Mobilisierungen zum internationalen Tag der Landlosen


(Fortaleza, 09. April 2009, adital).- Seit 1996 feiern Bauernbewegungen am 17. April in der ganzen Welt den internationalen Tag der Landlosen. Das Datum erinnert an ein Massaker an Kleinbauern in Eldorado de Carajás, im brasilianischen Bundesstaat Pará, bei dem 19 Bauern ermordet und Hunderte verletzt wurden. 13 Jahre nach dem Massaker sind die Verantwortlichen dafür, Beweise deuten auf die Beteiligung von Großgrundbesitzern hin, immer noch nicht zur Verantwortung gezogen worden.

In diesem Jahr ruft die weltweit organisierte Kleinbauernvereinigung Vía Campesina soziale Bewegungen und Organisationen dazu auf, überall auf dem Globus direkte Aktionen, Mobilisierungen, Konferenzen und Demonstrationen zu veranstalten, um an den Kampf für Land und die Rechte der Kleinbauern zu erinnern.

Im vergangenen Jahr waren Gruppen, Gemeinden und Organisationen in mehr als 25 Ländern auf die Straße gegangen, um für das Recht auf Ernährungssicherheit zu demonstrieren. In diesem Zusammenhang weist Vía Campesina darauf hin, dass jedes Jahr Hunderte von Bauern auf der ganzen Welt in ihrem Kampf für Land und ein würdevolles Leben verhaftet, eingeschüchtert, unterdrückt und ermordet werden.

Laut Angaben von Vía Campesina besteht fast die Hälfte der Weltbevölkerung aus Bauern und Kleinbauern, die überlebenswichtige Nahrungsmittel produzieren. „Die Landwirtschaft ist nicht nur eine ökonomische Aktivität, sie bedeutet Leben, Kultur und Würde“, so Vía Campesina.

Kleinbauern und Kleinbauernfamilien stellen 75 Prozent der Bevölkerung, die weltweit an Hunger leiden, so Vía Campesina. Auch nehme der Analfabetismus auf dem Land zu, die medizinische Vesorgung ab. „Davon sind v.a. Frauen und Kinder betroffen.“

Die Kleinbauernorganisation prangert an, dass die Verletzung der Rechte der Kleinbauern mit der Liberalisierung der Landwirtschaft und der landwirtschaftlichen Märkte dramatisch zugenommen habe. Die Bauern würden dazu gezwungen, für den Export zu produzieren. Daran seien die Welthandelsorganisation, der Internationale Währungsfonds, die Weltbank und auch die Freihandelsabkommen schuld. Gegenüber diesen existenziellen Bedrohungen seien die Mechanismen und Gesezte, die die Rechte der Kleinbauern verteidigen sollten, machtlos.

CC BY-SA 4.0 Mobilisierungen zum internationalen Tag der Landlosen von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Auftraggeber von Massaker an Landlosen-Aktivisten im Gefängnis Von Benjamin Bunk, Belo Horizonte (19. Dezember 2017, amerika 21).- Der Großgrundbesitzer Adriano Chafik Luedy, in Brasilien rechtskräftig wegen Mordes verurteilt, ist am 14. Dezember in Salvador de Bahia verhaftet worden. Die Nachricht über die Festsetzung von Chafik in Brasilien platzte direkt in das Jahrestreffen der Landlosenbewegung MST. Am 20. November 2004 waren in der Nähe von Felisburgo in der Grenzregion zwischen den Bundesstaaten Minas Gerais und Bahia fünf ...
Demonstration gegen das Vergessen (Mexiko-Stadt, 3. Oktober 2017, desinformémonos).- Überlebende, Organisationen und Studierende haben am Montag den 2. Oktober in verschiedenen Teilen Mexikos demonstriert und an das Massaker vom 2. Oktober 1968 erinnert, bei dem die Regierung dem Militär den Befehl gegeben hatte, auf die fast fünfzigtausend jungen Menschen zu schießen, die sich auf dem Platz der drei Kulturen in der Großwohnsiedlung Tlatelolco in Mexiko-Stadt versammelt hatten. In Mexiko-Stadt nahmen mehre...
Bundesstaat Coahuila: Morde, Verschwindenlassen und Folter sollen vor den Internationalen Strafgerichtshof (Mexiko-Stadt/Berlin, 23. Juli 2017, poonal).- Am 6. Juli übergab die Internationale Föderation für Menschenrechte FIDH (International Federation for Human Rights) gemeinsam mit mehr als 100 mexikanischen Organisationen dem Internationalen Strafgerichtshof in den Haag (IStGH) einen detaillierten Bericht* über die schwerwiegenden Verbrechen, die zwischen 2009 und 2016 im mexikanischen Bundesstaat Coahuila (im Nordosten des Landes an der Grenze zu Texas) begangen wurden. FIDH u...
Internationales Tribunal verurteilt Massaker gegen MST (Brasilia, Dezember 1996, alai-poonal).- Wenn die offizielle Justiz bisher unfähig war, eine Antwort auf zwei der sinnbildlichsten Massaker in Brasilien an Campesinos ohne Land zu geben, so hat zumindest das Internationale Tribunal zur Verurteilung der Massaker von Eldorado de Carajás und Corumbiara eine moralische Strafe ausgesprochen. Es weist die Verantwortung den Militärpolizisten und Pistoleros zu, die die Mitglieder der Landlosenbewegung (MST) umbrachten, aber genauso a...
MST-Bauernführer Waldomiro Costa Pereira nach Attentat im Krankenhaus ermordet Von Libered.net (Lima, 21. März 2017, Servindi).- Der ehemalige Aktivist der Landlosenbewegung MST, Waldomiro Costa Pereira, wurde am Montag, den 20. März von fünf Unbekannten ermordet. Sie waren in das Krankenhaus der Stadt Paraupebas (Bundesstaat Pará) eingedrungen, in das er einige Tage zuvor wegen eines Attentates eingeliefert worden war, bei dem er schwer verletzt wurde. Wladimiro war Überlebender eines Massakers von 1996 In einer offiziellen Verlautbarung ...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.