Poonal Nr. 391


Deutsche Ausgabe des wöchentlichen Pressedienstes lateinamerikanischer Agenturen Nr. 391 vom 9. Juli 1999

Inhalt


COSTA RICA

COOPETRABASUR entstand im Zuge einer Landreform Mitte der 80er

HAITI

PUERTO RICO

PERU

BRASILIEN

LATEINAMERIKA

UNICEF hat in Bolivien Studien durchgeführt, die diese Theorie

VENEZUELA


COSTA RICA

Alternativer Bananen-Handel gegen Ausbeutung und Umweltverschmutzung

Von Andreas Boueke

(San José, 5. Juli 1999, npl-poonal). – Julio López ist Mitglied von COOPETRABASUR, einer Bananenarbeiter-Kooperative im Süden des mittelamerikanischen Landes Costa Rica. Der sogenannte faire Handel mit Produkten wie Kaffee, Schokolade und Bananen kann den Produzenten – wie COOPETRABASUR – das Tor in ein selbstbestimmteres Leben unter menschenwürdigen Arbeitsbedingungen öffnen. „Früher waren wir nur einfache Arbeiter, heute entscheiden wir selbst,“ sagt er. „Ohne die alternativen Handelsorganisationen in Europa würden wir noch immer unter der Kontrolle der großen Fruchtkonzerne arbeiten“.

Jedes Jahr landen rund 200.000 Tonnen Bananen aus Costa Rica in deutschen Supermärkten. Das kleine Land ist nach Ecuador der zweitgrößte Bananenexporteur der Welt. Seit 1982 fördert die Regierung im Rahmen einer vom Internationalen Währungsfonds verordneten Strukturanpassung die Ausweitung der Plantagenproduktion. Die Kreditvergabe an Kleinbauern wurde eingestellt und der Bewegungsspielraum der Gewerkschaften vermindert. Gleichzeitig haben die großen Konzerne wie Dole und Chiquita die letzten Ländereien in der Provinz Limón gekauft, die sich noch im Besitz kleiner und mittlerer Produzenten befanden. Das Anbaugebiet der Monokultur an der Atlantikküste Costa Ricas ist von 37.000 Hektar auf 55.000 Hektar gewachsen – Millionen Bananenbäume in Reih und Glied, unterbrochen nur von Straßen, Arbeitersiedlungen und Verpackungshallen.

Die ersten Bananenplantagen Mittelamerikas wurden Ende des neunzehnten Jahrhunderts in Costa Rica angelegt. Damals überließ die Regierung einer US-amerikanischen Bahngesellschaft große Landstriche für hundert Jahre in Konzession. Neben den Eisenbahnschienen entstand eine Enklavenwirtschaft. Die Nordamerikaner lebten in abgegrenzten Wohngebieten mit zweisprachigen Schulen und schönen Häusern lebten. Die einheimischen Arbeiter hingegen brachte man in Baracken unter und ließ sie für einen Hungerlohn mehr als 12 Stunden täglich auf den Bananenfeldern arbeiten.

Die Ausbeutung radikalisierte die Arbeiterschaft. Es kam zur Gründung der ersten Gewerkschaft im Privatsektor Costa Ricas. Im Laufe der Jahrzehnte erreichten die Arbeiter durch Streiks eine deutliche Verbesserung ihrer Lebenssituation. 1985 erlebten sie jedoch einen harten Rückschlag. Auf Grund sozialer Unruhen und der abnehmenden Produktivität der ausgelaugten Böden entschied sich der Chiquita-Konzern, seine Produktion von der Pazifikküste Costa Ricas an die Atlantikküste zu verlagern. Heute beschäftigen die Plantagenbesitzer an der Atlantikküste ihre Arbeiter nur noch kurzfristig. So sparen sie die gesetzlich vorgeschriebenen Sozialabgaben und verhindern gewerkschaftliche Organisation. Arbeiter, die ihre Rechte einfordern, werden entlassen und ihre Namen auf „schwarze Listen“ gesetzt, so daß sie auf keiner anderen Plantage mehr eine Anstellung bekommen.

Jährlich werden auf den großen Bananenplantagen pro Hektar durchschnittlich 45 Kilo Pestizide eingesetzt – mehr als zehnmal soviel wie in einem konventionellen deutschen Landwirtschaftsbetrieb. Einige der Gifte sind hierzulande verboten. Die Chemikalien sollen die Früchte vor Plagen zu schützen. Mit der Zeit werden allerdings viele Insektenarten resistent gegen die Schädlingsbekämpfungsmittel. Deshalb müssen immer neue Pestizide eingeführt werden. Unbrauchbar gewordene Gifte verrotten in schlecht gesicherten Lagerhallen. Doch die achtzig Bananen, die jeder Deutsche im Schnitt pro Jahr verzehrt, sind gesund und rückstandsfrei – dank der dicken Schale.

Einen solchen Schutz haben die Plantagenarbeiter an der Atlantikküste Costa Ricas nicht. Der Pflücker Julian Obando berichtet: „Das Zeug juckt furchtbar auf der Haut, die Augen schmerzen und die Lippen brechen auf.“ Obando arbeitet in der Nähe des Ortes Siquirres, dessen Wirtschaft weitgehend von dem Geschäft mit der Banane abhängig ist. Die Bewohner der umliegenden Gemeinden sind den Chemikalien ungeschützt ausgesetzt. Bei ungünstigen Windverhältnissen wehen die Gifte in die Küchen der Hütten. Mari Cenid, die Frau von Julian Obando klagt: „Manchmal kommt mein Mann ganz blaß nach Hause und muß sich übergeben. Wenn die Flugzeuge das Gift versprühen, geben sie den Männern auf dem Feld nicht einmal Gesichtsmasken.“

COOPETRABASUR entstand im Zuge einer Landreform Mitte der 80er

Jahre. Der Zusammenbruch der Bananenwirtschaft an der Pazifikküste

führte zu massiven Abwanderungswellen in andere Regionen des

Landes. Daraufhin entschloß sich die costaricanische Regierung, dem Chiquita-Konzern große Ländereien abzukaufen, um sie den ehemaligen Arbeitern unter Gewährung günstiger Kredite zu verkaufen. Anfangs produzierte die Kooperative vorwiegend Chiquita-Bananen, die der Konzern zu niedrigen Preisen aufkaufte. 1995 begann die Kooperative ihre Bananen an den niederländischen alternativen Handels-Verein Max Havelaar zu verkaufen und stieg so in den fairen Handel mit Europa ein.

Die alternativen Handelsorganisationen zahlen Preise, die deutlich über den Weltmarktpreisen liegen. Mit dem Mehrverdienst können die Kooperativenmitglieder bessere Wohnhäuser bauen und ihre Kinder zur Schule schicken. Elisabeth Batre, die Umweltingeneurin von COOPETRBASUR fügt hinzu: „Unser vorrangiges Ziel ist nicht mehr nur ein möglichst große Produktionsmenge, sondern auch die Gesundheit der Arbeiter und der Schutz der Umwelt. Innerhalb der letzten fünf Jahren ist es COOPETRABASUR gelungen, die Menge der auf ihren Feldern eingesetzten Chemikalien zu halbieren.“

HAITI

Wahlen als Wundermittel – Premierminister glaubt, Parlaments- und

Gemeindewahlen können das Land aus der Krise reißen

Von Jane Regan

(Port-au-Prince, 5. Juli 1999, na-Poonal).- „In welchem Elend leben wir?“ So lautete der Text eines der vielen Protestlieder gegen die Regierung während des Karnevals. „Wir halten es nicht aus… Was macht ihr Abgeordneten nur? Alle verrückt nach Macht im Hohen Haus?“ Es überrascht nicht, daß die Mehrheit der Bevölkerung den Politikern kein Interesse schenkt und ausländische Diplomaten angesichts der nahen Parlaments- und Gemeindewahlen die Aufmerksamkeit der Massenmedien auf sich ziehen.

Als Jacques Edouard Alexis am 26. März den Posten des Premierministers im Kabinett von Präsident René Préval antrat, hatte er ein klares Ziel: die Durchführung von Wahlen. Trotz der großen strukturellen Probleme stellt die Regierung die im November stattfindenden Wahlen als eine Art Wundermittel dar. Dabei ignoriert sie die verheerenden politischen Folgen der letzten Wahlen im April 1997 und relativiert die Probleme des Landes: 70 Prozent Arbeitslosigkeit und 55 Prozent Analphabeten, zwei Millionen unterernährte Menschen, davon die Hälfte Kinder. 65 Prozent des Staatshaushaltes hängen von ausländischer Finanzierung ab. Die Korruption der Polizei, die Straffreiheit für Gewalttäter und die Unsicherheit gehören zum Alltag.

Der neue vorläufige Wahlrat (CEP) entschied am 11. Juni über die Gültigkeit der 1997 durchgeführten Wahlen. Nach Monaten der Spannung beschloß der CEP, die einzigen beiden Senatoren, die damals im ersten Wahlgang einen Sitz errungen hatten, nicht anzuerkennen. Beide gehören zur Lavalas-Familie, der Partei des ehemaligen Präsidenten Jean-Bertrand Aristide. Die Wahlen von 1997 wurden nie abgeschlossen, weil immer der Vorwurf der Wahlfälschung auf ihnen lastete. In den darauffolgenden Monaten entwickelte sich die Rivalität zwischen der Lavalas-Familie und der ebenfalls von Aristide gegründeten, später aber von ihm verlassenen Politischen Organisation Lavalas (OPL). Der Streit weitete sich zu einer ständigen nationalen Krise aus.

Zunächst trat OPL-Premierminister Rosny Smarth zurück, dann wurde der Wahlrat aufgelöst und schließlich änderte die OPL ihren Namen in „Organisation des kämpfenden Volkes“, um mehr Abstand von Aristide zu zeigen. Der Machtkampf zog sich durch alle Institutionen des Landes, viele Funktionäre mußten ihre Ämter und Aufgaben niederlegen. Das Parlament versammelte sich nur einige Male, Gesetze wurde dabei nicht verabschiedet. Immer wieder traten Kabinettsmitglieder zurück und die Kredite aus dem Ausland wurden blockiert. Die Wirtschafts-, Sozial und Gerechtigkeitsindikatoren sanken auf ein darart niedriges Niveau, daß Haiti in den Statistiken eines Weltbankberichts bei den Ländern „im Kriegszustand“ auftauchte. Der UNO-Index zur menschlichen Entwicklung siedelte Haiti 1999 auf Platz 159 von 174 Ländern an.

Die Entscheidung des neuen Wahlrates löst die Krise nicht vollkommen, da die Lavalas-Familie immer noch darauf besteht, ihre Senatoren zu vereidigen. Die OPL hingegen hat jetzt schon zum Boykott der Wahlen aufgerufen. Premierminister Alexis hingegen schreitet optimistisch fort. Am 24. Mai hat er einen auf acht Monate angelegten und 83 Millionen US-Dollar kostenden Aktionsplan der Regierung vorgelegt. Der in hohem Maße von ausländischer Hilfe abhängige Plan will, wie es heißt, „die Lebenbedingungen der Bevölkerung verbessern und ein für die nahenden Wahlen günstiges Klima schaffen.“ Es sind Infrastrukturmaßnahmen, ein erneuter Anschub der nationalen Produktion und Umweltschutzmaßnahmen vorgesehen.

Doch bisher haben sich die Ereignisse nicht nach Plan entwickelt. Im Mai gab es zwar kleine, dafür aber gewalttätige Demonstrationen, die sich gegen den haitianischen Polizeichef richteten. Am 28. Mai wurde eine Versammlung der wenigen tausend Unternehmer von 30 mit Steinen bewaffneten Demonstranten unterbrochen, die die Initiatoren einer Verschwörung gegen Aristide bezichtigten. Die Polizei griff nicht ein. Am selben Tag wurden elf Jugendliche faktisch hingerichtet. Allem Anschein nach von Polizisten unter der Führung des Polizeichefs von Port-au- Prince, Coles Rameau. Rameau und weitere drei Polizisten sitzen im Gefängnis, doch die Spannungen sind nach wie vor groß. Wöchentlich finden Protestmärsche statt. Am 12. Juni warfen Teilnehmer des Trauerzuges für die elf Toten Schaufensterscheiden ein und verbrannten Autoreifen.

„Wir sind Zeugen von besorgniserrengenden Taten geworden, dies ist keine Demokratie,“ sagte der US-Botschafter Michael Carney. „Wer gewalttätige Demonstrationen organisiert oder unterstützt oder nicht verurteilt, ist nicht demokratisch.“ Diese Äußerung, sowohl an Aristide wie an die Regierung gerichtet, könnte erklären, warum es Alexis an Geld mangelt. „Wir können die Erwartungen nicht erfüllen,“ hatte der Premier am 14. Juni gesagt. „Wir haben das Gefühl, die internationale Gemeinschaft wartet darauf, wie sich die Wahlvorbereitungen entwickeln, bevor sie der Regierung Geld geben.“

Doch andererseits ist niemand mit der Abhängigkeit des Landes vom Ausland, besonders von den USA einverstanden. Auch die ständige Einmischung in innere Angelegenheiten stößt auf Widerstand. „Die internationale Gemeinschaft kann uns helfen, wir brauchen diese Hilfe,“ sagte im Mai der katholische Bischof und alte Kämpfer für die Demokratie, Willy Romelus. „Doch dies gibt ihnen kein Recht, ihre Nasen in unsere Angelegenheiten zu stecken; sie haben kein Recht, uns Befehle zu geben.“

Während die Regierung ihren Drahtseilakt zwischen finanzieller Abhängigkeit und politischer Unabhängigkeit weiterführt und die Wahlen als Allheilmittel ansieht, taucht ein Element auf, das bisher kaum in Betracht gezogen wurde: das haitianische Volk. Bei den jüngsten Demonstrationen haben einige hundert Menschen teilgenommen. Jahrelang hat Haiti keine jener Maassenveranstaltungen mit mehreren zehntausend Menschen mehr erlebt, wie sie nach dem Sturz von Diktator Jean-Claude Duvalier 1986 üblich waren. Doch während CEP, ausländische Diplomaten und politische Parteien noch über die Wahlen von 1997 diskutieren, erwähnen sie nie, was tatsächlich geschah: Nur 10 Prozent der Haitianer hatte sich damals überhaupt noch die Mühe gemacht, die Stimme abzugeben.

Nach dem Putsch gegen Aristide von 1991 und den darauffolgenden Jahren des Embargos müde geworden, von einer auf siebzehn Prozent gestiegenen Inflation frustriert, sind die Haitianer nicht länger an einer „Second-Hand-Demokratie“ interessiert, wie es in Anspielung auf gebrauchte Kleidung, die aus den USA ins Land kommt, heißt. Weder das fehlende Interesse noch die steigende Gewalt überrascht. In einer kürzlich veröffentlichten Analyse der Haitianischen Plattform von Menschenrechtsorganisationen heißt es, der Verfall in Haiti sei auf die Straffreiheit zurück zu führen, in deren Schutz „Schmuggler, Drogenhändler und alle möglichen ungesetzlichen Netzwerke“ mit der Oligarchie und den nie entwaffneten und nie vor Gericht gestellten Paramilitärs aus den Duvalierzeiten als Komplizen zusammenarbeiten. Dies und die „Ausbeutungsstruktur der Wirtschaft, die die soziale Ungleichheiten noch betont,“ hat zu „dem Elend, der Arbeitslosigkeit, dem Hunger und der moralischen Verwahrlosung geführt.“

PUERTO RICO

Bevölkerung von Vieques erstattet UNO eigenen Bericht

(San Juan, 1. Juli 1999, pulsar-Poonal) .- Das Komitee zur Rettung von Vieques wird den Vereinten Nationen unabhängig von den Untersuchungen des US-Militärs Bericht erstatten (vgl. zum Thema vergangene Poonal-Ausgaben). Am Mittwoch hat das Komitee einen eigenen Bericht über die Umweltschäden vorgelegt, die die Übungen der US-Marine auf dem Gebiet der Insel verursacht haben. Die Bombenabwürfe hätten schwere Zerstörungen in den Mangrovenwäldern, den Lagunen, an Stränden, in Kokoswäldern und bei anderen natürlichen Ressourcen verursacht, heißt es in dem Dokument. Die US-Kriegsmarine hält seit 50 Jahren zwei Drittel der Insel für militärische Übungen besetzt. Vieques ist ein Landkreis von Puerto Rico, der sich östlich der Hauptinsel befindet. Der Präsident des Komitees zur Rettung von Vieques, Ismael Guadalupe, kündigte an, den Bericht am 15. Juli den Vereinten Nationen zu übergeben.

PERU

Regierung brüskiert den Interamerikanischen Menschenrechtsgerichtshof

(Lima, 1. Juli 1999, pulsar-Poonal).- Die peruanische Regierung hat die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) offiziell davon unterrichtet, daß sie zwei Entscheidungen der Interamerikanischen Menschenrechtskommision nicht akzeptieren werde. Die entsprechenden Urteile seien unmöglich zu befolgen. Nach dem Beschluß des Interamerikanischen Gerichtshofs muß Peru die Verhandlungen gegen eine Peruanerin und vier Chilenen neu aufrollen. Die Gefangenen wurden 1994 wegen angeblichem Terrorismus zu lebenslanger Haftstrafe verurteilt. Der Interamerikanische Menschenrechtsgerichtshof hängt von der OAS ab. Das Gericht fußte seinen Beschluß auf einer unzureichenden Verteidigungsmöglichkeit der Angeklagten. Die Mißachtung der Gerichtsentscheidung durch die peruanische Regierung von Präsident Alberto Fujimori ist bisher einmalig in der Geschichte der OAS.

BRASILIEN

Ende des Ölmonopols für Petrobrás

(Eichstetten/Rio de Janeiro, Juni 1999, kobra/ibase-Poonal).- Die brasilianische Regierung hat durch die staatliche Erdölbehörde (ANP) im Juni die ersten Versteigerungen für die Ausbeutungsrechte von Erdöl- und Gasvorkommen in Brasilien durchgeführt. Mit diesem Schritt wird die Monopolstellung der staatlichen Erdölgesellschaft Petrobrás aufgehoben, die bisher über die Nutzungs- und Produktionsrechte des schwarzen Goldes verfügte. Allein im Juni standen 27 Gebiete auf der Liste der Versteigerungen, weitere sollen im Laufe dieses und des nächsten Jahres folgen. Neben den Einnahmen, die die ANP aus dem Verkauf der Rechte verbuchen kann, erhofft sich ihr Generaldirektor David Zylbersztajn eine Steigerung der Investitionen der Erdölindustrie um bis zu 30 Milliarden US-Dollar in den nächsten fünf Jahren. Das wäre eine Verdoppelung der bis heute geleisteten Investitionen.

Gegen die Versteigerungen der Ausbeutungs- und Produktionsrechte gibt es jedoch Widerspruch. Abgeordnete der brasilianischen ArbeiterInnenpartei PT haben vor Gericht Einspruch gegen den Verkauf der Rechte erhoben. Andere Abgeordnete hatten gegen die ihrer Ansicht nach zu niedrigen Mindestpreise bei der Versteigerung geklagt und eine bisher fehlende Regelung in der Gesetzgebung zu der neuen Situation für die Erdölförderung und – produktion moniert. Trotz der zum Teil noch ausstehenden Urteile durfte die Regierung mit dem Verkauf der Lizenzen beginnen.

In der ersten Runde der Versteigerungen konnten die Ausbeutungsrechte von zwölf der 27 Gebiete verkauft werden. Die Regierung nahm damit gut 320 Millionen Reales ein. Zum Teil erwarben einzelne Gesellschaften die Rechte, wie Esso Brasil, Agip, Texaco Brasil, Petrobrás und andere. Zum Teil erhielten auch Unternehmenszusammenschlüsse die Lizenzen zur Nutzung. Die Rechte von über der Hälfte der Gebiete konnten jedoch nicht an Käufer*innen vergeben werden. Sie erhielten auf der Versteigerung keine Angebote, so daß die jeweiligen Mindestpreise für diese Gebiete jetzt noch einmal überprüft werden sollen. Zylbersztajn nannte als einen möglichen Grund für die große Zahl der nicht verkauften Lizenzen mangelnde Risikobereitschaft der Erdölgesellschaften.

Bundesstaat hört brasilianische Landlosenbewegung ab

(Eichstetten/Rio de Janeiro, Juni 1999, kobra/ibase-Poonal).- Im brasilianischen Bundesstaat Paraná hat das Sekretariat für Öffentliche Sicherheit zu neuen Methoden in der Auseinandersetzung mit der Landlosenbewegung MST gegriffen. Zahlreiche Telephongespräche der Organisation wurden mitgeschnitten und in Teilen veröffentlicht. Was das Sekretariat als normale Überwachung einer sozialen Bewegung tituliert, wird vom MST als illegale Abhör- und Diffamierungskampagne gewertet. Auch die ökumenische Landpastorale CPT kritisiert das Vorgehen des Sekretariats. Laut CPT geht es darum, die MST als gewaltbereit und gefährlich in der Öffentlichkeit darzustellen.

Das Sekretariat für Öffentliche Sicherheit hatte in Paraná Passagen aus Gesprächen des MST veröffentlicht, die seiner Meinung nach belegten, daß die Organisation die Richterin Elizabeth Katler aus Loanda ermorden wolle. Diese hatte wiederholte Male in den juristischen Auseinandersetzungen zwischen Großgrundbesitzenden und Landlosen in Paraná umstrittene Entscheidungen zugunsten der Großgrundbesitzenden getroffen. Die Kritik der MST an dieser Richterin ist bekannt, so daß die veröffentlichten Gesprächssequenzen von der Bevölkerung in diesem Kontext wahrgenommen werden. Die MST spricht von einer verfälschenden Darstellung des Sachverhaltes, da die Auszüge aus den Telephonaten verkürzt und sinnentstellt veröffentlicht würden.

Die Abhöraktion in Paraná und die damit verbundene Diskussion in der Öffentlichkeit steht in Zusammenhang mit anderen Negativschlagzeilen gegen die Landlosenbewegung. Auch die Zeitschrift „Veja“ hatte einen ausführlichen Artikel über die Gewalttaten der Landlosenbewegung in ihre Mai-Ausgabe aufgenommen. Die ökumenischen Landpastorale kritisierte den Artikel als für Veja ungewöhnlich einseitig und vermutete die Lobby der Großgrundbesitzenden hinter dieser Veröffentlichung.

Da in mehreren brasilianischen Bundesstaaten gewaltsame Räumungen von Landbesetzungen begonnen haben und weitere durchgeführt werden sollen, die Landlosen aber bisher in der brasilianischen Öffentlichkeit eine weitreichende Zustimmung für ihre Besetzungen erfahren, werden die gerade jetzt zunehmenden Veröffentlichungen über Gewalttaten des MST von Befürworter*innen einer Umverteilung von Land als gezielte Propaganda gegen diese Bewegung gesehen. Mit solchen Artikeln solle der Boden für weitere gewaltsame Räumungen von Landbesetzungen bereitet werden, vermutet die Landpastorale CPT: „Die brasilianische Regierung erzeugt eine Großwetterlage gegen die sozialen Bewegungen im Kampf um Land.“

Massensterilisierung indigener Frauen?

(Eichstetten/Rio de Janeiro, Juni 1999, kobra/ibase-Poonal).- In einem vom Medizinischen Rat des Bundesstaates Bahia angestrengten Prozeß muß sich der Bundesabgeordnete Roland Lavigne (PFL-BA) für die Massensterilisierung von indigenen Frauen im Tausch für Wählerstimmen verantworten. Auf Grundlage der Anschuldigungen der betroffenen Frauen konnte der Rat ein berufsethisches Verfahren gegen den Abgeordneten und Arzt einleiten. Das als Genozid klassifizierte Verbrechen geschah bereits 1994, kam aber erst 1998 zur Anzeige, nachdem der Indigene Gesundheitsrat bei Untersuchungen feststellte, daß mindestens 60 Frauen im gebärfähigen Alter steril waren.

Daß eine erste Vernehmung von betroffenen Frauen vor Gericht erst jetzt möglich ist, liegt unter anderem an der staatlichen Indígena-Behörde (FUNAI), die sich bemüht hatte, den Fall nicht weiter voranzutreiben. Eine Prozeßladung des Medizinischen Rates an die Frauen von Ende 1998 wurde von der Behörde nicht weitergeleitet. Die FUNAI begründete diese Unterlassung mit Geldmangel, obwohl der Medizinische Rat sich bereit erklärt hatte, die Reisekosten für die Frauen zu tragen. Zudem war die FUNAI auch daran beteiligt, daß die Frauen ihre Aussagen nach Möglichkeit nicht aufrechterhielten: Nachdem die Sterilisierungen bekannt wurden, kam ein Gesundheitsteam in die Dörfer und bedrohte betroffene Frauen, von denen einige aus Angst ihre Aussagen widerriefen.

LATEINAMERIKA

Kinder in Lateinamerika, Teil II – Arbeiten oder nicht arbeiten

Von John Ludwick

(Lima, 28. Juni 1999, na-Poonal).- Javier Uribe ist wie jedes andere lateinamerikanische Kind. Er geht gerne mit seinen Freunden raus und träumt davon, einmal ein professioneller Fußballspieler zu werden. Die Hälfte seines jungen Lebens hat Javier allerdings gearbeitet, um seiner Familie zu helfen. Doch er beschwert sich nicht über die Verantwortung, die Einkünfte der Familie mittragen zu müssen. Der 14jährige peruanische Junge kassiert den Fahrpreis in einem Bus in Lima und wäscht Autos an einer Tankstelle.

Javier ist stolz auf seine Arbeit und verteidigt das Recht der Kinder auf Arbeit. „Das ist Teil unserer Tradition, unserer Kultur, denn bei den Inkas war die Arbeit wie eine Ausbildung, eine Verantwortung,“ betont er. Der Junge ist Abgeordneter der landesweiten „Bewegung von Kindern und Heranwachsenden, Kinder von Christlichen Arbeitern“ (MANTHOC), einer peruanischen Interessenvertretung arbeitender Kinder. Konventionell wird davon ausgegangen, Kinderarbeit sei generell nicht angemessen und teilweise schädlich. MANTHOC ist insofern damit einverstanden, als die Arbeit gefährlich, erniedrigend oder ausbeutend sein kann.

Andere Organisationen haben härtere Positionen. Die Internationale Arbeitsorganisation ILO schlägt „die Abschaffung der Kinderarbeit und die progressive Anhebung des Mindestalters beim Arbeitsbeginn (vor), um die möglichst vollständige körperliche und geistige Entwicklung der Kinder zu ermöglichen.“ Casa Alianza, die lateinamerikanische Sektion der Kinderrechtsvereinigung Covenant House, unterstützt diese Einstellung. „Kein Junge oder Mädchen sollte für sein Überleben oder für das von anderen arbeiten müssen, kein Kind sollte unerträglichen Arbeitsbedingungen ausgesetzt sein“, erklärt Ana Lara von Casa Alianza.

Kinderarbeit ist in Ländern, die auf dem Weg in die Industriegesellschaft sind, sehr häufig. Die Kinder werden beschäftigt, weil sie lebhaft und effizient bei unterschiedlichsten Hilfarbeiten sind, schnell lernen und oft stundenlang arbeiten, ohne sich zu beschweren. Da sie oft unterwürfig sind, können sie von den Erwachsenen, denen die Rechte der Kinder egal sind, leicht ausgebeutet werden. Die Notwendigkeit einer guten Erziehung ist das am schwersten wiegende Argument gegen die Kinderarbeit, da die Minderjährigen oft die Schule verlassen, um arbeiten zu gehen. In Mexiko hat etwa die Hälfte der fünf Millionen arbeitenden Kinder die Schulbank verlassen.

„Die Schule ist eine Leitlinie für die Kinder und stellt die Möglichkeit dar, ihre Rolle in der Gesellschaft zu erlernen,“ heißt es bei der ILO weiter. Allerdings sei der Vorschlag der Abschaffung der Kinderarbeit „noch nicht durchsetzbar, da die Kinder nicht in die Schulen gehen werden, solange sich ihre wirtschaftliche Lage nicht ändert.“

Bei der Organisation MANTHOC, die eigene Schulen unterhält und besonderen Wert auf die Ausbildung ihrer Mitglieder legt, geht man davon aus, arbeitende Kinder hätten einen Lernvorteil gegenüber nicht-arbeitenden. MANTHOC-Präsidentin Olga Rivera Roman betont, die von den Kindern ausgeübte Arbeit sei für die Entwicklung der Kinder, einschließlich ihrer Erziehung, von entscheidender Bedeutung. Die Kinder von MANTHOC „arbeiten zweieinhalb oder drei Stunden pro Tag, gehen zur Schule, sie haben Freizeitaktivitäten und Beziehungen zur Familie, denn hier fördern wir ihre Entwicklung, ihre Aktivitäten und ihre Vorstellungskraft, was wichtig ist, um gut zu lernen,“ sagt Roman.

UNICEF hat in Bolivien Studien durchgeführt, die diese Theorie

bestätigen. Dort haben arbeitende Schüler bessere schulische

Leistungen erbracht als nicht arbeitende. „Deshalb scheint eine

völlige Abschaffung der Kinderarbeit nicht notwendigerweise die Antwort zu sein. Die Beziehung zwischen Arbeit und Ausbildung ist komplexer als erwartet“, heißt es dazu bei der ILO. Diese Komplexität beruht auf der einfachen Tatsache, daß die meisten Kinder in Lateinamerika aus wirtschaftlicher Notlage heraus arbeiten.

Der Maryknoll-Priester Pete Byrne, der in Lima in verschiedenen Kinder- und Jugendprogrammen arbeitet, macht die lateinamerikanische Kultur des Machismo für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten vieler Minderjähriger verantwortlich. Da viele Männer Heim und Herd verließen, wenn ihre Frauen oder Freundinnen Kinder bekämen, sei die Familie kein stabiler Ort, auch nicht im ökonomischen Sinne. „Wenn der Mann den gemeinsamen Haushalt verläßt, bleibt der Mutter nichts anderes übrig, als ihre Kinder arbeiten zu schicken,“ erklärt Byrne.

Viele Verteidiger der Kinderrechte wären schon zufrieden, wenn wenigstens die gefährlichsten Formen der Kinderarbeit eingedämmt würden oder ganz verschwänden. Im Mai hat die ILO, unterstützt von UNICEF und Casa Alianza vorgeschlagen, die schlimmsten Formen der Kinderarbeit zu verbieten, vor allem Kinderarbeit auf dem Bau, im Bergbau und der Landwirtschaft, sowie in Fabriken und als Hausangestellte. Nach Schätzungen der ILO arbeiten um die 70 Prozent der 17,5 Millionen Kinder zwischen fünf und vierzehn Jahren, die in Lateinamerika arbeiten, dies unter gefährlichen oder ausbeuterischen Bedingungen.

Auch MANTHOC betont die Wichtigkeit der Art von Arbeit. Besonders sei auf eine gerechte Behandlung, auf Sicherheit und Würde bei der Arbeit zu achten. Die Organisation fördert sichere und alternative Arbeit für Kinder. Beispielsweise ein Programm, in dem die Minderjährigen nur wenige Stunden am Tag in einer sicheren Umgebung an der Herstellung von Glückwunschkarten arbeiten, die sowohl lokal wie international verkauft werden. Als Siebenjähriger begann Arturo Francia auf dem Zentralmarkt in Lima Süßigkeiten zu verkaufen. Nun, mittlerweile elf Jahre alt, verdient er mit der Glückwunschkartenherstellung um die 35 Dollar im Monat, mit denen er sowohl seiner Familie hilft, seine Kleidung und seine Schulutensilien kauft.

Arturo ist örtlicher Abgeordneter von MANTHOC und lebt mit seiner Mutter und drei Geschwistern zusammen, von denen zwei arbeiten. Für die Zukunft hat er große Pläne. „Ich denke, ich werde Flugzeugbauingenieur,“ sagt er während er eine riesige Baseballmütze auf seinen kleinen Kopf setzt. Auf die Frage, ob er glaubt, auf die Universität gehen zu können, um sein Ziel zu erreichen, stuzt er zunächst einen Moment. „Ich weiß nicht,“ meint er dann, „dafür braucht man viel Kohle, und Peru steckt gerade in einer Wirtschaftskrise.“

VENEZUELA

Chávez mißachtet Kongreßbeschluß

(Caracas, 1. Juli 1999, pulsar-Poonal).- Der venezolanische Präsident Hugo Chávez hat erklärt, er werde dem Kongreß seines Landes nicht gehorchen. Insbesondere werde er einen Kongreßbeschluß nicht befolgen, in dem die Volksvetretung die Beförderung von 34 Generälen und Obersten ablehnt. Diesen Beschluß betrachte er als eine Kränkung seiner Autorität als Oberstem Befehlshaber der Streitkräfte. Das Parlament habe nicht über seine Entscheidungen als Heeresführer zu befinden. Die Ablehnung der Beförderungen war vom Verteidigungsausschuß des Senats empfohlen und in beiden Kammern angenommen worden. In Senat und Abgeordnetenhaus haben die in Opposition zu Chávez stehenden traditionellen Parteien die Mehrheit.

Einige der zur Beförderung vorgeschlagenen Militärs gelten als Sympathisanten eines Staatsstreichs, den Chávez im Februar 1992 versucht hatte. Der Präsident sagte, alle von ihm ausgewählten Personen würden befördert. Er forderte die zukünftige Nationalversammlung auf, den Kongreß im Namen des venezolanischen Volkes aufzulösen. Die Nationalversammlung soll Ende Juli gewählt und im August eingesetzt werden. Senator Mariano Navarro von der oppositionellen Demokratischen Aktion sagte, wenn der Präsident am Freitag die Militärs befördere, befände er sich außerhalb des Gesetzes. Dies wurde zu einer Anklage Chávez durch die Generalstaatsanwaltschaft führen.

Der lange Weg der demokratischen Revolution

Von Julio Fermín

(Caracas, 30. Juni 1990, alai-Poonal).- Fünf Monate sind seit dem offiziellen Amtsantritt der gewählten Regierung von Hugo Chávez vergangen, die mit 40 Jahre währenden Zwei-Parteien-System in Venezuela brach. Eine Analyse der Ereignisse, die sich mit ungewohnter Schnelligkeit abspielten, ist schwierig. Die Etappe der Neugestaltung des Landes zeichnet sich als kompliziert ab – genauso wie die Verfassungsversammlung, die sich die neue Regierung als ein Hauptziel auf ihre Fahnen geschrieben hat.

Offensichtlich ist, daß es in der Bevölkerung Erwartungen gibt, die sich nicht nur auf einen Regierungswechsel, sondern auf das gesamte überkommene politische System, das schon seit sieben Jahren schiffbrüchig war, beziehen. Das erklärt den breiten Rückhalt für den Präsidenten, der den Umfragen nach Popularitätswerte von bis zu 80 Prozent erreichte. Dieses Phänomen ist gleichzeitig eine Chance wie auch ein hohes Risiko, sowohl für die Wünsche der venezolanischen Gesellschaft wie für die Ziel der neuen Herrschenden.

Der Amtsantritt am 2. Februar markierte die Art und Weise, wie der Weg zur Verfassungsversammlung sein würde. Von der Regierung aus wurden den bis 1998 dominierenden politischen Eliten praktisch der Krieg erklärt. Durch ein Dekret, das zur Abstimmung über die Versammlung aufrief, verhinderte Chávez jeden Weg, per Konsens (mit den alten politischen Kräften) die institutionelle Transformation des Landes anzugehen. Er weitete den Wahlkampf bis zu der Entwicklung aus, die letztendlich zur Einberufung der Verfassungsversammlung führen wird.

Seitdem geht es nicht um die Suche nach einem gemeinsamen Projekt, das Venezuela braucht und das bestimmt viele Verbündete über die Parteikräfte auf der Gewinnerseite hinaus hat. Der Prozeß ist vielmehr durch eine ständige Konfrontation kontaminiert, bei der der Kampf um die politische Vorherrschaft weiter geht, selbst wenn die Gegner praktisch in den Seilen hängen. Einmal geschlagen, hat sich der Block aus den einst mächtigen Sozialdemokraten (AD) und Christsozialen (COPEI) zusammen mit dem neuen Bündnis, das unter dem Namen Projekt Venezuela firmiert, im Parlament verschanzt. Von dort aus versucht er mit seinen geringen Möglichkeiten, sich der Regierungsoffensive zu widersetzen, die Verfassungsversammlung in den Mittelpunkt der politischen Bühne zu rücken.

Mit spitzfindigen Gesetzen wurde der Verfassungsprozeß harten Proben unterworfen, obwohl der eindeutige Wahlausgang ihn bereits legitimiert hatte. Dennoch verläuft bisher alles wie vorgesehen, da der Oberste Gerichtshof den Weg für die Versammlung frei machte. Es ist vorhersehbar, daß die Konfrontation zwischen Exekutive und Legislative sich fortsetzt. Mehr noch, wo Entscheidungen wie die Auflösung von Kongreß, Oberstem Gerichtshof und der Generalstaatsanwaltschaft solange vertagt ist, bis die Verfassungsversammlung zusammentritt.

Die überraschend hohe Wahlenthaltung von 70 Prozent beim Referendum über die Versammlung trübte Ende April allerdings das Ergebnis von 92 Prozent Ja-Stimmen. Es bleibt ein Zweifel über die Grenzen des Rückhaltes in der Bevölkerung. Nach zehn aufeinander folgenden Jahren makro-ökonomischer Anpassungen sind die sozialen und wirtschaftlichen Probleme in Venezuela zudem größer als je zuvor. Nach der Aufstellung der Kandidat*innen begann am 25. Juni die Wahlkampagne für die Verfassungsversammlung. Sie ende am 25. Juli, wenn die 131 Mandatsträger*innen von der Bevölkerung gewählt werden müssen.

Am Rande des ungleichen Kampfes um die politische Vorherrschaft bleibt festzuhalten, daß es für die Bevölkerung eine Gelegenheit gegeben hat, ihre Beteiligung am politischen Geschehen neu zu aktivieren. Organisationen von Frauen, Indígenas, Verbänden und andere haben sich wieder verstärkt zu Wort gemeldet – ein Hoffnungsschimmer also bleibt.

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