Peru

Regierung will gegen informellen Bergbau vorgehen


(Lima, 20. Mai 2009, noticias aliadas-poonal).- Sie sind die unsichtbaren Arbeiterinnen der Bergbauindustrie: laut Angaben der peruanischen Gewerkschaft für Minenarbeiter FPMA (Federación Peruana de Mineros Artesanales), gibt es in Peru rund 300.000 Personen, die sich ihren Lebensunterhalt als selbstorganisierte, sogenannte kleine Minenarbeiter verdienen. Etliche von ihnen arbeiten informell, haben keine soziale Absicherung, bezahlen keine Steuern und besitzen auch keine Genehmigung der Regierung, Bergbau zu betreiben. Sie nimmt die peruanische Regierung nun ins Visier.

In Peru kurbeln Bergbau und die Exporte von wertvollen Mineralien die Wirtschaft an. Präsident Alan García will noch mehr transnationale Bergbauunternehmen ins Land holen, um die Produktion zu erhöhen und mehr Gewinn einzufahren. Denn die Steuereinnahmen aus dem Bergbau sind aufgrund des Preisverfalls für Mineralien und Edelmetalle in jüngster Zeit zurückgegangen. Nun will man alle informellen Bergarbeiter auffinden, gegebenenfalls registrieren und der informellen Bergbauwirtschaft ein Ende setzen. Ein entsprechendes Dekret ist bereits erlassen worden. Nach Angaben des Ministeriums für Energie und Bergbau gehören von den 10.687 ausgegebenen Bergbau-Zertifikaten 4.513 kleinen Minenarbeitern bzw. Ein-Mann-Bergbauunternehmen.

Gegen das Dekret und die Absichten der Regierung haben Mitglieder der FPMA am 12. Mai 72 Stunden lang gestreikt. Sie befürchten, dass ein Großteil von ihnen keine Erlaubnis des Staates erhalten wird, weiter auf eigene Faust Metall abzubauen. Teódulo Medina, Präsident der Gewerkschaft, brachte die Sorge der Minenarbeiter zum Ausdruck, ihre Arbeitsplätze könnten zerstört werden. Im Gegenzug würden große Bergbaukonzerne leichteren Zugang zu mineralreichen Gebieten erhalten. Mittlerweile ist die Gewerkschaft mit Vertreter*innen des Ministeriums für Energie und Bergbau in Verhandlungen getreten, die einen Monat dauern sollen.

Nach Meinung der peruanischen Regierung soll der informelle Bergbau mehr Umweltverschmutzungen verursachen als die formale Bergbauwirtschaft, die ein Umweltverträglichkeitszertifikat haben muss, um operieren zu dürfen. „Informeller Bergbau? Ich nenne es illegalen Bergbau“, so Umweltminister Antonio Brack auf einer Pressekonferenz. Gegen diese Behauptung sprechen allerdings zahlreiche Klagen von Anwohner*innen und Umweltschützer*innen, die auch bei offiziell genehmigten Bergbauprojekten immer wieder massive Umweltverschmutzungen bemängeln. Nicht umsonst zählt die peruanische Anden-Stadt La Oroya zu den am meisten verschmutzten Städten auf der Welt. Dort betreibt eine Tochterfirma des US-amerikanischen Bergbauunternehmens Doe Run Schmelzhütten, in denen aus erzhaltigem Gestein Kupfer, Zink und Blei gelöst werden. Täglich werden dort mehr als 500 Tonnen Schwefeloxid in die Luft geblasen, dazu gelangt schwermetallhaltiger Feinstaub in die Umwelt. Die Bewohner*innen der Stadt haben Bleikonzentrationen in ihrem Blut, die um ein Vielfaches über den Maximalwerten liegen, die die Weltgesundheitsorganisation ausgibt.

Als größtes informelles Bergbaugebiet gilt in Peru der Goldabbau unter offenem Himmel und in Flüssen im Amazonas-Departement Madre de Dios. Dort setzen die Arbeiter*innen unreglementiert Quecksilber ein, um Gold auszuwaschen. Das sorgt in den Flüssen und Wäldern der Region für große Umweltschäden. Für nur 16 von insgesamt 2.800 Abbauprojekte gebe es ein Umweltzertifikat und damit die offizielle Erlaubnis, Gold abzubauen, so Ronny Pastor Velásquez, Regionaldirekter des Ministeriums für Energie und Bergbau.

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