Mexiko

Neun Jahre Haft für Ex-Gouverneur von Veracruz


Javier Duarte

Javier Duarte guckt ziemlich sparsam angesichts weiterer sieben Jahre Haft. Dabei wurden die zahlreichen Morde während seiner Amtszeit gar nicht verhandelt. Foto: Desinformémonos

(Mexiko-Stadt, 27. September 2018, desinformémonos).- Der Ex-Gouverneur der mexikanischen Provinz Veracruz, Javier Duarte, ist zu neun Jahren Haft verurteilt worden. Darüber hinaus muss er eine Strafe von knapp 59.000 Pesos (2720 Euro) zahlen. Duarte hatte sich zuvor der Geldwäsche und der Bildung einer kriminellen Vereinigung für schuldig erklärt. Im Gegenzug wurde sein Strafmaß reduziert.

Allerdings muss Duarte nur noch siebeneinhalb Jahre in Haft verbringen, da er bereits seit dem 15. April 2017 im Gefängnis sitzt. Das teilte der zuständige Richter in Mexiko-Stadt, Marco Antonio Fuerte Tapia, mit. Der Richter ließ auch 40 Immobilien Duartes beschlagnahmen.

Duarte erklärte sich nur für zwei der ihm vorgeworfenen Straftaten für schuldig, die während seiner Amtszeit als Gouverneur von Veracruz (2010-2016) begangen wurden. Da die Straftaten keinen materiellen Schaden angerichtet hätten, verzichtete der Richter darauf, Duarte zu einer Wiedergutmachung zu verurteilen. Seine Haftstrafe kann jedoch nicht durch andere Sanktionen ersetzt werden.

Nach Angaben der Nationalen Meldestelle für verschwundene Personen sind während der sechsjährigen Amtszeit Duartes 665 Menschen gewaltsam verschwunden. Die tatsächliche Zahl ist vermutlich jedoch höher, da „die Staatsanwaltschaft von Veracruz spätestens seit Mitte 2014 aufgehört hat, die Fälle von Verschwundenen angemessen zu registrieren“, wie die Organisation zur Suche Verschwundener „Movimiento por Nuestros Desaparecidos en México“ im August mitteilte.

Während der Amtszeit Duartes wurden in Veracruz 18 Journalist*innen ermordet, weitere drei sind spurlos verschwunden. Diese Fälle wurden vor Gericht jedoch nicht verhandelt.

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