Kolumbien

Organisationen verurteilen Mord an Journalisten in Kolumbien


(Guatemala-Stadt, 13. August 2014, cerigua).- Presseorganisationen verurteilten den Mord an dem kolumbianischen Journalisten Luis Carlos Cervantes. Er wurde am Dienstag, 12. August 2014, in der Stadt Antioquia erschossen, als er mittags seinen Sohn von einer Bildungseinrichtung abholen wollte. Für den Korrespondenten waren Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden, die man jedoch einige Wochen zuvor wieder zurückgezogen hatte.

Die Stiftung für Pressefreiheit FLIP (Fundación para la Libertad de Prensa) unterstrich, dass der Journalist, der für den lokalen Radiosender ‚Morena FM‘ tätig war, ab dem Jahr 2010 Todesdrohungen erhalten habe. Auch im Jahr 2012 und Anfang 2013 habe er weitere Drohungen erhalten.

Wie die Stiftung erklärte, sei sie über fünf formelle Klagen von Cervantes unterrichtet, die dieser bei der Generalstaatsanwaltschaft eingereicht habe; in einer Klage mit Datum vom 3. Oktober 2013 benannte das Opfer einen Chef der Paramilitärs mit Namen Germer Andrés als Verantwortlichen für die Drohungen. Letztgenanntem wird auch der Mord an Luis Eduardo Gómez vorgeworfen, der ebenfalls als Journalist tätig war.

Gegenstand von Cervantes‘ Reportagen waren sowohl Korruption in den Gemeindeverwaltungen von Antioquia, als auch die Beziehungen zwischen lokalen Beamt*innen und dem organisierten Verbrechen.

Diese Arbeit trug ihm verschiedene Drohungen ein. Aus diesem Grund hatte ihm die Nationale Schutzeinheit (Unidad Nacional de Protección), eine Organisation, die sich um den Schutz von Journalist*innen, Menschenrechtsaktivist*innen und Anwält*innen kümmert, Begleitschutz gestellt.

Am 5. Juni 2014 untersuchte das Komitee für Risikoabwägung und Maßnahmenempfehlung CERREM (Comité de Evaluación de Riesgo y Recomendación de Medidas) den Fall des Journalisten und stufte das Risiko angesichts des Ausbleibens neuer, mit seiner Arbeit in Verbindung stehender Vorfälle jedoch als normal hoch ein. Am 25. Juli 2014 wurden die Schutzmaßnahmen eingestellt.

Vor zwei Wochen wies der Korrespondent die Behörden darauf hin, dass er Opfer neuer Drohungen geworden sei; die Stiftung FLIP erklärte, sie habe den Vorfall weitergegeben, könne jedoch nicht abschließend bestätigen, ob dieser sich auf die Tätigkeit von Cervantes beziehe.

FLIP bedauerte den Mord an dem Journalisten und warnte, dass die Gegend, in der Cervantes arbeitete, gefährlich für Pressemitarbeiter*innen sei. Die Organisation erinnerte daran, dass Mitte August noch zwei weitere Journalisten bedroht worden waren.

Die Organisation Reporter ohne Grenzen RsF (Reporteros sin Fronteras) bat die Behörden eindringlich um eine sorgfältige Untersuchung des Falls um zu vermeiden, dass die Täter*innen straffrei ausgingen, wie in anderen Mordfällen. RsF unterstrich zudem abermals, dass Untersuchungen dazu, ob Pressevertreter*innen Schutz benötigten, mit mehr Genauigkeit und Konsequenz durchgeführt werden müssten.

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