Guatemala

Neun Verdächtige im Mordfall Rosenberg verurteilt


(Guatemala-Stadt, 16. Juli 2010, cerigua).- Der Oberste Strafgerichtshof Guatemalas hat am vergangenen 15. Juli neun Personen, die für den Mord an Rodrigo Rosenberg verantwortlich gemacht werden, für schuldig erklärt. Die Täter wurden zu Haftstrafen zwischen acht und 48 Jahren verurteilt. Damit ist 14 Monate nach dem Mord, der Guatemala erschütterte und auch internationale Aufmerksamkeit erregte, ein Urteil gefällt worden.

Der 48 Jahre alte Anwalt Rodrigo Rosenberg war am 10. Mai 2009 erschossen worden, als er in einem Randbezirk von Guatemala-Stadt mit dem Fahrrad fuhr. Am folgenden Tag tauchte ein Video auf, das Rosenberg selbst wenige Tage vor seinem Tod aufgenommen hatte. Darin sagt er: „Wenn Sie diese Botschaft sehen, dann bin ich einem Mordanschlag von Präsident Álvaro Colom zum Opfer gefallen.“ Der Fall Rosenberg wurde zur bisher schwersten Belastungsprobe für den als sozialdemokratisch geltenden Präsidenten (vgl. poonal 845).

Nach mehrstündigen Beratungen kamen die Richter Yassmín Barrios, Walter Villatoro und Miguel Ángel Gálvez zu dem Ergebnis, dass Lucas Santiago den tödlichen Schuss gegen den Anwalt abfeuerte, und verurteilten ihn zu 38 Jahren Haft. Die gleiche Strafe erhielten auch Idelmo López und William Santos, denen Mord und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen wird. Der Komplize Josué Ruano wurde zu 30 Jahren Haft verurteilt.

Zu einer Haftstrafe von acht Jahren wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung wurden Byron Santos, Balmoris Guzmán, Samuel Girón und Miguel de Jesús Ordóñez verurteilt. Letzterer muss zudem weitere zwei Jahre und acht Monate hinter Gittern verbringen, weil er in der Zivilen Nationalpolizei (PNC) ein hohes Amt bekleidet hatte. Der Angeklagte Jesús Manuel Cardona erhielt Strafminderung, da er mit den Ermittler*innen zusammengearbeitet hatte.

Das Beweismaterial bestand unter anderem aus 78 Zeugenaussagen und über 3.000 mitgeschnittenen Telefongesprächen. Die Auswertung von Bildern der Überwachungskameras in der Nähe des Tatortes ergab, dass die Täter Rosenberg vor dessen Ermordung beobachtet hatten.

Das Urteil gegen die wegen Beihilfe zum Mord angeklagten Brüder Francisco und Estuardo Valdés Paiz steht noch aus. Die Ermittlungen in ihrem Fall enden am 22. September diesen Jahres. Die Verhandlung wird erst eröffnet, wenn die Sonderstaatsanwaltschaft der Internationalen Kommission gegen die Straflosigkeit in Guatemala CICIG (Comisión Internacional contra la Impunidad en Guatemala) die Eröffnung des Verfahrens beantragt. Diego Moreno Botrán ist nicht inhaftiert, jedoch ebenfalls in den Fall verwickelt. Er hatte verhindert, dass sich die Brüder Valdés der Polizei stellten.

Carmen Aída Ibarra von der Bewegung Pro Justicia zeigte sich zufrieden darüber, dass die Zusammenhänge der Verschwörung und die Identität der ausführenden Beteiligten aufgeklärt werden konnte. Die nächsten wichtigen Schritte seien nun die Ermittlung der eigentlichen Drahtzieher*innen, die Festnahme der Brüder Valdés Paiz und eine Überprüfung, ob die Bande vollständig zerschlagen wurde, so Ibarra.

Das Urteil der Richter, das aufgrund der guten Arbeit der CICIG ermöglicht wurde, sei als positiv zu bewerten, denn es handele sich hier um einen besonderen Mordfall, der Guatemala erschüttert hatte, erklärte Javier Monterroso vom Institut für vergleichende Studien und Strafwissenschaften in Guatemala IECCPG (Instituto de Estudios Comparados en Ciencias Penales de Guatemala). Bedauerlicherweise würden aufgrund bestehender Unterschiede bei den Ermittlungen nicht alle Fälle auf diese Weise gelöst. Der Fall der Ermordung des Geschäftsmannes Khalil Musa und seiner Tochter Marjorie, der dem Mord Rodrigos vorausgegangen war, so beispielsweise weiterhin ungeklärt, so Monterroso.

CC BY-SA 4.0 Neun Verdächtige im Mordfall Rosenberg verurteilt von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

2016: Zwischen Januar und Juli bereits 25 Journalist*innen ermordet Von Ernesto Carmona, Ciap-Felap*(Santiago, 2. August 2016, agenciadenoticias).- Nach den Statistiken der lateinamerikanischen Journalist*innenvereinigung CIAP-FELAP wurden in den ersten sieben Monaten dieses Jahres 25 Journalist*innen und Pressemitarbeiter*innen getötet: zehn in Mexiko sowie ein weiterer mexikanischer Journalist, der auf US-amerikanischem Boden ermordet wurde. Dazu kamen fünf in Guatemala, vier in Honduras, drei in Brasilien, einer in El Salvador sow...
Lateinamerika: 2015 wurden 122 Umweltschützer*innen ermordet (Lima, 30. Juni 2016, noticias aliadas).- Im Jahr 2015 erreichte die Zahl der weltweit ermordeten Umweltschutzaktivist*innen einen neuen traurigen Höhepunkt. Die Organisation Global Witness spricht von einem Anstieg um 59 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 122 der insgesamt 185 Todesopfer wurden in Lateinamerika ermordet. Brasilien wird von Global Witness als das gefährlichste Land eingeschätzt, hier wurden 50 Umweltaktivist*innen ermordet. Es folgen Kolumbien (26), Peru (12), Ni...
UNO fordert Aufklärung der Morde an Indigenen (Caracas, 9. Juni 2016, telesur).- Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte hat die kolumbianische Regierung aufgefordert, den Tod von drei Indigenen aufzuklären, die seit dem Beginn der landesweiten Streikaktion Minga Agraria am 30. Mai ums Leben gekommen sind. “Diese Vorfälle müssen von den Justizbehörden vollständig aufgeklärt werden; wir bieten dabei unsere volle Unterstützung an. Es müssen alle Vorkehrungen getroffen werden, um zu vermeiden, dass sich solche Sit...
Der Aufstand der Vergessenen – Costa Ricas Indigene wehren sich gegen Großgrundbesitzer*innen Von Markus Plate, San José(San José, 29. April 2016, voces nuestras-npl).- Fünf Stunden Busfahrt sind es von Costa Ricas Hauptstadt San José bis nach Cabagra. Zunächst die Küstenkordilleren hinauf zum Cerro de la Muerte, dann hinunter auf die Pazifikseite und weiter Richtung Panama. Später, in der kleinen Provinzhauptstadt Buenos Aires, dem Flusslauf folgend die Berge hinauf, zunächst noch auf Asphalt, dann nur noch auf Schotterpisten und Flussquerungen über Hängeb...
Wir dokumentieren: Offener Brief an Bundespräsident Gauck und Bundeskanzlerin Merkel Von der Deutschen Menschenrechtskoordination Mexiko(Stuttgart/Berlin, 8. April 2016).- Sehr geehrter Herr Bundespräsident, sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, am 11. und 12. April treffen Sie den mexikanischen Präsidenten Enrique Peña Nieto in Berlin. Wir möchten Sie bitten, das Thema Menschenrechtsverletzungen in Mexiko dabei klar anzusprechen. Denn die Menschenrechtskrise in Mexiko hat katastrophale Ausmaße angenommen.Laut amtlichen Zahlen ist der Verbleib von rund 2...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *