Honduras

Militärs töten Staudammgegner


von Johannes Schwäbl

Honduras: Proteste in Rio Blanco. Foto: Amerika21/1.bp.blogspot.com (CC by-nc-sa 3.0)(Río Blanco/Intibucá, 20. Juli 2013, amerika21.de).- Bei einer Protestaktion gegen den Bau des Staudammprojektes Agua Zarca im honduranischen Río Blanco wurde Tomas García, lokales Mitglied der indigenen Organisation COPINH, von Soldaten erschossen. Sein Sohn Allan wurde ebenfalls von zwei Kugeln getroffen und schwer verletzt ins Krankenhaus von Santa Barbara eingeliefert. Auch der Minderjährige Cristian Anael Madrid wurde tot aufgefunden. Der Vorfall ereignete sich, als die Dorfbewohner*innen vor dem Firmengelände von DESA und SINOHYDRO eine friedliche Kundgebung abhalten wollten.

Laut Berta Caćeres, Generalkoordinatorin von COPINH, hatten Mitglieder der Armee ohne Vorwarnung das Feuer eröffnet, als sich die Teilnehmer*innen der Kundgebung dem Eingangstor des Firmengeländes von DESA und SINOHYDRO näherten.

Den Vorfällen folgte eine Medienkampagne des Unternehmens DESA und des honduranischen Militärs mit dem Ziel COPINH zu kriminalisieren. Laut einer Pressemitteilung von DESA handelten die Militärs in reiner Notwehr, als bewaffnete Dorfbewohner*innen sich gewalttätig Zugang zum Firmengelände verschaffen wollten. COPINH wies diese Anschuldigungen zurück. Es stimme nicht, “dass das Militär in Selbstverteidigung handelte”. Auch sei der Vorwurf der Streitkräfte und des Unternehmens unzutreffend, “dass wir bewaffnet waren und das Gelände betreten wollten”, so Aureliano Molina, Vertreter von COPINH, in einem Interview.

Menschenrechtsorganisationen sind entsetzt

Menschenrechtsorganisationen zeigen sich entsetzt über die Vorfälle und sehen darin auch den Versuch der weiteren Kriminalisierung der sozialen Proteste in Honduras. So sind laut Menschenrechtsverteidiger*innen Anzeigen gegen mehrere Aktivist*innen des COPINH und Bewohner*innen der Region wegen Terrorismus und Beschädigung ausländischer Investitionen geplant. COPINH hat in einem Eilantrag besondere Schutzmaßnahmen für die Dörfer in Rio Blanco vor der Interamerikanischen Menschenrechtskommission (CIDH) beantragt und bat die nationale und internationale Öffentlichkeit Druck auf die honduranische Regierung auszuüben. Eine erste Eilaktion zu den Vorfällen ist auf der Seite von International Rivers verfügbar.

Seit dem ersten April halten die Bewohner*innen mehrerer indigener Dörfer in der Region die Zufahrtsstraße zu dem Staudammprojekt Agua Zarca besetzt und sind dabei zunehmenden Einschüchterungen und Aggressionen von Seiten der am Wasserkraftwerk beteiligten Unternehmen DESA und SINOHYDRO ausgesetzt. Dabei ist eine enge Zusammenarbeit zwischen den in der Region tätigen staatlichen Sicherheitskräfte und den Unternehmen zu beobachten. So sind Polizei- und Militäreinheiten auf dem Gelände der Unternehmen untergebracht, werden von diesen verpflegt und bewegen sich vor Ort in Firmenfahrzeugen. Ebenso beteiligt sich laut Aussagen von Anwohner*innen das in die Region entsandte Ingenieursbataillon aktiv am Bau des Staudammes und übernimmt logistische Arbeiten für die Unternehmen.

Am Bau des umstrittenen Wasserkraftwerkes ist auch die deutsche Firma Voith Hydro GmbH beteiligt. Erst in der vergangenen Woche machten mehrere europäische Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen das Unternehmen durch einen offenen Brief auf die gravierende Situation in Río Blanco aufmerksam und forderten eine Ausstieg der Voith Hydro GmbH aus dem Projekt.

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