Poonal Nr. 400


Deutsche Ausgabe des wöchentlichen Pressedienstes lateinamerikanischer Agenturen Nr. 400 vom 17. September 1999

Inhalt


KOLUMBIEN

VENEZUELA

PERU

CHILE

URUGUAY

BRASILIEN

MEXIKO

GUATEMALA

NICARAGUA

PUERTO RICO

LATEINAMERIKA – Die Mythen des Tourismus, I

SPANIEN/LATEINAMERIKA


KOLUMBIEN

Die Rolle der USA –

Kampf gegen den Drogenhandel oder moderne Aufstandsbekämpfung?

Von Laura Patricia Barros und Stefanie Kron

(Bogota/Berlin, 10. September 1999, npl).- Die Presse, linke Parteien und Menschenrechtsorganisationen zwischen Panama und Feuerland schlagen Alarm. Der Besuch des Chefs des Südkommandos der us-amerikanischen Streitkräfte, Charles Wilhelm, diese Woche in Brasilien, lieferte nur den jüngsten Anlass für eine Debatte, die inzwischen ganz Lateinamerika bewegt: Planen die USA eine direkte militärische Intervention in den seit vierzig Jahren andauernden bewaffneten Konflikt in Kolumbien?

Wilhelm traf am 9. September mit dem brasilianischen Verteidigungsminister Elcio Alvares zusammen, um über die Rolle des Amazonaslandes im Kampf gegen die kolumbianischen Guerilla- Organisationen FARC und ELN zu debattieren. Mit seiner Behauptung, Brasilien sei Hauptnahrungsmittellieferant für die Aufständischen, erhöhte er den Druck auf das südamerikanische Land, sich an einer multinationalen „Eingreiftruppe“ zu beteiligen. Dieser Plan der USA ist bisher sowohl von der Organisation amerikanischer Staaten (OAS) als auch von Brasilien und Venezuela abgelehnt worden, während die peruanischen, ecuadorianischen und argentinischen Regierungen den Vorschlag zurückhaltend, aber nicht kategorisch ablehnend kommentierten. Fest steht jedoch, dass alle Nachbarländer in den letzten Monaten die Truppen an den Grenzen zu Kolumbien verstärkt haben.

Die aktuellen Debatten in der US-Administration um eine massive Erhöhung logistischer und finanzieller militärischer Unterstützung für die kolumbianischen Streitkräfte, um einen zusätzlichen militärischen Etat von einer Milliarde Dollar für die gesamte Region sowie vier militärisch-diplomatische us-Delegationen nach Kolumbien und die Nachbarstaaten in den vergangenen sechs Wochen, geben den beharrlich kursierenden Gerüchten über ein militärisches Eingreifen der USA in Kolumbien reichlich Nahrung. Bereits am 22. Juli äusserte US-Präsident Bill Clinton, der Konflikt in Kolumbien und das Ende des Guerilla-Krieges, sei eine „Angelegenheit der nationalen Sicherheit für die USA“.

Die Offensive der Vereinigten Staaten, den Drogenhandel und die Guerilla in Kolumbien in eine Bedrohung für ganz Lateinamerika zu verwandeln, begann allerdings erst Anfang August manifest zu werden. Ende Juli stattete Barry McCaffrey, Chef der US- amerikanischen Antidrogenbehörde, Bogota einen Besuch ab, um über eine Erhöhung des US-Etats für den Kampf der kolumbianischen Militärs gegen das Geschäft mit den Drogen zu beraten. Jetzt schon erhält Kolumbien nach Ägypten und Israel die meiste militärische Unterstützung von den USA. Pro Jahr sind das etwa 150 Millionen Dollar, der grösste Anteil offiziell für die Bekämpfung des Drogenhandels. Für 1999 wurden die Mittel auf 300 Millionen Dollar aufgestockt.

Die us-amerikanische Zeitschrift „Newsweek“ gab in ihrer Ausgabe vom 11. August an, dass in Kolumbien bereits rund 300 Angehörige der us-amerikanischen Sicherheitskräfte stationiert seien, darunter 200 Soldaten und 100 Mitarbeiter des CIA sowie der Drogenkontrollbehörde DEA. Geplant ist nun die Entsendung weiterer Drogen- und Militärexperten sowie Ausbilder nach Kolumbien, die Schenkung von weiteren sechs US-Militärhubschraubern und ein sogenanntes „Flussprogramm“, mit dem der „Drogenhandel auf dem Wasserweg effektiver kontrolliert werden soll“.

Auf dem Rückweg in die USA stoppte McCaffrey in Ecuador und Venezuela. Ziel war es mit der ecuadorianischen Regierung über die Erweiterung der Militärbasis in der Hafestadt Manta zu verhandeln und von Venezuela Überflugrechte zu fordern. Die vorgebliche Dringlichkeit für den Ausbau der Militärbasis begründete McCaffrey mit der wachsenden Bedeutung des Landes als Umschlagplatz für Drogenschiffe aus Bolivien, Peru und Kolumbien, die von ecuadorianischen Häfen nach Mexiko, die USA und Europa verschifft würden. Ähnlich argumentierte McCaffrey auch gegenüber der venezolanischen Regierung, deren eigenwilliger Präsident Hugo Chavez die Forderung nach Überflugrechten der USA schon mehrmals abgelehnt hatte. „Ich vermute ein wachsendes Eindringen internationaler Drogenkrimineller in den venezolanischen Luftraum“, so McCaffrey.

Nach seiner Rückkehr am zweiten August erklärte der „Antidrogenzar“ vor dem us-amerikanischen Kongress, Kolumbien befände sich im Ausahmezustand und machte, bezugnehmend auf die kolumbianischen Aufständischen die Bezeichnung „Drogenguerilla“ wieder salonfähig: „Von den Guerillas, die sich zu einem guten Teil aus der Kokain- und Heroinproduktion finanzieren, geht eine enorme kriminelle Gewalt gegen die kolumbianische Demokratie aus.“ McCaffrey behauptete weiter, dass die rund „20.000 Narcoguerilleros um die 600 Millionen US-Dollar pro Jahr über den Drogenhandel einnehmen, um ihren Kampf zu finanzieren“. „Ausserdem“, so McCaffrey, „stellen die kolumbianischen Aufständischen eine Bedrohung für die gesamte Region dar, weil sie schon die Grenzen zu Panama, Brasilien, Venezuela und Ecuador überschritten haben“.

In einem Schreiben an die Aussenministerin Madeleine Albright forderte er eine Milliarde Dollar für den Antidrogenkampf der Andenstaaten, von denen die Hälfte an die kolumbianischen Streitkräfte gehen soll. Schon Mitte Juli hatte der kolumbianische Verteidigungsminister Luis Fernando Ramirez bei einem Besuch in Washington zur effektiveren Bekämpfung der „Narcoguerillas“ für seine Streitkräfte zusätzliche 500 Millionen Dollar gefordert, die allerdings bislang nicht bewilligt wurden.

Als direkter Anlass für die rhetorische und militärische Offensive der USA kann der Absturz des US-amerikanische Militärflugzeugs DeHavilland RC-7B über dem Militärstützpunkt Apiay im Süden Kolumbiens am 23. Juli gelten. Es handelte es sich um eine mit Nachtsicht- und Infrarotkameras ausgestattette Maschine. Offiziell sollte das Flugzeug Koka- und Mohnfelder orten. Ein am 27. Juli veröffentlichter Bericht der kolumbianischen Tageszeitung El Espectador zitiert eine anonyme Quelle aus den USA, die belegt, dass die sieben Insassen des verunglückten „Drogenaufklärungsflugzeuges“, fünf us-amerikanische- und zwei kolumbianische Militärs, Aufstandbekämpfungsexperten waren. El Espectador vom 18. Juli zufolge zeige der Absturz des Flugzeuges vor allem die enge Verbindung zwischen Antidrogen- und Antiguerillakampf in Kolumbien, an dem die USA massgeblich beteiligt seien: „Nahezu alle von den USA unterstützten Antidrogenprogramme sind synonym mit Antiguerrilla-Programmen.“

So werden auch die jüngsten, erstaunlich erfolgreichen Schläge der kolumbianischen Sicherheitskräfte gegen die FARC-Guerilla in engem Zusammenhang mit der zunehmenden Präsenz us-amerikanischer Offiziere bei Operationen aus der Luft gesehen. Beim Eintreffen in Situ, eine Kleinstadt in der Nähe von Bogota, nach der vom kolumbianischen Militär brutal niedergeschlagenen Offensive der FARC im Juli, fanden Journalisten mit Erstaunen zwei Flugzeuge mit us-amerikanischer Flagge vor.

Die Hintergründe für die massive Verstärkung der militärischen Aufstandsbekämpfungsstrategien der USA unter dem Deckmantel des Kampfes gegen den lateinamerikanischen Drogenhandel – nebenbei sei erwähnt, dass zwei Drittel der Gewinne daraus in den USA bleiben – und der Bemühungen um eine Regionalisierung des kolumbianischen Konfliktes sind vielfältig. Einer der wichtigsten ist jedoch der drohende Verlust der militärischen Kontrolle der USA in der Region durch die Rückgabe des Panama-Kanals an den mittelamerikanischen Staat und den Abzug aller us-amerikanischen Truppen aus panamesischem Teritorium bis zum Jahr 2000. Bereits 1997 erklärte General Maxwell Thurman, ehemaliger Chef des in Panama stationierten „Südkommandos“ der USA, unverblümt, worum es nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes geht: „Der Krieg in Lateinamerika gegen die Drogen ist der einzige, der uns bleibt.“

Laut McCaffrey ist die ecuadorianische Hafenstadt Manta nun „der richtige Platz“ für eine der drei geplanten erweiterten oder neuen Militärstützpunkte in Ecuador und den niederländischen Antillen. Die USA wollen zwischen 20 und 40 Millionen Dollar in die Ausrüstung des Stützpunktes in Manta investieren, von dem aus jährlich 2.000 Drogenaufklärungsflugzeuge vom Typ des abgestürzten starten sollen.

Inzwischen regt sich jedoch in verschiedenen einflussreichen Kreisen massive Kritik an der verdeckten Aufstandsbekämpfungspolitik der USA in Südamerika. FARC und Pastrana bestritten von Beginn an die Verbindung der Guerilla zum Drogenhandel. Donnie Marshall, Geschäftsführer der DEA, erklärte öffentlich, er könne die Ansicht McCaffreys zur FARC nicht teilen: „Uns liegt nicht ein einziger Fall vor, der uns zu der Schlussfolgerung veranlasst, dass diese Gruppe sich verhält wie eine, die organisierten Drogenhandel betreibt.“

Chef der Paramilitärs bedroht Pamana und Venezuela

(Bogota, 12. September 1999, pulsar-Poonal).- Carlos Castano, Chef der rechtsgerichteten „Vereinigte Selbstverteidigungsgruppen Kolumbiens“ (AUC), hat der Nationalgarde Panamas mit Vergeltung gedroht. Er beschuldigt sie und die venezolanischen Militärs, Kontakte zur kolumbianischen Guerilla zu unterhalten. Wer sich seinen paramilitärischen Verbänden bei der Bekämpfung der Guerilla in den Weg stelle, werde zum militärischen Ziel, so Castano.

Diskriminierung in Schulbüchern

(Bogota, September 1999, fempress-Poonal).- Von den rund 11.000 Hauptpersonen, die in kolumbianischen Schulbüchern vorkommen, sind 9.000 männlich und nur etwa 1.900 weiblich. Von den Personen, die produktive Arbeiten im öffentlichen Bereich verrichten, sind 93 Prozent Männer. Unter den 29 Menschen, die im Haushalt arbeiten, sind 25 Frauen. Unter den abgebildeten spielenden Kindern, befinden sich mehr als doppelt so viele spielende Jungen, wie spielende Mädchen. Auf eine dargestellte Wissenschaftlerin kommen neun männliche Kollegen. Diese Daten stammen aus einer von der Nationalen Direktion für die Gleichstellung der Frau vorgelegten Leitlinie zur nicht-sexistischen Darstellung in Schulbüchern. Mehrere Verlage hatten bei der Erstellung des Papiers zusammengearbeitet, in dem auch theoretische und praktische Erörterungen über Sexismus und Erziehung aufgeführt sind sowie Vorschläge zu nicht-sexistischer Darstellung. Der Leitfaden wurde anlässlich des internationalen Tages der nicht-sexistischen Erziehung veröffentlicht und von UNICEF unterstützt.

VENEZUELA

Hugo Chavez – Ein Messias mit Vorbildern

Von Alvaro Alfonso

(Caracas, September 1999, npl).- „Er ist das Licht und die Erlösung,“ steht auf dem selbstgemalten Schild, das eine ältere, schlicht gekleidete Frau in die Höhe hält. Die Kundgebung in der venezolanischen Hauptstadt Caracas wirkt wie die Zusammenkunft einer der vielen evangelikalen Sekten, die in Lateinamerika grossen Zulauf haben. Doch es ist eine politische Veranstaltung, und der pathetische Satz bezieht sich nicht auf Jesus, sondern den Präsidenten Hugo Chavez. Der zum Demokraten konvertierte frühere Putschist ist der neue Held der Massen in Venezuela, während sein autoritärer Regierungsstil in den Nachbarländern der Region mit zunehmender Sorge betrachtet wird.

Chavez' spanischer Beichtvater, Jesuit und ohne Zweifel Anhänger seiner Politik, sagt, die vom neuen Präsidenten angekündigte „friedliche Revolution“ könnte nur aus einem Grund scheitern: „Er hält sich für einen Gott.“ Dies mag dem Chef des Parteienbündnisses „Patriotischer Pol“ Unrecht tun. Doch bestimmt sieht sich der selbstbewusste Mann, der stets mit roter Baskenmütze auftritt und mitreissende Reden hält, als Auserwählter, der sein Land und, wenn möglich, auch den ganzen Subkontinent aus dem Elend retten soll. Genügend Anhänger hat er: Die grosse Mehrheit der Venezolaner, der falschen Versprechungen und Korruption müde, bringt ihm grenzenloses Vertrauen entgegen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Lateinamerika auf einen „Caudillo“ (charismatischen Führer) setzt, der als Messias daherkommt. Bislang scheiterten all diese Experimente unterschiedlicher Herkunft. Zumeist führte die Konzentration der Macht in wenigen Händen zu mehr Problemen, als damit gelöst wurden. Die Venezolaner jedoch versichern, dass es diesmal anders sein werde.

Bis 1992 war Chavez ein unbekannter Oberstleutnant. Damals, im Alter von 37 Jahren, putschte er erfolglos gegen den sozialdemokratischen Präsidenten Carlos Andres Perez. Perez war der typische Repräsentant der venezolanischen Demokratie, die über Jahrzehnte hinweg von zwei Parteien dominiert wurde: Korrupt, unfähig, nur seiner Klientel verpflichtet. Lange vor seiner Verurteilung wegen Vetternwirtschaft trug er das Seine dazu bei, das reiche Erdölland in den Abgrund zu wirtschaften. Es war dieses ungeliebte System, dass dem neuen Helden zur Geburt verhalf: Ungemein geduldig, erst im Gefängnis, später als Redner auf Strassen und in der Politik, knüpfte Chavez die Fäden, die zur Macht führen. Der Urnengang im vergangenen Dezember führte ihn ans Ziel.

Doch die verfassungsmässige Machtfülle reicht dem neuen Staatschef nicht. In nur sieben Monaten erlangte er Kontrolle über fast alle Institutionen des Landes, im August beschnitt er die Befugnisse der Justiz. Ohne Scheu griff er in die Arbeit des Parlaments ein, dessen Oppositionsmehrheit ihm hinderlich wurde. Chavez' Macht zeigt sich nicht zuletzt darin, dass sich der praktisch aufgelöste Kongress Anfang September mit Chavez auf einen Kompromiss einigte, der den Einschnitt in die Befugnisse der Abgeordneten nahezu legitimiert.

Die Waffe des Präsidenten ist eine Verfassunggebende Versammlung, in die zu über 90 Prozent Chavez-Anhänger gewählt wurden. Die Opposition kritisiert, das neue Gremium sei nur dazu da, eine Verfassung gemäss den Wünschen des Staatschefs zu schneidern. Soweit bisher bekannt, bestätigt sich diese Befürchtung: Mehr Vollmachten für den Präsidenten, neben den drei herkömmlichen Gewalten soll ein vierte, „Moralische Macht“, etabliert werden und natürlich die Wiederwahl des Amtsträgers. Offensichtlich baut sich der Ex-Militär sein eigenes Königreich, und sogar weitgehend demokratisch legitimiert: Er gewann freie Wahlen, ein Referendum befürwortete die Verfassungsversammlung und diese handelt entsprechend der Mehrheitsverhältnisse.

Unverändert sind die Sympathien im Land. „Das Volk ist für Chavez, für den Wechsel,“ sagt ein gut 50jähriger Mann, der im Anzug an einer Kundgebung des „Patriotischen Pols“ teilnimmt. „Diejenigen, die ihn einen Diktator nennen, sind die ewig Korrupten, die alten politischen Mafias.“ Inbrunst für einen Messias, der vom Scheitern einer politischen Klasse profitiert, die in ihrer Selbstsucht ihr eigenes Grab geschaufelt hat.

Das „Phänomen Hugo Chavez“ hat Vorbilder. Einst den Peronismus in Argentinien, doch auch heute, zum Beispiel den Regenten Perus, Alberto Fujimori. Auch andere Präsidenten wie der Brasilianer Fernando Cardoso oder der Argentinier Carlos Menem konnten der Versuchung einer laut Verfassung verbotenen Wiederwahl nicht widerstehen, doch sie hielten sich an den demokratischen Rahmen. Fujimori griff 1992 zum Mittel des Selbstputsches: Er löste das Parlament auf und schuf – getragen von breiter Popularität – eine Staatsform, die ihm grenzenlose Machtfülle garantiert.

Fujimori und Chavez, deren politisches Modell des starken Mannes im krisengeschüttelten Lateinamerika nicht verwundern darf, haben vieles gemein. Ungeniert zeigen sie Ihre Machtgelüste, übertreten demokratische Regeln, halten zu den „Massen“ im Land und beide sind überzeugt, dass ihre Führerschaft unabdinglich für das Wohl des Landes ist. Diese Gemeinsamkeiten lassen die Unterschiede in den Hintergrund treten. Der Pragmatiker Fujimori hält nichts von Ideologie und Politik und wiederholt immer wieder, keinem Vorbild nachzueifern. Der Populist Chavez hingegen ist der klassische Ideologe, er weiss um seinen politischen Instinkt und sieht sich als Erbe von Simon Bolivar, dem Wegbereiter der Unabhängigkeit Südamerikas von Spanien.

Entscheidend jedoch – und derzeit nicht nur in Venezuela heftig umstritten – sind die inhaltlichen Unterschiede im politischen Projekt. Der Peruaner Fujimori erhob den Neoliberalismus zum Dogma, setzte auf Privatisierung und entband den Staat aller sozialen Verantwortung. Paradoxerweise gewann er mit dieser Politik die breite Unterstützung der verarmten Bevölkerung, die Fujimori als Bezwinger der Inflation und des Terrorismus feiert. Im scharfen Gegensatz dazu verficht Chavez den starken Staat. Nein zum neoliberalen Modell und eine Politik für die sozial Schwachen sind sein Credo. Trotz seiner Neigung zu Autorität und Hierarchie gilt er vielen als Mann der Linken.

Zudem hat Venezuelas Präsident Visionen. Im Stil seines Mentors Bolivar will er seine Überzeugungen über die Landesgrenzen exportieren. Mehrfach nahm Chavez zum Bürgerkrieg im Nachbarland Kolumbien Stellung und legt sich mit den USA an, die in seinen Augen Kuba und den Rest des Kontinents ausbeuten. Emsig arbeitet er an seinem Vorschlag, eine „Konföderation Lateinamerikanischer Staates“ ins Leben zu rufen. Sein grosses Manko ist jedoch die Wirtschaftspolitik. Der lange Zeit fallende Ölpreis belastet den Haushalt, im ersten Halbjahr 1999 schrumpfte die venezolanische Wirtschaft um über neun Prozent. Bisher legte Chavez kein schlüssiges Konzept vor, wie er die steigende Arbeitslosigkeit bekämpfen will.

Doch es fällt dem Populisten nicht schwer, sein Volk abzulenken. Wie Fujimori in Peru spricht Chavez täglich über eigene Radio- und Fernsehkanäle zu seinen Anhängern. Die Schlagzeile dieser Tage: Der Präsident trainiert Baseball und wird bald eine venezolanische Nationalmannschaft gegen eine kubanische unter Fidel Castro anführen.

Die Besorgnis, die die Vorgänge in Venezuela nicht nur auf dem amerikanischen Kontinents ausgelöst haben, wird noch einige Zeit andauern. Schon das „Phänomen Fujimori“ ist seit Jahren trotz internationaler Kritik unangefochten an der Macht. Unbeirrt arbeitet der peruanische Präsident daran, ein drittes Mal, sogar entgegen der von ihm diktierten Verfassung, für das höchste Staatsamt zu kandidieren – Umfragen zufolge mit guten Aussichten. Auch Chavez wird das gewonnene Terrain nicht so schnell wieder preisgeben, zumal jegliche Konkurrenz im Land völlig diskreditiert ist. Nur eines fehlt ihm bisher: Konkrete Erfolge, die seine Anhängerschaft auf Dauer bei der Stange hält.

Chavez will USA beruhigen

(Caracas, 14. September 1999, pulsar-Poonal).- Nach seinem Auftritt vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York am 22. September wird Venezuelas Präsident Hugo Chavez weitere zwei Tage in den USA bleiben. Vorgesehen sind unter anderem Treffen mit führenden Persönlichkeiten des US-Senats und des Repräsentantenhauses sowie Gespräche mit Gremien der Organisation Amerikanischer Staaten. Auch Termine mit Internationalem Währungsfonds, Weltbank und Interamerikanischer Entwicklungsbank stehen auf dem Programm. Es wird davon ausgegangen, dass Chavez auf die vom Ausland vorgebrachte Kritik an seinem Regierungsstil eingehen wird.

PERU

„Nicht persönlich gemeint“ –

Staat verletzt Frauenrechte mit „chirurgischer Verhütungsmethode“

Von Maria Esther Mogollan

(Lima, August 1999, fempress-Poonal).- Die immer wieder gegen den peruanischen Staat erhobenen Vorwürfe der Zwangssterilisierung von Frauen sind ein weiteres Mal erhärtet worden. Das lateinmerikanische und karibische Komitee zur Verteidigung der Rechte von Frauen (CLADEM) hat nach einer umfassenden Untersuchung den Bericht und das Video „Nicht persönlich gemeint – Chirurgische Verhütung in Peru“ veröffentlicht. Die von der feministischen Rechtsanwältin Giulia Tamayo vorgestellte Studie wurde 1996 begonnen, weil vieles auf Unregelmässigkeiten im staatlichen Programm der Familienplanung hindeutete, vor allem beim chirurgischen Entfernen oder Abtrennen von Eileitern.

In dem Bericht wurden 243 Fälle aus 19 peruanischen Provinzen zusammengetragen. Die Untersuchung kommt zu dem Schluss, der Staat habe aus mehreren Gründen seine Sorgfaltspflicht verletzt. So sei es zu Fällen von Zwangssterilisierung gekommen und zu gesundheitlicher Fehlinformation. Außerdem sei der Zugang zum Rechtsweg verhindert worden, wenn es um die Zahlung von Entschädigungen ging. Weiter wird deutlich, dass Planziele vorgegeben wurden und das Gesundheitspersonal Anreize erhielt, um die vorgegeben Quoten an Sterilisierungen einzuhalten. Aus diesem Grund seien sogenannte „Eileiterfestivals“ veranstaltet worden, um Frauen zu animieren, sich sterilisieren zu lassen.

Frauen, die in extremer Armut leben und überwiegend aus ländlichen Gebieten und indigenen Gemeinden kommen, betraf dieses Vorgehen am massivsten. Eine Reihe von Interviews mit Betroffenen belegen das Vorgehen der Behörden und waren grundlegend für die Wahrheitsfindung: „Die Krankenschwester kam zu mir nach Hause und bedrohte mich: Wenn du nicht kommst oder nochmal schwanger wirst, werden wir dein Kind nicht mehr auf der Gesundheitsstation akzeptieren. Das nächst Mal holen wir dich mit der Polizei. Als mein Mann das hörte, bekam er Angst und unterschrieb. Danach liess ich mich aus Angst operieren. Seitdem bin ich behindert.“

Eine andere Frau berichtet: „Alle wurden operiert, während sie 'tot' (narkotisiert) waren, einige aber auch, obwohl sie die Schmerzen noch spürten. Als ich diese Schreie hörte, wollte ich weg. Ich weigerte mich und die vom Gesundheitsposten schlossen daraufhin die Tür, um zu verhindern, das ich weglaufe. Als ich trotzdem weg wollte, warfen sie mich mit Gewalt auf den Operationstisch…“

Der Bericht und die Videokassetten von CLADEM werden zur Zeit überall im Land von verschiedenen Organisationen verbreitet und haben zur Sensibilisierung der Menschen und zu weiteren Anzeigen von Frauen geführt. Aufgrund sich häufender Klagen startete die „Offene Frauenbewegung Perus“ (MAM) 1998 in der Hauptstadt Lima und in verschiedenen Provinzen, gemeinsam mit anderen Organisationen, eine landesweite Aufklärungskampagne. Im Januar 1999 wurden Solidaritätsaktionen für betroffene Frauen aus den Regionen Anta und Cuzco durchgeführt. Die zuständigen Behörden wurden um Stellungnahme zu den Vorwürfen gebeten.

Schon vor der Veröffentlichung des Tamayo-Berichts hatte MAM den direkten Dialog mit den Bohörden gesucht, um das Familienplanungsprogramm der Regierung zu modifizieren. Das Gesundheitsministerium versprach die Entsendung einer Ärztin, um die Frauen in Cuzco und Piura zu betreuen und lud MAM ein, an der Kommission zur Verteidigung der Rechte von Frauen teilzunehmen. Das Verhalten der Gesundheitsbehörden während der Vorstellung des CLADEM-Berichts hingegen bewog MAM und die meisten anderen Teilnehmer an der Kommission zu Protesten. Denn um die in dem Bericht erhobenen Klagen nicht rechtswirksam werden zu lassen, hatte das Ministerium führende Frauenrechtlerinnen in Cuzco auf den Bericht angesprochen und den in dem Video vorkommenden Frauen gedroht. Die betroffenen Frauen sind weit davon entfernt, sich von diesem Vorgehen einschüchtern zu lassen. Sie haben sich erneut zusammengefunden, um sich zu verteidigen.

MAM hat die Fälle veröffentlicht und verlangt nun Garantien für die persönliche Sicherheit der Frauen, die ihre Aussagen für die Veröffentlichung des Berichtes freigegeben hatten. „Wir von der Frauenbewegung sind für einen breiten Zugang zu allen Verhütungsmethoden, doch sollten diese Methoden adäquat und mit der freien und informierten Zustimmung der betroffenen Frauen eingesetzt werden“, formulierten Giulia Tamayo und MAM in einer gemeinsamen Erklärung. Jahre sind seit den ersten Klagen vergangen, der CLADEM-Bericht ist eindeutig: es gibt tausende betroffener Frauen. Bis heute sind 30 Todesfälle bekannt geworden.

CHILE

Offener Brief Pinochets an die Chilenen sorgt für Streit –

Senatspräsident hofft auf Fortschritte bei Versöhnungsgesprächen

Von Leonel Yanez

(Santiago de Chile, 15. September 1999, npl).- Nur wenige Tage nach den heftigen Strassenschlachten am Jahrestag des Pinochet- Putsches richtete sich der in London inhaftierte Patriarch in einem offenen Brief an die Chilenen. „Ich bitte um nichts, und ich will mich nicht in den Vordergrund stellen… Ich rufe zur Festigung der Demokratie und für das Erreichen der nationalen Einheit auf,“ schrieb der Ex-Diktator. Den Brief, durchgehend in moderatem Ton gehalten, verlas der Senatspräsident Andres Zaldivar am Dienstag im Fernsehen.

Ob der schwindenden Aussicht, seine Auslieferung nach Spanien noch verhindern zu können, beginnt Pinochet das Schreiben resigniert, aber mit Pathos. „In diesen für das Vaterland so bedeutsamen Tagen, der Freiheit beraubt und angesichts eines langen Verfahrens, das meine Gesundheit ruiniert, richte ich mich an meine Heimat.“ Aus der Entfernung erlaube er sich, ein Urteil abzugeben. Pinochet spüre „das Ende nahen“, und er hoffe, dass sein Beitrag nützlich sei.

Erstmals lässt sich eine Art Entschuldigung in seinen Worten vermuten: „In meiner Seele gibt es weder Schmerz noch Groll. Ich bedauere alle kriegerischen Situationen und die Gewalt, die sie verursacht haben.“ Klare Aussagen jedoch scheut der 83-jährige. Und er unterstreicht, dass es ihm nicht um Reue geht. „Die Armee muss in schwierigen Situationen wie bei bewaffneten Auseinandersetzungen handeln. Es ist wichtig, die Ehre der Institutionen zu wahren.“

Die bislang einzigartige Stellungnahme des Mannes, der das südamerikanischen Land von 1973 bis 1990 mit harter Hand regierte und für den Tod oder das Verschwinden von Tausenden Chilenen verantwortlich gemacht wird, wird bereits kontrovers diskutiert. Zaldivar erklärte unmittelbar nach der Verlesung, der Brief enthalte keine konkreten Vorschläge, sei aber „versöhnlich formuliert und öffnet den Raum für ein Nachdenken“.

Der Senatspräsident meinte, Pinochets Schreiben gebe denjenigen, die über Informationen zu den vielen Fällen von Verschwundenen verfügten, die Möglichkeit, diese öffentlich zu machen. Er bezieht sich damit auf die Gespräche am Runden Tisch, die seit vergangenem Monat Regierung, Militärs und Menschenrechtsorganisationen mit dem Ziel führen, die Versöhnung und die Aufklärung von ungeklärten Verbrechen unter der Diktatur voranzubringen. „Erstmals erkenne ich keine aggressive, ideologische Sprache, sondern einen Beitrag zum Dialog.“

Kritisch hingegen reagierte die Linke, insbesondere die Angehörigen der Diktaturopfer. Das Schreiben des – laut Verfassung – Senators auf Lebenszeit enthalte nichts Neues. Die Kämpfe am 11. September zeigten vielmehr, dass die Anhänger Pinochets nach wie vor diejenigen unterdrückten, die für Wahrheit und Gerechtigkeit eintreten. Im Vorfeld der Proteste zum 26. Jahrestag des Pinochet- Putsches hatte die Polizei das Gelände der Universität gestürmt und über 70 Personen festgenommen. Nach zunächst friedlichen Demonstrationen wurden am Samstag Abend zwei Jugendliche von der Polizei erschossen.

Jahrestag des Putsches von brutalem Vorgehen der Polizei geprägt

Von Leonel Yanez

(Santiago de Chile, 12. September 1999, npl).- In der Nacht zum Sonntag wurden in der chilenischen Hauptstadt Santiago de Chile bei gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei, anläßlich des 26. Jahrestages des Militärputsches in dem südamerikanischen Land, zwei Menschen erschossen. Mehr als zehntausend Menschen gedachten am Samstag mit einer Demonstration der mehr als 3.000 Opfer der Diktatur (1973-1990) unter Augusto Pinochet.

Die Kundgebung war vom nationalen Dachverband der chilenischen Menschenrechtsorganisationen einberufen worden, die Gerechtigkeit für die während des Militärregimes Ermordeten und Verschwundenen sowie Bestrafung der Verantwortlichen fordern. Die Demonstration führte zur Gedenkstätte für die Opfer der staatlichen Repression auf dem zentralen Friedhof von Santiago.

Führende Vertreter der Menschenrechtsgruppen würdigten in ihren Ansprachen das Erbe des ehemaligen chilenischen Präsidenten Salvador Allende, dessen demokratisch gewählte sozialistische Regierung am 11. September 1973 von rechten Militärs, mit Pinochet an der Spitze, gewaltsam beendet wurde.

Kurz vor Ende der Feierlichkeiten vor dem Mahnmal, in dem die Namen der mehreren tausend Getöteten und Verhafteten- Verschwundenen verewigt sind, kam es vor den Toren des Friedhofes zu einem Tumult. Etwa 50 vermummte Jugendliche errichteten und entzündeten Barrikaden, liessen die Fensterscheiben der umliegenden Geschäfte klirren und forderten Gerechtigkeit für die Opfer der 17-jährigen Diktatur.

Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren hatte sich die Polizei zunächst darauf beschränkt, die Zufahrtsstrassen zum Friedhof zu sperren und die Kundgebung aus der Distanz zu beobachten. Im Verlauf des Abends und der Nacht kam es jedoch zu mehreren Strassenschlachten und gewaltsamen Übergriffen seitens der „Carabineros“, einer Sondereinheit der chilenischen Polizei, auf die Demonstranten. Dabei wurden zwei Jugendliche, die sich hinter einer Strassensperre versteckt hatten, von den Sicherheitskräften erschossen.

Bereits am Tag zuvor wurden Vertreter von Menschenrechtsorganisationen und der kommunistischen Partei brutal von den „Carabineros“ vertrieben, als sie vor der Moneda, dem chilenischen Regierungspalast, zum Gedenken Allendes einen Kranz niederlegen wollten. Die friedliche Aktion fand ein groteskes Ende, als die Polizei begann, Wasserwerfer, Tränengas und Knüppel gegen die Versammelten einzusetzen.

Wenige Minuten später erklärte Gladys Marin, Präsidentschaftskandidatin der kommunistischen Partei, vor dem Eingang des Innenministeriums: „Die Verantwortlichen der Repression sind nicht die Carabineros, sondern die feigen Regierungsvertreter in der Moneda, die den Befehl zur gewaltsamen Beeendiung der friedlichen Versammlung gegeben haben“.

Auch einige konservative Abgeordnete der Regierungskoalition aus Christdemokraten und Sozialisten mit Eduardo Frei als Staatspräsident äusserten öffentlich ihren Unmut gegenüber den übertriebenen polizeilichen Massnahmen. Diese Zwischenfälle prägten jedoch das Bild der Aktionen rund um den Jahrestag des Putsches. Sie zeigen die Brutalität der chilenischen Sicherheitskräfte, mit der fast 20 Jahre nach Ende des Militärregimes auch heute noch gegen Linke und Menschenrechtsaktivisten vorgegangen wird.

Etappensieg für Mapuches

(Santiago, 9. September 1999, pulsar-Poonal).- Ein Richter der chilenischen Hauptstadt Santiago hat den einstweiligen Baustopp für das Wasserkraftwerk Ralco angeordnet. Diese grösste Konstruktion ihrer Art in Chile würde nach der Umleitung und Stauung des Bio-Bio-Flusses das Land von Mapuche-Gemeinden überfluten. Die indigenen Mapuches wehren sich seit Jahren mit allen Mitteln gegen das Kraftwerk. Dabei können sie auf die Unterstützung von Umweltschützern zählen, bei Regierung und dem Bauunternehmen finden sie jedoch aber kaum Gehör. Einige Mapuches akzeptierten auch Entschädigungszahlungen. Eine grundsätzliche Entscheidung zu dem Projekt steht noch aus. Der verfügte Baustopp bedeutet für die Mapuches lediglich eine Atempause.

Bald ein kahles Land?

(Santiago, September 1999, ips/na-Poonal).- In Chile geht die Zerstörung der Wälder aufgrund der Holzausbeutung weiter. Nach der jüngsten Katastrierung über die Waldbestände, durchgeführt von der Forstbehörde, gingen alleine in den südlichen Regionen Araucania und Los Lagos 25.000 Hektar Urwald zwischen 1994 und 1998 zugrunde. Umweltgruppen erklären dies unter anderem damit, dass Chile weltweit der drittgrösste Produzent von Zahnstochern ist.

Der Umweltexperte Marcel Claude versichert, die Waldzerstörung sei immer stärker der kommerziellen Ausbeutung geschuldet und in geringerem Masse der Nutzung als Brennstoff durch die armen Campesinos. Gemeinhin wird ihnen die größte Verantwortung für den Rückgang der Wälder gegeben. Claude warnte bereits 1996, die Wälder könnten innerhalb von 30 Jahren verschwinden. Das neue Kataster belegt seiner Meinung nach den alarmierenden Prozess. Im Parlament liegt seit 1991 ein Gesetz zum Schutz des Waldbestandes auf Eis, da der Druck der Holzunternehmen offenbar zu stark ist.

URUGUAY

Tupamaro erhebt schwere Vorwürfe gegen Präsident Sanguinetti

(Montevideo, 13. September 1999, comcosur-Poonal).- Der amtierende Präsident Sanguinetti war bereits in den Jahren vor dem Putsch der Militärs (1976) über Gründung und Aktionen von Todesschwadronen informiert. Dies behauptet zumindest Eleuterio Fernandez Huidobro, ehemals führender Kader der „Bewegung der Nationalen Befreiung- Tupamaros“, die damals im Land operierende Stadtguerilla. Als Kabinettsmitglied vor 1976 habe Sanguinettie zudem „die tragischen Sicherheitsmassnahmen, die Massaker an den Studenten, die Missachtung des Parlamentes, die Militarisierung der Verbände, die Schliessung von Radios und Zeitungen, die Schaffung von Zwangsarbeitslagern und geheimen Gefängnissen, die systematische Folterung sowie das Verschwindenlassen von Personen durch die Militärregierung der Colorado Partei“ unterstützt. Huidobro nannte als Grund für die Senatskandidatur des Präsidenten, dieser wolle so einem möglichen Prozess entgehen. Die Beschuldigungen haben den Wahlkampf in Uruguay weiter angeheizt. Sanguinetti hat sich als Präsident stets geweigert, die Vergangenheit unter der Diktatur gründlich untersuchen zu lassen. Dies nährte in Menschenrechtskreisen den Verdacht, Sanguinetti und seine Colorado Partei könnten wesentlich mehr mit den Unterdrückungsaktionen des Regimes zu tun haben, als sie zugeben.

Angehörige von Verschwundenen bestehen auf Wahrheit

(Montevideo, 11. September 1999, comcosur-Poonal).- Die Vereinigung der Mütter und Familienangehörigen der Verhafteten/Verschwundenen will sich in den Wahlkampf einmischen. Die Organisation hat alle vier Präsidentschaftkandidaten zum direkten Gespräch aufgefordert. Unter dem Motto „Im Jahr 2000 wähle ich die Wahrheit“ will die Vereinigung auf die Menschenrechte aufmerksam machen und für die Suche nach den unter der Militärdiktatur (1976-1985) Verschwundenen eine endgültige Lösung finden.

1986 stimmte die Mehrheit der Bevölkerung in einer Volksabstimmung für die Straffreiheit der Militärs und ihrer Schergen. Der Verbleib der Verschwundenen wurde nicht einmal untersucht. Bekannte Folterer und Unterdrücker konnten so ihre Militärkarrieren fortführend, wie beispielsweise der Oberst Jorge Silvera, derzeit Mitglied des Generalstabs von Armeechef Fernan Amado. Die Familienangehörigen der Diktaturopfer wollen Klagen vor der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) und der UNO reaktivieren, um das Gesetz zur Straffreiheit auf diesem Weg zu Fall zu bringen.

BRASILIEN

Mutige Richterin erhält Todesdrohungen

(Brasilia, 11. September 1999, pulsar-Poonal).- Ein Staatsanwalt, ein Priester, ein ehemaliger Bürgermeister und mehrere Grossgrundbesitzer standen an der Spitze eines Prostitutionsnetzes mit Kindern, das im April dieses Jahres im nordöstlichen Bundesstaat Alagoas aufflog. Die Richterin Nirvana Vianna, deren hartnäckige Untersuchung zum Erfolg führte, erhält nun Todesdrohungen. Sie hat um Schutz durch die Lokalregierung und die Bundespolizei für sich und ihre Familie gebeten. 1996 wurde der Schwager der Richterin von Pistoleros erschossen. Er hatte für den Fiskus Steuern bei reichen Unternehmern eingetrieben.

Ausgeschlossene verschaffen sich erneut Gehör

(Aparecida, 8. September 1999, pulsar-Poonal).- In mehr als 2.000 Landkreisen und Städten Brasiliens protestierten Abertausende Menschen gegen die Wirtschaftspolitik der Regierung. Im Rahmen des landesweiten Protestes, der als „Schrei der Ausgeschlossenen“ nach vier Jahren eine Tradition zu entwickeln beginnt, forderten die Demonstrierenden auch eine Lösung für das Problem der Auslandsschulden. Allein in der 130 Kilometer nordöstlich von Sao Paulo gelegenen Stadt Aparecida kamen in der Kirche und ihrer unmittelbaren Umgebung über 70.000 Menschen zusammen. Zu den Organisatoren gehören die katholische Kirche, die Gewerkschaften und die Landlosenbewegung MST. Im Oktober wird der Schrei der Ausgeschlossenen kontinentweit zu hören sein.

MEXIKO

Hohe Strafen für Mörder von Acteal – viele Fragen bleiben offen

(Mexiko-Stadt, 14. September 1999, pulsar-Poonal).- Ein Teil der verantwortlichen und ausführenden Täter des Massakers von Acteal sind zu hohen Haftstrafen verurteilt worden. Am 22. Dezember 1997 hatten der regierenden PRI nahestehende Paramilitärs in dem chiapanekischen Dorf Acteal 45 Indigenas erschossen. Unter den 24 Angeklagten, die jetzt wegen vorsätzlichen Mordes zu Gefängnisstrafen von 35 Jahren verurteilt wurden, befindet sich auch der ehemalige Bürgermeister des Landkreises Chenalho, in dem Acteal liegt.

Die richterliche Entscheidung ist von Menschenrechtsorganisationen und Überlebenden des Massakers mit Genugtuung aufgenommen worden. Sie weisen alleridngs auch darauf hin, dass nicht alle Verantwortlichen bestraft worden sind. So stand kein einziger Funktionär der Regierung des Bundesstaates Chiapas vor Gericht. Viele sehen den damaligen PRI-Gouverneur Julio Cesar Ruiz Ferro als eigentlichen Drahtzieher des Massakers. Er begleitet heute einen diplomatischen Posten in den USA.

GUATEMALA

Präsidentschaftskandidaten sind – bisweilen – Mörder

(Guatemala-Stadt, 9. September 1999, cerigua-Poonal).- Der aussichtsreiche Präsidentschaftskandidat Alfonso Portillo von der rechtsgerichteten FRG ist wegen zweier Morde in Bedrängnis geraten. Portillo, der Anfang der 80er Jahre als Dozent in Mexiko arbeitete, streitet nicht ab, im August 1982 im Bundesstaat Guerrero zwei Mexikaner erschossen zu haben. Der Strafverfolgung im Gastland entzog er sich durch Flucht. Über den Tathergang gibt es verschiedene Versionen. Portillo selbst beruft sich auf Notwehr. Er sei frei von Schuld und die Tat verjährt, erklärte er. Dennoch wird der Fall in der guatemaltekischen Presse breit diskutiert. Dabei kommt wiederholt zur Sprache, dass der eigentliche Kopf der FRG Ex-Diktator Rios Montt ist, unter dessen Regime 1982/83 zahlreiche Massaker an der Zivilbevölkerung begangen wurden.

Nahezu die Hälfte aller Kinder unterernährt

(Guatemala-Stadt, 14. September 1999, cerigua-Poonal).- In keinem anderen Land Lateinamerikas sind so viele Kinder bis fünf Jahre unterernährt wie in Guatemala. Zu diesem Ergebnis kommt eine von November 1998 bis Mai 1999 durchgeführte Untersuchung. 46 Prozent aller Jungen und Mädchen in der erwähnten Alterspanne leiden demnach unter einem chronischen Nahrungsdefizit. Eine der Folgen ist das verzögerte Wachstum des Körpers. Obwohl die statistischen Daten sich gegenüber der letzten Erhebung vor vier Jahren (49 Prozent Unterernährung) leicht verbessert haben, liegt Guatemala deutlich vor Haiti (32 Prozent) sowie Bolivien und Peru (jeweils 26 Prozent).

NICARAGUA

Streit um Strom und Wasser

(Managua, 13. September 1999, pulsar-Poonal).- Strom- und Wasserunternehmen in Nicaragua haben die Bildung sogenannter Stosstrupps angekündigt, um zu verhindern, dass sich säumige Kunden trotz gekappter Leitung erneut an die Netze anschliessen. Die Trupps sollen von der Nationalpolizei begleitet werden. Am 8. September hatten die Führungspersönlichkeiten der „Kommunalen Nicaraguanischen Bewegung“ im Anschluss an einen Protestmarsch gegen überhöhte Lebenshaltungskosten erklärt, ihre Stadtviertel- Brigaden würden entsprechendes Werkzeug kaufen, um sich an das Wasser- und Stromnetz anschliessen zu können. Die Bevölkerung habe kein Geld, die Wasser- und Stromgebühren zu bezahlen und die Kommunale Bewegung werde nicht erlauben, dass ihr die Basisdienstleistungen verweigert würden. „Der zivile Widerstand gegen die neoliberale Regierung von Arnoldo Aleman geht ohne Pause weiter. Denn die Regierung besteht aus Korrupten, die weder Steuern noch Gebühren zahlen. Also wird die Bevölkerung auch nicht bezahlen“, so Idelia Mendoza von der Bewegung.

PUERTO RICO

Politische Gefangene akzeptierten Clinton-Angebot

(San Juan, 10. September 1999, pulsar-Poonal).- Von den seit fast zwei Jahrzehnten in den USA inhaftierten 16 puertorikanischen politischen Gefangenen entschieden sich elf für ihre Freiheit, obwohl sie die von US-Präsident Clinton gesetzten Bedingungen zuvor als erniedrigend und unakzeptabel bezeichnet hatten (vgl. zurückliegende Poonal-Ausgaben). Entscheidend war für die betreffenden Gefangenen die Aussicht, nach einem Rückzug des Angebotes, möglicherweise den Rest ihres Lebens hinter Gittern zu verbringen. Ihr Entschluss wurde auch dadurch erleichtert, dass Stimmen aus der puertorikanischen Unabhängigkeitsbewegung und anderen Teilen der Gesellschaft dafür eintraten, ihnen das Recht auf eine individuelle Entscheidung zuzugestehen. Damit wurde der politische Druck von den Gefangenen genommen. Neun der elf Unabhängigkeitskämpfer wollen zukünftig auf Puerto Rico leben, zwei bleiben wahrscheinlich in den USA.

LATEINAMERIKA – Die Mythen des Tourismus, I

In dieser Ausgabe beginnen wir mit einer Serie zum Thema

Tourismus. In den nächsten Ausgaben folgen u.a. Beiträge zum

Revolutionstourismus in Chiapas/Mexiko und zum sogenannten Mitch- Tourismus in Honduras

Die Suche nach der Ethik unter der Sonne Von Stephanie Boyd

(Lima, 13. September 1999, na-Poonal).- Einst wurde der Tourismus – und wird es in einigen Kreisen immer noch – als der Rettungsanker für die sogenannten Entwicklungsländer betrachtet. Theoretischen Überlegungen zufolge, verbraucht er Primärressourcen nur minimal, schafft auf dem Dienstleistungssektor Arbeitsplätze im Überfluss und erhöht das Einkommen für die nötige Entwicklung der betreffenden Länder. Gleichzeitig soll Tourismus kulturelle Traditionen retten und zum Schutz der Umwelt beitragen.

Die Wirklichkeit sieht jedoch anders aus. Die Vertreibung einheimischer Bevölkerungen, speziell der Indigenas, illegale Beschäftigungspraktiken, Korruption und fehlender Respekt vor der lokalen Kultur, unzählige Menschenrechtsverletzungen sowie Umweltverbrechen haben selbst die Verteidiger der Branche – darunter die UNO – einsehen lassen, der Tourismus müsse nachhaltiger sein. Selbst der „Ökotourimsus“ ist diskreditiert worden und hinterläßt bohrende Fragen: Kann ein Geschäft, in dem es um viele Millionen geht, seine faulen Tricks beiseite lassen und ethisch werden? Kann Tourismus überhaupt nachhaltig sein?

Die Reise-Branche in Lateinamerika wird nicht auf Gewinne verzichten, nur weil die Tourismus-Industrie angeklagt ist, mit gezinkten Karten zu spielen. Laut UNO nahm die Branche 1997 weltweit 443 Milliarden US-Dollar nur durch die Ausgaben von Reisenden ein, Arbeitsplätze und andere durch den Tourismus hervorgerufene Einkommen nicht mitgerechnet. Allein auf Mittelamerika entfielen 1998 zwei Milliarden Dollar. Das bedeutet, nach Kalkulationen in der Region selbst, eine Steigerung von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr .

Gibr man der Welttourismus-Organisation recht, dann ist das Geschäft in der Karibik besonders wichtig. Dort befinden sich zwölf der 20 touristischen Hauptziele des Kontinents und 13 der 20 Länder mit den höchsten Einnahmen aus dem Geschäft mit dem Tourismus. Auf Kuba hat die Branche inzwischen die einst so mächtige Zuckerindustrie überflügelt. Machten die Deviseneinnahmen durch den Tourismus im Jahr 1989 nur drei Prozent aller Deviseneinkünfte auf der sozialistischen Insel aus, so waren es 1998 bereits 50 Prozent. Für das Jahr 2000 werden zwei Millionen Besucher auf Kuba erwartet.

Der globalisierte Kapitalismus hat jedoch Hindernisse geschaffen, die einer Umgestaltung des Tourismus-Geschäfts in der Region entgegenstehen. Eine solche Reform wurde beispielsweise von den Teilnehmern des UNO-Komitees für nachhaltige Entwicklung auf einer Konferenz im April dieses Jahres gefordert. Kritiker wie das Netzwerk der Dritten Welt weisen darauf hin, dass es mächtige Verbündete der UNO – wie die Welthandelsorganisation (WHO), der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank – sind, die Druck ausüben, damit der Branche keine Schranken gesetzt werden.

Das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (GATT) und die WHO hoben die Einschränkungen bezüglich des ausländischen Eigentums, der Gewinnrückführung sowie der örtlichen Beschäftigungspolitik auf. In die Ferne rückte damit die Möglichkeit, dass die Länder mit attraktiven Tourismuszielen die mit dieser Industrie verbundenen Dienstleistungen kontrollieren. Dies verleiht den transnationalen Konzernen, die grosse Investionen in den Luxustourismus in Lateinamerika unternommen haben, noch mehr Macht. Sie lassen ihre Gewinne an die Muttergesellschaft zurückfliessen, während das Gastland die Infrastruktur bereitstellen und bezahlen muss, die der Fünf-Sterne-Tourismus verlangt. Das bedeutet Strassenbau, Wassernetze, Flughäfen und Stromversorgung; Dienstleistungen, an denen die umliegenden Gemeinden häufig nicht partizipieren.

häufig „importieren“ die ausländischen Tourismusunternehmen das Personal für gut bezahlte Posten. Obwohl auch Arbeitsplätze für einheimisches Personal geschaffen werden, handelt es sich meist um nicht qualifizierte und schlecht bezahlte Jobs, die keine Aufstiegschancen bieten. Zu diesen Tätigkeiten gehören Reinigungsarbeiten, der Zigarettenverkauf oder der Straßenhandel mit biligem Kunsthandwerk.

In extremen Fällen betrachtet die ausländische Tourismusindustrie die einheimische Bevölkerung – wie beispielsweise indigene Gemeinden – als Störfaktoren, die kontrolliert oder vertrieben werden sollten. Tatsächlich verbietet die zunehmende Privatisierung der Grundstücke an der Karibikküste den Einheimischen, den Zugang zu den Stränden, da sie die überhöhten „Eintrittspreise“ nicht zahlen können. Auf einigen kleinen Inseln übersteigt die Zahl der Urlauber die der Einheimischen – so auf den Caiman-Inseln, wo 30.000 Einheimischen pro Jahr 610.000 Touristen gegenüber stehen.

Die britische Nichtregierungsorganisation Tourism Concern, die Bildungsseminare zu den negativen Folgen des Tourismus durchführt, beschreibt, wie die Indigena-Gemeinden der Yagua im peruanischen Amazonasgebiet in den 80er Jahren aufgrund eines Urlauberbooms von Ländereien vertrieben wurden, die sie seit Jahrhunderten besiedelten undbearbeiteten. In der Nähe der neuen Häuser der Yagua wurden Chalets gebaut, von denen aus die Touristen die Indigenas bei ihren Tänzen und heiligen Ritualen fotografieren konnten. Von ihren einkommensichernden Grundstücken vertrieben, blieb den Yagua keine andere Wahl, als ihre traditionellen, kulturellen Praktiken den Touristen „zu verkaufen“.

Selbst die Stadtbewohner in toruistischen Gebieten leiden unter den Konsequenzen der Urlaubs-Industrie. Nachdem das in kolonialem Stil gebaute Viertel San Felipe von Panama-Stadt im Jahr 1997 von der UNESCO zum Geschichtlichen Erbe der Menschheit erklärte wurde, erhielten 600 Familen mit niedrigen Einkommen einen Umsiedlungsbescheid: 90 Prozent der Zone waren von Investoren der Tourismusindustrie aufgekauft worden, die darauf setzten, daß das Viertel durch seinen neuen Status ein lukratives Reiseziel werden könne.

Der Luxustourismus greift radikal in die Umwelt ein, um die Besucher zu erfreuen. Bauprojekte in der Karibik haben Küstenströmungen unterbrochen. Oft wird Ufersand abgetragen, was zu Erosion führt. So nennt das Ozeanografische Institut Kuba die Bauindustrie als wichtigen Faktor dafür, dass die Insel Jahr für Jahr zwischen 50 und 100 Meter Küste ans Meer verliert.

Zahlreiche Veröffentlichungen über Umweltschädigungen in den vergangenen Jahren haben den „Ökotourismus“ anwachsen lassen. Mit den Tourismus-Dollars der Naturschutz unterstützt werden. Kritiker erheben allerdings den Einwand, fehlende Regulierungen und Kontrollen hätten aus dem „grünen Tourismus“ lediglich einen „Lockvogel“ gemacht, hinter dem sich Tourismus-Agenten und Regierungen verstecken können, während die einheimische Bevölkerung und die Umwelt unvermindert ausgebeutet wird.

Verschiedene Organisationen versuchen, Ökotourismus-Projekte zu definieren und einzuteilen. Objektive und unabhängige Kriterien gibt es dafür jedoch nicht. Angesichts der wachsenden Erkenntnis, dass der Tourismus es nicht geschafft hat, eine nachhaltige Entwicklung zu fördern, haben verschiedene Einrichtungen neue und kritischere Organisationen gegründet, um Probleme aufzudecken und nach Alternativen zu suchen.

Im Juni 1999 beendeten die britischen Organisationen Tourism Concern und Volunteer Services Overseas sowie die University of North London eine dreijährige Studie zu der Frage, ob der Tourismus sich von den Prinzipien des gerechten Handels leiten lassen könne. Laut Tourism Concern könnte der gerechte Handel für den Tourismus bedeuten, „die Kontrolle über Produkt, Markt und Gewinne in die Hände der einheimischen Gemeinden der südlichen Hemisphäre zu legen“.

Die Karibikländer sind mit ihrem Abkommen vom 25. April dieses Jahres Vorreiter im Bereich „Nachhaltiger Tourismus“. Der Erfolg der Vereinbarung wird wesentlich von der Überprüfung durch die Regierungen abhängen sowie davon, ob die wichtigsten internationalen Kontrollinstanzen – wie die Welthandelsorganisation – zusammen mit Internationalem Währungsfonds und Weltbank eine Initiative respektieren werden, die als Hindernis für die Prinzipien des freien Marktes angesehen werden könnte.

Das von Tourism Concern ins Leben gerufene Netzwerk „gerechter Handel im Tourismus“ fordert einen Beitrag der Tourismus-Branche zur Armutsbekämpfung. Ein Teil der Gewinne soll in die Entwicklung der lokalen Infrastruktur fliessen. Nach diesem Konzept sollen die einheimischen Gemeinden den Zugang zu angemessener Information und das Recht zum „Nein“ gegen Tourimus-Projekte haben – ohne gezwungen oder bestochen zu werden. Ebenso fordert das Netzwerk den Schutz der traditionellen Industrien, damit der Tourismus nicht zu einer „Monokultur“ wird, von dem das Einkommen ganzer Gemeinden abhängt.

SPANIEN/LATEINAMERIKA

Rassistische Polizei

(Madrid, 11. September 1999, pulsar-Poonal).- Eine Mitteilung der spanischen Polizei hat für Empörung gesorgt. Demnach werden alle Südamerikaner*innen als potentielle Diebe angesehen, denen die Möglichkeit Geschäfte abzuwickeln, verwehrt werden sollte. Die Bevölkerung wird sogar aufgefordert, der Polizei zu melden, wenn sich in ihrem Stadtviertel Personen aus Südamerika ansiedeln. Die „Bewegung gegen die Intoleranz“ sowie die Oppositionsparteien haben vom spanischen Innenminister Jaime Mayor Oreja eine genauere Erklärung gefordert, wie es zu dieser diskriminierenden und rassistischen Veröffentlichung der Polizei kommen konnte.

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