Kolumbien
Fokus: Erinnerung und Gerechtigkeit / Memoria y Justicia

Regierung muss Opfer der „falsos positivos“ entschädigen


Jugendliche falsos positivos

Falsos positivos: José Antonio Jacanamejoy und der erst 14-jährige Deivi López Ortega wurden im Mai 2014 in der Provinz Nariño vom Militär erschossen. Foto: Verdadabierta.com

(Caracas, 14. Februar 2017, telesur).- Am 14. Februar gab das kolumbianische Verfassungsgericht bekannt, dass die Regierung sich nicht ihrer Verantwortung gegenüber den außergerichtlichen Hinrichtungen, den sogenannten „falsos positivos“ entziehen kann. Das Gericht wies darauf hin, dass die „falsos positivos“ einen Verstoß gegen völkerrechtliche Verträge darstellen. Die Regierung sei den Angehörigen der Opfer verpflichtet, einen wirksamen Rechtsbehelf zu garantieren, um die verursachten moralischen und materiellen Schäden wiedergutzumachen.

Laut dem Verfassungsgericht wurden im Fall der „falsos positivos“ Morde an Zivilist*innen verübt, die nicht in dem bewaffneten innerkolumbianischen Konflikt involviert waren. Das Militär hätte sie beschützen müssen. Mit den „falsos positivos“ seien Angriffe der Guerilla vorgetäuscht worden, die Einsätze des Militärs im Kampf gegen bewaffnete Gruppen rechtfertigen sollten. „Die Opfer sind Zivilist*innen, die der ländlichen Bevölkerung angehören. Sie wurden als Aufständische ausgegeben, obwohl bekannt war, dass sie es nicht sind.“

Das Gericht fällte diese Entscheidung bei der Überprüfung eines Hilfegesuchs, das Verwandte eines Opfers der außergerichtlichen Hinrichtungen vorgelegt haben. Ihrer Forderung nach Entschädigung wurde nicht stattgegeben, weil sie diese nicht in den vorgegebenen Fristen eingereicht hatten.

Die Verfügung plädiert für Gleichheit, Würde und Respekt im Umgang mit den Personen, die Gerechtigkeit für ihre Verwandten fordern. „Sie sind Opfer des kolumbianischen bewaffneten Konfliktes und müssen deshalb als solche behandelt werden. Das bedeutet, dass internationale und nationale Vereinbarungen zu diesem Thema auf sie angewendet werden müssen.“

CC BY-SA 4.0 Regierung muss Opfer der „falsos positivos“ entschädigen von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das könnte dich auch interessieren

Verantwortung von Militärs für Morde in Kolumbien belegt
18
von Ani Dießelmann (09. August 2015, amerika21.de).- Die kolumbianische Zeitschrift “Semana” hat unlängst den Mitschnitt eines Telefongesprächs zwischen zwei Soldaten der kolumbianischen Armee veröffentlicht, mit denen die Verantwortung von ranghohen Militärangehörigen für die als “falsos positivos” bekannten extralegalen Hinrichtungen belegt werden kann. Die Soldaten sind in unterschiedlichen Gefängnissen inhaftiert und planen in dem Gespräch, das im Juni aufgezeichnet wurd...
La garra Charrúa
118
"La garra Charrúa" es el siguiente programa de Radio Matraca. Fuimos a buscar pistas indígenas al interior profundo del Uruguay. En el Arroyo Salsipuedes grande, el 11 de abril de 1831 se desató la Masacre homónima contra el pueblo autóctono de ese país, los Charrúas. Buscando promover sociedades mas pacíficas e inclusivas para el desarrollo sostenible, deseando facilitar el acceso a la justicia para todas las personas, es que nos animamos a meternos con este mito tan uruguay...
Francisco Toledo ist tot
40
(Berlin, 10. September 2019, npl).- Am 5. September verstarb im südmexikanischen Oaxaca der Maler, Bildhauer und Menschenrechtsaktivist Francisco Toledo im Alter von 79 Jahren. Toledo war nicht nur einer der wichtigsten zeitgenössischen Künstler Mexikos, sondern auch ein großer Förderer der Kunst und Verteidiger der kulturellen Vielfalt im indigen geprägten Bundesstaat Oaxaca. Darüber hinaus setzte er sich Zeit seines Lebens für die Rechte der indigenen Bevölkerung ein, unter...
Stimmen zu #unteilbar und zur Wahl in Sachsen und Brandenburg
36
In Sachsen und Brandenburg hat etwa ein Viertel aller Wähler*innen für eine rechtsradikale Partei gestimmt. Ein Woche zuvor, am 24. August, haben Zehntausende in Dresden unter dem Label "Unteilbar - Solidarität statt Ausgrenzung" für eine freie und offene Gesellschaft demonstriert. Wir haben uns vor und am Rand der Demo umgehört.
Suche nach den Verschwundenen in Mexiko: zwischen gutem Willen und konkreten Aktionen
64
(Mexiko-Stadt, 2. September 2019, npl).- Zum Internationalen Tag der Opfer des Verschwindenlassens am 30. August hat Mexiko die Zuständigkeit des Ausschusses der Vereinten Nationen gegen das Verschwindenlassen (CED) akzeptiert, individuelle Fälle aus Mexiko zu registrieren und zu untersuchen. Die Ankündigung machte Präsident Andrés Manuel López Obrador persönlich. Seit Amtsantritt der neuen Regierung am 1. Dezember 2018 hatten Menschenrechtsorganisationen und die Organisation...