Mexiko

Der Zusammenhang von Migration und HIV in indigenen Regionen


von Cirenia Celestino Ortega

Bittere Armut führt oft zu Migration / Foto: LonyQueta, Flickr(Mexiko-Stadt, 04. März 2014, cimac).- Die höchsten HIV-Raten in Mexiko und Mittelamerika konzentrieren sich auf Regionen starker Migration und vor allem auf Regionen in der indigene Bevölkerung lebt und die Statistiken einen hohen Grad an Analphabetismus und Arbeitslosigkeit ausweisen. Etwa 50 Frauen aus Honduras, Guatemala, El Salvador und Mexiko versammelten sich Anfang März in der guatemaltekischen Gemeinde Esquipulas zum VIII. Treffen des Mesoamerikanischen Netzwerkes Frauen, Gesundheit und Migration (Red Mesoamericana Mujer, Salud y Migración).

Adela Bonilla Vidal von der Vereinigung Nuevos Códices Compatía, die sich für ein friedliches Zusammenleben unter Einhaltung der Menschenrechte einsetzt, berichtete, dass die HIV-Rate im mexikanischen Bundesstaat Chiapas, besonders in den Gemeinden Chamula und Zinacantán, in einem Jahr um das Dreifache gestiegen sei. Man habe dort 150 Personen erfasst, die an dem Virus leiden. Beide Orte sind Ausgangspunkte für Migrationsbewegungen.

In der Region Trifinio, wo die Grenzen Guatamalas, El Salvador und Honduras aufeinander treffen, diskutierten die Leiterinnen von Organisationen und Expertinnen in den Themenfeldern Migration und Gender, über Gewalt und über die Risiken für die sexuelle und reproduktive Gesundheit, der Frauen im Zusammenhang mit Migration ausgesetzt sind.

Übertragung von HIV vor allem durch rückkehrende Migranten

Bonilla Vidal wies darauf hin, dass eine der häufigsten Übertragungen von HIV durch Männer erfolge, die emigrierten seien und später mit dem Virus in ihre Gemeinden zurückkehrten, wo sie ihre Frauen anstecken.

Das Fehlen von Informationen begünstige zudem die vertikale Übertragung von der Mutter zum Kind, da in den indigenen Gebieten ein Großteil der Schwangeren von traditionellen Hebammen versorgt werde, die über keine HIV-Tests verfügten. Die Frauen erfahren daher erst nachdem sie ihre Neugeborenen stillen, dass sie Überträgerinnen des Virus seien.

In Mexiko sind Michoacán und Guanajuato die Bundesstaaten mit der höchsten Migrationsrate und einer hohen Zahl an HIV-Erkrankungen. Alejandrina Rojas, Mitglied der Organisation Uneingeschränkte Gesundheit für die Frau Sipam (Salud Integral para la Mujer), berichtete, dass Frauen, die an dem Virus leiden, Partnerinnen von Migranten seien, die sich zu spät an gesundheitliche Dienste wandten.

In Mexiko-Stadt ist Iztapalapa der Stadtbezirk mit den höchsten Raten an Migration, sozialer Ausgrenzung, Schwangerschaften unter Jugendlichen und HIV. Die Spezialistinnen sind sich darüber einig, dass HIV aus Angst vor Diskriminierung im Verborgenen gelebt werde.

Hohe Sterberate bei Schwangerschaften junger Mädchen und indigener Frauen

Elizabeth Lemus Toledo, Präsidentin der Einrichtung für Entwicklung und Gesundheit der Frauen in Guatemala (Instancia por el Desarrollo y la Salud de las Mujeres), wies darauf hin, dass in dem mittelamerikanischen Land eine große Zahl an Schwangerschaften bei Jugendlichen sowie hohe HIV-Raten und Menschenhandel existieren, die im Zusammenhang mit Migration in den Grenzgebieten stehen.

Laut Daten der Beobachtungsstelle für sexuelle und reproduktive Gesundheit (Observatorio de Salud Sexual y Reproductiva) unter der Leitung von Lemus Toledo, sterben in Guatemala täglich zwei Frauen während der Schwangerschaft, während der Entbindung oder im Kindbett. Bei einem Großteil von ihnen handele es sich um Jugendliche, Indigene und/oder um Frauen, die in ländlichen Gebieten leben. Aus den Daten geht außerdem hervor, dass in Guatemala 75 Prozent der Entbindungen von Hebammen begleitet werden.

Im Jahr 2014 wurden bisher mehr als 114 Schwangerschaften bei Mädchen zwischen zehn und 14 Jahren verzeichnet. Das guatemaltekische Strafgesetz ordnet alle Schwangerschaften bei Mädchen, die jünger als 14 Jahre sind, als Vergewaltigungsdelikt ein.

Die Gewalttäter sind in erster Linie Männer zwischen 40 und bis zu über 80 Jahren, welche Stiefväter, Onkel, Cousins oder andere Familienangehörige des Opfers sein können. Folglich geht die Mehrheit der Schwangerschaften unter Jugendlichen nicht aus Liebesbeziehungen hervor.

Fehlende Bildung, frühe Schwangerschaften und Emigration

Lemus Toledo betonte den Zusammenhang zwischen geringerer Schulbildung und einer stärkeren Tendenz zu frühen Schwangerschaften. Dies sei der Fall in den guatemaltekischen Departements Chiquimula und Huehuetenango. In Huehuetenango leben Angehörige der indigenen Völker der Kanjobal, Chu und Mam, deren Analphabetenrate besonders hoch ist, die keinen Zugang zur Gesundheitsversorgung haben und ihre sexuellen und reproduktiven Rechte nicht kennen, so Toledo.

Schwangerschaften unter Jugendlichen, so Lemus Toledo, sei außerdem auch einer der Gründe die zu Migration führten. Die Männer verlassen das Land auf der Suche nach Arbeit, während sich die Frauen um die Söhne und Töchter kümmern. Anschließend emigrieren auch diese und lassen ihre Kinder bei den Großeltern.

Die Expertin gab zu verstehen, dass die Antworten der Regierung im Hinblick auf Migration reine “Kosmetik” seien. Das Problem fehlender Arbeitsplätze werde nicht gelöst und daher bleibe der Grund für die Auswanderung bestehen.

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