Argentinien
Fokus: Frauen und Queer / Mujeres y Queer

Debatte zur Legalisierung von Abtreibung im Abgeordnetenhaus


Grüne Tücher als Symbol für die Legalisierung von Abtreibung
Foto: abortolegal

(Montevideo, 28. Mai 2018, Comcosur).- Am 13. Juni wird im Nationalkongress über den Gesetzesentwurf zum freiwilligen Abbruch von Schwangerschaften diskutiert. Ziel ist eine Entkriminalisierung von Abtreibung und damit das Recht auf Selbstbestimmung des eigenen Körpers. Die landesweite Kampagne für einen legalen, sicheren und kostenfreien Schwangerschaftsabbruch begrüßt den Beginn der Debatte im Abgeordnetenhaus. Auch die Abgeordnete Mónica Macha vom Parteienbündnis Frente Para la Victoria* kommentiert sichtlich bewegt: „Wir haben gute Aussichten, zumindest die Hälfte des Projektentwurfes durchzusetzen“. Sie war eine der ersten Abgeordnete, die das Projekt unterschrieben und gefördert hat.

„Die Mehrheit der Abeordneten ist davon überzeugt, dass die Legalisierung das Beste ist“, stimmte auch die Abgeordnete Victoria Donda von der Partei Libres del Sur* überein. Sie ist eine der Vorreiterinnen in der landesweiten Kampagne für das Recht auf legale, sichere und kostenfreie Abtreibung. Donda macht darauf aufmerksam, dass „die Demokratie das Recht auf öffentliche Gesundheit beinhaltet“ und unterstrich, dass der Kampf „für das Leben und die Freiheit der Frauen“ geführt wird. „(…) Vor einigen Minuten haben sich die vier Unterzeichner*innen mit Emilio Monzó (Vorsitzender der Abgeordentenkammer, Anm.d.Ü.) getroffen und vereinbart, dass wir am 13. Juni das Thema des freiwilligen Schwangerschaftsabbruch im Nationalkongress behandeln werden. Das wird ein historischer Tag!“, hob die Abgeordnete Donda hervor und wies darauf hin, dass diejenigen, die die Initiative unterstützen sich aus „dem gesamten demokratischen politischen Spektrums zusammensetzen“.

Bild: abortolegal.com.ar

Die Abgeordnete der Frente de Izquierda*, Romina Del Plá, erinnerte ihrerseits daran, dass die Kampagne darauf abzielt „Rechte zu erlangen und nicht sie zu mindern: Wir schränken nicht die Rechte anderer ein, sondern wir wollen neue Rechte für die jungen und verletzlichsten Frauen schaffen“. Sie sieht das „Zurückweichen des Gouverneurs der Provinz Salta, Juan Manuel Urtubey, als Sieg der Frauen“. Er hatte das Abtreibungsprotokoll unterzeichnet, das vom Obersten Gericht festgelegt wurde, nachdem gegen ein Dekret auf Provinzebene vorgegangen wurde, das ein 10-jähriges Mädchen zur Geburt zwingen wollte, nachdem es von ihrem Stiefvater vergewaltigt wurde.

Wenn das Gesetzesvorhaben zur Freiwilligen Unterbrechung der Schwangerschaft verabschiedet wird, hat jede Person, die schwanger werden kann, innerhalb der ersten 14 Wochen der Schwangerschaft das Recht auf Abtreibung in einem öffentlichen Krankenhaus oder in einer Privatklinik. Auch ist keine weitere Rechtfertigung für den Abbruch seitens der Frauen vorgesehen, wie es in den meisten entwickelten Ländern, wie z.B. in Spanien, der Fall ist. Die Kosten übernehmen die verschiedenen Versicherungssysteme. Über den Zeitraum von 14 Wochen hinaus sind Abtreibungen auch dann möglich, wenn eine Vergewaltigung vorliegt, das Leben oder die psychische und physische Gesundheit der Frau gefährdet ist oder der Fötus schwere Missbildungen aufweist.

* Parteienbündnis Frente Para la Victoria (Front für den Sieg) ist ein Parteienbündnis aus dem Mitte-links-Spektrum

* Partei Movimiento Libres del Sur (Bewegung der Freien des Südens) ist eine sozialdemokratische Partei, die u.a. aus einer Piquetero-Organisation hervorgegangen ist. Sie ist Teil der Mitte-links-Allianz Frente Amplio Progresista (Breite progressive Front)

* Frente de Izquierda (Front der Linken und der Arbeitenden), linke Arbeiter*innen-Partei

Die landesweite Kampagne für die Legalisierung von Abtreibung wird von unzähligen Gruppen unterstützt. Entstanden ist in diesem Rahmen auch das Lied #Vamos ya !, dass ihr hier anhören könnt. 

CC BY-SA 4.0 Debatte zur Legalisierung von Abtreibung im Abgeordnetenhaus von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das könnte dich auch interessieren

#8M-Argentinien: Der Tag an dem sich alles änderte
149
(Buenos Aires, 8. März 2018, la vaca).- Was gerade passiert ist war überwältigend - Was wir gerade gemacht haben war großartig - Und zwar weltweit. Wir können es nur an der Menge der Körper messen, die die Politik auf die Straße tragen; und was heute passiert ist, können wir in der Geschichte Argentiniens nur mit dem 17. Oktober 1945* vergleichen, als eine Welle von Arbeiter*innen nach Buenos Aires zog, um die Befreiung Peróns zu erreichen. Heute, am 8. März 2018, übertrafe...
Feministische Stimmen gegen machistische Gewalt
64
Von Nina Aretz (Berlin, 21. November 2017, npl).- Ni una menos - keine einzige Frau soll mehr der machistischen Gewalt zum Opfer fallen. Das fordert die argentinische Bewegung, die seit 2015 den öffentlichen Diskurs um Frauenrechte mitbestimmt. Im Fokus der Bewegung steht der Kampf gegen Femizide. Mit Femiziden sind Morde an Frauen gemeint, die auf Grund ihres Geschlechts begangen werden. Die meisten Femizide werden von Partnern oder Ex-Partnern begangen, aber auch z.B. ...
Fremdbestimmte Körper: Abtreibungsverbote in Lateinamerika
57
von Jessica Zeller (Berlin, 25. Oktober 2015, npl).- Lateinamerika ist weltweit einer der Kontinente mit den schärfsten Abtreibungsgesetzen. Frauen oder Mädchen, die nach Vergewaltigungen schwanger wurden, deren Leben durch eine Schwangerschaft in Gefahr oder bei denen der Fötus nicht überlebensfähig ist, wird in vielen lateinamerikanischen Ländern ein vorzeitiger Abbruch der Schwangerschaft untersagt. Welche gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse stehen hinter diesen Verbote...
Der Kampf geht weiter: Kampagne für das Recht auf Abtreibung legt neuen Gesetzentwurf vor
89
(Cordóba, 18. März 2019, ANRed).- Mitte März haben Aktivist*innen der Kampagne für das Recht auf legale, sichere und kostenlose Abtreibung bei einer Versammlung in Cordóba den neuen Gesetzesentwurf zum freiwilligen Schwangerschaftsabbruch beschlossen. An der Versammlung haben 190 Frauen aus den dreißig Regionalteams der landesweiten Kampagne teilgenommen. Der Entwurf soll dem Kongress in diesem Jahr zum achten Mal vorgelegt werden. „Der Gesetzesentwurf ist das Ergebnis von vi...
Argentinien #19F: Wieder landesweite Proteste für das Recht auf Abtreibung
124
(Buenos Aires, 21. Februar 2019, ANRed).- Der 19. Februar ist zu einem weiteren Tag des feministischen Kämpfens und Zusammenkommens geworden, seit vor einem Jahr der erste landesweite „Pañuelazo“ durchgeführt wurde. Die grünen Halstücher (pañuelos) sind das Symbol der Bewegung für das Recht auf Abtreibung und dürfen bei keinem Protestmarsch fehlen. Bisher wurde das neue Gesetz zur Legalisierung von Abtreibung nur im Abgeordnetenhaus verabschiedet, der Senat stimmte dagegen. ...