Brasilien

Pará droht größtes Goldbergbauprojekt des Landes


von Instituto Humanitas Unisinos (IHU)

brasilien belo sun. Grafik: adital(Fortaleza, 17. Dezember 2013, adital).- Dem nordbrasilianischen Bundesstaat Pará drohen weitere erhebliche Umweltbelastungen infolge eines Goldbauprojektes im Tagebau, welches das größte im Land wäre. Der auf das Amazonasgebiet spezialisierte Sozialwissenschaftler Rogério Almeida spricht im Interview mit IHU über den Bergbau im Bundesstaat Pará. Almeida lehrt an der Faculdade de Tecnologia da Amazônia in Belém, der Hauptstadt von Pará.

Neben dem höchst umstrittenen Staudammprojekt Belo Monte, um das sich ein endloses juristisches Tauziehen rankt, befindet sich in Pará mit Carajás die größte Eisenerzmine der Welt. Rolle des Bergbaus

Was hat es mit dem Goldbergbauprojekt des kanadischen Unternehmens Belo Sun in Pará auf sich?

Brasilien Goldbergbau. Foto: Adital/http://compromissoconsciente.blogspot.com.brBelo Sun ist in Brasilien kein Unbekannter und konkurriert in Pará im Bergbau bereits mit dem brasilianischen Konzern Vale, aber auch mit Unternehmen wie Xstrata aus der Schweiz oder Codelco aus Chile. Das geplante Goldbergbauprojekt wäre das Größte im Tagebau in Brasilien. Innerhalb von zwölf Jahren sollen 50 Tonnen Gold gefördert werden.

Von der Lage her handelt es sich um ein Gebiet, dem bereits durch das Staudammprojekt Belo Monte erhebliche Umweltschäden drohen. Belo Sun hat sich die alten Minen Grota Seca, Galo und Ouro Verde angeeignet, die seit den 1940er Jahren bestehen. Hier leben die indigenen Völker der Juruna und der Arara sowie weitere Völker, die isoliert bleiben wollen.

Daneben gibt es Bauern und Fischer*innen, die sowieso schon unter der mit Belo Monte verbundenen Enteignung leiden. Die Zukunft der Menschen, die an der Großen Schleife des Rio Xingu leben, ist höchst ungewiss infolge der zu erwartenden Auswirkungen der beiden Großprojekte. Der Goldbergbau verwendet das hochgiftige Zyanid, gearbeitet wird mit Baggern und Dynamit, was einen Haufen an Abfällen hinterlassen wird. Das Projekt wird den ökonomischen Status des Amazonasgebietes als einer einzigen großen Exportprovinz für Rohstoffe noch vertiefen. Im Grunde genommen handelt es sich um eine Kolonie innerhalb Brasiliens.

Welche Bedeutung hat der Bergbau für Pará?

Auf den Bergbau entfallen in Pará praktisch 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Überall wird Bergbau betrieben. Am bedeutendsten ist der Abbau von Eisenerz in Carajás, der bis in die 1980er Jahre zurückreicht. Dort hat sich in all den Jahren nichts an den sehr schlechten sozioökonomischen Indikatoren geändert. Im Kampf um Land werden Bauern umgebracht, die Gemeinden im Süden Parás zählen zu den gewalttätigsten in ganz Brasilien. Nirgends erreicht hier das Pro-Kopf-Einkommen das monatliche Mindesteinkommen.

Wie sieht der Konflikt der Goldschürfer (Garimpeiros) mit Belo Sun aus?

In der Region gibt es rund 600 Garimpeiros, die unter prekären Bedingungen für ihren „Arbeitgeber“ schuften. Ihnen verbleiben vom gefundenen Gold nur 20 Prozent. Die übrigen 80 Prozent müssen abgeliefert werden, was damit gerechtfertigt wird, dass der Arbeitgeber ja für Maschinen und Sprit zahlt. Vor sechs Monaten hat Belo Sun verhindert, dass die Garimpeiros weiterhin auf ihrem bisherigen Land arbeiten. Diese haben klar gemacht, dass sie damit ihre Haupteinnahmequelle verlieren.

Beobachter*innen sprechen von einer möglichen Zunahme der Konflikte in Pará infolge des Goldabbaus.

Man muss sich nur die Großprojekte im Amazonasgebiet anschauen, die dadurch realisiert werden können, dass der brasilianische Staat massiv in Infrastruktur investiert. Stets stehen sich die lokale Bevölkerung und die Großunternehmen in Konflikten gegenüber. Es ist ein ungleicher Kampf, den die ersten verlieren, die schon seit Jahrhunderten Missachtung, Enteignung und Tod erfahren. Da hat sich gar nichts geändert.

Und wie verhält sich der Bundesstaat Pará gegenüber dem Auftreten der Großunternehmen in der Region?

Pará garantiert die Bedingungen für den Unternehmer, der das Kapital hält. Geld kommt von der Nationalen Bank für ökonomische und soziale Entwicklung BNDES (Banco Nacional de Desenvolvimento Econômico e Social), dem wichtigsten Finanzier für die Großunternehmen im Amazonasgebiet. Gleichzeitig findet auf juristischer Ebene ein Schach-Spiel statt, bei dem einige Garantien für die lokale Bevölkerung, zum Beispiel für die Indigenen und die Quilombolas (Nachfahren entflohener afrikanischer Sklav*innen), aufgeweicht werden sollen.

 

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