerweile in der weltweiten Mordstatistik der Vereinten Nationen den ersten Platz ein.

Statistiken nationaler und internationaler Menschenrechtsorganisationen zählen über viertausend begangene Menschenrechtsverletzungen und hunderte von politischen Morden seit dem Putsch, unter anderem die Ermordung von 16 Journalisten und 44 organisierten Kleinbauern und Kleinbäuerinnen. Die in fast allen Fällen vorherrschende Straflosigkeit wurde vor kurzem auch von Frank La Rue, Sonderberichterstatter für Meinungsfreiheit der Vereinten Nationen, angeprangert. Laut La Rue zeige der honduranische Staat keinen Willen die vorherrschende Straflosigkeit zu bekämpfen.

CC BY-SA 4.0 Sonderstaatsanwältin für Menschenrechte geht von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

La lucha Mapuche Primer programa Radio Matraca, nueva temporada 2018 La causa mapuche por la autodeterminación territorial y política, se ha convertido cada vez con mayor fuerza en un factor de politización para otros movimientos sociales y para la ciudadanía en general, tanto en Chile como en Argentina. Esta es sin duda una razón, aunque no la única ni la más persistente, que explica el nivel de represión y el ataque – judicial y policial – desatado por los Estado nacionales contra las comu...
„Warum bloß immer noch Colonia Dignidad?“ Colonia Dignidad heißt übersetzt ins Deutsche „Kolonie der Würde“. Bis heute aber ist dieser Name ein Synonym für religiösen Fanatismus, moderne Sklaverei, sexuellen Missbrauch, Folter und Mord. Und auch für Straflosigkeit. Die Opfer der deutschen Sektensiedlung im Süden Chiles kämpfen noch immer für Gerechtigkeit. Ende April ist eine Delegation deutscher Staatsanwälte und Justizbeamter nach Chile und auch in die Colonia Dignidad gefahren. Sie haben Gespräche mit Vertretern ...
Korruption und Straflosigkeit sorgen für schmutzigen Bergbau (Mexiko-Stadt, 5. Mai 2018, desinformémonos).- Die Verschmutzung der Luft, des Wassers und des Bodens durch den Bergbau ist in Mexiko wesentlich höher als in den USA oder in Kanada, erklärte María Colín von Greenpeace Mexiko bei der Präsentation des Berichts „Ausstoß und Übertragung von Umweltgiften in Nordamerika“. Grund dafür sei ein Klima der „Korruption und Straflosigkeit“, in dem die Bergbaufirmen agieren. Dieses Klima der Straflosigkeit „ist auch ein Ergebnis der Kontro...
onda-info 432 Hallo und Willkommen zum onda-info 432! Wir starten mit einer kurzen Nachricht zu den Wahlen in Paraguay vom 23. April 2018. Dann geht es nach Kuba. Auch dort hat es "Wahlen" gegeben - die Nationalversammlung hat Miguel Díaz-Canel zum neuen Präsidenten Kubas ernannt. Damit ist zumindest formell kein Castro mehr an der Staatsspitze. Wir haben uns in Havanna mal umgehört, wie die Leute die Veränderungen der letzten Jahre bewerten und ob sie Erwartungen an die neue Staatsf...
„Gensoja zerstört unsere Lebensgrundlagen“ (Mexiko-Stadt, 5. April 2018, npl).- Im September 2017 sagte die mexikanische Regierung ihr Erscheinen vor dem UNO-Menschenrechtsausschuss für Wirtschaftliche, Soziale und Kulturelle Rechte (WSK-Rechte) in Genf kurzfristig mit Hinweis auf das schwere Erdbeben vom 19. September ab.  Gleichzeitig dürfte dies ein willkommener Vorwand gewesen sein, sich nicht den zahlreichen Parallelberichten von etwa 20 mexikanischen Initiativen, Gruppen und Organisationen zur Menschenrechtslage...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.