Lateinamerika

„Entwicklungsarbeit im Dienste des Menschen“


(Lima, 21. Dezember 2015, noticias aliadas).- Mit der Überschrift „Entwicklungsarbeit im Dienste des Menschen” legt der am 14. Dezember vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) veröffentlichte Bericht für humane Entwicklung 2015 dar, dass in Lateinamerika und der Karibik „die Notwendigkeit besteht, sich mehr auf den Bereich Arbeit zu konzentrieren und die Fähigkeiten von Männern und Frauen gleichermaßen zu nutzen, um die immer stärkere Ausprägung von Ungleichheiten zu beenden.“ Außerdem spricht sich der Bericht für Nachhaltigkeit, Gleichbehandlung und eine menschenwürdige Beschäftigung für alle aus.

Frauen sind stark benachteiligt

Ein wesentlicher Aspekt des Berichts ist die eklatante geschlechtsbedingte Ungleichheit im Bereich der Erwerbsarbeit in der Region. „Es wird deutlich, dass Frauen, die in Lateinamerika und der Karibik einer Erwerbstätigkeit außerhalb des Hauses nachgehen, einer dreifachen Belastung ausgesetzt sind: Sie müssen sich um die Kinder kümmern und immer häufiger auch um ältere Familienmitglieder, deren Versorgung einen weiteren Teil der unbezahlten Arbeit ausmacht“, erklärte Jessica Faieta, UNDP-Leiterin für Lateinamerika und die Karibik. „Um die neuen Ziele der nachhaltigen Entwicklung zu erreichen, muss die Region das Problem der Pflegelast bewältigen, damit in Zukunft niemand auf der Strecke bleibt.“

Dem Bericht zufolge verdienen Frauen in Lateinamerika für dieselbe Arbeit 19 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen, in Führungsposten sind sie quasi nicht vertreten. Nach Angaben der Interamerikanischen Entwicklungsbank (BID) verdienen Frauen in Führungspositionen durchschnittlich halb so viel wie Männer. Angehörige einer Indígena-Ethnie verdienen etwa 38 Prozent weniger als andere Arbeitnehmer*innen.

Gesellschaftsvertrag und menschenwürdige Arbeit gefordert

Das UNDP empfiehlt drei Maßnahmenpakete zur Schaffung von Erwerbssmöglichkeiten und zur Festigung des Wohlergehens der arbeitenden Bevölkerung. Diese umfassen die Einführung eines neuen Gesellschaftsvertrags zwischen Regierung, Gesellschaft und Privatsektor, der alle Mitglieder der Gesellschaft berücksichtigen soll, insbesondere die Personen, die im informellen Sektor tätig sind; ein weltumspannendes Abkommen der Regierungen, das die Rechte und das Wohlergehen aller Werktätigen auf der ganzen Welt garantieren soll; sowie ein Programm für menschenwürdige Arbeit, das die Gewerkschaftsfreiheit fördern und die Gleichheit, Sicherheit und Menschenwürde im Bereich der Erwerbsarbeit sichern soll. „Es kann für die menschliche Entwicklung insgesamt nur von Vorteil sein, wenn alle, die arbeiten wollen, dies auch tun können, und zwar zu menschenwürdigen Bedingungen“, erklärte der Hauptautor des Berichts, Selim Jahan.

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