Argentinien

Santiago Maldonado: Jetzt zeigt die Militärpolizei an


Foto: Pixabay

(Montevideo, 9. Februar 2018, la diaria)-. Im Fall Santiago Maldonado wurden zwei neue rechtliche Schritte eingeleitet. Zum einen liegt eine Anzeige der Militärpolizei gegen zwei Mitglieder der Mapuche-Gemeinde aus der argentinischen Provinz Chubut vor, die bis kurz vor Santiagos Tod mit ihm zusammen waren; zum anderen gegen einen Freund von Santiago, der auch im Gerichtsverfahren ausgesagt hat.

Nach Informationen der Tageszeitung Página 12, fordert die Militärpolizei zu untersuchen, ob die angezeigten Personen sich der Straftaten der rechtswidrigen Vereinigung und der Falschaussage schuldig gemacht haben. Vorgeworfen wird ihnen, mit der Verbreitung einer Version über das, was Santiago zugestoßen ist, das Ziel verfolgt zu haben, die betreffende Polizeieinheit in einem schlechten Licht erscheinen zu lassen. Der Vorwurf der rechtswidrigen Vereinigung richtet sich außerdem an nicht näher benannte Anwält*innen und Medien.

Klarer Einschüchterungsversuch

„Die Anzeige ist ein klarer Einschüchterungsversuch“, sagte die Anwältin der Familie Maldonado, Verónica Heredia. „Sie wollen verhindern, dass die Leute, die noch nicht ausgesagt haben, aussagen. (…) Diese Anschuldigungen zeigen, dass die Ermittlungen durch die Regierung selbst boykottiert werden“, fügt sie, in Hinblick auf den noch nicht abgeschlossenen Fall über den Tod von Santiago, hinzu. Die Untersuchungen über die Umstände in denen er, während der Repression gegen einen Protest, im Fluss ertrunken ist, laufen noch. Die Anwälte Fernando Cabaleiro und Carlos González Quintana von der Organisation Natur der Rechte (Naturaleza de Derechos) stimmen mit der Anwältin Heredia überein und wendeten sich ein zweites Mal an die Interamerikanische Kommission für Menschenrechte.

Sie geben an, dass „die Strafanzeige des argentinischen Staates durch eine ihrer Kräfte -der Militärpolizei- gegen die noch wegen des Todes von Santiago ermittelt wird, klare Verfolgungs- und Kriminalisierungsabsichten“ gegenüber denjenigen aufweist, die sie anzeigen.

CC BY-SA 4.0 Santiago Maldonado: Jetzt zeigt die Militärpolizei an von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

2017: Ein Jahr voller Repression und Unterdrückung Von Darío Aranda, Resumen Latinoamericano (Mexiko-Stadt, 3. Januar 2018, desinformémonos).- Die Ermordungen von Santiago Maldonado und Rafael Nahuel waren die hervorstechendsten Ereignisse einer ganzen Serie von Gewalttaten gegen die indigenen Gemeinden. Die wichtigsten Fakten im Überblick: Im vergangenen Jahr wurden zahlreiche Versuche unternommen, indigene Gemeinden zu vertreiben. Damit einher gingen Repression, Kriminalisierung, Verhaftungen und Mord. Die Angriff...
Familie von Santiago Maldonado fordert Gerechtigkeit (Mexiko-Stadt, 5. November 2017, desinformémonos).- „Wir werden weiter für Dich Gerechtigkeit fordern. Gerechtigkeit für Santiago.“ So äußerte sich der Bruder des in Argentinien verschwundenen und ermordeten Aktivisten, Sergio Maldonado, auf einer Großdemonstration am 1. November 2017. An der Demonstration, die von Menschenrechtsorganisationen und der Familie von Santiago organisiert wurde, nahmen mehr als 120.000 Menschen teil. Die Demonstrant*innen forderten eine Bestrafung...
Mapuche vs. Benetton: Indigene kämpfen um ihr Land Von Steffi Wassermann und Jessica Zeller (Berlin, 03. Dezember 2017, npl). – Im Süden Argentiniens kämpfen die indigenen Mapuche seit vielen Jahren um ihr Land. Große Gebiete, auf denen sie bereits seit Jahrhunderten ansässig sind, befinden sich heute im Privatbesitz transnationaler Konzerne, wie dem Modeunternehmen Benetton. Am 1. August kam bei einer Protestkundgebung auf einem Teil der Benetton-Fläche der Aktivist Santiago Maldonado – ein junger Mann aus Buenos Aire...
Verteidiger indigener Rechte in Oaxaca ermordet (Mexiko-Stadt, 18. Juli 2018, desinformémonos).- Der Verteidiger indigener Rechte, Abraham Hernández González, wurde am Dienstag, 17. Juli 2018, ermordet. Man fand seine Leiche am selben Tag in der Gemeinde Cuatunalco im südmexikanischen Bundesstaat Oaxaca, nachdem er am Morgen von unbekannten Personen entführt worden war. Hernández war Regionalkoordinator des Komitees zur Verteidigung der indigenen Rechte Codedi (Comité por la Defensa de los Derechos Indígenas) in der Gem...
Interview: Jung sein in Nicaragua (Fortaleza, 30. Juni 2018, adital).- Das folgende Interview mit einer jungen Frau aus Nicaragua kommt von dem Jugendbüro des Jesuitenordens Zentralamerika. Aus Sicherheitsgründen wird ihr Name nicht genannt. Das Interview führte Andrea Serrano Bran. Wie würdest du das Umfeld beschreiben in dem du dich gerade befindest? Es ist eine große Spannung zu spüren, sehr viel Unsicherheit und Angst. Auf den Straßen wird Terror gesät, was die Unregierbarkeit nur noch verschärft. M...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.