Mexiko

Polizeichef von Iguala verhaftet


Von Wolf-Dieter Vogel

Foto: Eneas de Troya, cc-by-2-0

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(Berlin, 01. November 2016, npl).- Die Angehörigen der im mexikanischen Iguala verschwundenen Studenten können wieder etwas mehr Hoffnung hegen, dass der Verbleib ihrer Söhne oder Brüder aufgeklärt wird. Am vergangenen 21. Oktober verhafteten Sicherheitskräfte den ehemaligen Polizeichef der Stadt, Felipe Flores Velázquez. Der 58-Jährige gilt als einer der Hauptverantwortlichen des Massakers vom 26. und 27. September 2014, bei dem sechs Menschen getötet und 43 junge Männer verschleppt wurden.

Polizeichef soll für Übergabe der Studenten an „Guerreros Unidos“ verantwortlich sein

Bis heute ist unklar, was mit den Studenten passiert ist, nachdem sie von Polizisten festgenommen und danach Mitgliedern der kriminellen Organisation „Guerreros Unidos“ übergeben wurden. Flores hat nicht nur die Verhaftung angeordnet. Er soll laut Angaben der Ermittler*innen auch dafür gesorgt haben, dass seine Beamten die jungen Männer den Verbrecher*innen ausliefern.

Der Polizeichef ist Vetter des Bürgermeisters José Luis Abarca, der wie seine Ehefrau Maria de los Angeles wegen des Angriffs in Haft sitzt. Die Bürgermeister-Gattin spielte eine führende Rolle bei den Guerreros Unidos und soll eng mit Flores zusammengearbeitet haben. Am Tag nach dem Massaker wurde er vernommen, kam jedoch wieder auf freien Fuß und war seither auf der Flucht. Viele hatten befürchtet, dass er längst ermordet wurde, da er zu viel über die Kooperation von Kriminellen, Politiker*innen und Polizist*innen aussagen könnte. Doch nun verhafteten ihn Bundespolizisten und Soldaten, als er sich in einem seiner Häuser mit seiner Frau in Iguala traf. In der Kleinstadt konnte sich Flores jedoch offensichtlich unbehelligt von lokalen Beamt*innen bewegen.

ProDH: Angehörige der Opfer sollen Anhörungen beiwohnen dürfen

In der Amtszeit des Bürgermeisters Abarca nahmen Entführungen und Erpressungen immens zu. Hunderte von Menschen verschwanden, manche wurden von ihren Angehörigen in den angrenzenden Bergen ausgegraben. Niemand bezweifelt, dass Flores an den Taten beteiligt war. Er galt als „Henker“ der Guerreros Unidos und unterhielt in seiner Polizeitruppe eine Gruppe von Auftragsmördern, die „los bélicos“ – „die Kriegerischen“ – genannt wurde.

Das Menschenrechtszentrum ProDH forderte nach der Verhaftung, dass die Angehörigen der Studenten von Anfang an bei den Anhörungen von Flores anwesend sein können. „So könnte endlich bewiesen werden, dass es ein Interesse daran gibt, den Fall wirklich aufzuklären“, sagte ProDH-Anwalt Santiago Aguirre. Die Väter, Mütter und Schwestern der Verschleppten werfen den Strafverfolger*innen vor, das Verschwinden ihrer Angehörigen nicht ernsthaft aufklären zu wollen.

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