Brasilien

Schleichende und kontinuierliche Auslöschung von Indígenas


(Montevideo, 16. Januar 2009, comcosur).- Im Jahr 2008 wurden nach Angaben des Missionsrates für indigene Völker CIMI (Consejo Indigenista Misionero) 53 Guaraní–Kaiowá ermordet, 40 davon allein im Bundesstaat Mato Grosso do Sul, im zentralen Westen Brasiliens. Der CIMI prangerte dies als Völkermord an der Ethnie der Guaraní-Kaiowá an.

Im Jahr 2007 waren 92 Indígenas ermordet worden. Der Bericht des CIMI, der auf der Brasilianischen Bischofkonferenz CNBB (Conferencia de Obispos de Brasil) vorgelegt wurde, alarmiert bezüglich der Ethnie Guaraní-Kaiowá, die durch Morde oder Selbsttötungen 74 Menschen verloren hat. Die Ethnie besteht aus nur noch 40 Personen. In dieser Gemeinschaft ist die Selbstmordrate auf etwa 50 Prozent angestiegen.

Die „generelle Bedrohung des physischen und kulturellen Überlebens dieses Volkes“ bestehe im „Fehlen eigenen Landes und dem erzwungenen Aufenthalt in kleinen Dörfern“. „Jedes indigene Volk besitzt seine eigene Kultur und seine eigene Dynamik, doch grundlegend für sie alle sind eigene Gebiete. Mit dem Eindringen in ihre Gebiete wird ihre Kultur zerstört und als Konsequenz daraus auch ihr Lebenssinn, was einige dazu bringt, sich das Leben zu nehmen“, so der CIMI–Bericht.

Politiker*innen und Großgrundbesitzer*innen behindern systematisch den Beginn von anthropologischen Untersuchungen zur Kennzeichnung von Gebieten, die an diese Ethnie übertragen werden sollen. Der Bundesregierung ist es nicht gelungen, die Regelungen durchzusetzen, stattdessen gab sie angesichts des starken Drucks nach. Nach Schätzungen der Regierungsbehörde für Indígena-Angelegenheiten FUNAI (Fundação Nacional do Índio) leben etwa eine Million Indígenas in Brasilien.

Es verwundert nicht, dass die einflussreichen Medien die Interessen der Mächtigen bedienen, die gierig nach Landbesitz streben. Daher gereichen ihnen die verbreiteten Informationen immer zum Vorteil, während die Indígenas marginalisiert werden und immer wieder das Bild verbreitet wird, sie seien zu nichts nütze und würden auch nicht arbeiten wollen. Der CIMI hingegen argumentiert, es sei schlicht „nicht im Interesse der Indígenas, finanziellen Nutzen aus der Erde zu ziehen, denn sie betrachten sie als ihre Mutter“. Für Mai dieses Jahres wurde ein Bericht mit empirischen Daten angekündigt, der die Verletzung von indigenen Rechten, einschließlich Morddrohungen, Mordversuchen, Todesfällen aufgrund unterlassener Hilfeleistung (Selbsttötung, fehlender medizinischer Beistand etc.), das Eindringen in Indígena–Gebiete und andere Formen von Diskriminierung und Missbrauch dokumentiert.

CC BY-SA 4.0 Schleichende und kontinuierliche Auslöschung von Indígenas von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das könnte dich auch interessieren

Andrea Lammers zum Prozess wegen des Mordes an Berta Cáceres
73
Am 17. September soll der Prozess gegen die mutmaßlichen Mörder der Umweltaktivistin Berta Cáceres beginnen. Andrea Lammers vom Oekubüro für Frieden und Gerechtigkeit in München wird zum Prozess nach Honduras reisen. Wir haben mit ihr gesprochen. Jahrelang hatte Berta Cáceres sich gegen den Bau des Wasserkraftwerks Augua Zarca am Gualcarque-Fluss eingesetzt. Sie war Mitbegründerin des Rates zivilgesellschaftlicher und indigener Organisationen COPINH. Für ihren Kampf um Sch...
onda-info 442
68
Hallo und willkommen zum onda-info 442! Nach einem Haufen Nachrichten aus Brasilien, Mexiko, Kolumbien und Deutschland haben wir zunächst einen Mini-Beitrag aus dem Norden Argentinien für euch: Das Sekretariat für Menschenrechte der Provinz Chaco sichert den im Norden Argentiniens lebenden indigenen Familien mehr staatliche Unterstützung zu. Dazu gibt's Musik der Toba von Samuel Acosta aus dem Chaco. Und anschließend haben wir ein Interview mit Andrea Lammers vom Oe...
onda-info 439
48
Hallo und Willkommen zum onda-info 439! Bei frischer Wassermelone und fast 40 Grad im vierten Stock produzieren wir für Euch unsere Sommerlochausgabe vom onda-info! Dabei führt uns der Weg zunächst nach Honduras. Zu Besuch in Berlin war die honduranische Schriftstellerin Melissa Cardoza. Wir interviewten sie zu ihrem 2012 erschienenen Buch 13 colores de resistencia, 13 Farben des honduranischen Widerstandes. Außerdem hört ihr eine Kurzgeschichte aus ihrem Buch, übersetzt ...
Interamerikanische Menschenrechtskommission verurteilt Morde an Aktivist*innen
10
(Lima, 23. Juli 2018, servindi/poonal).- Allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden in Kolumbien bereits über 120 Menschenrechtsverteidiger*innen und soziale Aktivist*innen ermordet. Diese Zahl ist doppelt so hoch wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Angesichts dessen zeigte sich die Interamerikanische Menschenrechtskommission CIDH alarmiert und verurteilte die Morde. Die Fälle werden von der kolumbianischen Menschenrechtsorganisation Somos Defensores registri...
La lucha Mapuche
75
Primer programa Radio Matraca, nueva temporada 2018 La causa mapuche por la autodeterminación territorial y política, se ha convertido cada vez con mayor fuerza en un factor de politización para otros movimientos sociales y para la ciudadanía en general, tanto en Chile como en Argentina. Esta es sin duda una razón, aunque no la única ni la más persistente, que explica el nivel de represión y el ataque – judicial y policial – desatado por los Estado nacionales contra las comu...