Brasilien

Neues im Mordfall Marielle Franco


Marielle Franco

Die ermordete Stadträtin Marielle Franco. Foto: Prensa Latina

(Brasilia, 10. Mai 2018, prensa latina).- Die Mordkommission der Polizei von Rio de Janeiro hat für den Abend des 10. Mai eine Rekonstruktion des Mordes an der Abgeordneten Marielle Franco und ihres Fahrers Anderson Gomes angesetzt. Franco saß für die linksgerichtete Partei PSOL (Partido Socialismo y Libertad) im Stadtrat. Beide waren am 14. März in ihrem Auto erschossen worden. Der Mordfall soll im zentralen Stadtteil Estácio mit logischer Unterstützung der Armee rekonstruiert werden, teilte die brasilianische Nachrichtenagentur Agencia Brasil mit.

Nach Angaben der Tageszeitung Brasil de Fato hatte ein Zeuge gegenüber der Bundespolizei ausgesagt, das Verbrechen sei vom Stadtrat der Partei PHS (Partido Humanista de la Solidaridad) Marcelo Siciliano und einem Paramilitär mit dem Namen Orlando de Curicica geplant worden. Motiv sei gewesen, dass Marielle Franco im Armenviertel Cidade de Deus gemeinnützige Aktionen mitgetragen habe, die den politischen Interessen Sicilianos im Weg gestanden hätten.

Mutmaßlicher Mitwisser ermordet

Ein Mitarbeiter des Stadtrats des PHS, Carlos Alexandre Pereira, wurde am 8. April ebenfalls ermordet. Zwei Tage zuvor hatte er bei der Mordkommission ausgesagt; der Medienbericht bezeichnete den Fall deshalb als „Archiv-Verbrennung“.

Am 8. Mai hat sich die Sonderkommission des Stadtrats, die die Untersuchungen zum Mord begleitet, erneut mit der Polizeiführung getroffen. Der Vorsitzende der Kommission, der Abgeordnete Jean Willys (PSOL), erklärte daraufhin, dass sich die Schlinge enger ziehe; die Polizei verfüge über wichtige Erkenntnisse, mit denen die Untersuchung bald abgeschlossen werden könne.

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