Brasilien

MST-Anführer erschossen


Cícero-Guedes-dos-Santos. Doto: War on Want(Berlin, 26. Januar 2013, npl/coecoceiba).- In der Nacht zum 26. Januar ist der Landwirt Cícero Guedes im brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro erschossen worden. Das teilte die Landlosenbewegung MST (Movimento Sem Terra) mit. Der 43-jährige Guedes war einer der Hauptfunktionäre der MST in dem Bundesstaat.

Seine Leiche wurde im Norden des Bundesstaates Rio de Janeiro an einer Landstraße in der Gemeinde Campos de Goytacazes aufgefunden; sie wies Schusswunden am Kopf auf. Guedes‘ Körper lag ganz in der Nähe der Siedlung Oziel Alvez – ein Camp der MST, dessen Koordinator er war. Der Vater von sechs Kindern war zuletzt Freitag Abend gesehen worden, als er mit dem Fahrrad von der Siedlung wegfuhr.

Ungenutzte Plantage besetzt

In dieser Siedlung leben die MST-Familien, die das Cambahyba-Werk besetzt hatten, eine verlassene Zuckerrohrplantage, die aus sieben Landgütern und 3.500 Hektar Land besteht. Die Landlosenorganisation hatte die als unproduktiv geltende Plantage besetzt; damit wollte die MST erreichen, dass die Regierung das Gelände enteignet und in ihre Programme zur Agrarreform mit einschließt.

Guedes blieb Aktivist der Landlosenbewegung, obwohl er vom Nationalen Institut für Agrarreform Incra (Instituto Nacional de Reforma Agraria) 2002 ein Grundstück in der Siedlung Zumbi dos Palmares zugesprochen bekam. Auf diesem ebenfalls in der Gemeinde Campos de Goytacazes gelegenen Grundstück baute er Bananen und Gemüse an. Guedes war der Anführer dieser Familien, die auf die Enteignung des Cambahyba-Werks warteten.

Nach Angaben des MST galt Guedes wegen den von ihm angewandten Techniken als Experte auf dem Gebiet des ökologischen Landbaus, sowohl bei den Aktivist*innen der Bewegung als auch bei den Student*innen und Lehrkräften der örtlichen Universität (Universidad del Norte Fluminense), mit denen er zusammenarbeitete.

Zahl der Landkonflikte nimmt zu

„Der Tod des Genossen Cícero ist das Resultat der Gewalt der Großgrundbesitzer, der Straflosigkeit bei getöteten Landlosen, sowie der Schwerfälligkeit des Incra, die Familien anzusiedeln und die Agrarreform in Gang zu bringen“, teilte die Landlosenbewegung in einer Erklärung mit. Weiterhin forderte sie, dass „die Schuldigen verhaftet und verurteilt werden“.

Nach Angaben der Pastoralen Landkommission CPT (Comisión Pastoral de la Tierra) sind 2011 in Brasilien 29 Menschen bei Landkonflikten ums Leben gekommen. Die Zahl dieser Konflikte ist wegen dem Zugang zu Wasser oder erzwungener Landarbeit von 1.186 im Jahr 2010 auf 1.363 im Jahr 2011 angestiegen. Im selben Zeitraum ist die Zahl der Bauern, die Todesdrohungen erhalten haben, von 125 auf 347 angestiegen.

 

Dieser Artikel ist Teil unseres Themenschwerpunkts:

 2013-banner-entwicklung 2013 klein

 

 

CC BY-SA 4.0 MST-Anführer erschossen von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Mit dem Ende der Entwaffnung beginnt die Geschichte der FARC-Partei (Montevideo 16. August 2017, la diaria-poonal).- Der letzte Container mit Waffen der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) verließ am 15. August eine der Normalisierungs- und Übergangszonen, in denen bis jetzt etwa 7.000 Guerillakämpfer*innen auf ihre Wiedereingliederung in die Gesellschaft vorbereitet wurden. Damit ist die Entwaffnung der Guerilla beendet. Die Vereinten Nationen, welche die Waffen entgegennahmen, werden diese nun einschmelzen lassen, um daraus drei S...
21.000 ermordete Schüler*innen in sieben Jahren Ermordete Jugendliche in Honduras. Foto: Criterio/Desinformémonos (Tegucigalpa, 24. August 2017, desinformémonos).- In Honduras sind in den letzten sieben Jahren 21.000 Schüler und Schülerinnen sowie Studierende ermordet worden. Das geht aus Statistiken der Beobachtungsstelle für Gewalt der Autonomen Universität von Honduras UNAH hervor. Die meisten der in den Jahren 2010 bis 2016 Ermordeten waren Schüler*innen der Oberstufe. Die Beobachtungsstelle für Gewalt hat im er...
Gegen das Schweigen Von Wolf-Dieter Vogel, Mexiko-Stadt Demonstrieren gegen das Schweigen / Foto: Realidad Expuesta (Mexiko-Stadt, 05. August 2017, npl).- Spähangriffe, Morde, Drohungen - Mexikos Journalist*innen leben gefährlich. Auf die Regierung verlassen sie sich jedoch nicht. Sie wollen ihren eigenen Schutz organisieren. Fünf Tage die Woche, jeden Morgen ab 8 Uhr informiert Carmen Aristegui über die neuesten Ereignisse: über Korruptionsaffären, Bandenkriege und Fußballergebnisse. ...
Aufklärung des Mordes an Berta Cáceres? Sie musste ihren Kampf mit dem Leben bezahlen. Am Grab der Menschenrechtsaktivistin Berta Cáceres. Foto: Erika Harzer Am 2. März 2016 wurde Berta Cáceres in La Esperanza, Intibucá, Honduras, ermordet. Auftragskiller erschossen die weit über ihre Landesgrenzen hinaus bekannte Feministin, Menschenrechts- und Umweltaktivistin und Anführerin des Rates der indigenen Völker von Honduras COPINH. Mehr als 16 Monate sind seitdem vergangen. Acht Verdächtige sitzen in Untersuchungsh...
Interview mit Vertretern der CPT: Großgrundbesitzer haben eine Lizenz zum Töten Von Ana de Ita und Gerold Schmidt, Ceccam Wichtiger denn je: Aufklärung gegen Sklavenarbeit bei der CPT (2016) / Foto: Andres Pasquis Gias, CC-BY-NC 2.0 (Mexiko-Stadt/Berlin, 16. Juli 2017, npl).- Noch unter der Militärdiktatur gründete sich 1975 mit Unterstützung der katholischen Bischofskonferenz Brasiliens die Kommission für Landpastorale (CPT). Ihr Ziel: An der Seite der Kleinbauern und Landlosen etwas gegen die strukturelle Situation des Latifundiums in Brasilien ...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.