Panama

Regierung und Unternehmen rechtfertigen Vertreibung


von Equipo Otramérica

Barro Blanco: Mahnwache zum Schutz vor möglichem Polizeiangriff. Foto: Otramerica(Panamá, 18. März 2014, Otramérica).- Die indigenen Völker der Ngäbe und Buglé leisten seit Wochen in der Region des Tabasará-Flusses Widerstand, wo das Unternehmen GENISA die Arbeiten an dem umstrittenen Staudammprojekt Barro Blanco wieder aufnehmen will. Sowohl der Präsident Panamas, Ricardo Martinelli, als auch das Unternehmen selbst tragen zu der angespannten Lage bei: Die Polizei hat das Gebiet bereits umstellt.

Die Bewegung ‘10. April’ hat die panamaische und internationale Gemeinschaft vor dem Risiko eines bevorstehenden Polizeieinsatzes in den Lagern der Ngäbe und Buglé gewarnt. Diese leisten seit Anfang Februar mit Protestlagern Widerstand, um die Wiederaufnahme der Arbeiten an dem Wasserkraftwerksprojekt Barro Blanco zu verhindern, die den Fluß Tabasará und dessen Umland unwiederbringlich schädigen würden.

Präsident heizt Stimmung an

Grund der Warnung ist das starke Polizeiaufgebot in der Gemeinde Tolé ebenso wie in dem Bereich des Bauvorhabens. Außerdem hat das Trägerunternehmen GENISA kürzlich die Stimmung noch angeheizt, in dem es in einer Mitteilung behauptet hat, dass „es die Absicht dieser Personen (gemeint sind die Indigenen) sei, mit Gewalt die Einrichtungen des Projektes einzunehmen und sogar die Maschinen – Eigentum des Unternehmens GENISA und seiner Subunternehmer – durch Vandalismus und Sabotage zu beschädigen“. Wenige Stunden danach verlieh der Präsident Panamas, Ricardo Martinelli, diesen zweifelhaften Informationen politische Bedeutung, indem er auf seinem Twitter-Account versicherte, dass „Oppositionsgruppen drohen, das Projekt Barro Blanco einzunehmen, um Panik zu schüren und die öffentliche Ordnung zu stören“.

Dieser Angriff aus rückhaltlosen Behauptungen und Anschuldigungen scheint das Argument zu sein, mit dem man einen gewaltsamen Polizeieinsatz rechtfertigen will. Der Polizei wurde bereits bei der Niederschlagung von vorherigen Protesten der Ngäbe vorgeworfen, Menschenrechte verletzt zu haben. Aus den Lagern hört man, dass aktuell etwa 250 Menschen, darunter auch Minderjährige, von einer Vertreibung betroffen wären.

Ricardo Miranda, Vorsitzender der Bewegung ‘10. April’, spricht mit Otramérica, während er sich in dem Gebiet des Widerstandes befindet. Er erzählt uns, dass „Martinelli mit Lügen und List versucht, unsere Menschenrechte zu verletzen, so wie bereits in den letzten drei Jahren. Das Volk Ngäbe Buglé wird nicht zurückweichen und hält sich streng an die Gesetze, die die territoriale Abgrenzung des Gebietes Ngäbe Buglé bestimmen. In dieser Region sind private Aneignungen und Eigentumsübertragungen – gleich aus welchem Grund – verboten. Barro Blanco muss abgesagt werden. Dies ist der freie Wille unseres Volkes und wir lehnen die Gewalt ab, mit der die Regierung Martinelli gegen das indigene Volk der Ngäbe Buglé vorgehen will“.

Angespanntes Klima

Die Protestlager rüsteten sich angesichts der von der Regierung Panamas an die Gesellschaft GENISA erteilten Erlaubnis, jene Arbeiten wieder aufzunehmen, die seit Jahren Streit, Proteste und Spannungen hervorrufen. Seit dieser Zeit spielte die Regierung eine unklare Rolle und die Polizei hat versucht, die Anführer der Ngäbe einzuschüchtern – wie zum Beispiel Ricardo Miranda und all jene Personen, die versuchten, Zugang zu dem Gebiet am Fluss Tabasará zu bekommen.

Währenddessen haben die Medien Panamas dem Konflikt nur minimale Aufmerksamkeit gewidmet. Und dies trotz der Solidaritätsbewegung, die Protestlager in der Hauptstadt des Landes eingerichtet und ein Bündnis der sozialen und gewerkschaftlichen Bewegungen (Alianza Estratégica por el Derecho a la Vida, la Salud y los Recursos Naturales) geschaffen hat .

CC BY-SA 4.0 Regierung und Unternehmen rechtfertigen Vertreibung von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Kriminelle Umweltzerstörung im Nordwesten Mexikos Von Victor M. Quintana(Mexiko-Stadt, 6. Mai 2016, la jornada).- Nicht jeden Tag genießt man ein solches Vorrecht. Die pastoralen Mitarbeiter*innen der Diözese der Sierra Tarahumara, einer Gebirgsregion im Nordwesten Mexikos, luden mich zu ihrer Versammlung zum Thema Seelsorgeplan der Diözese ein. Die Dynamik dieser großen Gruppe, die sich aus Laien, Nonnen, Mönchen und Priestern zusammensetzt, erregte meine Aufmerksamkeit. Anfang des Jahres hatten sie einen Seelsor...
Internationale Untersuchung des Mordes an Berta Cáceres gefordert Von Ute Löhning (Berlin, 14. März 2016, npl).- Bewaffnete Killer erschossen die international geschätzte Menschenrechtsverteidigerin Berta Cáceres am 2. März in ihrem Haus. Der Mexikaner Gustavo Castro und weitere Aktivist*innen in Honduras sind bedroht. Die Feministin und Umweltaktivistin hatte den Widerstand gegen das Staudammprojekt Agua Zarca auf dem Gebiet der indigenen Lenca organisiert. Forderungen nach Aufklärung durch eine internationale Untersuchungskommission...
Kohleabbau hinterlässt Geisterstädte von Antje Vieth(Berlin, 27. Oktober 2015, npl).- Deutschland im Sommer 2015. Tausende fordern in einer großen Protestaktion den sofortigen Braunkohleausstieg, 1500 Menschen besetzen für mehrere Stunden die Braunkohlegrube im rheinländischen Garzweiler. In der Lausitz, im Nordosten der Republik, protestieren seit Jahren die Anwohner*innen gegen die Vertreibung aus ihren Dörfern. Aber auch fast zehntausend Kilometer davon entfernt, in Kolumbien setzen sich Gewerkschaften un...
Schmutziger Krieg gegen die Maisvölker von Silvia Ribeiro (Mexico-Stadt, 22. August 2015, la jornada).- Am 19. August 2015 hob der Richter Francisco Peñaloza Heras vom 12. Distriktgericht in Zivilsachen die Vorsorgemaßnahme auf, aufgrund derer seit zwei Jahren die Aussaat von Genmais in Mexiko suspendiert ist. Die Maßnahme war die Antwort auf eine Kollektivklage wegen der Schäden von Genmais für die Biodiversität und die Gesundheit. Die Aussetzung bleibt gültig, weil die Vereinigung Colectivas AC unverzüglich Ber...
„Uribe ist Teil einer rechten Gegenoffensive der USA“ von José Manuel Martín Medem (Madrid, 21. Februar 2015, otramérica).- Die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia) könnten in den Verhandlungen mit der Regierung von Juan Manuel Santos eine Einigung erzielen, wenn garantiert wird, dass der Paramilitarismus beendet wird und die Aufständischen nicht wie eine besiegte Armee behandelt werden. Das zumindest erklärte der kolumbianische Senator für den Polo Democrático, Iván Cepeda*....

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *