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Patagonien: Kein Ende der Repression in Sicht: Mapuche-Gemeinschaft am Mascardi-See geräumt


Update vom 26.11.2017 am Ende des Artikels!

Patagonien: "Wieder in Besitz genommenes Mapuche-Territorium" steht auf dem Transparent / Foto: desinformemonos

Patagonien: „Wieder in Besitz genommenes Mapuche-Territorium“ steht auf dem Transparent / Foto: desinformemonos

(Mexiko-Stadt, 23. November 2017, desinformemonos).- Bei einem neuen Kapitel des sogenannten „Patagonien-Krieges“ der Regierungen in Chile und Argentinien gegen die Mapuche wurde nun eine weitere Mapuche-Gemeinschaft von Polizeikräften überfallen, die Bewohner*innen beschimpft, gedemütigt, geschlagen und verhaftet. Im Morgengrauen des 23. November vollzog die Polizei die Räumung eines Geländes, das etwa 35 Kilometer vom Zentrum von Bariloche entfernt bei Villa Mascardi im Nationalpark Nahuel Huapi liegt.

Räumung mit Ankündigung

Das Territorium wurde von der Mapuche-Gemeinschaft Lof Lafken Winkul Mapu vor zwei Monaten wieder in Besitz genommen worden. Der Bundesrichter von Neuquén, Gustavo Villanueva, dem die indigenen Völker wenig bis gar nichts bedeuten, hatte die Räumung angeordnet. Die Polizeimaßnahme reiht sich ein in eine Kriminalisierungskampagne gegen die Mapuche, die sich insbesondere auf konstruierten Beweisen gründet.

Bereits am ersten Tag nach der friedlichen Besetzung des abgelegenen Geländes durch Mapuche erhielten sie Besuch von Polizeikräften. Diese erschienen in Begleitung des Richters Villanueva und der Staatsanwältin Silvia Little, im klaren Versuch, die Männer, Frauen und Kinder einzuschüchtern, die diesen ursprünglich indigenem Landstrich wieder in Besitz genommen hatten. Die Flächen war jahrzehntelang von Großgrundbesitzer*innen verwaltet worden, die die Rückendeckung der jeweiligen Lokalregierung genossen. Am vergangenen 22. November tauchte Staatsanwältin Little schließlich ein zweites Mal auf und verlangte, dass die Mapuche den Ort verließen, da sie andernfalls mit einem Eingreifen der Polizei zu rechnen hätten. Der Richter habe bereits die Räumungsurkunde unterschrieben.

Eskalation bei Räumung mit Spezialeinheiten

Am Tag darauf kam Villanueva schließlich mit einer Hundertschaft der argentinischen Bundespolizei zum Lof. Sie umstellten das Lager. Während sich die Mitglieder der Gemeinschaft auf einen Angriff vorbereiteten, kamen weitere 40 Mitglieder der Spezialeinheiten GEOF und GE1. In diesem Moment entwickelte sich der Einsatz zu einem weiteren Beispiel für die diskriminierende und gewaltsame Eskalation, die die Regierungen auf beiden Seiten der Anden gegen Mapuche-Gemeinschaften betreiben. Zahlreiche Bewohner*innen wurden verhaftetet und sollen Quellen zufolge vor Bundesgerichten angeklagt werden.

Die vom Chef der Bundespolizei, Néstor Roncaglia, angeführten Sicherheitskräfte stürmten gegen 5:40 Uhr morgens das Gelände des Lof. Die Anweisungen von Richter Villanueva sahen vor, die Menschen in der Gemeinschaft festzusetzen und schließlich festzunehmen. Zeitweise war der Verkehr auf der nahegelegenen Bundesstraße 40 infolge der Polizeiaktion unterbrochen.

Das Gelände ist dicht bewachsen, zerklüftet und schwer zugänglich. Es gibt dort kaum Empfang mit Mobiltelefonen.

Ersten Berichten zufolge befindet sich unter den Verhafteten das Ehepaar María Nahuel und José Cristian Colhuán. Beide gehören einer städtischen Mapuche-Gemeinschaft im Stadtviertel Virgen Misionera in Bariloche an. Ihnen war bereits vor Jahren vorgeworfen worden, einen Platz besetzt zu haben, um dort eine zeremonielle Stätte (rehue) sowie mehrere Mapuche-Behausungen (rucas) zu errichten. Mit dem Ehepaar wurden auch zwei ihrer vier Kinder verhaftet.

Kriminalisierung der Mapuche

Die Polizei durchsuchte das Gelände und beschlagnahmte Beweise und Handys von Lof-Mitgliedern, um – so die überaus einseitige Darstellung der Polizei – „mögliche Verbindungen der Gruppe mit unliebsamen Gruppierungen zu untersuchen“.

Sowohl die Nationalregierung (mit Macri, Bullrich und der Gendarmería an ihrer Spitze) als auch die Regionalregierungen in Patagonien sind eifrig bemüht, die ursprünglichen Besitzer*innen dieses Landes als aufsässig, gewaltsam und kriminell darzustellen. Dieses Vorgehen ist nichts Neues und konnte schon das gesamte Jahr über beobachtet werden. Trauriger Höhepunkt dieser Bestrebungen waren die Behauptungen und Beschuldigungen gegen Mapuche rund um den Mord an Santiago Maldonado.

Unterdessen bleibt die Gewalt, die zum gewaltsamen Verschwindenlassen von Santiago Maldonado und zum Streuen falscher Fährten geführt hat, um so von dessen Ermordung abzulenken, diese staatsterroristische und von den Massenmedien gedeckt Gewalt, auch weiterhin völlig straffrei.

Update vom 26.11.2017: Am Samstag, 25. November, kam es zu einer weiteren Polizeiaktion. Spezialeinheiten begaben sich ins bergige Gelände im Umland der Gemeinschaft, wohin sich eine größere Gruppe Mapuche nach der Räumung geflüchtet hatte. In diesem Zusammenhang erschossen die Sicherheitskräfte Rafael Nahuel, einen jungen Mapuche, und verwundeten weitere Personen.

Radio-Interview mit María Nahuel (Tante des erschossenen Rafael Nahuel), auf Spanisch

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