Peru

Peruanische Regierung entzieht Radio La Voz de Utcubamba (Amazonas) die Lizenz


(Rio de Janeiro, 12. Juni 2009, púlsar).- Das peruanische Ministerium für Transport und Kommunikation MTC (Ministerio de Transportes y Comunicaciones) entzog dem Basisradio „Radio La Voz de Utcubamba“ am 12. Juni die Sendelizenz.

Radio La Voz de Utcubamba erhielt ein Sendschreiben mit dem Beschluss über dessen Schließung. Als Grund wird vom Ministerium angeführt, dass das Radio einen Bericht über die Prüfung der Sendetechnik nicht fristgerecht eingereicht habe.

Carlos Flores, Journalist bei Radio La Voz, bekräftigte jedoch, dass die Schließung den Versuch darstelle, den Sender zum Schweigen zu bringen. Radio La Voz hatte über das Vorgehen der Polizei in Bagua (Amazonasgebiet) berichtet, die dort brutal gegen Indígenas vorgegangen war, die eine Straße blockiert hatten.

Der Journalist erklärte im Gespräch mit der Nationalen Koordinationsstelle der peruanischen Radiostationen CNR (Coordinadora Nacional de Radios de Perú), dass der Sender das Ministerium um eine Inspektion der Technik ersucht hatte und es die Antwort des Ministerium gewesen sei, die zu spät eingegangen sei.

Mario Huamán, Generalsekretär des Gewerkschaftsdachverbandes CGTP (Confederación General de Trabajadores del Perú), erklärte, dass dieses Vorgehen der Regierung „von der Bevölkerung zurückgewiesen werden muss, da es sich um ein deutliches Zeichen für den Autoritarismus der Regierung handelt“.

Kongressabgeordnete aus der Fraktion der regierenden Revolutionären Amerikanischen Volksallianz APRA (Alianza Popular Revolucionaria Americana), beschuldigten bereits am 5. Juni den Radiosender La Voz sowie den Journalisten Carlos Flores, die gewaltsamen Auseinandersetzungen in Bagua unterstützt und forciert zu haben.

Die peruanische Innenministerin, Mercedes Cabanillas, beschuldigte ebenfalls den Sender, zur Gewalt aufgerufen zu haben und forderte, Sanktionen gegen das Radio zu ergreifen.

Außerdem beschloss der Nationalkongress mit der Regierungsmehrheit und ohne vorherige Debatte, sieben Abgeordnete der Nationalistischen Partei Perus PNUP (Partido Nacionalista Unión por el Perú) für 120 Tage von ihrem Amt zu suspendieren.

Der Sprecher der PNUP, Freddy Otárola, beschuldigte ein „Dreierbündnis aus APRA, Anhänger*innen des Fujimorismo und Unidad Nacional (UN)“, sie zum Schweigen bringen zu wollen. Er erklärte, dass es sich um eine „zivil–militärische Diktatur“ handele.

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