Kolumbien

Paramilitärs drohen in Flugblättern mit „sozialer Säuberung“ in Ciudad Bolívar


Ciudad Bolívar liegt im Süden der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá. Foto: Contagio Radio

(Bogotá, 27. Mai 2019, contagio radio).- Bewohner*innen des Stadtteils Ciudad Bolívar in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá meldeten am 21. Mai Flugblätter in ihrem Stadtteil, die mit einer „sozialen Säuberung“ (limpieza social) drohen. In den Flugblättern wird angekündigt, Menschen aus Venezuela und drogenabhängige Menschen umzubringen. Laut dem Gemeinderat des Stadtteils Christian Robayo sei dies ein weiterer Beweis dafür, dass illegale Gruppen im Stadtteil Interessen hätten und präsent seien.

Schon seit Langem sei die Situation in Ciudad Bolívar kritisch, so Robayo von der sozialdemokratischen Partei Polo Democrático. Das Büro der Bürgerbeauftragten (Defensoría del Pueblo) hatte bereits im vergangenen Jahr eine Frühwarnung herausgegeben, die über die Präsenz illegaler bewaffneter Gruppen in Ciudad Bolívar und in den Stadtteilen Soacha, Usme und Kennedy informierte. In der Warnung wurde sich mit Sorge über die Zunahme der gewaltsamen Todesfälle und über andere Probleme im Zusammenhang mit dem sogenannten „Mikrohandel“ geäußert. Der Begriff „microtráfico“ bezeichnet den Handel mit kleinen Mengen an Drogen, den vor allem Minderjährige aus ärmeren Gegenden im Auftrag krimineller Gruppen ausführen.

249 Morde in 2018

Insbesondere an den südlichen Ausfahrten Bogotás in Richtung Villavicencio und Sibaté hätten sich laut Gemeinderat „paramilitärische Hochburgen“ gebildet. Sie tarnten sich durch legale Geschäfte, um mit Drogen zu handeln und Erpressungen durchzuführen. Man habe bereits damals auch davor gewarnt, dass die paramilitärische Organisation AGC (Autodefensas Gaitanistas de Colombia) bewaffnete Kommandos in das Gebiet schicke, um Allianzen mit bereits dort präsenten Gruppen zu suchen.

Robayo äußerte sich zudem besorgt über die ansteigende Zahl der Morde. „Von Januar bis Dezember 2018 wurden 249 Menschen ermordet“, in diesem Jahr waren es bisher 59. Es herrsche eine Situation, die von der Kreisverwaltung in besonderer Weise behandelt werden müsse. Der Gemeinderat ersuchte die Staatsanwaltschaft, nach den Urhebern der Flugblätter zu fahnden und forderte sie zudem dazu auf, die Rechte der Bürger*innen zu schützten und auf kommunaler und Bezirksebene dringend Maßnahmen zu ergreifen.

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