Mexiko

Projekt will statistische Unsichtbarkeit von Afromexikaner*innen aufheben


von Patricia Briseño

(Mexiko-Stadt, 03. Mai 2011, cimac).- Ein Projekt der Nationalen Autononem Universität Mexikos UNAM (Universidad Nacional Autónoma de México) wird angesichts des Desinteresses des Nationalen Instituts für Statistik und Geographie INEGI (Instituto Nacional de Estadística y Geografía) erstmals eine soziodemografische Umfrage unter der afromexikanischen Bevölkerung Mexikos durchführen.

Für das Universitätsprogramm Mexiko – Multikulturelle Nation PUMC (Programa Universitario México Nación Multicultural) werden 21 Gemeinden im Bundesstaat Oaxaca und neun im Bundesstaat Guerreo aufgesucht, in denen Afromexikaner*innen leben.

Diskriminierung durch Statistikamt INEGI beklagt

Der staatliche Koordinator des Projekts Nemesio Rodríguez Mitchell erklärte, INEGI habe es immer wieder abgelehnt, Afromexikaner*innen als soziodemographische Kategorie einzuführen, so wie es früher auch bei den indigenen Völkern anlässlich der Volkszählungen der Fall gewesen sei. Die diskriminierende Haltung der Statistikbehörde impliziere, dass die Afromexikaner*innen nicht Teil der Politik seien. „Es gibt keine statistischen Erhebungen über sie, sie sind unsichtbar“, so der Projektkoordinator.

Sichtbarkeit als erster Schritt

Laut Rodríguez werde die Umfrage von der afromexikanische Bevölkerung selbst durchgeführt und auch die demografische Kategorie von den Befragten selbst festgelegt. Um so vorgehen zu können wurden vom Projekt PUMC 180 Jugendliche ausgebildet, die in ihren eigenen Herkunftsgemeinden die Umfrage mit den vorgesehenen Formularen durchführen sollen.

Es gebe keinen Grund für diese statistische Unsichtbarkeit, unterstrich Rodríguez. „Die Afromexikaner*innen müssen sichtbar werden“. Die Sichtbarkeit in Statistiken sei ein erster Schritt für die Anerkennung der afromexikanischen Bevölkerung in der Verfassung und für eine Politik, die sich nach den erhobenen Daten ausrichte, so der Wissenschaftler.

CC BY-SA 4.0 Projekt will statistische Unsichtbarkeit von Afromexikaner*innen aufheben von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Trau keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast – Disput um die Armutserfassung (Mexiko-Stadt-Berlin, 29. Juli 2016, poonal).- Zwischen dem Nationalen Beirat für die Evaluierung der Sozialpolitik (Coneval) und dem Nationalen Statistikinstitut (Inegi) ist es in Mexiko zu einem handfesten Streit über das Ausmaß der Armut im Land und deren Erfassung gekommen. Hintergrund ist eine geänderte Bewertungsmethode des Inegi, mit der die Jahreseinkommen der Haushalte registriert werden. Demnach haben die Einkommen der ärmeren Bevölkerungsschichten 2015 gegenüber de...
Unüberbrückbarer Graben zwischen Agrarexport und kleinbäuerlicher Landwirtschaft Von Gerold Schmidt(Mexiko-Stadt, 15. Mai 2016, npl).- Es war eine Meldung, die aufhorchen ließ. Ende März verkündete Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto, die Nahrungsmittelexporte des Landes hätten sich zur zweitwichtigsten Devisenquelle hinter dem Industrieexport entwickelt. Damit bringen die Agrarausfuhren Mexiko mehr US-Dollar ein als Erdölexporte, der Tourismus und die Zahlungen der Mexikaner*innen in den USA an ihre zurückgebliebenen Familien. Im Januar 2016 üb...
Mexiko und die Drogenpolitik Von Gerd Goertz(Mexiko-Stadt, 18. März 2016, npl).- Zeitweise sah es so aus, als ob Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto dem am 18. und 19. April stattfindenden UNO-Drogengipfel in New York die kalte Schulter zeigen wolle. Als ob das Thema in Mexiko nicht besonders wichtig wäre. Nach seiner Teilnahmezusage vor wenigen Tagen will er nun für eine „integrale Vision“ des Drogenproblems im Abschlussdokument eintreten. Das beinhaltet auch einen Aufruf Mexikos, ein „Gleichg...
Immer mehr verschwundene Kinder und Jugendliche Von Gert Goertz (Mexiko-Stadt, 7. April 2016,npl).- Das Netzwerk für die Rechte auf Kindheit in Mexiko (Redim) schlägt Alarm. Nach einem Bericht der Organisation hat sich in Mexiko die Zahl verschwundener junger Mädchen zwischen 15 und 17 Jahren im Zeitraum 2012 bis 2014 schlagartig erhöht. Wurden vor vier Jahren 172 Mädchen dieser Altersgruppe vermisst, waren es vor zwei Jahren 612. „Es gibt keinerlei Garantie, dass diese Personen gesucht werden“, so Juan Martín Perez Garcí...
Radio Zapote aus Mexiko-Stadt verurteilt Repression gegen Freie Medien Von Nils Brock( Rio de Janeiro, 16. März 2016, npl).- Radio Zapote, ein Freies Radio, ein Community-Radio, das seit 15 Jahren aus der Staatlichen Hochschule für Antropologie und Geschichte (ENAH) im Süden von Mexiko-Stadt sendet, verurteilt in einem Kommunique die “anhaltende Schikanierung durch die lokale Polizei” und fordert “ein Ende der Kriminalisierung seiner Räumlichkeiten”. Zugleich fordert das Radiokollektiv, die “willkürliche Entlassung” des ENAH-Mitarbeiters Art...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *