Kolumbien Venezuela

NSA spionierte in Venezuela und Kolumbien


snowden farc. Grafik: Adital(Fortaleza, 04. November 2013, adital).- Zu den Aufgaben der US-amerikanischen National Security Agency NSA gehörten Überflüge über kolumbianisches Staatsgebiet, um die Regierung über Standorte und Pläne der Guerillaorganisation FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia) zu informieren. Auch in Venezuela unter Hugo Chávez wurde spioniert, um zu vermeiden, dass dieser „sich zu einer regionalen Führungspersönlichkeit entwickle“. Diese und andere Enthüllungen sind Teil einer Reportage, die am 2. November in der Tageszeitung New York Times unter dem Titel: „Kein Happen ist zu klein für die allesfressende NSA“ erschienen ist. Darin heißt es unter anderem: „Die Abhörtechniken der NSA, die mit einem Flugzeug des Verteidigungsministeriums in 18 Km Höhe über Kolumbien flogen, gaben Standorte von FARC-Einheiten an die kolumbianische Armee weiter“.

Weiter berichtet die Zeitung, dass die USA eine Operation namens „Orlandocard“ durchführten. NSA-Technikpersonal baute einen als „Honigtopf“ bezeichneten Computer auf, der Besuche von 77.000 ausländischen Computern anlockte und Spyware in über 1.000 Computer einpflanzte, die für die NSA von „potentiellem zukünftigen Interesse“ waren.

Schwerpunkt auf Handelsbeziehungen statt Terrorabwehr

Die Spionage der NSA gegen Venezuela konzentrierte sich auf die Handelsbeziehungen mit China, Russland und Iran. Ein anderer Interessenschwerpunkt lag auf kriminellen Organisationen, vor allem Drogenkartelle, denen in Kolumbien, Ecuador, Panama und Jamaica bis hin zu Kanada und den Niederlanden nachgespürt wurde. Nach Angaben der New York Times belegen diverse Geheimdokumente die weitreichenden Untersuchungsbefugnisse der NSA.

US-amerikanische Medien verteidigen allerdings die Pläne der NSA und der Regierung. Ihrer Meinung nach hätten Präsident Barack Obama und die Geheimdienstmitarbeiter*innen terroristischen Attacken vorgebeugt. Aus den Dokumenten geht jedoch deutlich hervor, dass der Fokus auf dem Kampf gegen den Terrorismus nur ein Argument ist, um der NSA quasi unbegrenzte Freiheiten zu gewähren. Das hat zu scharfen internationalen Reaktionen geführt.

Scharfe internationale Reaktionen

Der Spionageskandal der NSA wurde Anfang September losgetreten, als Informationen bekannt wurden, dass sowohl die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff als auch der mexikanische Präsident Enrique Peña Nieto überwacht wurden. Die Veröffentlichungen geschahen mit Hilfe von Daten des ehemaligen NSA-Mitarbeiters Edward Snowden.

Daraufhin sind weitere Informationen von der internationalen Presse veröffentlicht worden, die belegen, dass verschiedene Länder ausspioniert worden sind – wie Deutschland, Frankreich und Spanien. Sämtliche Regierungschefs der überwachten Staaten forderten Erklärungen von den USA. Am 1. November haben Deutschland und Brasilien den Vereinten Nationen eine Resolution über die Privatsphäre der Daten vorgelegt, die nun von der UN-Vollversammlung besprochen werden soll.

CC BY-SA 4.0 NSA spionierte in Venezuela und Kolumbien von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das könnte dich auch interessieren

Situation der Journalistinnen in Mexiko
117
(Mexiko-Stadt, 15. November 2018, cimacnoticias).- Die Arbeits- und Lebensbedingungen für Journalistinnen in Mexiko haben sich unter der Regierung Peña Nieto deutlich verschlechtert. Das ist das Ergebnis eines Berichts, den die Organisation Cimac (Comunicación e Información de la Mujer) am 14. November in Mexiko-Stadt vorgestellt hat. In der Zeit vom 1. Dezember 2012, dem Tag der Amtsübernahme von Enrique Peña Nieto, bis zum 1. September 2018, registrierte Cimac 422 Fälle ...
Kleine Wasserkunde Mexikos
96
(Mexiko-Stadt, September 2018, informationsstelle lateinamerika).- Rein statistisch gesehen herrscht in Mexiko (noch) keine Wasserknappheit, wenn die jährlich zur Verfügung stehenden Kubikmeter pro Kopf als Grundlage dienen. Aber die über das Land sehr unterschiedlich verteilten Niederschläge und Wasserspeicher, die Konzentration der Regenfälle auf den Sommer, die zunehmende Wasserverschmutzung, die unterschiedlich gute Trinkwasserversorgung in Stadt und Land sowie die in vie...
Freie Fahrt für freien Handel
68
(Mexiko-Stadt, 28. August 2018, poonal).- 13 Monate hat es gedauert, doch nun haben sich die mexikanische und die US-Regierung geeinigt: Ein neuer Vertrag soll das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) ersetzen. Die neue Vereinbarung sei ein „großartiger Deal“, ließ US-Präsident Donald Trump am 27. August wissen, und auch Mexikos scheidender Staatschef Enrique Peña Nieto zeigte sich zufrieden. In einem Telefonat, zu dem die Presse eingeladen war, beglückwünschte Trump...
Ayotzinapa: Angehörige fordern Amlo zum Handeln auf
17
(Mexiko-Stadt, 25. Juli 2018, telesur).- Die Angehörigen der 43 vermutlich ermordeten Lehramtsstudenten aus Ayotzinapa haben am 25. Juli den zukünftigen mexikanischen Präsidenten Andrés Manuel López Obrador, kurz Amlo, aufgefordert, eine Arbeitsgruppe in dem Fall einzurichten. Damit soll das noch immer nicht aufgeklärte Verbrechen um das gewaltsame Verschwindenlassen der Studenten aufgeklärt werden. Zuvor hatte sich der Oberste Gerichtshof für die Bildung einer Wahrheitskommi...
Kolumbien: Studie bringt zehntausend staatliche Verbrechen unter der Regierung Uribe ans Licht – Teil 2
146
(Buenos Aires, 8. Juni 2018, marcha/poonal).- Die abgestumpfte Gesellschaft: Omar Rojas wurde auch von einigen Leuten kritisiert, da er gelegentlich die gesamte Gesellschaft für die falsos positivos verantwortlich macht. Er begründet das wie folgt: „Als die Militärs ausrückten, um ihren Part im Krieg zu erledigen, haben ihnen alle gesellschaftlichen Gruppen zugejubelt; und die, die es nicht getan haben, haben geschwiegen. Vom Präsidenten abwärts haben das alle gefeiert: Die K...