Peru
Fokus: Checkliste Menschenrechte Gesundheit / Salud

„Selbstmorde indigener Frauen haben in den letzten Jahren zugenommen“


Foto: Wilfredo Sandoval

Foto: Wilfredo Sandoval

(Lima, 30. März 2016, servindi-poonal). – Neue Umstände, wie ein Einkommen aus illegaler Bewirtschaftung ihres Landbesitzes oder Bergbau ohne die entsprechende Überwachung von Umwelt- und sozialen Folgen, tragen zur Verschlechterung der Lebensbedingungen indigener Frauen bei. Das führt dazu, dass einige die Entscheidung treffen, sich das Leben zu nehmen.

Dies erklärte Daniel Sánchez Velásquez, Direktor des „Programms Indigener Völker des nationalen Bürgerbeauftragten“, (Ombudsstelle) in einem am 30. März 2016 von der Tageszeitung „El Comercio“ veröffentlichten Artikel. Sánchez initiierte eine Analyse, die auf einer Untersuchung des Nationalen Instituts für Geistige Gesundheit basiert und die das Institut unter der Bevölkerung des ländlichen Regenwalds durchgeführt hatte. Sánchez kam zu dem Ergebnis, dass fast die Hälfte der befragten Frauen unzufrieden mit dem erreichten Bildungsniveau und der sozialökonomischen Entwicklung ist.

„Sechsundzwanzig Prozent dieser Frauen haben schon einmal den Wunsch gehabt, zu sterben. Demgegenüber stehen 7,5 Prozent Männer, die Ähnliches geäußert haben“, erklärt er.

Ungleichgewichte durch neue Entwicklungen

Wenn er auch zugibt, dass man die Gründe, die zu dieser Situation führen, nicht verallgemeinern kann, so lässt sich doch festhalten, dass einer der hauptsächlichen Auslöser für diese Situation die Bevorzugung von Männern als Arbeitskräfte ist. Ein anderer Aspekt ist die schwindende Bedeutung der Subsistenzproduktion in der Landwirtschaft – eine Arbeit, die traditionell die Frauen durchgeführt haben – und die durch eine neue Ökonomie des Gütertauschs ersetzt wird.

Der Beamte wies darauf hin, dass Selbstmordversuche unter jungen und jugendlichen Frauen der Awajún, die im Amazonasgebiet leben, und den Kukama, die in der nordöstlichen Region Loreto zuhause sind, angestiegen sind.

Forderung nach staatlichen Reformen als Reaktion auf veränderte Lebensumstände

„Angesichts dieser Tatsache ist der Staat aufgefordert, tiefgreifende Reformen durchzuführen, die darauf ausgerichtet sind, die Kluft der Ungleichheit zwischen Männern und Frauen zu schmälern, soziale Auswirkungen mit negativen Folgen für die Gleichberechtigung zu kontrollieren und Alternativen innerhalb der Produktionsentwicklungen zu bieten, die es erlauben, die Ungewissheit und die Unsicherheit über die Zukunft der Frauen zu verringern“, erklärte Sánchez.

In diesem Sinne bedauerte Sánchez, dass die Exekutive einem Regelwerk für eine interkulturelle Gesundheitspolitik mit den indigenen Völkern auch 18 Monate nach dessen Erarbeitung noch immer nicht zugestimmt hat.

Er kommt zu dem Schluss, dass „diese Maßnahme dazu beitragen wird, mit Ernsthaftigkeit und Zuverlässigkeit die angebotenen Gesundheitsdienste zu untersuchen, um notwendige Korrekturen vorzunehmen, damit dieser schrecklichen Realität die Stirn geboten werden kann“.

Zum Lesen des kompletten Artikels von Daniel Sánchez (Spanisch) klicken Sie bitte hier.

CC BY-SA 4.0 „Selbstmorde indigener Frauen haben in den letzten Jahren zugenommen“ von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Das könnte dich auch interessieren

Verdacht auf Massaker an unkontaktierten Indigenen Von Roger Tunque Nicht kontaktierte Indigene auf einer Aufnahme aus dem Jahr 2010. Foto: Servindi (Lima, 12. September 2017, servindi).- Im brasilianischen Bundesstaat Amazonas soll im August ein Massaker an unkontaktierten Indigenen verübt worden sein, dem mindestens ein Dutzend Indigene, darunter Kinder und Frauen, zum Opfer gefallen sein soll. Das brasilianische Bundesinnenministerium der Stadt Tabatinga hat Ermittlungen zu dem mutmaßlichen Massaker aufgenommen, nac...
Atempause für Naturschutz im Amazonasgebiet Von Andreas Behn, Rio de Janeiro Proteste gegen das Renca-Dekret von Präsident Temer vor der abgeordnetenkammer-am 30. august 2017 / foto: agencia-brasil, cc-by-2.0 (Rio de Janeiro 01. September 2017, npl).- Die Justiz blockiert die geplante Ausweitung des Bergbaus im brasilianischen Amazonasgebiet. Ein Bundesgericht in Brasilia kassierte ein Dekret von Präsidenten Michel Temer, mit dem ein rund 46.000 Quadratkilometer großes Schutzgebiet direkt nördlich des Amazonas...
Temer eröffnet neue Runde beim Raubbau im Amazonas Von Andreas Behn, Rio de Janeiro Amazonas / Foto: Lubasi, CC BY-SA 2.0 (Rio de Janeiro/Berlin, 26. August 2017, npl).- Der Raubbau im Amazonasgebiet geht in die nächste Runde: Per Dekret löste Brasiliens Präsident Michel Temer am Mittwoch ein riesiges Naturschutzgebiet im Norden des Landes auf. Große Teile der über 46.000 Quadratkilometer, deutlich mehr als die Fläche der Niederlande, sollen für den Bergbau freigegeben werden. „Wir wollen neue Investoren anlocken, mehr...
Lateinamerikanische Aktivist*innen fordern eine gerechte Weltwirtschaftsordnung Von Knut Hildebrandt Fronttransparent der Demonstration "Grenzenlose Solidarität statt G20" Anfang Juli in Hamburg. Foto: Knut Hildebrandt (Hamburg, 15. August 2017, npl).- Buntes Treiben erfüllt den Hof der Viktoria-Kaserne in Hamburg-Altona. Das heute als alternatives Kulturzentrum genutzte Areal ist einer der Veranstaltungsorte des „Gipfels der globalen Solidarität“. Zu diesem sind Anfang Juli tausende Aktivistin*innen aus aller Welt nach Hamburg angereist. Während ...
Cuencas Sagradas – Ach du heiliger Quellfluss! Von Nils Brock und Darius Ossami Elvia Dagua von der Confeniae stellt das Projekt der Cuencas Sagradas vor. Foto: La Nave Radio (Berlin, 13. August 2017, npl).- Der Amazonas wird gerne als die „grüne Lunge" unseres Planeten  bezeichnet. Doch der Lunge geht es schlecht: Wie eine nimmersatte Raupe arbeiten sich von allen Seiten profitorientierte Industrien durch den Regenwald : Ölbohrungen, Bergbau, Wasserkraftwerke, Flussbegradigungen und Soja-Monokulturen. Jede einzeln...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.