Argentinien

Militärdiktatur: Wieder verweist ein Zeuge auf Geheimakten über Verschwundene


(Buenos Aires, 06. September 2010, púlsar).- Der Überlebende des klandestinen Gefängnisses der Militärschule ESMA (Escuela Superior de Mecánica de la Armada), Martín Gras, hat als Zeuge im Prozess gegen Verantwortliche des geheimen Folterzentrums ausgesagt, dass es immer noch geheime Akten über die gewaltsam Verschwundenen gebe und wo diese gelagert sein könnten.

Gras erklärte, die Mikrofilme aus denen Namen und Verbleib von Verschwundenen hervorgehen, würden sich im Haus von Emilio Masea, Ex-Admiral und Mitglied der Militärjunta sowie im Haus des Ex-Marinemilitärs Jorge Acosta befinden. Kopien dieses Archivs wären zudem auch im Hauptquartier des Geheimdienstes der Marine SIN (Servicio de Inteligencia Naval) zu finden. Der Zeuge Gras ist mittlerweile ein leitender Beamter in der staatlichen Menschrechtsstelle von Argentinien, die dem Ministerium für Justiz, Sicherheit und Menschenrechte angegliedert ist.

Zurzeit finden in Argentinien verschiedene Gerichtsprozesse gegen Verantwortliche für Menschenrechtsverletzungen aus der Zeit der Militärdiktatur statt. Einige der Angeklagten waren im geheimen Gefängnis auf dem Gelände der Militärschule ESMA (Escuela Superior de Mecánica de la Armada), tätig, wo Oppositionelle und Aktivist*innen gefangen gehalten, gefoltert und ermordet wurden. Nach gegenwärtigem Untersuchungsstand sollen dort ca. 5.000 Tausend klandestine Gefangene gewesen sein.

Der Anwalt der Klage, Luis Zamora, reichte aufgrund der Zeugenaussage von Gras einen dringenden Durchsuchungsbefehl beim Bundesgericht Nr.5 (Tribunal Oral Federal Nº5) ein, wo der Fall verhandelt wird. Das Bundesgericht lehnte den Antrag jedoch mit der Begründung ab, die Durchsuchung wäre aus juristischen und ethischen Gründen nicht zu rechtfertigen, erklärte Enrique Fulman, ehemaliger Gefangener der ESMA und Mitglied der Vereinigung für ehemalige Gefangene und Verschwundene AEDD (Asociación de Ex Detenidos Desaparecidos, gegenüber dem Radiosender FM „En Tránsito“.

CC BY-SA 4.0 Militärdiktatur: Wieder verweist ein Zeuge auf Geheimakten über Verschwundene von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Argentinischer Aktivist bleibt verschwunden Von Jessica Zeller und Darius Ossami Wo ist Santiago Maldonado? Am 1. September, einen Monat nach Verschwinden des Aktivisten, protestieren Argentinier*innen auf der ganzen Welt. Hier auf dem Berliner Wittenbergplatz in Berlin, unweit der argentinischen Botschaft. Foto: Jessica Zeller (Berlin, 7. September 2017, npl).- In Argentinien herrscht weiterhin Unklarheit über den Verbleib von Santiago Maldonado. Am 1. August war der linke Aktivist bei Protesten der indigenen M...
Straflosigkeit in Uruguay: Alles damit niemand redet Proteste gegen die Straflosigkeit in Uruguay. Als in Uruguay 2004 das linke Bündnis Frente Amplio zum ersten Mal in die Regierung gewählt wurde, verbanden viele Menschen damit die Hoffnung, dass nun endlich die Verbrechen aus der Diktatur von 1973 bis 1985 aufgeklärt und Schluss sein würde mit der Straflosigkeit für die verantwortlichen Militärs. Sie sollten sich täuschen. Bis heute ist das Amnestiegesetz mit dem zynischen Namen: Gesetz über die Verjährung des staatlichen...
Wo ist Santiago Maldonado? Wo ist Santiago Maldonado? Am 1. September, einen Monat nach Verschwinden des Aktivisten, protestieren Argentinier auf der ganzen Welt. Hier auf dem Wittenbergplatz in Berlin, unweit der argentinischen Botschaft. Foto: Jessica Zeller In Argentinien herrscht weiterhin Unklarheit über den Verbleib des Aktivisten Santiago Maldonado. Am 1. August war der junge Mann bei Protesten der indigenen Mapuche im Süden des Landes von der Gendamerie verhaftet und in einen Mannschaftswag...
onda-info 414 Auch einige Ondistas sind im Juli zum G20-Gipfel nach Hamburg gefahren. Allerdings durften und wollten wir nicht an den Gesprächen in den Messehallen teilnehmen. Statt dessen trafen wir uns mit Aktivist*innen aus Lateinamerika. Was diese über die Auswirkungen von Globalisierung und Freihandel zu berichten hatten, erfahrt ihr in einem ausführlichen Bericht über den Gipfel der Globalen Solidarität. Passend zum Thema haben wir noch zwei Meldungen aus Guatemala und Kolumbien. In ...
Stürmische Zeiten Hier braute sich auch was zusammen - in der Laguna de Tacarigua, Barlovento, in Venezuela / Foto: barloventomagico, cc-by-nc-nd-2-0 (Montevideo, 7. August 2017, la diaria).- Sowohl das Regierungslager als auch die venezolanische Opposition haben sich zu den Geschehnissen der letzten Tage in diesem Land geäußert. Die Ereignisse reichen von einer angeblichen Militärrevolte bis zur Absetzung der Generalstaatsanwältin Luisa Ortega durch den Verfassunggebende Versammlung und b...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.