Guatemala

Montt soll wegen Völkermordes vor Gericht


Foto: Archiv(Guatemala-Stadt, 28. Januar 2013, cerigua/poonal).- Der guatemaltekische ehemalige Diktator José Efraín Ríos Montt und Ex-General José Mauricio Rodríguez Sánchez sollen sich wegen Völkermordes und Menschenrechtsverbrechen vor Gericht verantworten. Es existierten genügend Beweise für deren Verstrickung in die in der Ixil-Region begangenen Massaker, befand der Richter am Strafgerichtshof Miguel Ángel Gálvez. Laut Medienberichten bezog sich Richter Gálvez damit auf Unterlagen, die von der Anklagevertretung präsentiert wurden: 142 Zeugenaussagen, 61 Gutachten und Dutzende Erklärungen.

Vor dem Gerichtsgebäude warteten Angehörige der Opfer und Vertreter*innen sozialer Organisationen auf das Ergebnis der Anhörung. Sie hielten Maya-Zeremonien ab und stellten Fotos der Verschwundenen aus.

Montt soll Massaker angeordnet haben

Die Anklagevertretung wirft Ríos Montt vor, die Armee angewiesen zu haben, 15 Massaker zu begehen. Dabei sollen 1.771 Indigene der Maya Ixil getötet worden sein; in der Folge sollen 29.000 Familien aus der Region vertrieben und gezwungen worden sein, unter unmenschlichen Bedingungen in den Bergen zu leben.

Der Mitangeklagte Rodríguez Sánchez war damals Chef des Geheimdienstes G-2. Er soll für die Umsetzung der Militäroperationen „Sofia“, „Firmeza 83“ und „Plan Ixil“ verantwortlich gewesen sein, die Teil der Kampagne „Victoria 82“ waren.

Der Richter wies darauf hin, dass der guatemaltekische Bürgerkrieg internationales Aufsehen erregte und von den Vereinten Nationen mit einer Wahrheitskommission aufgearbeitet wurde. Zudem verlas er einige Zeugenaussagen von Überlebenden.

Verteidiger war früher Guerillero

Die Verteidigung von Ríos Montt bestand gleich aus mehreren Anwälten, von denen einer besonders hervor stach: Danilo Rodríguez, der paradoxerweise über 22 Jahre lang der Guerilla angehörte, behauptete, dass der ehemalige Staatschef von den Massakern nchts gewusst habe.

Die Menschenrechtsaktivistin Iduvina Hernández betonte, dass „Guatemala positive Fortschritte hinsichtlich der Anwendung der Gesetze“ mache. Man könne nun ein Licht am Ende des Tunnels der Straflosigkeit sehen, die im Land so lange vorgeherrscht habe, fügte sie hinzu. Nery Rodenas vom Menschenrechtsbüro des Erzbistums ODHA (Oficina de Derechos Humanos del Arzobispado) forderte, die Zeug*innen, Staatsanwälte und den Richter zu schützen, da diese bedroht und eingeschüchtert werden könnten.

Der guatemaltekische Bürgerkrieg verwüstete das Land 36 Jahre lang und wurde erst 1996 offiziell beendet. 150.000 bis 250.000 Menschen fielen dem Krieg zum Opfer. Die nur 17 Monate währende Diktatur des evangelikalen Antikommunisten Montt gehört zu den blutigsten Episoden dieses Krieges. Montt hatte versucht, mit seinem „Aufstandsbekämpfungsprogramm“ die meist indigene Landbevölkerung in sogenannte „Wehrdörfer“ einzupferchen. Etwa die Hälfte der während des Krieges verübten Massaker werden seiner Herrschaft zugeordnet. Tausende Menschen wurden umgebracht; eine Million Menschen wurden zu Binnenflüchtlingen.

 

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