Mexiko

Neue Drohungen gegen Menschenrechtlerin Martínez


von Patricia Chandomí

(Mexiko-Stadt, 26. November 2010, cimac).- Die Menschenrechtlerin Margarita Guadalupe Martínez von der Gruppe “Enlace, comunicación y capacitación” erhält seit 2009 Morddrohungen. Die Organisation schult indigene Gemeinschaften und ländliche Gemeinden im Bereich der Menschenrechte und nachhaltiger wirtschaftlicher Entwicklung. Am 25. Februar 2010 war Martínez entführt, geschlagen und mit dem Tod bedroht worden. Von den jetzt erfolgten neuen Drohungen hat der ihr zugeteilte Leibwächter angeblich nichts mitbekommen.

Wie die Aktivistin erklärte, sei sie in ein Café im Zentrum von San Cristóbal de las Casas gegangen, nachdem sie ein Interview mit einem Funktionär der mexikanischen Dienststelle des Hochkommissars der Vereinten Nationen geführt hatte. “Als ich aus dem Café kam, suchte ich die Person, die mir zu meinem Schutz zugewiesen worden war, aber ich habe sie nicht gefunden. Ich ging um einen Häuserblock und dort habe mich zwei Personen abgefangen.“

Die eine Person saß demnach in einem weißen Lieferwagen ohne Nummernschild, die andere war zu Fuß. „Letztere befahl mir, zwei Häuserblöcke zu gehen, weil ich dort auf jemanden treffen würde, der mir Anweisungen geben würde. Als ich dort ankam, übergab mir jemand einen Zettel mit Buchstaben, die aus der Tageszeitung ausgeschnitten waren mit Drohungen gegen die Mitglieder des Menschenrechtszentrums Fray Bartolomé de las Casas.“

Nachdem man verlangt hatte, dass sie die Botschaft übermittele, sollte sie ein paar weitere Blöcke gehen, ein Taxi nehmen und zum städtischen Friedhof fahren „damit du mit deinen toten Angehörigen sprechen kannst, weil du sie bald wieder sehen wirst, du wirst tot sein“, so wurde ihr gedroht. Vom weißen Lieferwagen aus wurde beobachtet, ob sie den ihr aufgetragen Weg wirklich zurücklegt. Als sie im Stadtzentrum ankam, konnte die Aktivistin durch den Straßenverkehr aus dem Sichtfeld ihrer Verfolger verschwinden. Sie ging zum Zentrum für Menschenrechte.

Der Polizist, der für ihre Sicherheit zuständig ist, sagte aus, dass er sich in keinem Moment vom Café entfernt hätte. Er behauptete, dass er die Türen des Lokals überwacht hätte und dass er nicht gesehen hätte, wie sie das Café verließ.

Hintergrund

Alles begann bei Tagesanbruch des 8. Novembers 2009, als eine Gruppe von 20 Personen „angeblich“ von der ministeriellen Polizei (PM), ohne Hausdurchsuchungsbefehl vor ihrem früheren Haus in Comitán, Chiapas auftauchte. Sie drangen mit „unverhältnismäßigem Gebrauch der Polizeigewalt“ in das Haus ein. Sie bedrohten Margarita und richteten ihre Waffen auf sie. Dann befahlen sie ihr, die Zimmer zu öffnen, damit sie eintreten und diese durchsuchen könnten. Sie drangen auch in die Zimmer von ihren Kindern und ihrem Ehemann, Adolfo Guzmán Ordaz, Mitglied derselben Organisation mit Sitz in Comitán, ein.

Am 23. November 2009 erstattete Margarita Anzeige wegen Missbrauchs der Amtsgewalt, Hausfriedensbruch, psychischer Folter und Morddrohung. Die Polizei argumentierte, dass sie ihr Haus auf der Suche nach mutmaßlichen Anführern von Organisationen, die Straßen blockiert hätten. Daraufhin veranlasste Margarita eine Voruntersuchung der chiapanekischen Sonderstaatsanwaltschaft, die auf den Schutz von nichtstaatlichen Menschenrechtsorganisationen spezialisiert ist.

Am 25. November 2009 erhielten Margarita und Adolfo ein Zettel in dem sie gewarnt wurden „aufzupassen“, da die vorherige Nacht „ fünf Personen ihr Haus beschattet haben“. Am 14. Dezember 2009 bekamen sie eine Mahnung aus Papierschnipseln auf der stand: „Hören sie auf, sie werden sterben.“ Am frühen Morgen des 25. Dezembers, nachdem sie außerhalb Heiligabend gefeiert hatten, erhielten Adolfo und Margarita einen Anruf auf dem Festnetz und beim Abnehmen hörte sie jemanden sagen: „Frohe Weihnacht, denn diese wird deine letzte sein.“ Am 6. Januar fanden sie, als sie nach Hause kamen einen Zettel auf dem in roter Farbe „Tod, Tod, Tod“ stand.

Adolfo Guzmán Ordaz bewirbt seit zwei Jahren einen regionalen Bauernmarkt in Comitán. Die Drohungen gegen die Aktivistin waren häufig und trugen stets diesen Ton bis zur jener Nacht, in der Margarita gekidnappt und geschlagen wurde. Nach dieser Aktion wurde ihr mitgeteilt, dies „ war ein kleines Geschenk des Präsidenten der Gemeinde Comitán, Eduardo Ramírez“.

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