Mexiko

Sichere Arbeitsbedingungen für Journalistinnen gefordert


Der Bundesstaat Veracruz ist für Journalist*innen besonders unsicher.

CIMACFoto: César Martínez López

(Mexiko-Stadt, 15. Februar 2016, cimac).- Die Mesoamerikanische Initiative der Verteidigerinnen von Menschenrechten IM-Defensoras (Iniciativa Mesoamericana de Mujeres Defensoras de Derechos Humanos) hat von der mexikanischen Bundesregierung ebenso wie von den staatlichen und lokalen Behörden die Aufklärung des am 8. Februar 2016 begangenen Mordes an der Journalistin Anabel Flores Salazar gefordert. Die Behörden würden vor der im Bundesstaat Veracruz herrschenden Gewalt die Augen verschließen, heißt es in der Mitteilung von IM-Defensoras.

Außerdem forderte die Organisation garantierte Rahmenbedingungen, damit alle Journalistinnen ihren Beruf frei und sicher ausüben könnten. Sie verlangte zudem die öffentliche Anerkennung von deren Arbeit als soziale Gestaltung für den Frieden.

Am 9. Februar – einen Tag, nachdem Anabel Flores von einer bewaffneten Gruppe aus ihrem Haus in der Gemeinde Mariano Escobedo in Veracruz verschleppt wurde – fand man ihren Leichnam am Rande der Schnellstraße Cuacnopalan-Oaxaca im Nachbarstaat Puebla. Die Journalistin arbeitete als Polizeireporterin für die Tageszeitungen „El Sol de Orizaba“ und „El Buen Tono“, war 32 Jahre alt und Mutter zweier Kindern. Das jüngste wurde erst vor wenigen Tagen geboren.

Zivilgesellschaft verlangt Aufklärung im Mordfall Anabel Flores

Auch weitere zivilgesellschaftliche Organisationen und Netzwerke der Verteidiger*innen von Meinungsfreiheit und Menschenrechten in Mexiko haben von der der mexikanischen Generalstaatsanwaltschaft PGR (Procuraduría General de la República) unterstehenden Sonderstaatsanwaltschaft für Verbrechen gegen die Freiheit der Meinungsäußerung FEADLE (Fiscalía Especial para la Atención de Delitos cometidos en contra de la Libertad de Expresión) die Aufklärung des Mordes an Anabel Flores verlangt.

Die Organisationen „Artikel 19“ und „Propuesta Cívica“, das Nationale Zentrum für Soziale Kommunikation, das Nationale Netz der Verteidigerinnen der Menschenrechte und die Presseagentur „Kommunikation und Information der Frau“ CIMAC (Comunicación e Información de la Mujer) forderten die Medien gemeinsam mit Journalist*innenverbänden auf, die Reporterin nicht erneut zum Opfer zu machen, indem sie Bilder veröffentlichten, die sowohl deren Würde als auch die ihrer Familie verletzen.

Nach Angaben von CIMAC wurden in Mexiko zwischen 2002 und 2015 insgesamt 331 Übergriffe auf Journalistinnen verzeichnet.

Gewalttaten gegen Journalist*innen in Veracruz steigen an

Seit im Jahr 2010 die Amtszeit des Gouverneurs Javier Duarte begann, wurden in Veracruz 35 Angriffe auf Journalistinnen registriert – und zwei davon endeten tödlich: Der Angriff auf die Reporterin Yolanda Ordaz de la Cruz, die bei der Tageszeitung „Notiver“ tätig war, und der auf Regina Martínez, Korrespondentin bei der Wochenzeitung „Proceso en Xalapa“. Xalapa ist die Hauptstadt von Veracruz.

Im November 2015 unterzeichnete Duarte das „Abkommen der interinstitutionellen Zusammenarbeit zur Organisation des Maßnahmenprogramms zugunsten der Journalist*innen, die die Tätigkeit der freien Meinungsäußerung im Bundesstaat Veracruz ausüben“ als einen Versuch, der gefährlichen Situation entgegenzuwirken, in der sich der Berufsstand befindet. Trotz dieser offiziellen Aktionen sind die Zahlen der Gewalttaten gestiegen.

 

banner 2016


Das könnte dich auch interessieren

Flüchtiger mexikanischer Ex-Gouverneur Javier Duarte in Guatemala verhaftet Von Knut Hildebrandt (Berlin, 22. April 2017, onda).- Am vergangenen Osterwochenende wurde der ehemalige Gouverneur des mexikanischen Bundesstaates Veracruz in Guatemala verhaftet. Javier Duarte befand sich zum Zeitpunkt seiner Verhaftung bereits über sechs Monate auf der Flucht. Seit Oktober letzten Jahres wurde er wegen Geldwäsche und Beziehungen zum organisierten Verbrechen von den mexikanischen Behörden gesucht. Jetzt muss Duarte mit seiner Auslieferung nach Mexiko...
Nach verschwundenen Frauen sucht niemand Von Ana Alicia Osorio* (Mexiko-Stadt/Veracruz, 04. April 2017, cimac). Sie und er verschwanden am gleichen Tag. Nach ihm wird gesucht, nach ihr nicht. Als die Mutter die Vermisstenanzeige bei der Staatsanwaltschaft aufgibt, wird ihr gesagt, ihre Tochter sei bestimmt „absichtlich abgehauen“. Die Familie will nicht, dass die Vermisstenanzeige gesehen wird. Sie hat Angst davor, was die Leute sagen werden. Diese Situation gibt es häufig, wenn es sich um vermisste Frauen ha...
Brasilien: Frauen und Schwarze stärker von Arbeitslosigkeit betroffen Von Railídia Carvalho*, correiocidadania.com.br (Montevideo, 03. April 2017, Comcosur).- Eine Umfrage zu soziologischen Fragestellungen des Brasilianischen Instituts für Geographie und Statistik IBGE (Instituto Brasileiro de Geografia e Estatística) belegt mit Zahlen, was in der brasilianischen Gesellschaft bereits wahrnehmbar ist: Frauen und Menschen mit schwarzer Hautfarbe sind von der Wirtschaftskrise und dem Anstieg der sozialen Ungleichheit im Land am stärksten be...
Vor Prozess: Drohungen gegen Journalistin Claudia Julieta Duque nehmen zu Die Drohungen gegen die Journalistin sind in der letzten Zeit, mit Blick auf den am kommenden 31. August beginnenden Prozess gegen die drei vermutlichen Täter wieder schlimmer geworden. Die Tatverdächtigen haben vermutlich für den kolumbianischen Geheimdienst DAS (Departamento Administrativo de Seguridad) gearbeitet, der nach den Nachforschungen der Journalistin aufgelöst worden war. Aufgrund von Anzeigen der Journalistin, durch den Geheimdienst psychologische Folter erlitten...
ILO: 2,5 Millionen junge Frauen in Lateinamerika haben keinen Job Aussichten auf höher qualifizierte Arbeit sind eingeschränkt Davon fällt ein Anteil von 17,1 Prozent (2,565 Millionen) auf junge Frauen, der sich abhebt von den 11,4 Prozent der arbeitslosen jungen Männer. Laut ILO sind 20 Prozent der jungen Frauen in Haushalten beschäftigt „was die Aussicht auf eine berufliche Eingliederung in Tätigkeiten mit höherer Qualifizierung einschränkt“. Zudem seien die Beschäftigungsverhältnisse von mehr als die Hälfte der arbeitenden jungen Mensche...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.