Mexiko

Proteste gegen Kündigung einer lesbischen Arbeitnehmerin


von Angélica Jocelyn Soto Espinosa

Foto: cesar martinez lopez, cimac (Mexiko-Stadt, 20. Juni 2014, cimac).- Am 25. Juni 2014 werden Feministinnen vor dem Krankenhaus ‚Centro Médico Puerta de Hierro‘ der Stadt Zapopan im Bundesstaat Jalisco, Mexiko, zusammenkommen, um gegen die vor fast einem halben Jahr ausgesprochene Kündigung der Rezeptionistin Yuri Delgado zu protestieren. Kündigungsgrund war die Tatsache, dass sie lesbisch ist. Bis heute sind diejenigen, die diese Diskriminierung veranlasst haben, nicht zur Rechenschaft gezogen worden.

22.000 Unterschriften unter Protestbrief

Zivile Organisationen wie das Komitee für die Verteidigung der Frauenrechte in Lateinamerika und der Karibik Cladem (Comité de América Latina y el Caribe para la Defensa de los Derechos de las Mujeres) und das Netzwerk für sexuelle und reproduktive Rechte der Frau Ddeser (Red por los Derechos Sexuales y Reproductivos en México) gaben im Vorfeld bekannt, dass sie am 25. Juni 2014 um 10.00 Uhr morgens vor dem Krankenhaus protestieren und einen Brief mit den Forderungen Yuris übergeben würden – versehen mit mehr als 22.000 Unterschriften.

Die Anwältin des Komitees Cladem, Guadalupe Ramos, die Delgado bei ihrer Arbeitsschutzklage und im Kampf gegen die von ihr durchlebte Diskriminierung begleitet, sagte während eines Telefoninterviews, die Unterstützung durch die Öffentlichkeit im Falle Yuri sei ein Beweis dafür, dass immer mehr Menschen Gerechtigkeit hinsichtlich der gegen Lesben herrschenden Feindseligkeit einfordern.

Ramos erinnerte daran, dass die Regierung des Bundesstaates Jalisco den Artikel 258 des Zivilgesetzbuches nicht außer Kraft gesetzt hat. Dieser Artikel lege fest, dass eine Ehe nur von Mann und Frau geschlossen werden dürfe, was ebenfalls „eine Form der Diskriminierung“ sei.

Sexuelle Neigung werfe „schlechtes Licht“ auf die Institution

Es ginge darum, so Ramos, dass hunderte lesbischer Frauen in Jalisco die Anerkennung ihrer bürgerlichen Rechte forderten – etwa die Heirat von gleichgeschlechtlichen Personen sowie die Adoption – und dafür auch auf die Straße gingen.

Am 30. Januar 2014 wurde Yuri Alejandra Delgado Luévanos aus dem Dienst des Krankenhauses ‚Hospital Centro Puerta de Hierro‘ von Zapopan entlassen, da die Direktorin Adalid Rivas Guerrero und der Verantwortliche der Personalabteilung, Marco Antonio Marco Antonio, der Meinung waren, dass ihre sexuelle Neigung „ein schlechtes Licht‘ auf die Institution werfe.

Am Tage der Entlassung legte Yuri Beschwerde vor dem Nationalen Rat zur Vermeidung von Diskriminierung Conapred (Consejo Nacional para Prevenir la Discriminación) ein und klagte vor der Schiedsstelle JLCyA (Junta Local de Conciliación y Arbitraje ) wegen ungerechtfertigter Kündigung (Akte Nummer 88/2014).

Krankenhaus erfüllte Auflagen der Behörden nicht

Beide Behörden urteilten zugunsten von Yuri. Um zu einer Einigung zu kommen und als eine Art Entschädigung wurde des Hospital aufgefordert, eine Kampagne gegen Diskriminierung zu starten, Führungskräfte zu schulen sowie zu sensibilisieren und sich öffentlich zu entschuldigen.

Vor zwei Monaten ist die dem Krankenhaus gesetzte Frist für die Erfüllung der Auflagen abgelaufen, ohne dass eine der Auflagen erfüllt worden wäre. Daher suchte Yuri die Behörden Conapred und JLCyA auf, damit diese Sanktionen gegen das Krankenhaus erließen.

Auch wurde Yuri bei der Arbeitsbehörde des Bundesstaates Jalisco vorstellig, damit ihr Fall wieder aufgenommen würde. Die Behörden lehnten dies jedoch ab.

CC BY-SA 4.0 Proteste gegen Kündigung einer lesbischen Arbeitnehmerin von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das könnte dich auch interessieren

onda-info 466
67
Hallo und Willkommen zum onda- info 466, Frisch übersetzt haben wir für Euch das neuste Werk von ondas großem Bruder, Matraca, ihr hört einen Livestream- Mitschnitt einer Veranstaltung im Sommer in Berlin mit Besuch aus Brasilien. Thema Lesbozide, Lesbenmorde, den auch die werden in Bolsonaros Brasilien immer mehr. Außerdem waren wir für Euch in Lateinamerika unterwegs, diesmal auf der Suche nach alternativen Transportmitteln. Wir suchten eine Alternative zu den überfül...
Ob das Gesetz kommt oder nicht: Wir machen weiter
54
In der Geschichte Lateinamerikas sind solidarische Gruppen und Bewegungen immer wieder dort, wo der Staat abwesend ist. Eine dieser Gruppen ist das Netzwerk Socorristas en Red. Socorrista heißt übersetzt so viel wie Retterin. Die Socorristas haben sich vernetzt um die fehlende Möglichkeit einer legalen, sicheren und kostenlosen Abtreibung in Argentinien aufzufangen. Immer wieder wurden in Argentinien in den letzten Monaten Fälle von vergewaltigten Mädchen bekannt, die dazu ge...
Lesbocidio en el Brasil de Bolsonaro: El reto de no callar
52
En el año 2008, ILGA –Asociación Internacional de Lesbianas y Gays– presentó un informe denunciando que 86 Estados miembros de Naciones Unidas todavía criminalizaban los actos sexuales consensuados entre personas adultas del mismo sexo. El panorama actual no ha cambiado mucho contabilizando, con la reciente incorporación de Brunei, a 8 países en total en los que se contempla la pena de muerte para castigar las relaciones homosexuales (Además del mencionado Brunei, Irán, Arabi...
Lesbocidio en el Brasil de Bolsonaro: El reto de no callar
121
El siguiente programa de Radio Matraca, es una apretada síntesis de la transmisión de Stream que realizamos el pasado 16 de junio de 2019 en Berlín. En el marco de la charla con dos activistas feministas de Brasil, representantes de CAMTRA, Casa da Mulher Trabalhadora de Rio de Janeiro. Ellas son:  Eleuteria Amora da Silva, coordinadora y fundadora de Camtra y,  Suane Felippe Soares, profesora en la Universidad de Rio de Janeiro. Compartiremos información sobre la historia...
onda-info 464
79
Hallo und Willkommen zum onda-info 464! Da die Redaktion lieber im Winter in Lateinamerika verweilt, sind wir im Sommer einfach da! Auch toll, denn so haben wir mal wieder ein knallvolles onda-info für Euch. Diesmal stellen wir Euch eins unserer neuen Formate vor: Onda-Reinhörer. Besonders gelungene Programme unserer Partneragenturen und befreundeten Radios werden übersetzt, kontextualisiert und zusammengefasst. Heute präsentieren wir den Espacio Social zum Thema Miogr...