Mexiko

Oaxaca: Minengegner erschossen


Bernardo Vásquez Sanchez und seine Cousine Rosalinda Dionicio Sánchez. Foto: Dawn Paley(Berlin, 20. März 2012, poonal).- Auch ein gutes Jahr nach dem Regierungswechsel in Oaxaca kommt der südmexikanische Bundesstaat nicht zur Ruhe. Auch hier sind es verstärkt Megaprojekte wie Staudämme oder der Bergbau, die aus Profitgründen und oft gegen den Willen der lokalen Bevölkerung durchgesetzt werden.

Gerade der umweltpolitische Streit um den Bergbau fordert immer wieder Tote. Am 15. März traf es Bernardo Vásquez Sánchez in San José del Progreso. Der 32-jährige Ingenieur wurde von drei bewaffneten Unbekannten erschossen; sein Bruder und seine Cousine erlitten bei dem Angriff Schussverletzungen. Bernardo Vásquez war Sprecher der „Koalition der Vereinigten Dörfer des Ocotlán Tals“ (COPUVO), und damit einer der bekanntesten Gegner der Silbermine Cuzcatlán des kanadischen Silberproduzenten Fortuna Silver.

In der kargen Region ist Wasser ein kostbares und für die Landwirtschaft unentbehrliches Gut. Aber auch die Mine braucht Wasser, Fortuna Silver benötigt 400.000 bis 500.000 Liter Wasser täglich. Bei einem Forum zur Minenproblematik hatte Bernardo Velásquez 2011 vor einem erhöhten Wasserbedarf der Mine gewarnt.

Der Gemeindevorsteher lässt schießen

Tatsächlich hatten Arbeiter am 18. Januar 2012 versucht, die örtliche Wasserversorgung in die Mine umzuleiten. Als die Gemeindeaktivist*innen dagegen demonstrierten, rief der Gemeindevorsteher die Polizei, Schüsse fielen. Nach Angaben von Minengegner*innen und Augenzeug*innen waren Gemeindepolizisten und vom Gemeindevorsteher engagierte Bewaffnete verantwortlich für den Angriff. Dabei wurden zwei Mitglieder der COPUVO schwer verletzt; einer, Bernardo Méndez, erlag wenige Tage später seinen Verletzungen. Der nun erschossene Bernardo Vásquez erklärte daraufhin, das Attentat habe damals eigentlich ihm gegolten: „Sie wollten eigentlich mich; sie haben mich nur nicht getötet weil die Polizisten aus anderen Gemeinden kamen und mich nicht erkannt haben.“.

Drohungen gegen Bernardo, einen Monat vor seinem Tod. Foto: Vancouver Media CoopDamals machte Vásquez direkt den PRI-Gemeindevorsteher von San José, Alberto Mauro Sánchez Muñoz, für den Mord verantwortlich. Auch der ältere Bruder des Ermordeten erklärte, dass die Täter im Umkreis des Gemeindevorstehers zu suchen seien: »Eine von der PRI dirigierte paramilitärische Gruppe, die unter dem Namen ›San José verteidigt seine Rechte‹ operiert, verfolgt und tötet Bewohner, die gegen die Mine eintreten.«

Die Koordination des Minenwiderstands COPUVO forderte daraufhin die Absetzung des PRI-Gemeindevorstehers von San José sowie die Schließung der Mine. Doch die Regierung des Gouverneurs von Oaxaca, Gabino Cué (PAN-PRD-PT) und in der Folge auch Fortuna Silver stritten jeglichen Zusammenhang zwischen der Gewalt und der Minentätigkeit ab. Bernardo Vásquez ist nun bereits das vierte Todesopfer, seit die Silbermine in San José ist.

 

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