Poonal Nr. 224


Deutsche Ausgabe des w÷chentlichen Pressedienstes lateinamerikanischer Agenturen Nr. 224 vom 20. Dezember 1995

Inhalt


VENEZUELA

LATEINAMERIKA

KINDER: Der Moment ist gekommen

LATEINAMERIKA

BRASILIEN

HAITI

MEXIKO

POONAL: Das öffentliche Bild von ihnen ist das eines anfangs sehr

POONAL: Sie haben bei anderer Gelegenheit die Bischofskonferenz

POONAL: Sie sagen, Ihr Image ist zum Gutteil ein von der Presse,

POONAL: In den 70er Jahren kam mit der Unterstützung der Diözese

POONAL: Wie bewerten Sie die augenblickliche Situation der

POONAL: Nehmen wir an, es gibt ein abschließendes Abkommen. Kann

POONAL: Sie werden es nicht mehr hören können, aber dennoch die

POONAL: Den kann ich auch fragen, aber genauso Sie…

POONAL: Aber für Sie ist da niemand gekommen, um ihre Aktivitäten

GUATEMALA

NICARAGUA


VENEZUELA

Doch Sieg für Causa R

(Mexiko-Stadt, 12. Dezember 1995, POONAL).- Eine Woche nach den Regionalwahlen in Venezuela wurde Francisco Arias Cárdenas von der Causa Radical zum gewählten Gouverneur der Provinz Zulia erklärt. Das Oberste Wahlgericht zählte am Ende einen Vorsprung von 1.300 Stimmen vor dem Sozialdemokraten Omar Barbosa. Zwischenzeitlich hatte das örtliche Wahlgericht den Triumpf Barbosas verkündet, obwohl die Stimmenauszählung nicht beendet war. Dies hatte Proteste vor allem in Maracaibo, der Hauptstadt der Provinz zur Folge. Die übergeordnete Wahlinstanz spricht nun von einem „technischen Fehler“, der das Endergebnis hinausgezögert habe. Die Provinz Zulia ist die zweitgrößte der 22 Provinzen des Landes, was die EinwohnerInnenzahl angeht. Wegen der Ölvorkommen steht sie wirtschaftlich gesehen jedoch an erster Stelle.

Gegenkandidat Barbosa hat den Triumpf von Arias Cárdenas inzwischen akzeptiert. Der Wahlsieger drückte seine Zufriedenheit darüber aus, „daß alle Versuche, den Volkswillen zu hintergehen, gescheitert sind“. Er rief ausländische Investoren auf, sich Zulia antzunahern. Arias Cárdenas war einer der Anführer des versuchten Putsches progressiver Militärs im Februar 1992 gegen Ex-Präsident Carlos Andrés Pérez. Dmals hatte er, ohne einen Menschen zu verletzen als Militärkommandant Maracaibo eingenommen. Ein Großteil der Bevölkerung der Hauptstadt von Zulia feierte nun seinen Triumpf in den Straßen.

LATEINAMERIKA

Die Rechte der Kinder (Teil I)

(Lima, Dezember 1995, noticias aliadas-POONAL).- Die Sondernummer von Noticias Aliadas über die Kinder in Lateinamerika ist das vierte und letzte Special zum Oberthema Menschenrechte. Wie bei den vorhergehenden Themen bringt POONAL eine gekürzte Fassung.

KINDER: Der Moment ist gekommen

Immer ist gesagt worden, die Kinder seien die Zukunft

Lateinamerikas. Jetzt sind 40 Prozent der Bevölkerung jünger als

15 Jahre. Die Kinder sind zur Gegenwart des Kontinents geworden. Die UNO verabschiedete 1989 die Konvention über die Rechte der Kinder. Praktisch alle Länder der Region – mit Ausnahme Haitis – haben sie unterschrieben. Es ist lobenswert, daß die Nationen das wichtigste internationale Rechtsinstrument unterschreiben, das den Kinder wie allen Menschen Rechte zugesteht. Aber werden diese Rechte eingehalten?

Schätzungsweise 42 Prozent der Lateinamerikaner*innen und Karibikbewohner*innen, die unterhalb der Armutsgrenze leben, sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. „Es läßt sich also feststellen, daß praktisch die Mehrheit der Mädchen und Jungen der Region arm sind“, sagt die Pastoralbeauftragte für Familie, Mutter und Kind, Nidia Fonseca vom Lateinamerikanischen Kirchenrat. Die Situation drückt sich in einer fehlenden Befriedigung der Grundbedürfnisse aus: Gesundheit, Ernährung, Bildung. UNICEF-Daten weisen aus, daß bis auf in Bolivien, Brasilien und Haiti die Sterblichkeitsrate unter den Säuglingen und den Kindern unter fünf Jahren zurückgegangen ist. Doch viele Kinder bleiben Todesopfer von Armutskrankheiten: Durchfall, Cholera, Atemwegserkrankungen, die in ihrer Mehrheit vermeidbar sind. Die Wirtschaftsanpassungsprogramme haben einen negativen Einfluß auf die Ernährungs- und Bildungsmöglichkeiten und ganz allgemein auf das Leben der großen Bevölkerungsmehrheit. Die Unterernährung bleibt das schlimmste Problem, das die Kindheit schädigt. In Peru sind 37 Prozent der Kinder unter fünf Jahren unterernährt. 70 Prozent der Indígena-Kinder Mexikos leiden unter demselben Mangel. Bei einem Drittel von ihnen bedeutet das Entwicklungsschäden. Die Armutssituation treibt viele Kinder auf die Straße hinaus, um die Familienwirtschaft zu unterstützen. Obwohl die Mehrheit der arbeitenden Kinder neben der Schule noch arbeitet, verlässt ein großer Teil am Ende die Schule. Die Mehrheit der arbeitenden Kinder bekommt weniger als den Mindestlohn. Ihr Arbeitstag ist länger als es die Gesetzgebung für Minderjährige in jedem der jeweiligen Länder vorsieht.

Angesichts der Ausbeutung der kleinen Arbeiter*innen schlagen einige (UNICEF, IAO) als Lösung die Grundschulbildung und Verbesserung der Beschäftigungssituation für die erwachsene Bevölkerung vor. Für andere dagegen ist die Arbeit ein Recht aller Menschen, für Kinder, Jugendliche, Erwachsene. So versichert Alejandro Cussianovich, Berater der Bewegung arbeitender Kinder und Jugendlicher von katholischen Arbeiter*innen (MANTHOC) aus Peru: „Die Arbeit bleibt ein Menschenrecht, das zum menschlichen Wesen gehört, dem Subjekt, dem/r sozialen AkteurIn gehört …unabhängig von Rasse, Alter, sozialen Status oder Geschlecht. Sie als ein Recht anzuerkennen ist genau das, was – weit entfernt davon, unannehmbare Formen bei ihrer Ausübung zu akzeptieren – uns einen ethischen, politischen Imperativ schafft, sie zu regeln, schützen, beachten und dafür zu kämpfen, das abzuschaffen, was ihre humanisierende Erfahrung verstümmelt.“

Obwohl der durchschnittliche Beitrag der Kinderarbeit zum Familieneinkommen mit 15 Prozent wichtig ist, ist sie nicht immer mit den wirtschaftlichen Bedürfnissen der Familie verbunden. In den ländlichen Gebieten ist die Kinderarbeit beispielsweise ein wichtiges Element bei der Produktion. Von den 40 Millionen Straßenkinder, die es schätzungsweise in der Region gibt, hat ein Großteil, wenn auch die Minderheit, die Straße nicht nur zum Arbeitsplatz, sondern auch zum Wohnsitz gemacht. In Peru sind von 100 Kinder in der Straße nur fünf oder sechs im strikten Sinne Straßenkinder, so Juan Aguilar León, UNICEF-Vertreter im Land. Verlassenheit, Waisentum, aber vor allem die Mißhandlung durch Eltern oder Vormünder bringt diese Kinder dazu, von zuhause zu flüchten. Sie leben in der Straße und bilden Banden, die ihnen die Zuneigung und den Schutz bieten, der ihnen zuhause fehlte. Solange sie um Almosen bitten, sich ein paar Pesos durch Schuheputzen oder den Zeitungsverkauf verdienen, scheinen die Erwachsenen sie zu betrachten, ohne sie zu sehen. Sie werden erst zu einer Besorgnis oder einem landesweiten Problem, wenn sie das Gesetz übertreten und sich in „Kinderkriminelle“ verwandeln.

Doch anstelle ein wirkliche Lösung für dieses Problem zu suchen, antwortet die Gesellschaft mit Unterdrückung; sie sperrt die Kinder in Internaten ein. Schlimmer noch, sie kommt dazu, alle Kinder, die in der Straße arbeiten und leben, als potentielle Verbrecher*innen anzusehen, die auch als solche behandelt werden müssen. Es werden Kampagnen durchgeführt, Straßenkinder aufzulesen, um sie zu „schützen“. Sie werden in Herbergen eingeschlossen, die sie trotz möglicherweise guter materieller Bedingungen vom sozialen Leben, dem Stadtviertel, der Gruppenzuneigung ausschliessen. In Städten wie Rio de Janeiro und Lima gibt es zudem Ausgangssperren für die Heranwachsenden. Als Delinquenten betrachtet, sind die Straßenkinder, Opfer der Todesschwadronen. In Kolumbien wurden allein 1991 etwa 2.800 Kinder ermordet. Amnesty International weist daraufhin, daß in Kolumbien und Brasilien oft Mitglieder der Sicherheitskräfte als die Mörder identifiziert wurden. So werden die Organisationen, die die Kindheit unterstützen, zu den Verteidigern des Lebens und der Grundrechte der Kinder. Ohne diese Arbeit gering zu schätzen, gehen andere weiter: Sie meinen, daß Kinder und Jugendliche viel über ihre Realität zu sagen haben. Statt sie als zu schützende Subjekte zu behandeln, müßten ihre Potentiale zur Geltung kommen.

In dem Maße, indem dem Kind die schwere Aufgabe zufälle, zu arbeiten, zu pflügen, zu säen, zu ernten, müsse es auch an der Diskussion über die es betreffenden Entscheidungen beteiligt werden. „Ohne seine Entwicklung zu erzwingen und parallel sein Selbstbewußtsein und seine Sicherheit fördernd, müßte das Kind Schritt für Schritt von klein auf eine Wirklichkeit kennenlernen, hinterfragen, entwickeln und verändern, die nicht in der Lage ist, die volle Gültigkeit seiner Rechte zu garantieren“, führt Pérez aus. Die Frauen sind die unsichtbaren Opfer der 90er Jahre, die Indígenas werden als Teil der Vergangenheit behandelt und von den Kindern wird als den Bürger*innen der Zukunft geredet: bei diesem Stand der Dinge wird die Mehrheit der Bewohner*innen der Region einfach ohne Gegenwart gesehen. Die Kinder haben wie die Frauen, die Indígenas und andere an den Rand gedrängte Gruppen das Recht, aktive Subjekte bei der Veränderung einer Wirklichkeit zu sein, die sich ihnen gegenüber feindselig verhält.

LATEINAMERIKA

Nach wie vor Morde an JournalistInnen

(Lima, 14. Dezember 1995, noticias aliadas-POONAL).- Der Jahresbericht der Interamerikanischen Pressegesellschaft (SIP) verzeichnet elf ermordete Journalist*innen in Lateinamerika im Zeitraum von Oktober 1994 bis Oktober 1995. Allein in Brasilien wurden “ fünf Journalist*innen mit bemerkenswerter Brutalität ermordet“, so der Bericht. Die weiteren Morde geschahen in Kolumbien, Guatemala und Mexiko. Die SIP hierzu: „Es überrascht, daß praktisch alle Mörder nicht gefaßt werden konnten.“

BRASILIEN

Der Penis 'Braulio' spricht wieder

(Brasilien, 14. Dezember 1995, noticias aliadas-POONAL).- Niemand erwartete, daß Braulio anfangen würde, über Gelegenheitssex zu sprechen. Bei Braulio handelt es sich um den berühmten sprechenden Penis der vergangenen Kampagne der brasilianischen Regierung zur AIDS-Verhütung. Er wurde allerdings in „Champion“ umgetauft, nachdem sich Männer namens Braulio beschwert hatten. Jetzt ist der Champion Protagonist von vier verschiedenen Fernsehspots, die den Gebrauch des Kondoms als erstes Mittel gegen die Verbreitung des Hiv-Virus anpreisen. Die Werbung hat das Ziel, die Abneigung der brasilianischen Männer gegen Kondome zu überwinden. Es sind die mit weitem Abstand heftigsten Spots zur AIDS-Verhütung in ganz Lateinamerika. Armando Luiz B. de Paula von der Unterstützungsgruppe zur AIDS-Verhütung (GAPA) im Bundesstaat Ceara begrüßt die deutliche Sprache der Kampagne. Die konservativen Kampagnen anderer lateinamerikanischer Länder hätten in Brasilien einfach nicht funktioniert. Nach Paula hat sich die Arbeit der zuständigen Abteilung beim Gesundheitsministerium in den letzten Jahren erheblich verbessert. „Sie haben Leute und Nicht-Regierungsorganisationen einbezogen, die an der Basis arbeiten, Leute, die wissen, wie man an die neuen Gruppen herankommt, die Gefahr laufen, sich mit dem Virus zu identifizieren“, so de Paula.

HAITI

Wahlen gegen den Volkswillen

(Haiti, Dezember 1995, alai-POONAL).- Am 17. Dezember wähl(t)en die Haitianer*innen den Nachfolger Jean Bertrand Aristides. Offiziell begann der Wahlkampf in der ersten Novemberwoche, doch Wirklichkeit wurde er nicht vor Ende des Monats, als der Präsident versicherte, er werde sein Amt am 7. Februar 1996 abgeben. So bereitete er dem Dilemma ein Ende, das aus den Wünschen der Mehrheit der Bevölkerung einerseits und dem internationalen Druck andererseits entstanden war. Aristide wird wegen des großen Einflusses auf seine Landsleute als die Person angesehen, die den demokratischen Übergang mit einem Minimum an Stabilität garantieren kann. Sein Rückzug von der öffentlichen Bühne könnte in einem Bruch der bestehenden fragilen politischen Waffenstillstandes münden. Die Politische Organisation Lavalas (OPL), eine der drei Kräfte der PPL, stellte sich hinter den Präsidenten und betonte öffentlich die Notwendigkeit glaubwürdiger Wahlen als einzigem Mittel, den demokratischen Wechsel und den Rechtsstaat zu sichern. Die Nationale Front und die Demokratie (FNCD) schlugen die Verschiebung der Wahlen vor. Sie argumentierten, die Verfassung sehe als Datum für die Präsidentschaftswahlen die letzte Novemberwoche [1996] vor. Im Konsens könne ein neuer Wahltag festgelegt werden. Aristide müsse eine Verlängerung der Amtszeit bewilligt werden. Auch unter den Duvalieristen gibt es Gruppen, die die Dezemberwahl nicht wollen. Gerade erst schrieben sie an den Präsidenten des Sicherheitsrates der UNO von einem „derzeit angespanntem Klima“. Doch nichts deutete kurz vor den Wahlen darauf hin, daß es eine Meinungsänderung auf internationaler Ebene geben könne.

Der Wahlkampf wurde kaum wahrgenommen. Hauptsächlich fand er in den Medien statt. Die Mehrheit der Kandidaten konnte nur auf die Presse zählen, um sich an eventuelle Wähler*innen zu wenden. Wie bei den Parlamentswahlen im Juni war lediglich die PPL mit einigen Wahlfähnchen in der Hauptstadt vertreten. PPL-Kandidat René Préval ist auch im Fernsehen und in den wichtigsten Radiosendern präsent. Bis eine Woche vor dem 17. Dezember war er praktisch der einzige Kandidat, der verschiedene Orte im Land und die haitianische Auslandsgemeinde besuchte. Unter den insgesamt 14 Kandidaten ist er der eindeutige Favorit. Sein Vorteil liegt darin, als Thronfolger Aristides angesehen zu werden. Auf die Frage, ob er ein „Double“ des aktuellen Präsidenten sei, antwortete Préval in Kanada: „Wir sind eine politische Familie. Es ist unsere Bewegung, die durch mich oder jemand anderen an der Macht sein wird.“

Eine ganz andere Frage, die in den USA ein Thema ist, behandelt die ausländische Truppenpräsenz auf der Insel. Nach dem Abkommen mit der UNO wird die multinationale Truppe nach der Amtseinführung der neuen Regierung am 7. Februar das Land verlassen. Auf Haiti selbst erkennt die Bevölkerung den stabilisierenden Faktor der Anwesenheit ausländischen Militärs an – trotz der Kritik an den Einflussmöglichkeiten, die dies eröffnet. Es gibt Befürchtungen, nach dem Rückzug könnten Gewalt und Verbrechen sich erneuern. Anthony Lake, Nummer 1 des Nationalen Sicherheitsrates der USA hat den Rückzug der nordamerikanischen Truppen bekräftigt. Diese Haltung ist in erster Linie der Unpopularität einer längeren US- Truppenpräsenz in Konfliktländern in den USA selbst zu verdanken. Besonders bei dem Versprechen, 20.000 Soldaten in Bosnien stationiert zu halten. Lake liess jedoch die Möglichkeit durchblicken, Militäringenieure könnten im Land bleiben. Derzeit sind sie beim Straßenbau und bei der Wiederherstellung öffentlicher Gebäude beschäftigt.

MEXIKO

Interview mit Samuel Ruiz

(San Cristóbal de las Casas, Dezember 1995, POONAL).- Vor kurzem hatte POONAL Gelegenheit, mit dem mexikanischen Bischof Samuel Ruiz García zu sprechen. Das Interview fand wenige Tage nach dessen 71. Geburtstag statt. Anlaß, nicht nur über Aktuelles zu reden, sondern ein bißchen über den Werdegang des Bischofs.

POONAL: Das öffentliche Bild von ihnen ist das eines anfangs sehr

konservativen Bischofs, der heute Verfechter der

Befreiungstheologie ist. Vor mehr als 40 Jahren studierten Sie an

der Gregoriana, der päpstlichen Universität in Rom. Was war damals der Studieninhalt, gab es bereits Ideen, die der Theologie der Befreiung ähnelten?

Ruiz: Zwei Präzisionen, weil der vorgezeichnete Kontext dem Interview sonst eine Richtung geben wird, die nicht angemessen ist. Erstens: vor dem Konzil gab es keine Unterscheidung zwischen Konservativen und Nicht-Konservativen. Wir waren alle Katholiken, Christen. Es ging nicht so sehr um eine ideologische Festlegung. Es existierte eine eher ruhigere Welt. Es herrschte eine Situation, wo die Gesellschaft mehr oder weniger als normal angesehen wurde, und darum gab es eine weitgehend einheitliche Antwort darauf. Das [II. Vatikanische] Konzil bedeutete eine historische Trennscheide nicht deswegen, weil es einen anderen Ausgangspunkt festlegte, sondern weil es zu einem historischen Moment tiefgreifender Veränderungen in der Gesellschaft stattfand. Wo es deshalb historische Vorschläge geben musste, nicht so sehr theologische oder dogmatische. Jesus Christus ist natürlich derselbe geblieben, jetzt und für immer, für alle Ewigkeit. Aber die historischen Situationen ändern sich – und die Antworten müssen sich auf die konkrete Situation konzentrieren. Dort ist es, wo die Veränderungen stattfinden. Es waren die Kommunikationsmedien, vor allem die Presse, die uns etikettierte: die einen als progressiv, andere als konservativ. Aber ein Katholik ist konservativ und ist fortschrittlich. Denn das Evangelium kündigt die Zukunft an und nicht die Vergangenheit. Die Anwendungen sind verschiedenen in verschiedenen historischen Situationen. Ich bin Konservativer und Fortschrittlicher. Ich glaube, ein Katholik, der sagt, er sei progressiv und nicht konservativ, ist kein Katholik (lacht dabei). Jemand, der sich konservativ nennt und nicht nach vorne blickt, ist auch kein Katholik. Aber natürlich, je nachdem, ob die Betonung einer Predigt mehr an den Dogmen ausgerichtet ist oder ob die Predigt sich mehr als Antwort auf die konkrete Problematik versteht, ist die Ausrichtung verschieden. Das ist in der Geschichte absolut nichts Neues. Petrus und Paulus, wenn man die Bücher der Apostel ließt, hatten zwei verschiedene Diskurse, weil sie auch zwei verschiedene Zielgruppen hatten. Der eine sprach vorwiegend an die Juden, der andere überwiegend an die Nicht-Juden.

Zweitens: Ich bin kein Befreiungstheologe. Ich bin Priester. Und meine Sorge ist nicht die Theologie, sondern die pastorale Aktion. Eine Pastoralarbeit, die niemals darin bestehen wird, die Menschen in die Sklaverei zu führen, nicht wahr? Ich denke auch nicht, daß es eine Theologie des Sklaventums gibt. Alle Theologie ist entweder befreiend oder verdient den Namen Theologie nicht. Fachlich gesprochen, habe ich die heilige Schrift studiert, mein Schwerpunkt liegt nicht darauf, Theologe zu sein. Natürlich ist die Reflexion einer befreienden Theologie im Einverständnis mit der Botschaft des Evangeliums, die historische Anwendung auf eine konkrete Situation sein will.

POONAL: Sie haben bei anderer Gelegenheit die Bischofskonferenz

1968 in Medellin als prägenden Einfluß erwähnt. Was hatte mehr

Einfluß auf ihren Werdegang: Medellin oder die acht Jahre, die sie

damals schon als Bischof hier in der Diözese gearbeitet hatten?

Ruiz: Ich habe schon die Richtung angegeben, auf der die Veränderung vonstatten geht. Der Wechsel geschieht nicht durch theoretische Reflexion, sondern durch die Art des Kontaktes mit der Realität. Wenn jemand sich von ihr distanziert, gibt es keinen produktiven Prozeß. Wenn jemand auf die historische Situation antwortet, so fragt er und es muß sich eine Denkweise entwickeln, wie es das Konzil sagte, wie es Johannes XXIII. ausdrückte – nicht nur in pädagogischer Weise, daß die Leute verstehen, was gesagt wird, sondern in einer Weise, wie es Jesus sagte: aus dem Reisegepäck alte und neue Dinge hervorziehen. Es gibt Dinge, die versteckt sind, die ans Licht gebracht werden müssen, damit es Antworten auf die konkreten Situationen gibt. Die Reflexionen von Medellin und [der Konferenz von] Puebla versuchen, auf die Veränderung der historischen Situationen zu antworten. Mich hat nicht die Theologie verändert, sondern der Indígena. Das ist es, was Einfluß auf Medellin und Puebla ausübt: die neuen Situationen auf dem Kontinent. Das ist es, was das Konzil konkret beeinflußt, das versucht, auf die neuen Situationen zu reagieren, die in der Geschichte auftauchen.

In diesem Sinne ist das Konzil die Trennscheide, die uns in diese Dynamik versetzt. Es geht nicht mehr so sehr darum, ein Evangelium zu verkünden, das mit großer Genauigkeit formuliert wurde. Diese Genauigkeit ist nicht mehr so wichtig, sondern die Anwendung oder die konkrete Verkündung. Nicht nur die Anerkennung des Wort Gottes, wie es das Konzil in einem Dokument sagt. Gott spricht zu uns mit Worten und Ereignissen. Diese geschichtliche Dynamik ist der Schlüssel der Veränderung, nicht die Ideen, sondern die konkreten Situationen, die dazu verpflichten, sich neu zu hinterfragen, um auf sie antworten zu können. So kann man sagen, daß das Konzil die Dynamik in Gang brachte. Medellin, Puebla und Santo Domingo ziehen die konkrete Lage in Betracht und kennzeichnen eine Entwicklung zu konkreteren Antworten auf die Situationen.

POONAL: Sie sagen, Ihr Image ist zum Gutteil ein von der Presse,

auch von Schriftstellern, geschaffenes. In diesen Tagen wird des

öfteren ein Text von Fernando Benítez vom Anfang der 60er Jahre

zitiert, als er Sie interviewte. Benítez spricht von einem Fanatiker, einem strammen Antikommunisten, der auf der Seite der Großgrundbesitzer steht. Eine weitere Erfindung oder die Realität in dieser Zeit?

Ruiz: Ich habe das Buch nie gelesen, mir haben sie davon erzählt. Ich habe ihn damals zufällig getroffen. Damals gab es kein wirkliches Interview. Ich ging damals zum Nationalen Indígena- Institut (INI) zu einem angesetzten Treffen, um Mißverständnisse auszuräumen, die es in der Beziehung zwischen den Pastoralarbeitern und den Mitarbeitern des INI gab. Es wurde gesagt, die Pastoralarbeit würde den Fortschritt bremsen, so wie die Leute des INI ihn verstanden. Es wurden nur ein oder zwei Punkte konkret behandelt. Darum bat ich um ein breit angelegtes Treffen, bei dem alle Probleme angesprochen werden sollten. Doch stattdessen wurde mir Benítez vorgesetzt, denn sie hatten ohne daß ich es wußte, eine Jahresfeier organisiert. Für mich war das Gespräch mit der INI-Führung vorrangig und Benítez war einer der Gäste. Er näherte sich und begann eine Unterhaltung. Ich gab ihm nie ein Interview, er suchte es. Was ich da gesagt habe… wie gesagt, für mich war es nicht die Hauptsache. Aber ich glaube, es wäre fatal, wenn ich heute genau das denken würde wie vor 30 Jahren. Das wäre schrecklich. Denn das Gesetz des Lebens ist ganz deutlich die Veränderung. Wenn einer gleich bleibt, gibt es keine Bewegung, sondern Tod. Ein Kind muß sich ändern, entwickelt sich, wächst. So ist das menschliche Wesen, das Denken muß auch einen Entwicklungsprozeß durchmachen. Wenn er [Benítez] mir damals sagte, ich wäre engstirnig, so war ich das wahrscheinlich. Aber wenn heute genau das von mir gesagt würde wie damals, so wäre es fatal.

POONAL: In den 70er Jahren kam mit der Unterstützung der Diözese

die sogenannte „Gruppe aus Torreón“ zum Erblühen [mit zum Teil

maoistisch orientierten Mitgliedern, die der EZLN theoretisch den

Weg bereitet haben sollen]. Mit heutigen Maßstäben gemessen; fühlen sie sich von diesen Leuten mißbraucht, die sie mit dem Vertrauen der Diözese machten?

Ruiz: Ich glaube, das ist eine falsche Lesart von Ihnen. Ich habe sie niemals eingeladen. Gut, als sie hier waren, dachten wir, die Gruppen, die eine offene Haltung, Solidarität, Hilfe gegenüber den Leuten zeigen, könnten eine Unterstützung sein. Aber niemals haben wir sie eingeladen, hierhin zu kopmmen. Als sie kamen, mußten sie uns nicht um Erlaubnis bitten, innerhalb der Diözese politische Arbeit zu machen. Aber es war willkommen, weil es ein Schritt war, der den Leuten half, ein Bewußtsein zu entwickeln.

POONAL: Wie bewerten Sie die augenblickliche Situation der

Verhandlungen? Sieht es mehr nach Frieden oder mehr nach Krieg

aus?

Ruiz: Es ist ein Prozeß der Friedensstiftung. Der Kontext, in dem sie sich entwickelt, ist kein einfacher. Die derzeitigen Krisen verschärfen sich in einigen Regionen, sei es im politischen oder wirtschaftlichen Bereich. In diesem Sinne gibt es keine absolut günstige Grundlage, aber es gibt eine Zusammenarbeit, einen Bewußtseinsprozeß, eine Besorgnis, eine Überzeugung aller, die aktiv an dem Dialog teilnehmen. Dieser ist der einzige wirkliche Weg für einen authentischen Frieden. Die Zapatisten selbst, die den Krieg begannen, haben sich bei verschiedenen Gelegenheiten so geäußert. Einmal haben sie in Aguascalientes zu der Nationalen Demokratischen Konvention aufgerufen. Sie haben den Leuten dort sehr beeindruckende Worte gesagt: 'Wir haben uns in Waffen erhoben, weil wir keinen anderen Weg sahen. Wir wissen, es ist nicht der Weg, zum Frieden zu kommen. Dafür muß es andere Wege geben. Ihr wißt, daß es andere Weg gibt. Zeigt uns, daß sie existieren. Macht uns den Krieg unmöglich!' Kurioserweise wird dieser Krieg geführt, um einen wahren und authentischen Frieden zu suchen. Sie [die Zapatisten] haben in keinem Moment versucht, die Zivilgesellschaft zu rekrutieren, um sie auszubilden und die Macht zu übernehmen. Das haben sie von Anfang an ausgeschlossen und schließen es bis heute aus. Es gibt keine Suche nach dem Krieg. Und die, die angesichts der Insurrektion kriegerisch antworten mußten, um eine bestimmte Situation zu kontrollieren, sind von keiner Kriegsdynamik angetrieben, suchen offensichtlich nicht den neuen Kriegsbeginn. Aber es gibt Situation, die chaotisch zu werden drohen. Die Dynamik einer Militarisierung, nicht notwendigerweise eines Krieges, ist immer noch präsent. Das ist klar. Doch je mehr der Dialog vorangeht, wächst das innere Vertrauen, die gegenseitige Glaubwürdigkeit. Das bringt eine Entspannung, die Echo im ganzen Land findet. Die Erwartung ist groß.

POONAL: Nehmen wir an, es gibt ein abschließendes Abkommen. Kann

das denn schon Frieden bedeuten?

Ruiz: Das habe ich nie gesagt. Ich spreche von einem Friedensprozeß. Nicht von Papieren, auf denen der Friede unterschrieben wird. Ich habe immer von der Beteiligung der Bürger*innen gesprochen, diesem wachsenden Bewußtsein und der Erwartung auf eine neue wirkliche Entwicklung, einen friedlichen Prozeß. Davon, daß es ein klares Bewußtsein von der Verantwortung der Bürger*innen gibt. Ihre Beteiligung als Subjekte wird das Ergebnis des Friedensprozeß sein. Nicht die Abkommen zwischen Zweien, die miteinander reden. Die auch Repräsentativität haben, sei es für die Regierung oder für das Volk. Aber den Frieden werden weder Regierung noch EZLN noch die Unterschriften machen, sondern es wird die Beteiligung der Bürger*innen sein und die konkrete Ausführung natürlich der Abkommen, zu denen man kommt.

POONAL: Sie werden es nicht mehr hören können, aber dennoch die

Frage: Die Beziehung zu Bischof Raul Vera…

Ruiz: Den können Sie selbst fragen, hier ist er nebenan…

POONAL: Den kann ich auch fragen, aber genauso Sie…

Ruiz: Gut. Er ist Helfer (Coadjutor), ich bin der Bischof. Das ist

die Beziehung, die es gibt und sie ist juristisch festgelegt. Wo

gemeinsam gesprochen wird, weil es eine Sache für vier Jahre ist [dann ist Ruiz 75 Jahre alt und wird in den Ruhestand gehen]. Er ist Coadjutor mit dem Recht, zu beraten.

POONAL: Aber für Sie ist da niemand gekommen, um ihre Aktivitäten

zu kontrollieren, wie es in einem Teil der Presse gesagt wurde?

Das sagt die Presse. Die Presse hat widersprüchliche Dinge gesagt. In Bogota erklärte sie mich für tot, in Brasilien ließ sie mich auferstehen. Also: Nein.

GUATEMALA

Telefonspionage „kein schlimmes Vergehen“

(Guatemala, 16. Dezember 1995, cerigua-POONAL).- Der guatemaltekische Vizepräsident Arturo Herbruger zeigt sich wenig beeindruckt über illegale Abhörpraktiken. Nachdem die Tageszeitung „Siglo Veintiuno“ angezeigte, daß eine ihrer Telefonlinien von den Sicherheitskräften abgehört wurde, empfahl Herbruger: „Was die Personen machen müssen, ist vorsichtig sein beim Telefonieren. Sie müssen wissen, daß sie jemand hört.“ Er gab zu, es sei ein Vergehen, die Gespräche der Gewerkschaftführer*innen, Or ganisationen der Volksbewegung und der Medien abzuhören, aber „kein schweres“. Der Direktor der staatlichen Telefongesellschaft GUATEL, Gustavo Díaz, stritt ab, daß es bei dem Unternehmen eine spezialisierte Abteilung gebe, die an der Telefonspionage beteiligt sei. Dafür verantwortlich seien „Gruppen mit Macht“. Der Werdegang von Díaz selbst läßt allerdings Zweifel an seiner Version berechtigt erscheinen. Er war als Offizier bei der Armee mit Geheimdienstaufgaben beschäftigt. Vor sieben Jahren nahm er an einem gescheiterten Militärputsch gegen den christdemokratischen Präsidenten Vinicio Cerezo teil.

Kirche: keine Bedingungen für wirklichen Frieden

(Guatemala, 16. Dezember 1995, cerigua-POONAL).- Carlos Aldana, einer der Leiter des erzbischöflichen Menschenrechtsbüros, sieht die Friedensaussichten in Guatemala pessimistisch. „Für die Unterzeichnung des Friedens fehlt es außer der formalen Anstrengung auch an einer wirklichen Anstrengung“, kommentierte er angesichts des jüngsten Treffens der Guerilla der Revolutionären Nationalen Einheit Guatemalas (URNG) und der Regierung in Mexiko. Dort kam es wie erwartet nicht zu einem Abkommen über das Thema „Sozio-ökonomische Aspekte und Agrarsituation“. Bei Bedingungen für einen wirklichen Frieden, so Aldana weiter, sei kein Friedensabkommen nötig. In diesem Moment würde die Rechtfertigung für den bewaffneten internen Konflikt wegfallen. Er äußerte die Besorgnis, es werde keine Verknüpfung zwischen formalem und wirklichem Frieden geben.

Deutsche Abgeordnete für Entmilitarisierung

(Guatemala, 15. Dezember 1995, cerigua-POONAL).- Acht deutsche Parlamentsabgeordnete hielten sich zu einem viertägigen Besuch in Guatemala auf. Gegenüber der Presse gaben sie der Überzeugung Ausdruck, es sei wichtig, daß „die Militärs die große Macht, die sie haben, verlieren“. Delegationssprecher Bernd Reuter erklärte, unabhängig davon, welche politische Gruppe das Land ab Januar regiere, müsse diese in Betracht ziehen, daß Europa und der Rest der Welt an einer Entmilitarisierung und der Beachtung der Menschenrechte in Guatemala interessiert seien. Er verwies auf das Massaker an 11 Campesinos in Xamán im Oktober. „Wir haben unsere Gesprächspartner aufgefordert, alles zu tun, damit die Verantwortlichen dieser Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden.“

NICARAGUA

Streit um Bildungsetat

(Mexiko-Stadt, 17. Dezember 1995, POONAL).- In Nicaragua schwelt der Streit um die Gelder für die staatlichen Universitäten weiter. Am Freitag verabschiedete das Parlament den Haushaltsplan, ohne auf die Forderungen nach Erhöhung des Hochschuletat weiter einzugehen. Der Nationale Universitätsrat hatte 13,5 Millionen Dollar für die acht staatlichen Hochschulen verlangt, die Parlamentarier*innen dagegen bewilligten mit 67 gegen 11 Stimmen nur 9,6 Millionen Dollar. Dieser Etat gilt zusätzlich für drei private Hochschulen, so daß der Betrag für die Einzelinstitutionen noch geringer ausfällt. In der nicaraguensischen Verfassung sind 6 Prozent des jährlichen Budgets für die Universitäten festgeschrieben. Über die Berechnung dieses Anteils gibt es jedoch unterschiedliche Auffassung. Sowohl die Universitätsbeschäftigten als auch die Student*innen warfen Regierung und Abgeordneten eine Manipulation der Zahlen vor. Die Student*innen führten während der Woche mehrere Protestaktionen durch. Unter anderem besetzten sie zeitweise den internationalen Flughafen der Hauptstadt und versammelten sich vor dem Parlamentsgebäude. Dort wurde eine Demonstration von der Polizei gewaltsam auseinander getrieben. Dabei starb ein Student, 30 weitere Student*innen erlitten Verletzungen.

Xabier Gorztiaga, Rektor der Jesuitenuniversität UCA warnte, die Parlamentsabgeordneten hätten mit ihrer Entscheidung eine landesweite Krise eröffnet. Ernesto Medina, Präsident des Nationalen Universitätsrates, nannte die in der Verfassung festgeschriebenen 6 Prozent „nicht verhandelbar“. Die StudentInnen-Bewegung schlägt ein Referendum über den Hochschulhaushalt vor. Dafür ist ein Antrag von der Präsident oder einem Drittel der 92 Parlamentsabgeordneten notwendig. Neben diesen zwei unwahrscheinlichen Möglichkeiten bleibt eine Dritte: Die Student*innen müssen 50.000 Unterschriften der Nicaraguaner*innen dafür zusammenbringen.

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