Chile
Fokus: Menschenrechte 2015

„Wir brauchen mehr Terroristen wie Felipe Durán“


von Desinformemonos

Widerstand in Temucuicui 2011. Foto: Desinformemonos/Felipe Duran(Berlin, 30. September 2015, Desinformemonos/Agencia de Noticias/poonal).- Der Fotograf Felipe Durán, der seit Langem mit seiner Kamera das „Wallmapu“ genannte Land der Mapuche im Süden des amerikanischen Kontinents porträtiert hat, ist am 27. September inhaftiert worden. Gemeinsam mit dem Aktivisten Cristián Levinao wird ihm der Besitz von Waffen und Sprengstoff vorgeworfen.

Seine einzige Waffe jedoch, davon ist man in Wallmapu überzeugt, ist seine Fotokamera, mit der er seit Jahren die Prozesse im Gebiet der Mapuche und den Konflikt dokumentiert hat, der in der chilenischen Provinz La Araucanía seit vielen Jahren stattfindet. Demonstrationen, Wiederaneignungen von Land, Repression, Organisierung und Zeremonien sind durch seinen Blick für immer festgehalten worden.

Fotograf für Mapuexpress

Felipe ist vor einigen Jahren als Mitarbeiter der Agentur UPI nach Temuco gekommen. Mit seinem großen Talent hat er diverse Prozesse der Chilen*innen und des Mapuche-Volkes begleitet. Genau diese Arbeit soll zum Schweigen gebracht werden, meint das Medium Mapuexpress, für das Felipe publiziert:

„Die einzige Waffe, die Felipe Durán jahrelang zielsicher und furchtlos benutzt hat, was seine Kamera. Diese kampferprobte Canon hat ganz Wallmapu gesehen, sie wurde gegerbt vom Mate und von der Hitze des Feuers des Gemeinschaftslebens; sie lag in den unzähligen kleinen Händen der Kinder, die mit ihr neugierig spielten wenn „Felipón“ kam. Sie hat die Farbe vom Rauch des Herdfeuers; und von all dem Winter, all dem Kampf und all dem Leben ist sie ganz rau geworden. Die Kamera ist seine einzige, seine tödlichste Waffe, denn sie hat uns praktisch von Innen die ständige und übertriebene Repression gezeigt; die brutale Gewalt, die Schotkugeln in den Körpern, das Blut und das Weinen in den Gesichtern der Kinder, der Mütter, der Witwen; die Prozesse, den Knast, die Landaneignungen, die Arbeit, die Saat und die Ernte, das tägliche Leben und Sterben auf dem Land der Mapuche.“

Freunde sehen Durán als Opfer der Repression

Für die freiheitliche Unabhängigkeitsbewegung der Mapuche gelten sowohl Durán als auch Cristián Levinao als Opfer eines repressiven chilenischen Staates; dieser, so sieht es ein Mapuche-Sprecher, sei wieder zur Doktrin der Inneren Sicherheit zurück gekehrt, um die Forderung nach individuellen und kollektiven Rechte der Mapuche zu unterdrücken.

Auch seine Kollegen von der Vereinigung Unabhängiger Fotografen in Santiago de Chile meldeten sich zu Wort: „Sie haben Recht, Felipe war immer bewaffnet. In seinem alten Rucksack hatte er die furchtbarste Waffe dabei: Sie konnte den Staat bloßstellen, der Tag für Tag die Söhne der Erde missbraucht. Deswegen brauchen wir heute, mehr denn je, Terroristen wie Dich.“

Einige Bilder von Felipe Durán im Süden Chiles seht ihr hier.

 

Dieser Artikel ist Teil unseres diesjährigen Themenschwerpunkts:

banner fokus mr 2015 400px

CC BY-SA 4.0 „Wir brauchen mehr Terroristen wie Felipe Durán“ von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Fall Maldonado: Umstrittener Ermittlungsrichter suspendiert Der umstrittene Richter Guido Otranto muss sich nun nicht mehr um den Fall Maldonado kümmern. Foto: Desinfirmémonos/Prensa Comunitaria (Buenos Aires, 22. September 2017, desinformémonos/anred).- Das Berufungsgericht der südargentinischen Hafenstadt Comodoro Rivadavia hat entschieden, den umstrittenen Richter Guido Otranto von der Untersuchung zum Verschwinden des Aktivisten Santiago Maldonado zu entbinden. Das Gericht ist damit einer entsprechenden Protestnote der Angehör...
Argentinischer Aktivist bleibt verschwunden Von Jessica Zeller und Darius Ossami Wo ist Santiago Maldonado? Am 1. September, einen Monat nach Verschwinden des Aktivisten, protestieren Argentinier*innen auf der ganzen Welt. Hier auf dem Berliner Wittenbergplatz in Berlin, unweit der argentinischen Botschaft. Foto: Jessica Zeller (Berlin, 7. September 2017, npl).- In Argentinien herrscht weiterhin Unklarheit über den Verbleib von Santiago Maldonado. Am 1. August war der linke Aktivist bei Protesten der indigenen M...
onda-info 416 Während wir uns mit der Frage beschäftigen, ob der Herbst nun golden oder nasskalt wird, haben andere Menschen richtige Probleme: In Mexiko bebte die Erde, fast hundert Menschen sind dabei um Leben gekommen. In Argentinien hält die Ungewissheit über den Verbleib des Aktivisten Santiago Maldonado an. Am 1. August wurde er bei Protesten der indigenen Mapuche im Süden des Landes von der Gendamerie verhaftet und in einen Mannschaftswagen verfrachtet. Seitdem fehlt von dem jungen ...
Wo ist Santiago Maldonado? Wo ist Santiago Maldonado? Am 1. September, einen Monat nach Verschwinden des Aktivisten, protestieren Argentinier auf der ganzen Welt. Hier auf dem Wittenbergplatz in Berlin, unweit der argentinischen Botschaft. Foto: Jessica Zeller In Argentinien herrscht weiterhin Unklarheit über den Verbleib des Aktivisten Santiago Maldonado. Am 1. August war der junge Mann bei Protesten der indigenen Mapuche im Süden des Landes von der Gendamerie verhaftet und in einen Mannschaftswag...
Todesstrafe als Schutz vor „Terrorakten“ ? Zuviel Gewalt im Land, da soll die Todesstrafe abschrecken? / Foto: hueso2009, cc by-nc-sa 2.0 (Lima, 28. August 2017, noticias aliadas).- Guatemalas Regierung ließ am vergangenen 23. August verlauten, derzeit werde geprüft, ob die Todesstrafe wieder ausgeführt werde. Diese ist seit dem Jahr 2000, als zwei zum Tode verurteilte Geiselnehmer durch eine Injektion getötet wurden, sie nicht mehr ausgeführt worden. Die Verfassung lässt die Anwendung der Todesstrafe jedoch zu. ...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.