Kolumbien

Mine Cerro Matoso: Lizenzverlängerung trotz vermehrter Krankheitsfälle


Blick auf den Cerro Matoso / Tommysanx, CC BY-SA 3.0 wikipedia(Lima, 08. März 2013, servindi-poonal).- Die kolumbianische Regierung und der australisch-britische Rohstoffkonzern BHP haben eine Verlängerung des geltenden Bergbauvertrags bis 2040 unterzeichnet. Bisher war eine Laufzeit bis 2029 vorgesehen. Die Menschen in den an die Mine Cerro Matoso angrenzenden indigenen Gemeinden beklagen Auswirkungen auf ihre Gesundheit. Es ist die größte aktive Nickelmine der Welt und die größte auf dem amerikanischen Kontinent, zusätzlich wird dort auch Eisen abgebaut.

Nickelmine verursacht Dermatitis, Asthma und Herzinfarkte

Über die schweren Auswirkungen der Mine auf die Gesundheit der Anwohner*innen berichteten Anfang März der Journalist Juan Gossaín in der Tageszeitung El Tiempo sowie der höchste Vertreter des Bezirks San Jorge in der Region Córdoba, Israel Aguilar.

In einem Interview mit Radio W, an dem auch Ricardo Escobar, Präsident von Cerro Matoso, teilnahm, beklagte Aguilar Solano, mit dem Bergbau in der Region habe auch „der Verfall der Menschen, der Natur und der Wasserquellen“ eingesetzt.

Er machte wie auch der Journalist Gossaín in seinem Bericht darauf aufmerksam, dass die Auswirkungen des Bergbaus in der Mine Cerro Matoso in der Region Krankheiten wie Dermatitis, Asthma, Herzinfarkte und sogar Krebs und Fehlgeburten ausgelöst haben.

Minenbesitzer bestreitet Zusammenhänge

Der Besitzer der Mine bezeichnete die Reportage des Journalisten als “emotional überladen” und bestritt vehement, dass die Aktivitäten seines Unternehmens in Verbindung mit den Krankheiten stehen, die von Solano, dem indigenen Sprecher der Ethnie Zenú beklagt werden.

“Die Verschmutzung durch Eisen stammt nicht vom Cerro Matoso, die Böden der Region sind von Natur aus reich an Eisen, wie in der gesamten Region von San Jorge, daher sind sie rot. Durch die Erosion der Böden gelangt das Eisen in die Flüsse und verschmutzt diese“, so Escobar.

Später fügte er hinzu, dass die Abwässer von Cerro Matoso den gleichen Eisengehalt wie Trinkwasser hätten und die betreffenden Gemeinden gar nicht von der Mine betroffen sein könnten, da sie sich flussaufwärts von ihr befänden.

Rotes Pulver überall

Diese Behauptungen hält der indigene Sprecher Aguilar Solano für falsch. Nach den Zahlen verschiedener Studien die er zitiert, ist der Fluss San Jorge, an dessen Ufern fast ein Zehntel der Gemeinde lebt, von hoher mineralischer Verunreinigung betroffen. Zudem verschmutzten die Abgase aus den Schornsteinen der Mine zusätzlich die Luft, was die ansässige Bevölkerung ebenfalls zu spüren bekäme.

Der Journalist Juan Gossaín beschreibt die Situation so: “Ein rotes Pulver legt sich über das Essen und die Menschen. Es bedeckt auch die Federn der Hühner und die Ähren des Reises. Die Bäume im Umkreis verlieren die Rinde. Die Kanarienvögel sind auch nicht wieder gekommen“.

Solano beklagt, dass bei der Vertragsverlängerung durch Regierung und BHP Billiton keine Konsultation der indigenen Gemeinden stattgefunden habe, abgesehen davon, dass der laufende Vertrag auch erst 2029 ausgelaufen wäre.

 

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