Brasilien Europa

Protestdelegation wegen Umleitung des Flusses São Francisco in Europa


(Fortaleza, 20. Januar 2010, adital).- Eine Delegation indigener Völker aus dem Nordosten Brasiliens kommt nach Europa, um auf die Verletzung ihrer Rechte im Zusammenhang mit der Umleitung des Flusses São Francisco aufmerksam zu machen. Vom 24. Januar bis zum 6. Februar 2010 werden Delegierte nach Italien, in die Schweiz, nach Belgien und nach Frankreich reisen.

Die Indígenas beklagen, dass die Umleitung des Flusses São Francisco verheerende Auswirkungen auf die Umwelt und auf die 33 in der Region ansässigen indigenen Völker sowie zahlreiche Quilombo-Gemeinden habe, die traditionell entlang des Flussufers angesiedelt sind. Die Umleitung des Flusses sei verfassungswidrig und verstoße gleich gegen mehrere internationale Übereinkommen wie der Konvention 169 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) über indigene Völker und die UNO-Erklärung der Rechte der indigenen Völker. Die Bewohner*innen seien im Zusammenhang mit dem Vorhaben weder gefragt noch angehört worden; sie seien nicht einmal informiert worden.

Die indigene Delegation will ihren Protest vor internationalen Menschenrechtsinstitutionen vorbringen, wie der UNO, der ILO, vor den europäischen Regierungen und dem Europaparlament sowie die aktuelle Situation in der Zivilgesellschaft bekanntmachen.

Mit ihrer Reise durch Europa will die Delegation Druck auf den Obersten Gerichtshof Brasiliens ausüben, damit dieser sich zu dem gesetzeswidrigen Vorgehen verhält und prüft, ob das Projekt überhaupt mit der brasilianischen Verfassung vereinbar ist. Die Delegation fordert außerdem vom Obersten Gerichtshof, dass dieser bereits vor einem endgültigen Urteil einen sofortigen Abbruch der Baumaßnahmen verfügt.

Zu diesem Zweck sind Treffen der Delegation mit Vertreter*innen der UNO – und dabei insbesondere mit den Sonderberichterstatter*innen für Menschenrechte –, der ILO und des Europaparlaments sowie mit Organisationen aus der Zivilgesellschaft und mit der europäischen Presse geplant.

(Diese Nachricht stammt vom Indígena-Missionsrat CIMI.)

CC BY-SA 4.0 Protestdelegation wegen Umleitung des Flusses São Francisco in Europa von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

„Gensoja zerstört unsere Lebensgrundlagen“ (Mexiko-Stadt, 5. April 2018, npl).- Im September 2017 sagte die mexikanische Regierung ihr Erscheinen vor dem UNO-Menschenrechtsausschuss für Wirtschaftliche, Soziale und Kulturelle Rechte (WSK-Rechte) in Genf kurzfristig mit Hinweis auf das schwere Erdbeben vom 19. September ab.  Gleichzeitig dürfte dies ein willkommener Vorwand gewesen sein, sich nicht den zahlreichen Parallelberichten von etwa 20 mexikanischen Initiativen, Gruppen und Organisationen zur Menschenrechtslage...
Hausangestellte – der unsichtbare Sektor (Mexiko-Stadt, 9. März 2018, desinformémonos).- Mexiko hat auf institutioneller und rechtlicher Ebene viele Fortschritte beim Thema Frauenrechte zu verzeichnen, aber es gibt noch viele Herausforderungen. Die Gleichstellung ist auch weiterhin ein Wunschdenken. Auf dem Weg dorthin gibt es große Hindernisse, unter anderem die Gewalt in ihren vielfältigen Ausprägungen.. „Wir sind zwar vorangekommen, aber es reicht nicht – noch nicht mal dafür, dass die Frauen ein Leben frei vo...
Kriminalisierung von Flüchtenden statt fortschrittlicher Migrationspolitik Von Andreas Behn (Rio de Janeiro, 7.Januar 2018, npl).- Vielen Flüchtenden gilt Brasilien wegen seiner Gastfreundschaft als ideales Fluchtland. Doch wer dort Asyl bekommt, ist oft mit vielerlei Vorurteilen konfrontiert. Derzeit sind es vor allem Menschen aus Venezuela, die die Grenze Richtung Brasilien überschreiten und – vorerst – bleiben wollen. Die Zahl der Asylanträge ist 2017 in die Höhe geschnellt. Und die neue, konservative Regierung setzt alles daran, künftig d...
ILO-Bericht: Lateinamerikaner*innen sind schlecht oder gar nicht sozialversichert (Lima, 12. Dezember 2017, noticias aliadas).- In Lateinamerika und der Karibik verfügt 38,6 Prozent der Bevölkerung über keinerlei Sozialversicherung. Dieser Prozentsatz entspricht 241 Millionen Menschen. Zudem zahlen 61,4 Prozent für Versicherungen, deren tatsächlicher Schutz nur sehr gering ist. Dies geht aus dem am 4. Dezember veröffentlichten Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation ILO zur Sozialversicherungssituation der Menschen weltweit hervor. Landarbeiter*...
Indigene aus dem Amazonasgebiet auf dem COP 23 (Lima, 6. November 2017, servindi).- Vom 6. bis zum 17. November werden Repräsentant*innen zweier wichtiger Indigenen-Organisationen auf der 23. UN-Weltklimakonferenz (COP 23) in Bonn vertreten sein. Vertreter*innen des Dachverbandes der Indigenen Organisationen des Amazonasgebietes COICA (Coordinadora de las Organizaciones Indígenas de la Cuenca Amazónica) und der Interethnischen Vereinigung zur Entwicklung des Peruanischen Regenwaldes AIDESEP (Asociación Interétnica de Desa...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.