Poonal Nr. 412


Deutsche Ausgabe des wöchentlichen Pressedienstes lateinamerikanischer Agenturen Nr. 412 vom 10. Dezember 1999

Inhalt


MEXIKO

MITTELAMERIKA

PANAMA

ARGENTINIEN

CHILE

URUGUAY

KOLUMNE – Von Eduardo Galeano

PARAGUAY


MEXIKO

„Die feministische Perspektive mit der politischen für eine Veränderung des

Landes verbinden“ – Interview mit Bürgermeisterin Rosario Robles von Mexiko-

Stadt

(Mexiko-Stadt, Dezember 1999, fempress-Poonal).- Seit dem 30. September ist mit Rosario Robles eine Frau Bürgermeisterin von Mexiko-Stadt. Sie ist nicht die erste Frau, die einen Bundesstaat in Mexiko regiert (die Hauptstadt gilt als Distrikt). Davor haben bereits drei Frauen, alle Mitglieder der seit über 70 Jahren regierenden Institutionellen Revolutionären Partei (PRI), ein Gouverneursamt angetreten. Aber Rosario Robles gehört nicht der PRI, sondern der linksgerichteten Partei der Demokratischen Revolution (PRD) an. Sie war aktives Gewerkschaftsmitglied, hat in linken Bewegungen mitgearbeitet und ist als Feministin bekannt. Robles wurde allerdings nicht durch eine direkte Wahl Bürgermeisterin, sondern trat die Nachfolge von Cuauhtémoc Cárdenas an, der für die PRD als Präsidentschaftskandidat in den Wahlkampf zieht. Mit Rosario Robles sprach Cecilia Navarro.

Hat die Tatsache, dass Sie eine Frau sind, die Übergabe des Bürgermeisteramtes an Sie beschleunigt, erschwert oder erleichtert?

Es hat die Entscheidung nicht ausschlaggebend beeinflußt. Jedenfalls nicht in den Diskussionen innerhalb der Stadtregierung, des Stadtparlamentes und der PRD. Es war ein Element von vielen, aber nicht das wesentliche, das die Entscheidungsfindung in die eine oder andere Richtung gelenkt hat. Mein Lebenslauf, die Position als Innenministerin von Mexiko-Stadt, welche ich vorher bekleidete, und meine Vision von der Stadt, der Regierung und des politischen Projektes wurden höher bewertet als die Tatsache, dass ich eine Frau bin.

Obwohl Sie weder die erste Frau an der Spitze eines Bundesstaates in Mexiko sind, und noch ihr Amt durch eine direkte Wahl erreicht haben, waren die Frauen sehr glücklich über Ihren Amtsantritt. Was sind die Gründe dafür?

In erster Linie hängt es damit zusammen, dass es sich um Mexiko-Stadt handelt. Die Hauptstadt ist viel größer als jeder andere Bundesstaat im Land, der von einer Frau regiert worden ist. Ein zweiter Faktor ist, dass ich keine Frau bin, die aus der PRI kommt, im Gegensatz zu den anderen Gouverneurinnen. Ich bin ein Bestandteil der Kämpfe, die Frauen aus der Opposition heraus geführt haben, um Räume zu besetzen. Darum kommt, dass diese Bewegung heute viel weiter entwickelt ist als früher. Im Gegensatz zu anderen Gouverneurinnen gibt es in meinem Fall ein Zusammenspiel der Umstände. Die Frauen sehen ihre Forderungen durch meine Präsenz als Bürgermeisterin bestärkt. Dieser warme und sehr emotionale Empfang von ihnen, rührt daher, dass sie ihren Triumph feiern.

Wie sind Sie von den Männern empfangen worden?

Ziemlich gut. Es ist ein Gefühl von Stolz, zu spüren, dass diese Stadt sich in großen Veränderungen befindet und wir Frauen jetzt angekommen sind. Es war ein warmherziger Empfang. Aber selbstverständlich habe ich mehr Nähe zu den Frauen. Mir gefällt folgendes Beispiel: Einer meiner Freunde war auf einer kleinen Feier. Dort sagten einige Frauen: 'Mal sehen, ob die Männer in dieser Stadt weiterhin zuhause ihre Frauen verprügeln, jetzt, wo wir regieren.' Diese Frauen fühlen sich als Teil der ganzen Angelegenheit und das gibt ihnen Kraft, für andere Dinge zu kämpfen.

Sie sagen, dass Sie die Stadt für alle zurückerobern wollen. Wie wollen Sie es schaffen, dass dies auch für die Frauen gilt?

Es gibt eine Überzeugung und eine Verpflichtung für das Projekt, das diese Regierung anführt. Es wurde von Cárdenas angefangen und wir werden es vertiefen. Das Projekt geht von einer nicht assistenzialistischen Perspektive aus und stellt Gerechtigkeit und das Geschlechterverhältnis in den Vordergrund. Wir reden nicht von kleinen Räumen, sondern davon, dass die Politik mit der Perspektive des Geschlechterverhältnissen auf das Engste verknüpft ist. Die Perspektive der Frauen muss immer anwesend sein. Wir reden davon, dass nicht nur in Bereichen wie Gewalt oder Gesundheit diese Perspektive angenommen wird, sondern in allen Bereichen der Regierungspolitik.

Was sind Ihre Verpflichtungen gegenüber den Frauen?

Mir geht es um eine gerechte Gesellschaft, in der die Frauen die gleichen Bedingungen haben wie die Männer. Wir wollen nicht, dass Frauen in dieser Stadt sterben, weil die medizinische Betreuung mangelhaft ist. Wir wollen, dass die Frauen den selben Lohn wie die Männer erhalten und in der Politik und Wirtschaft wichtige Funktionen ausüben. Dort wollen wir uns wiederfinden wie wir sind als Menschen mit Würde und nicht als Objekte. Dies ist eine Sichtweise, die alle Aspekte der Gesellschaft einschließt. Meine Verpflichtung ist nach vorne zu kommen, aber man kann einen Rückstand, eine Ungleichheit von Jahrzehnten und Jahrhunderten nicht von heute auf morgen aufheben. Wir müssen die Gleichheit durch die Mitwirkung der Frauen erreichen.

Obwohl Sie von der Kontinuität des gleichen Projektes sprechen, was werden Sie anders machen?

Ich möchte, dass sich der Wunsch nach Veränderung realisiert, den die Bürger in der Wahl am 6. Juli 1997 ausgedrückt haben. Ich wünsche mir, dass sie spüren, dass die Regierung ihren Erwartungen gerecht wird. Ich bin in einem günstigen Moment an das Amt gelangt. Wir werden zu einem großen Teil ernten, was in zwei Jahren gesät wurde. Der Bau des Fundaments. Ich glaube, darin besteht der zweite Teil der Amtszeit dieser Regierung. Es ist eine wichtige Zeit, um Träume zu sichern und nicht, um Hirngespinste auszubrüten.

Einige Funktionärinnen sagen, dass sie auf den Tisch hauen müssen oder sich ständig wiederholen müssen, um sie sich durchsetzen können. Ist dies in Ihrem Fall auch so?

Unsere Gesellschaft leidet unter ihrer kulturellen Situation. Die meisten Frauen, die in Leitungsfunktionen stehen, kostet es eine zusätzliche Anstrengung, ihre Fähigkeiten und Möglichkeiten zu zeigen. Aber in meinem Fall stehe ich ganz oben in der Hierarchie der Regierung. Diese Machtposition trägt dazu bei, dass meine Stimme großes Gewicht hat, obwohl dies auch nicht immer so ist.

Andererseits stimmt es, dass wir kulturell in einem patriarchalen Politikstil verhaftet sind. Dazu gehört, dass Männer keine Aufgaben zuhause übernehmen müssen, sie eine Frau haben, die sich um die Kinder kümmert. Ihre Zeiteinteilung nimmt darauf keine Rücksicht, im Gegensatz zu unserer. Obwohl ich Hilfe für den Haushalt und die Kinder habe, bin ich verantwortlich für diese Bereiche und das ist auch sehr wichtig für mich. Wir müssen diese Zeiteinteilung in der Politik verändern. Wie? Indem wir das Leben und die Entscheidungen in der Politik mit den Männern teilen und mit ihnen auch das Privatleben teilen. Die Männer müssen in diesem Bereich auch ihre Verantwortung übernehmen.

Gibt es einen Unterschied darin Gouverneurin oder Gouverneur zu sein?

Was zählt ist das Projekt. Es ist nicht entscheidend, ob Du Frau oder Mann bist, sondern Dein politisches Projekt, Deine Vision der Stadt und des Landes zählt. Hier kann es viel mehr Übereinstimmung mit vielen Männern als mit manchen Frauen geben. Offensichtlich gibt es verschiedene Schattierungen bei der Regierung eines Mannes oder einer Frau. Aber die Unterscheidung liegt im politischen Projekt.

Wie hat die PRD darauf reagiert, dass mit Amalia García eine Frau an der Spitze der Partei steht und mit Rosario Robles eine andere die Hauptstadt regiert?

Die PRD ist eine Pionierin in diesen Kämpfen. Sie war in Mexiko die erste Partei, welche die Quote einführte und Räume für die Frauen schuf. Es gibt große Freude in der Partei über diese Situation. Die Genossen machen jetzt Witze und sagen, wir sollten die Lage nicht so ausnutzen und wenigstens 30 Prozent der Quote für die Männer lassen.

Früher haben sich die Feministinnen nicht so sehr für Politik interessiert. Das verändert sich gerade. Was ist die Ursache?

Es liegt an der Entwicklung der feministischen Bewegung und den Frauen in unserem Land. Ich war immer Politikerin, ich war immer politisch aktiv und habe dafür gekämpft, dass der Feminismus sich auf die Politik einläßt. Ich glaube nicht, dass die Gleichberechtigung eine Chance hat, wenn sich das Land nicht in einem Veränderungsprozess befindet. Du kannst nicht für Gleichberechtigung kämpfen und ein Projekt bestätigen, dass die Frauen verarmen läßt, sie marginalisiert und Gewalt aussetzt. Man muss die beiden Kämpfe miteinander verbinden. Die feministische Perspektive muss mit der politischen Perspektive einer Veränderung des Landes verbunden werden. Das ist der Kampf, den die Frauen mit ihrer Teilnahme an den politischen Prozessen führen. Ich glaube, das ist ein großer Fortschritt.

MITTELAMERIKA

Kriegsgeschrei – Grenzstreit zwischen Honduras und Nicaragua schlägt hohe Wellen

Von Ivan Castro und Gerardo Herrero

(Tegucigalpa, 8. Dezember 1999, Poonal).- Der Grenzstreit über Hoheitsgebiete auf See zwischen den mittelamerikanischen Nachbarnationen Nicaragua und Honduras hat sich noch nicht entschärft. Die beiden völlig verarmten und durch den Hurrikan Mitch immer noch teilweise zerstörten Länder bekriegen sich weiterhin mit nationalistischen Reden und Wirtschaftssanktionen. Die Gefahr, aus dem Kriegsgeschrei der eifrigsten Patrioten könne blutiger Ernst werden, wird derzeit als gering angesehen, ist aber nicht gebannt. Es wird von Truppenbewegungen auf beiden Seiten gesprochen. Die in den vergangenen Jahren vorangeschrittene politische und ökonomische Integration Mittelamerikas hat innerhalb weniger Tage einen schweren Rückschlag erlitten.

Der Disput begann vor einer guten Woche, als Honduras einen Grenzvertrag mit Kolumbien ratifizierte. In diesem wird die Souveränität Nicaraguas über 130.000 Quadratkilometer seiner Meeresplattform einschließlich zweier Touristeninseln nicht anerkannt. Dies führte ungehend zu einer geharnischten Reaktion der Regierung in Nicaraguas Hauptstadt Managua. Sie brach die Wirtschaftsbeziehungen weitgehend ab und verhängte einen Zoll von 35 Prozent über die honduranischen Exporte.

Seitdem versuchen sich beide Länder gegenseitig die Schuld für den politischen Schaden in die Schuhe zu schieben. Honduras überhörte geflissentlich eine Empfehlung des mittelamerikanischen Gerichtshofes, die Ratifizierung des Vertrages mit Kolumbien auszusetzen. In Nicaragua überbieten sich die rechte Regierung von Arnoldo Aleman und die sandinistische Linksopposition unter Caudillo Daniel Ortega dabei, ein chauvinistisches Klima aufzubauen, bei dem die faktisch seit langem nicht mehr bestehende Souveränität des Landes über reichlich viel Wasser und zwei Insel zur Überlebensfrage der Nation gemacht wird.

Die Ursache des Konfliktes reicht bis mindestens 1928 zurück. Damals erkannte das von US-Truppen besetzte Nicaragua die Oberhoheit Kolumbiens über die vor seiner Küste gelegene Insel San Andres und weitere Seegebiete an. Auf diese Anerkennung berief sich der bereits 1986 zwischen Honduras und Kolumbien unterschriebene, aber bis zur vergangenen Woche nicht vom honduranischen Parlament ratifizierte Grenzvertrag. Die sandinistische Revolutionsregierung in Nicaragua hatte dagegen schon 1980 den Vertrag von 1928 für ungültig erklärt und die Hoheit über die erwähnten Meereszonen verlangt.

Während an der gemeinsamen Landgrenze Truppen bewegt werden, zeigt Kolumbien zu Wasser Stärke. Am vergangenen Wochenende entsandte die Regierung in Bogotá eine Fregatte und neun Kampfflugzeuge in Richtung der Insel San Andres, die unter kolumbianischer Kontrolle steht. Nachdem der Streit auf einem Treffen der mittelamerikanischen Außenminister in San Salvador nicht gelöst werden konnte, wird er nun vor die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) getragen. Für den OAS-Generalsekretär Cesar Gaviria – pikanterweise ein Kolumbianer – „gefährdet die Angelegenheit den Frieden in der Region“.

Aus dem Außenministerium Nicaraguas heißt es jetzt, man werde die umstrittene Zone überwachen, um gegen Drogenhandel vorzugehen und die Fischvorkommen abzusichern. „Wenn Honduras seinerseits eine Marinepräsenz beabsichtigt, können sich bedauernswerte Zwischenfälle von unvorhersehbarem Ausmaß entwickeln“, tönt es drohend.

Die Kriegsstrategen führen ihre Rechenspiele durch. Nicaraguas Heer ist mit einer Truppenstärke von 15.000 Mann und 127 Kampfpanzern stärker als das 12.000- köpfige honduranische Heer mit seinem Dutzend Panzern. Dafür ist die honduranische Luftwaffe mit 49 Flugzeugen zum Teil französischer und us- amerikanischer Produktion den gerade einmal 15 russischen Helikoptern der nicaraguanischen Streitkräfte eindeutig überlegen.

Mexiko, Kanada und die USA haben die streitsüchtigen Regierungen aufgefordert, eine Lösung durch den Dialog zu suchen. Die OAS prüft noch, ob sie zur Entspannung Beobachter in das Grenzgebiet entsenden soll. Vorerst schickt sie nur einen Sondergesandten nach Mittelamerika. Der Internationale Gerichtshof in Den Haag wird von Nicaragua ins Spiel gebracht, während Honduras sich für den Fall eines Scheiterns der OAS-Vermittlung vorsorglich an UNO-Generalsekretär Kofi Annan gewendet hat.

Fest steht, dass der nach Meinung vieler Beobachter künstlich aufgeblasene Streit den Regierungen der involvierten Länder nutzt. Sowohl in Nicaragua wie auch Honduras leben 80 Prozent der Menschen unterhalb der Armutsgrenze. Besonders im erstgenannten Land ist die Regierung in Korruptionsskandale verwickelt und wird für Misswirtschaft verantwortlich gemacht. Der Grenzdisput bietet eine willkommene Gelegenheit, von den eigenen Problemen abzulenken und die Wut auf die Nachbarnation zu lenken. Darin könnte auch die Hauptgefahr liegen, dass der Konflikt doch noch eskaliert.

PANAMA

Auf dem Weg zur Selbstbestimmung – USA ziehen ihre Truppen aus der Kanalzone ab

Von Andreas Boueke

(Panama-Stadt, 3. Dezember1999, npl).- Am 14. Dezember ist es soweit: Nach fast einem Jahrhundert übergeben die USA in einer feierlichen Zeremonie die Oberhoheit über den Panama-Kanal an die Behörden des zentralamerikanischen Landes. Entsprechend den Torrijos-Carter-Verträgen von 1977 werden die Vereinigten Staaten am 31. Dezember 1999 ihre Militärpräsenz in Panama offiziell beenden. Bereits Ende November verließen das US-Militär die letzten seiner 14 Stützpunkte in der Kanalzone.

Panama-Stadt ist zweigeteilt. Die beeindruckende Skyline des modernen Zentrums und die gepflegten Viertel der Ober- und Mittelschicht stehen im krassen Gegensatz zu den historischen Stadtvierteln El Chorillo und San Felipe, wo die Menschen in Gebäuden leben, deren Glanz vergangener Zeit hinter dem Schmutz der Jahre verborgen liegt. Die hohe Kriminalitätsrate wird nur noch von den Arbeitslosenzahlen übertroffen. Der Blick hinüber zum internationalen Bankenviertel erinnert daran, daß in anderen Teilen der Welt die Zeit voranschreitet, während sie hier stehengeblieben zu sein scheint – genauso wie die Turmuhr der alten Kathedrale.

Auf dem hübschen Platz vor der Kathedrale begegnen sich Menschen aller Hautfarben. Viele Latinos sind in Handwerk und Handel beschäftigt. Nachkommen von Italienern und Griechen betreiben schmuddelige Restaurants. Einige Chinesen, deren elend armes Viertel nur wenige Straßenzüge entfernt liegt, besitzen kleine Läden. Zahlreiche afro-panamaische Männer verbringen geruhsame Tage auf den Parkbänken, so daß es dem Betrachter ein Rätsel bleibt, wie sie ihre vielköpfigen Familien ernähren. Doch es fällt auf, daß auf dem Platz fast nie US-Amerikaner zu sehen sind. Ansonsten ist der kulturelle Einfluß der USA in Panama so deutlich wie in keinem anderen Land der Region. Zum Beispiel gibt es neben dem US-Dollar keine nationale Währung. In den Kinos werden fast ausschließlich Hollywoodproduktionen gezeigt, und das panamaische Spanisch ist vermischt mit allerlei englischen Worten.

Auch historisch gesehen ist Panama eng mit den USA verbunden. Hätte die US- Regierung im Jahr 1903 nicht eine kleine, nationalistische Unabhängigkeitsbewegung unterstützt, wäre Panama womöglich heute noch eine Provinz Kolumbiens. Im Gegenzug erhielten die USA alle Rechte für den Bau eines Kanals. Damals hallte der triumphierende Ausruf des US-Präsidenten Theodore Roosevelt über den gesamten Kontinent: „I took Panama!“ Roosevelts Besitzanspruch wurde durch einen Absatz des Kanalvertrags bestätigt: „Die Republik Panama gestattet den USA auf ewige Zeit die Benutzung, Entwicklung und Kontrolle einer je acht Kilometer breiten Landzone beiderseitig des noch zu bauenden Kanals.“ Zudem bekam die Verfassung der neuen Republik einen Zusatzartikel, der es den USA erlaubt, in jedem Landesteil militärisch zu intervenieren, um die öffentliche Ruhe, Ordnung und Sicherheit wieder herzustellen. Ein Freibrief, den die US-Regierung in den folgenden Jahrzehnten regelmäßig nutzte.

Seit der Einrichtung der Kanalzone traf die Politik der USA auf Widerstand in der panamaischen Bevölkerung. Ende der fünfziger Jahre war der heutige Juraprofessor Carlos Lennox einer der Organisatoren der ersten Studentenproteste: „Viele Leute sehen in Panama eine Art nordamerikanische Kolonie. Die berühmte Aussage des Präsidenten Roosevelt, er habe sich Panama genommen, war für die Panamaer eine unverzeihliche Erniedrigung. Deshalb haben die Studenten damals versucht, die Welt darauf aufmerksam zu machen, daß Panamas Recht auf Selbstbestimmung verletzt wurde.“

Die meisten US-Bürger in Panama glauben noch immer, ihre militärisch abgesicherte Anwesenheit sei legitim gewesen: „Wir waren nie eine Besatzungsmacht in diesem Land“, erklärt der Geschäftsmann Edward Coyle. „Wenn die USA nicht gewesen wären, würde es heute keine Republik Panama geben. Außerdem haben wir den Kanal gebaut. Ohne den Kanal würde in diesem Land keine wohlhabende Mittelschicht existieren.“

Daß die US-Präsenz der panamaischen Gesellschaft einen wirtschaftlichen Vorteil gebracht hat, ist nicht von der Hand zu weisen. Die USA sind Panamas wichtigster Handelspartner. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen liegt über dem anderen Staaten der Region. Edward Coyle ist überzeugt: „Wenn die USA hier abziehen, wird der Lebensstandard sinken. Sollte es richtig unangenehm werden, können Leute wie ich in die USA zurückgehen. Aber die meisten Panamaer haben keine Wahl. Sie müssen hier bleiben.“

Doch ob mit der Übergabe der Kanal-Zone an die Regierung Panamas auch die US- Militärpräsenz beendet sein wird, ist noch unklar. Alibel Pizarro, Mitarbeiterin des Studienzentrums CEASPA, zweifelt daran, daß wirklich alle Soldaten abziehen werden: „Der Krieg gegen den Kommunismus ist beendet. Jetzt wird der Krieg gegen die Drogen geführt. Unser Nachbarland Kolumbien ist einer der wichtigsten Drogenumschlagplätze der Welt. Das nutzen die USA jetzt als Argument dafür, ihre Militärpräsenz in Panama zu verlängern.“

Die Pläne für eine andauernde Stationierung von US-Soldaten in Panama werden kontrovers diskutiert. Der Juraprofessor Carlos Lennox meint: „Bei uns in Panama wird kein Kokain angebaut. Warum also sollen die Soldaten für den Drogenkrieg hier stationiert sein? Ich persönlich glaube, das eigentliche Interesse der US- Regierung ist es, nicht wirklich aus dem Land abzuziehen.“ So werden die USA wahrscheinlich auch über das Jahr 2000 hinaus die Politik der kleinen mittelamerikanischen Nation maßgeblich mitbestimmen.

ARGENTINIEN

Ex-Diktator darf nicht Abgeordneter werden

(Buenos Aires, 1. Dezember 1999, pulsar-Poonal).- Der argentinische Kongress hat den Antrag abgewiesen, dass Antonio Bussi ein Mandat als Abgeordneter antreten darf (vgl. Poonal 411). Der ehemalige General wurde am 24. Oktober als Abgeordneter gewählt und wird für Menschenrechtsverletzungen verantwortlich gemacht. Der 82-jährige Abgeordnete Amado Juri leitete die Sitzung, auf der dem Ex-General das Mandat entzogen wurde. Die parlamentarische Entscheidung wurde mit „moralischer Untauglichkeit“ begründet.

Amado Juri war von Antonio Bussi während der Militärdiktatur als Gouverneur des nördlichen Bundesstaates Tucumán gestürzt worden. Bussi sperrte Juri drei Jahre lang ein und lies ihn Zwangsarbeit verrichten. Jahre nach den Misshandlungen und der Inhaftierung war es Amado Juri, der die neuen Abgeordneten vereidigte. Antonio Bussi nahm an der Sitzung nicht teil. Zwei Drittel der Abgeordneten stimmten in seiner Abwesenheit dafür, eine Kommission zur Überprüfung seines Mandat einzusetzen. Der Ex-General hatte Folter und Terror angewandt, um eine Guerillagruppe in Tucumán zu bekämpfen.

Bussi ist aber nicht nur der Folter angeklagt. Es wird auch wegen des Raubes von in Haft geborenen Babys gegen ihn ermittelt. Nach den neuesten Nachforschungen entschied Bussi über das Schicksal der Kinder von verhafteten Müttern. Das Amnestiegesetz von 1983 (Ley de Punto Final) verhinderte einen Prozess gegen ihn, aber es läßt eine Ermittlung wegen des Raubes der Kleinkinder zu. Wegen der Aneignung von Kindern, die während der Haft ihrer Mütter geboren wurden, sind die beiden Ex-Diktatoren Jorge Videla und Emilio Massera verhaftet worden. Die Liste der von Antonio Bussi begangenen Straftaten wird durch den Besitz von geheimen Konten in der Schweiz ergänzt. Auf diesen soll sich gestohlenes Geld von Opfern der Diktatur befinden.

Die Rentner müssen nicht nur arbeiten, sondern werden auch noch schlecht bezahlt

Von Andrés Gaudin

(Buenos Aires, November 1999, na-Poonal).- Mehr als ein Drittel der 4,3 Millionen argentinischen Rentner mussten wieder angefangen zu arbeiten, weil ihre Einkommen zu niedrig sind. In vielen Fällen müssen sie zudem ihren Kindern und Enkeln beim Lebensunterhalt helfen. Die Rezession, unter der das Land leidet, hat die Arbeitslosigkeit unter den 13,5 Millionen Menschen der ökonomisch aktiven Bevölkerung auf 14,5 Prozent anwachsen lassen. „Die Arbeitgeber haben die Rentner in schlecht bezahlte Schwarzarbeiter verwandelt“, sagt Luis Cortadi von der Nationalen Koordination der Rentner (MNCJ). Er bezieht sich dabei auf die nicht registrierte Beschäftigung, bei der weder von den Arbeitnehmern Steuern bezahlt werden noch von den Arbeitgebern Abgaben.

„Unsere Kinder haben oft die Arbeit verloren und wir Rentner sind billige Arbeitskräfte. So hat sich ein perverser Zirkel gebildet. Es ist billiger einen alten Vater einzustellen, der im Ruhestand leben sollte, als einem Jungen Arbeit zu geben. Dabei handelt es sich vielleicht um unserem eigenen Sohn, der wiederum Kinder hat, die ernährt und erzogen werden wollen“, erläutert Cortadi.

Dem Nationalen Institut für Statistik und Zensus (INDEC) zufolge, arbeiteten bis 1989 zehn Prozent der Rentner, um „eine kleine Summe anzusparen oder ins Ausland zu fahren“ (Argentinien ist ein Einwanderungsland). Die selbe Studie zeigt, dass 1992, drei Jahre später, die Zahl der arbeitenden Rentner auf 30 Prozent gestiegen war. Seitdem wurden keine neuen offiziellen Statistiken erstellt, aber eine Untersuchung der Weltbank geht 1998 davon aus, dass „die Anzahl der Rentner, die sich in den Arbeitsmarkt integrieren, fortwährend steigt.“

In Argentinien gibt es drei unterschiedliche Typen von Rentnern. Das Gros stellen 4,2 Millionen Menschen, welche in die staatliche Rentenkassen Beiträge eingezahlt haben. 120.000 Personen mit höherem Bildungsabschluss zahlten in unabhängige Rentenkassen ein. Schließlich gibt es noch die sogenannten „Rentner mit Privileg“. Das sind Militärs und ehemalige Funktionäre, die über Einkommen verfügen, die weit über denen der durchschnittlichen aktiven Beschäftigten liegen. Nach dem Gesetz erhalten sie genauso viel wie ein aktiv Beschäftiger mit ihrem ehemaligen Dienstrang verdient.

Das Durchschnittseinkommen eines Rentners liegt bei 326 Dollar. Aber nur 1,5 Millionen erreichen dieses auch in einem Land mit einem Warenkorb, der von 550 Dollar notwendiger Ausgaben pro Monat ausgeht. Etwa 800.000 Menschen erhalten 150 Dollar monatliche Rente. 700.000 Personen bilden die privilegierte Kaste mit Einkommen, die normalerweise die 3.000 Dollar überschreiten.

„Meine Frau und ich bekommen beide 150 Dollar Rente. Bis vor kurzem haben wir beide ein bißchen gearbeitet, um die Medikamente bezahlen zu können. Aber Mitte 1998 verlor eines unserer Kinder die Arbeit. Seitdem kümmern wir uns um die zwei Enkel mit neun und elf Jahren und arbeiten alles mögliche. Ich verdiene ein paar Pesos, indem ich an den Wochenenden die Lichter der Geschäfte im Stadtviertel an und ausschalte. Außerdem mache ich den Schriftverkehr für eine juristische Untersuchung und am Samstag passe ich auf die Autos auf einem Platz in der Nähe meines Hauses auf. So bekomme ich etwa 120 Pesos (gleich Dollar) zusammen. Na ja, wir essen wenigstens alle vier“, erzählt Pablo Balseiro, ein Rentner, der sich jeden Mittwoch mit der Nationalen Koordination der Rentner (MNCJ) vor dem Kongressgebäude versammelt, um ein Mindesteinkommen von 450 Dollar zu fordern.

Die Rentner haben niemals gute Einkommen erzielt. Keine Regierung hat sie zuvorkommend behandelt. Aber seit 1989, als der noch bis zum 10. Dezember amtierende Präsident Carlos Menem die neoliberale Politik aufnahm, hat sich die Situation spürbar verschlechtert. Der Tiefpunkt war 1994 erreicht, als die Rentenkasse privatisiert wurde. In dem vorherigen System, das seit 1969 in Kraft war, konnten die Ruheständler eine neue legale Arbeit aufnehmen, Beiträge zahlen und innerhalb von drei Jahren wieder in Rente gehen. Das Gesetz, mit dem die Sozialfürsorge privatisiert und die Administration der Rentenfonds (AFJP) geschaffen wurde, schließt die Möglichkeit aus, auf diese Weise eine kleine Steigerung des Einkommens zu erreichen.

„So begünstigt die Regierung die Arbeitgeber und die Schwarzarbeit“, erklärt Cortadi. „Die Rentner müssen angesichts ihrer Notlage jede Bezahlung und Arbeitszeit akzeptieren, weil sie ihr Einkommen nicht verbessern können. Sie müssen auch akzeptieren, dass sie schwarz arbeiten und erhalten so die kleine Summe, die früher dafür diente, das Rentensystem mit Kapital zu versorgen. Der Arbeitgeber muss auf diese Weise keine Abgaben zahlen.“

Die Rentner arbeiten als Straßenmusiker, Boten, Straßenverkäufer, Parkwächter, Straßenkehrer und Putzpersonal in Büros. „So wie ich“, erzählt Odilia Sosa, Mitarbeiterin von MNCJ, „arbeiten viele ältere Frauen als Kindermädchen in Familien oder als Begleiterinnen in Krankenhäusern, die Kranke oder alleinstehende Alte betreuen.“

Die Sozialkassen sind aus drei Gründen leer: Aufgrund der chronischen Kapitalflucht, weil die Schwarzarbeit zunimmt und weil die Beiträge der Arbeitgeber mehrmals gesenkt wurden. Dies mit dem Argument, durch die Senkung der Kosten für Arbeit die argentinische Wirtschaft konkurrenzfähiger zu machen. Seit 1995 ist die nicht registrierte Beschäftigung ständig angestiegen. Laut INDEC umfaßte sie 1995 bereits 36,3 Prozent der ökonomisch aktiven Bevölkerung. 1996 stieg der Anteil auf 37,9 Prozent, 1997 waren es 38,4 Prozent und 1998 lag er bei 41,2 Prozent. In absoluten Zahlen heißt das, dass jedes Jahr 3,7 Milliarden Dollar allein an Arbeitgeberbeiträgen nicht in die sozialen Fürsorgesysteme eingezahlt werden. Diese Summe ist um 600 Millionen Dollar höher als der gesamte Haushalt von Buenos Aires, einer Stadt, in der fast drei Millionen Menschen leben.

Daniel Marcu, Berater der großen multinationalen Unternehmen, welche im Land tätig sind, meint: „Das System ist bereits in der Krise und es wird nicht viel länger als 2010 dauern, bis es verschwunden ist. Damit wird die gesamte Rentenversorgung in den Händen der AFJP bleiben und der Staat wird sich um die soziale Sicherheit derjenigen kümmern müssen, die heute schwarz arbeiten und, weil sie nicht registriert sind, als Beschäftigte gar nicht existieren.“

Säumige Unterhaltsschuldner kriegen Ärger

(Buenos Aires, Dezember 1999, fempress-Poonal).- Von ihrer Familie getrennt lebende Väter, die Unterhaltsverpflichtungen gegenüber ihren Kindern nicht nachkommen, werden in Buenos Aires in Zukunft ernste Probleme bekommen. Der Stadtrat erließ ein Gesetz, das die Kontrollen verschärft und Strafen für säumige Unterhaltsschuldner vorsieht. Die Initiative wurde mit der einmütigen Zustimmung der Frauenkommission in den Stadtrat eingebracht und dort von allen weiblichen Abgeordneten unterstützt. Nur einige männliche Volksvertreter sprachen sich gegen den Gesetzesvorschlag ihrer Parteikolleginnen aus.

Jetzt wird ein Register der säumigen Unterhaltszahler innerhalb der Stadt Buenos Aires erstellt. Schuldner, die dreimal nacheinander oder insgesamt fünfmal ihre Alimente nicht bezahlt haben, werden auf dieser Liste registriert. Wer auf ihr steht, wird bei keiner öffentlichen Institution ein Konto eröffnen können und ebensowenig Kreditkarten, eine Fahrerlaubnis, Konzessionen oder eine Lizenz für ein Unternehmen erhalten. Die säumigen Unterhaltszahler dürfen auch nicht im öffentlichen Dienst eingestellt werden, Richter werden oder für ein öffentliches Amt kandidieren. Die Aufnahme in die Liste kann über eine richterliche Verfügung, von Amts wegen oder auf Gesuch erfolgen. Von der Liste gestrichen wird der säumige Unterhaltszahler nach der Begleichung der Schulden durch eine richterliche Entscheidung. Die Stadtverwaltung fordert außerdem die Unternehmen und private Institutionen auf, von ihren Angestellten ein Zertifikat zu verlangen, das bestätigt, dass sie keine Unterhaltsschuldner sind.

CHILE

Präsident wird gewählt – Rechtskandidat und Sozialist langweilen im Wahlkampf

Von Leonel Yanez

(Santiago de Chile, 5. Dezember 1999, npl).- Der Wahlkampf in Chile, da sind sich alle einig, ist an Langweiligkeit und Ideenlosigkeit nicht zu überbieten. Sowohl der konservative Herausforderer Joaquin Lavin wie auch Regierungskandidat Ricardo Lagos vermeiden jede Konfrontation: In Fernsehdebatten fassen sie sich gegenseitig mit Samthandschuhen an, stellen fast identische Programme vor und wollen unisono am bisherigen Wirtschaftskurs festhalten.

Beide sagen Chile eine rosige, vor allem virtuelle Zukunft voraus. Internet für jedermann, Chipkarten für jeden Zweck, Konsum ohne Grenzen. Den wichtigsten Unterschied der Kontrahenten stellten Kommentatoren nach der letzten TV-Debatte klar heraus: Lavin verspricht eine Million, Lagos 700.000 neue Arbeitsplätze. Wie diese nach 20 Monaten Wirtschaftskrise und stetig steigender Erwerbslosigkeit finanziert werden sollen, erklären sie freilich nicht. Das ratlose Wahlvolk schuf indes einen dritten Kandidaten. „Laguin“ heißt er und vereinigt Namen und politische Indifferenz in einer Person.

Sogar in Umfragen sind Lavin und Lagos gleich auf. 44 Prozent wird ihnen vorhergesagt und dieses Patt sorgt für Erstaunen in dem südamerikanischen Land. Seit 1958 ist es den Konservativen nicht mehr gelungen, eine Wahl zu gewinnen – angesichts von 17 Jahren Pinochet-Diktatur war diese Zeit für Sozial- wie Christdemokraten allerdings alles andere als erfolgreich.

Am kommenden Sonntag wählen die Chilenen nun zum dritten Mal seit 1990 eine demokratische Regierung. Bislang war stets die Koalition aus Christdemokraten und Sozialisten siegreich. Erstmals setzte sich dieses Jahr bei den Vorwahlen innerhalb der Koalition ein Sozialist durch, der langjährige Außenminister unter zwei christdemokratischen Präsidenten, Ricardo Lagos. Joaquin Lavin geht für die „Allianz für Chile“ aus zwei rechtslastigen Parteien ins Rennen: die zuletzt moderate „Renovation Nacional“ und die „Unabhängige Demokratische Union“, die sich offen für Ex-Diktator Pinochet ausspricht.

Die anderen Kandidaten bei dieser Präsidentschaftswahl haben keine Chance. Grüne und Humanisten sind der Öffentlichkeit ebenso wenig bekannt wie der unabhängige Kandidat Arturo Frei, ein Cousin des scheidenden Präsidenten Eduardo Frei, der aus der Christdemokratischen Partei ausgeschlossen wurde, nachdem er Pinochet in dessen Londoner Hausarrest seine Sympathie versicherte. Lediglich die Kandidatin der Kommunisten, Gladys Marin, die sich für eine vorbehaltlose Verfolgung der Pinochet- Verbrechen stark macht, kann auf ein respektables Ergebnis hoffen.

Derzeit befinden sich Rechte und Kommunisten bei den Umfragen im Aufwind, die Regierungskoalition verliert an Boden. Um nichts zu riskieren, orientieren sich Lavin wie Lagos immer mehr zur Mitte. Ersterer distanziert sich von den Pinochet-Getreuen in seiner Allianz, letzterer von den sozialistischen Resten seiner Partei. Wahrscheinlich wird keiner der beiden die absolute Mehrheit erreichen, so dass eine Stichwahl am 16. Januar 2000 über die politische Zukunft des Andenlandes entscheiden wird.

Doch eine Generation wird bei diesem Urnengang außen vor bleiben. Rund eine Million neuer Wahlberechtigter, junge Menschen zwischen 18 und 24 Jahren, haben sich nicht ins Wahlregister eingeschrieben. Offenbar haben sie weder zur traditionellen Politik noch zu deren Repräsentanten Vertrauen. Mit vielen jugendlichen Gesichtern in seiner Kampagne versuchte Lagos erfolglos, diese Klientel zur Stimmabgabe zu bewegen. Dass die Jugendlichen vornehmlich links eingestellt sind, zeigten die jüngsten Wahlen an den Universitäten. Doch offenbar ziehen sie Straße vor, um Politik zu machen und – im Gegensatz zu den meisten Politikern – eine klare Position gegen Pinochet und die Straffreiheit seiner Schergen zu demonstrieren.

URUGUAY

Ernennung des neuen Oberkommandierenden der Armee stößt auf Widerspruch

(Montevideo, 5. Dezember 1999, comcosur-Poonal).- Kurz nach den Wahlen hat der noch amtierende Präsident Uruguays Julio Sanguinetti in Übereinstimmung mit seinem gewählten Nachfolger Jorge Batlle den General Juan Geymonat zum neuen Oberkommandierenden der Armee ernannt. Diese Entscheidung stößt auf die Ablehnung des Vorsitzenden der Partido Nacional, Luis Lacalle. In Uruguay gehören die Militärs einer der beiden großen konservativen Parteien an, entweder den Colorados oder den Blancos (Partido Nacional). Sanguinetti übersprang drei Generäle der Blancos und ernannte zwar keinen Colorado, aber den neutralen Geymonat.

Der Grund für Sanguinettis Entscheidung, die Regeln nicht zu respektieren und die Generäle Pereyra, Fernández und Lezama außen vor zu lassen, liegt darin, dass diese der Militärloge „Tenientes de Artigas“ nahe stehen. Zu dieser Gruppe hatte Sanguinetti schon immer eine schlechte Beziehung. Die Tageszeitung „La República“ aus Montevideo kommentiert die Begleitumstände so: „Die Logen in der Armee bestehen seit mindestens 1958. Die größte und am besten organisierte, die 'Tenientes' oder 'Legión de Artigas', steht der Partido Nacional nahe. Sie wurde 1968 von General Mario Aguerrondo gegründet. Aguerrondo war 1971 auch Präsidentschatskandidat der Partido Nacional. Er nahm aktiv an der Bekämpfung der Guerillabewegung teil und spielte bei den Ereignissen, die zum Staatsstreich von 1973 führten, eine wichtige Rolle.“

La República führt weiter aus: „Der Sohn des Gründers der Legion, der den selben Namen trägt wie sein Vater, beteiligte sich an internen Machtkämpfen. 1993 wurde dies bekannt, als ein Spionageskandal gegen den General Amado aufgedeckt wurde. Amado ist momentan Oberkommandierender. Die „Tenientes“ wurden während der Amtszeit des Präsidenten Luis Lacalle von der Partido Nacional (1990-1995) rehabilitiert, aber während der zweiten Amtszeit von Sanguinetti (1995-2000) in die zweite Reihe verwiesen. Die Gruppe erkennt die Rolle von Lacalle bei der Umstrukturierung der Armee an (…) und einigen Quellen zufolge, hat sie die Führungsgruppe der Legion dazu aufgerufen, ihn bei den Wahlen vom vergangenen 31. Oktober zu unterstützen. Als Sanguinetti 1995 das Amt antrat, markierte er durch eine Reihe von symbolischen Handlungen eine klare Distanz zur Militärpolitik Lacalles. Eine der deutlichsten Maßnahmen war die Ablösung des Heeresgenerals Daniel García, eine andere die Ernennung Amados. Der scheidende Präsident vermutet, dass es am Beginn der Amtszeit Luis Lacalles ein Sektor dieser Loge war, der ein Attentat gegen seine Rechtsanwaltskanzlei verübte.“

Antikorruptionsgesetz – aber nur für die Zukunft

(Montevideo, 4. Dezember 1999, comcosur-Poonal).- Das immer wieder hinaus geschobene Antikorruptionsgesetz ist schließlich in Kraft getreten. Es war vom uruguayischen Parlament am 10. Dezember 1998 beschlossen worden. Das Gesetz sieht vor, dass Präsidenten, Minister, Abgeordnete, Bürgermeister, Stadträte und andere Funktionsträger des Staates vor ihrem Amtsantritt eine eidesstattliche Erklärung über ihre Einkünfte und ihr Vermögen abgeben müssen. Wenn sie das Amt abgeben, wird die Prozedur wiederholt. Weil die Exekutive die Inkraftsetzung des Gesetzes ein Jahr lang verzögert hat, wird es allerdings auf kein Mitglied der noch amtierenden Administration angewandt werden.

Colarados und Blancos suchen nach gemeinsamen Kandidaten für Bezirkswahlen

(Montevideo, 2. Dezember 1999, comcosur-Poonal).- Politiker der beiden konservativen Parteien Blancos und Colorados suchen nach Möglichkeiten, um mit gemeinsamen Kandidaten zu den Bezirkswahlen im Mai 2000 anzutreten. Bei diesem Urnengang werden die Bürgermeister und Bezirksversammlungen gewählt, welche die 19 Bezirke regieren werden, in welche Uruguay administrativ aufgeteilt ist. Bei den letzten Parlamentswahlen am 31. Okotber war die Oppositionspartei Frente Amplio/Encuentro Progresista die politische Kraft, welche in den wichtigen Bezirken Montevideo, Canelones, Maldonado und Paysandú am meisten Stimmen auf sich vereinigen konnte. Es gelang ihr allerdings nur in Montevideo, über 50 Prozent zu erreichen.

Wenn die Konservativen im nächsten Mai getrennt antreten, bestünde die Möglichkeit, dass die Opposition neben der Hauptstadt die drei erwähnten Bezirke im Landesinneren gewinnt, wo sie im Oktober die relative Mehrheit erreichte. Das Problem bei der Bestimmung von gemeinsamen Kanidaten für die beiden konservativen Parteien ist, dass das Wahlgesetz den Kandidatentausch verbietet. Wer bei den letzten Bezirkswahlen im März als Kandidat für irgendeinen Posten für eine bestimmte Partei angetreten ist, kann nun nicht auf der Liste einer anderen Partei kandidieren.

Nun suchen die Regierungsparteien nach Auswegen. Der Abgeordnete der Colorados für den Bezirk Canelones, Julio Olivar, beantragte eine Dringlichkeitssitzung des Parlamentes, um die Situation zu verändern und die Aufstellung gemeinsamer Kandidaten zu ermöglichen. Der Präsident des Vorstandes der Partido Nacional und Ex-Staatspräsident Luis Lacalle schlug vor, dass die gemeinsamen Kandidaten unter der Fahne ihrer Verbündeten von der Unión Cívica antreten sollten. Luis Pierie, der ehemalige Präsidentschaftskandidat dieser kleinen christlich- konservativen Partei, die im Oktober gerade einmal 5.000 Stimmen erhielt, sagte der Tageszeitung „La República“ aus Montevideo: „Wir wären unter bestimmten Umständen und Bedingungen bereit, Kandidaten auf unserer Liste kandidieren zu lassen. Dabei käme es allerdings darauf an, um welchen Kandidaten es sich handelt, welche Interessen er vertritt und welche Vorschläge er für Montevideo oder jeden anderen Bezirk zu unterbreiten hat.“ Diese Antwort kann man als eine Zustimmung betrachten.

Es ist das zweite Mal in der Geschichte, dass dieser winzigen Partei eine wichtige Rolle zukommt. Das erste Mal war 1984, als nach der zivil-militärischen Diktatur Verhandlungen die Wiedereinführung der Demokratie ermöglichten. Damals haben Colorados, Frente Amplio und Cívicos (gegen die Opposition der Partido Nacional, die vom damals inhaftierten Wilson Ferreira geführt wurde) die Durchführung von allgemeinen Wahlen mit Ausgeschlossenen und Verbannten ermöglicht. Diese Zusammenarbeit brachte ihr später Ministerposten unter der ersten Regierung von Präsident Sanguinetti ein.

KOLUMNE – Von Eduardo Galeano

Die Wahlen in Uruguay und die Theorie von der Kuh

(Montevideo, Dezember 1999).- Die Angst vor dem Sozialismus dient dazu, die Angst zu sozialisieren. Das Bündnis der Linken hat gerade die zweite Runde der Wahlen in Uruguay verloren. Es wurde durch die Angst besiegt. In der Stunde der Wahrheit hat die Angst verhindert, dass die Hand der unentschlossenen Wähler, welche die Abstimmung entschieden haben, sich nach links bewegt hat. Aber trotz der Angst und gegen die Angst konnte diese alternative Kraft ihren Stimmemanteil in fünf Jahren von 30 auf 44 Prozent steigern. Letztlich ist das Ergebnis nicht schlecht: Es war das Team Fortschritt gegen die zwei Großen auf einmal – so, als ob Nacional und Peñarol (die beiden Hauptstadt-Clubs, die die uruguayische Fußballmeisterschaft seit Jahren unter sich ausmachen; die Red.) zusammen spielten.

Das spektakuläre Anwachsen der Linken bedeutet auf jeden Fall einen radikalen Wandel in einem Land, das zur endlosen Nostalgie verurteilt schien, auf immer versteinert in der Wiederholung und der Resignation. Eine breite soziale Basis, die vor allem aus jungen und sehr jungen Menschen besteht, macht den Enthusiasmus möglich, dieses schöne kleine Wort, das nach seiner griechischen Wurzel bedeutet: „Die Götter in sich tragen.“

Das Panorama hört auf ein Panorama zu sein – so wie es Peloduro, der geliebte uruguayische Humorist wollte, der jetzt aber nicht mehr lebt, um es zu sehen. In Fröhlichkeit hat das Bündnis (der Frente Amplio; die Red.) einen Kantersieg errungen. Sogar Hunde und Pferde trugen am Wahlsonntag die Fahnen durch die Straßen. In Stimmen hat das Bündnis verloren: Die Rechte hat den Sportplatz verschmutzt und unfair gespielt. Sie hat eine Angstkampagne entfesselt, die darauf abzielte, die Linke zu verteufeln und Misstrauen gegenüber dem Neuen zu sähen, dem schlechtes Vertrautes vorzuziehen wäre.

Die Linke hat sich für ein defensives Spiel entschieden: Und einmal mehr hat sich in der Politik, wie im Fußball und im Leben, bestätigt, dass ein defensives Spiel, das auf die Kühnheit zugunsten des Ergebnisses verzichtet, sich nicht auszahlt. Die Werbung kann, wie man weiß, Wunder bewirken. Wenn Gift mit diesem Zauberstab berührt wird, verwandelt es sich in Nahrung, und als solches wird es verkauft. Und andersherum ist die Werbung auch fähig, Nahrung in Gift zu verwandeln, damit sie niemand kauft.

Das Bombardement der Propaganda hatte die Aufgabe zu erschrecken, erschrockenes Gekreisch lärmender Hexerei. Und bis zu einem gewissen Punkt war sie erfolgreich: Sie hat es geschafft, fünf Jahre zu verzögern, was eigentlich bereits unvermeidlich schien. Die auf fast der ganzen Welt übliche Besteuerung der Rente, wenn wir ein Beispiel nehmen, wurde als marxistische Erfindung dargestellt, um den Arbeitern und Rentnern das ohnehin wenige, was sie haben, auch noch wegzunehmen. Tatsächlich sollten nicht mehr als drei Prozent der Rentner diese Steuer bezahlen: In der Wahlpropaganda war es die große Mehrheit, zwei von drei. Im ganzen Land wurde das Gerücht verbreitet, dass Horden von Tupamaros und Kommunisten von Haus zu Haus laufen werden würden, um auf der Suche nach verstecktem Geld die Matrazen umzudrehen.

Auch andere Alarmglocken wurden geläutet, als es so schien, die Mehrheit der Wähler hätte endlich keine Lust mehr, Versprechungen zu frühstücken und Lügen zum Abend zu essen. Uruguay würde seine Auslandsschulden nicht zurückzahlen, die Nordamerikaner würden sich darüber ärgern und uns mit einer Blockade und dem Hunger bestrafen, wie Kuba. Es würde einen Staatsstreich geben und wir würden in die Zeit der Gewalt und Militärherrschaft zurückfallen. Und die Kapitalflucht: In unserem Land würde noch nicht einmal ein in zwei Hälften gespaltener Peso bleiben.

Welches Kapital eigentlich fliehen sollte, wurde nie aufgeklärt. Das produktive Kapital vielleicht? Wir Uruguayer haben weniger Arbeit als der Barbier von Fidel Castro. Hier boomt nur die Produktion politischer Diskurse, der Export an Arbeitskräften ins Ausland, das Waschen schmutzigen Geldes und die prunkvollen Shopping Center, in denen die Nationalhymne gespielt wird, wenn einmal ein Produkt verkauft wird, das in Uruguay hergestellt wurde. Die zwei traditionellen Parteien haben sich gegen den gemeinsamen Feind zusammengeschlossen. Die Partido Colorado und die Partido Blanco haben die Kräfte in etwas, das man Partido Coloranco nennen könnte, vereint. Sie schwören, dass sie morgen alles machen werden, was sie heute nicht tun und auch gestern nicht getan haben. Sie sind beschäftigt – wie früher und wie es bleiben wird – mit dem Melken der Kuh, seit den fernen Tagen, als Gott den Himmel, die Erde und Uruguay geschaffen hat.

Die öffentliche Kuh in privaten Händen: Aufgrund einer Volksabstimmung bleiben die öffentlichen Unternehmen in den Händen des Staates, aber die große Frage ist: Wem gehört der Staat? Das politische Monopol über die Kuh, das die Rechte der Bürger in Gefälligkeiten der Macht verwandelte, hat in diesen Wahlen die größte Bedrohung ihrer ganzen Geschichte erlitten. So ist ein sehr interessantes Phänomen für die wissenschaftliche Welt entstanden: Das Syndrom des Verlustes der Kuh, ein Syndrom, das weder von Sigmund Freud noch von seinen zahlreichen Jüngern studiert wurde. So wird die Gesamtheit der durch ein Trauma hervorgebrachten Syndrome genannt, unter dem Kuhbesitzer leiden, welche diese im Angesicht der unmittelbaren Gefahr der Befreiung dieses wiederkäuenden Säugetiers bis zum letzten Tropfen Milch melken.

Das Syndrom des Kuhverlustes drückt sich durch eine panische Krise aus. Die Panik beginnt zunächst die Besitzer des Vierbeiners zu erfassen, breitet sich dann aber rasch auf die Gemeinschaft aus. Die Werbeexperten handeln wie Agenten zur Ansteckung mit dieser Epidemie der Angst. Sie kann sich bewiesenermaßen mit der notwendigen Geschwindigkeit ausbreiten, um eine Wahl zu entscheiden. Die Universalgeschichte zeigt, dass die Kuhbesitzer die Fähigkeit und die Sitte haben, allen anderen alles zu übergeben außer die Kuh: Über die ganze Gesellschaft breiten sie ihre Schulden, ihre Pleiten, ihre Krisen und auch ihre Panik aus.

Die Partido Coloranco, welche ihr Recht, das ausgemergelte Tier mit vier Händen weiter zu melken, Programmatisches Abkommen (Acuerdo Programático) nennt, hat in die Welt posaunt: Wenn die Linke gewinne, fiele Uruguay in die Hände einiger Straßenräuber, welche die Armen berauben, die Greisen und Waisen vergewaltigen und glühende Kohle mit Beinchen von Babys schüren würden. Es gab Leute, die es hörten, glaubten und sich entschieden. Die Kuh wird noch einmal fünf Jahre lang eingesperrt bleiben müssen.

PARAGUAY

Ein dringend notwendiges Haus

(Asunción, Dezember 1999, fempress-Poonal).- In Paraguays Hauptstadt Asunción wurde das erste Zentrum für die Betreuung von sexuell ausgebeuteten Mädchen und Jugendlichen offiziell genehmigt. Die Initiative ist Teil eines Projektes mit dem Namen „Beendigung der sexuellen Ausbeutung von Kindern in Asunción“ und wurde von der Gruppe Luna Nueva gestartet. Diese Nicht-Regierungsorganisation arbeitet zum Thema Prostitution und sexuelle Ausbeutung. Für die Initiative erhält Luna Nueva Unterstützung der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und aus Spanien.

Das Zentrum bietet Raum für Bildungs- und Freizeitangebote für die Kindern sowie medizinische und psychologische Hilfeleistung. Bis jetzt haben sich etwa 50 Mädchen und Jugendliche an das Zentrum gewandt. Es wird nun versucht, sie in die regelmäßigen Aktivitäten einzubinden. Nach Schätzungen sind 65 Prozent der Prostituierten jünger als 20 Jahre. Normalerweise werden sie bei Razzien in Bordellen und Rotlichtbezirken aufgegriffen, aber es wird ihnen keine Alternative und keine Zufluchtsmöglichkeit geboten. Weder die Polizei noch das Rechtssystem wissen etwas mit ihnen anzufangen. Oft werden sie zu Haftstrafen verurteilt oder in zerrüttete Familien zurückgeschickt.

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