Mexiko

Neue Frauenmorde in Ciudad Juárez


von Lourdes Godínez Leal

(Mexiko-Stadt, 13. Oktober 2008, cimac-poonal).- Die Bürgerinitiative Unsere Töchter sollen nach Hause zurückkehren (Nuestras Hijas de regreso a Casa) aus Ciudad Juárez schlägt Alarm. In der Stadt seien erneut die Leichen ermordeter Frauen aufgefunden worden. Die Morde trügen die selbe Handschrift wie in den Jahren zuvor, doch in der Presse sei die Berichterstattung zu diesen Taten vor dem Hintergrund der allgemeinen Gewalt, der Hinrichtungen und der Auseinandersetzungen um den Drogenhandel, den die Region erlebt, eingestellt worden, so die Organisation.

Marisela Ortiz von Nuestras Hijas de regreso a Casa brachte in einem Telefoninterview mit Cimacnoticias ihre Besorgnis darüber zum Ausdruck, dass in diesem Jahr bereits 50 Frauen ermordet aufgefunden worden seien. Allein am Wochenende des 11. und 12. Oktober seien drei Frauenleichen mit Spuren von Gewaltverbrechen ähnlich den Taten der Vorjahre entdeckt worden.

Sie betonte, dass die Bearbeitung der Frauenmorde ins Stocken geraten sei. Es gebe keine Fortschritte in der Aufklärung der Verbrechen, ein großer Teil der Fälle der Vergangenheit sei davon betroffen. Inzwischen sei viel Zeit vergangen und trotz des Willens der Regierung und Verwaltung unter José Reyes Baeza von der PRI, wolle sich niemand dieser Vergangenheit annehmen.

Darüber hinaus merkte Marisela Ortiz an, es scheine, dass es eine Anordnung für die Presse gegeben habe, nicht mehr über die Frauenmorde zu berichten. Die Taten, zu denen immer neue hinzukämen, würden, auch wenn sie es nicht seien, als innerfamiliäre Gewaltdelikte deklariert und dadurch herunter gespielt.

Ortiz hatte zusammen mit Norma Andrade die Organisation Nuestras Hijas de regreso a Casa gegründet, nachdem 2001 Lilia Alejandra Andrade, die Tochter von Norma Andrade und eine Schülerin von Ortiz, erdrosselt und vergewaltigt auf einem verlassenen Grundstück aufgefunden worden war. 2007 wurde Ortiz mit dem Preis der Anwälte von Atocha ausgezeichnet. Dieser Preis wird in Spanien von der Regierung Kastiliens für den Einsatz für die Menschenrechte und die Würde des Menschen verliehen.

Auch Luz Esthela Castro, Direktorin des Zentrums Menschenrechte für Frauen in Chihuahua und Anwältin der Initiative Gerechtigkeit für unsere Töchter (Justicia para Nuestras Hijas) aus Chihuahua sagte in einem Televoninterview mit Cimacnoticias, dass die zunehmende Militarisierung der Region dazu führe, die Frauenmorde herunter zu spielen. Deshalb hätten sie im vergangenen Jahr den Europaabgeordneten Raúl Romeva i Rueda nach Ciudad Juárez und Chihuahua eingeladen und um Hilfe gebeten. Er sei der einzige gewesen, der eine gewisse “ehrliche Sensibilität” gegenüber dem Thema gezeigt habe und immer wieder zeige.

Romeva thematisiert die Frauenmorde in Mexiko und Zentralamerika seit 2007 im Europäischen Parlament. So verfasste er u.a. einen detaillierten Bericht über die Situation im Grenzgebiet zu den Vereinigten Staaten und kritisierte die mexikanische Regierung scharf wegen ihrer Ineffizienz bei der Aufklärung der Morde und in der Herstellung von Gerechtigkeit. Er wurde auch aktiv, als es im Mai diesen Jahres zu Morddrohungen gegen Luz Esthela Castro kam, mit der er sich im Vorjahr zu einer Besprechung getroffen hatte. So verfasste er einen Brief an Mexikos Präsident Felipe Calderón, in dem er darum bat, dass für die Sicherheit von Castro gesorgt werden müsse.

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