Guatemala

Soldat zu 6.060 Jahren Haft verurteilt


kaibil(Lima, 15. März 2012, noticias aliadas).- Ein guatemaltekisches Gericht hat Pedro Pimentel, ehemaliges Mitglied einer Spezialeinheit der Armee, am 13. März 2012 zu 6.060 Jahren Gefängnis verurteilt. Er war an dem Massaker von Dos Erres beteiligt, bei dem 1982 mehr als 200 Indigene ermordet wurden.

Der 54-jährige Pimentel, Ex-Mitglied der Eliteeinheit Kaibiles, wurde im Juli 2011 von den Vereinigten Staaten nach Guatemala ausgeliefert, damit ihm der Prozess gemacht werden konnte. Er erhielt für jedes der Opfer eine Gefängnisstrafe von 30 Jahren.

In der Ortschaft Dos Erres im nördlichen Bezirk Petén ließ das Militär 201 Siedler*innen und Kinder hinrichten. Die Siedler wurden zuvor gefoltert, die Frauen vergewaltigt. Hinterher wurde die Ortschaft dem Erdboden gleichgemacht. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International gehen sogar von mehr als 250 exekutierten Siedler*innen aus. Augenzeug*innen der Tat bestätigten, dass einige Kinder und sogar Säuglinge getötet und in einen Brunnen geworfen wurden.

Bereits fünf verurteilte Kaibiles

Pimentel ist das fünfte Mitglied der Einheit, das aufgrund dieses Falls verurteilt wurde. Im August 2011 wurden vier andere Soldaten der Kaibiles ebenfalls zu 6.060 Jahren verurteilt; sie werden jedoch voraussichtlich nur die Höchststrafe von 50 Jahren Gefängnis absitzen.

Menschenrechtsgruppen äußerten sich positiv über das Urteil für Verbrechen gegen die Menschlichkeit. „Seit Jahrzehnten haben die Opfer schwerwiegender Menschenrechtsverletzungen, das Massaker von Dos Erres eingschlossen, um Gerechtigkeit, Wahrheit und Wiedergutmachung gefleht“, so Sebastián Elgueta, Ermittler bei AI Zentralamerika. “Die Verurteilungen in diesen Fällen – auch wenn sie nur einen winzigen Bruchteil der ungeheuren Anzahl der Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit ausmachen, die während des jahrzehntelangen Konfliktes begangen wurden – sind dennoch ein wichtiger Schritt, um der Straflosigkeit in diesen Fällen ein Ende zu bereiten. Nichtsdestotrotz sind die verantwortlichen Militärs höheren Ranges noch immer nicht vor Gericht gestellt worden.“

 

CC BY-SA 4.0 Soldat zu 6.060 Jahren Haft verurteilt von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das könnte dich auch interessieren

Vor 90 Jahren: Massaker an den Arbeiter*innen der Bananenplantagen
157
(Medellín, 5. Dezember 2018, colombia informa).- Am 5. und 6. Dezember 1928 erschoss das kolumbianische Militär tausende Frauen, Männer und Kinder in der Gemeinde Ciénaga im nordkolumbianischen Bundesstaat Magdalena. Bekannt wurden die Morde als das „masacre de las bananeras“ (zu dt.: Massaker an den Arbeiter*innen der Bananenplantagen). Die Soldaten mordeten im Interesse des US-amerikanischen Unternehmens United Fruit Company. Der Bundesstaat Magdalena an der Karibikküste...
Sprecher*innen der Opposition auf Europa-Tour
103
Kein Frieden in Nicaragua. Zwar ist es in dem zentralamerikanischen Land in den vergangenen Monaten etwas ruhiger geworden. Doch nur mit Mühe kann die Regierung unter Präsident Daniel Ortega die Fassade eines Normalzustandes aufrecht erhalten. Wie geht es nun weiter nach den landesweiten Protesten? Bislang hat haben staatliche Sicherheitskräfte rund 500 Tote zu verantworten. Im Oktober kamen drei führende Oppositionelle und ehemalige Weggefährten Ortegas nach Berlin, um zu be...
Amnesty-Bericht prangert massive Polizeigewalt an
101
(Berlin, 21. Oktober 2018, poonal).- Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International dokumentiert in einem 55 Seiten starken Bericht schwere Menschenrechtsverletzungen und Verletzungen des Völkerrechts durch Nicaraguas Staatsmacht. Im Blickpunkt steht der Zeitraum vom 30. Mai bis 18. September dieses Jahres, nachdem es Ende Mai bereits einen ersten Bericht gegeben hatte. Das Spektrum reicht von willkürlichen Festnahmen über Folter bis zu außergerichtlichen Hinrichtungen....
onda-info 444
75
Hallo und Willkommen zum onda-info 444! Trotz der Schnapszahl gibt es wenig zu feiern, denn auch wir verfolgen mit Sorge die aktuellen Entwicklungen in Brasilien. Der rechtsextreme Bolsonaro geht als Favorit in die Stichwahl. Droht Brasilien eine faschistische Regierung oder gar eine neue Militärdiktatur? Eine aktuelle Einschätzung könnt ihr unter https://mais1cafe.org/2018/10/09/de-brasilien-unter-schock/ unter anderem von unserem Mitarbeiter Nils Brock hören. Doch im ...
Durch Ignorieren werden die Länder der OAS zu Mittätern der Gräueltaten in Nicaragua: Amnesty
96
(Mexiko-Stadt, 5. Juni 2018, desinformémonos).- „Die Regierung von Präsident Ortega hat nicht die kleinste Bereitschaft gezeigt, ihrer Politik der systematischen und gewaltsamen Unterdrückung ein Ende zu setzen, die in weniger als zwei Monaten mehr als 100 Menschenleben gefordert hat - eine Zahl, die mit jedem Tag steigt. Wenn die Länder der Region die Verantwortung der nicaraguanischen Regierung für diese Gräueltaten ignorieren, werden sie zu Komplizen bei der stetigen Ermor...