Kolumbien
Fokus: Menschenrechte 2015

Paramilitärs übernehmen Kontrolle über indigene Gemeinde


kolumbien paramilitar. Foto: telesur(Venezuela, 12. Oktober 2015, telesur/poonal).- Um die 120 Paramilitärs haben rund um den 5. Oktober die Kontrolle über die indigene und afrokolumbianische Gemeinde La Balsa übernommen. La Balsa liegt an der Mündung des Cacarica-Flusses, in der westkolumbianischen Provinz Chocó. Nach Angaben von Einwohner*innen gehören die Paramilitärs zu den Gaitanistischen Kolumbianischen Selbstverteidigungskräften AGC (Autodefensas Gaitanistas de Colombia). Diese gilt als Narco-Paramilitärische Gruppe, die seit 2008 besteht.

Wie ein Sprecher der Gemeinde La Balsa, der anonym bleiben wollte, mitteilte, hätten die Paramilitärs der AGC viele Bewohner*innen des Dorfes sowie angrenzender Gemeinden gezwungen, an Versammlungen teilzunehmen. Dort sei ihnen zugesichert worden, dass sie ihr Land behalten dürften, sofern sie „der Sache“ treu seien. Dasselbe sei jedoch schon in der Vergangenheit versprochen worden; dennoch sei es später zu massenhaften Vertreibungen gekommen. Dem Sprecher zufolge fürchteten die Einwohner*innen von La Balsa, dass das Auftauchen der Paramilitärs ihre Sicherheit beeinträchtige.

Armee bleibt untätig

In dem Gebiet ist auch die kolumbianische Armee präsent; eine Militärbasis ist anscheinend ohne Absprache auf dem gemeinnützigen Land der afrokolumbianischen Gemeinden errichtet worden. Dem Sender Contagio Radio zufolge kontrolliert die Armee zwar das Gebiet, geht jedoch nicht gegen die Paramilitärs vor, die im Gebiet rund um den Río Atrato nach wie vor aktiv sind.

Mangelnde staatliche Versorgungsstrukturen und fehlende Arbeitsmöglichkeiten haben in der Vergangenheit auch in La Balsa zu einer Verschärfung des bewaffneten Konflikts geführt. Rund um La Balsa kommt es bereits seit 1997 zu paramilitärischen Aktivitäten. Ein Großprojekt zum Bananenanbau ist dort suspendiert worden. Die Einwohner*innen vermuten, dass das erneute Auftauchen der Paramilitärs mit einem möglicherweise geplanten Wiederaufbau der Bananenplantagen zusammenhängt.

 

Dieser Artikel ist Teil unseres diesjährigen Themenschwerpunkts:

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