Haiti

Migration scheint einzige Alternative für viele HaitianerInnen


von Wooldy Edson Louidor

(Quito, 30. Juli 2009, alai).- 15 Migrant*innen starben und weitere 67 werden seit dem vergangenen 27. Juli in den Gewässern nahe den britischen Inseln Turks und Caicos vermisst. Sie verließen ihr Land mit Kurs auf die Bahamas und die Vereinigten Staaten, auf der Suche nach einem besseren Leben. Trotz intensiver Suche mit Hubschraubern, Flugzeugen und Schiffen konnten weder die Rettungsdienste der Inseln noch die US-amerikanische Küstenwache Vermisste ausfindig machen.

Bis zum 30. Juli wurden 120 Schiffbrüchige lebend geborgen, wenn auch in kritischem Gesundheitszustand. Die Überlebenden retteten sich schwimmend zu Korallenriffen und umliegenden Felseninseln, von wo sie geborgen wurden. Nach Angaben des Chefs der Wasserpolizei der Turks- und Caicosinseln, Neil Hall, waren die Überlebenden völlig entkräftet, dehydriert und orientierungslos.

Nach Zeugenaussagen von Überlebenden fuhr das Schiff beim Versuch des Kapitäns, mit dem Boot vor einer britischen Polizeipatrouille der Turks- und Caicosinseln zu fliehen, auf ein Riff auf. Dies ist bereits das zweite Schiffsunglück in diesem Jahr. Das erste ereignete sich Mitte Mai nahe der US-amerikanischen Küste von Florida. Damals kamen neun illegalisierte haitianische Migrant*innen ums Leben, darunter eine schwangere Frau.

Diese mit illegalisierter Einwanderung verbundenen Tragödien werden in den karibischen Gewässern immer häufiger. Beispielsweise kamen am 21. April des vergangenen Jahres 20 Haitianer*innen in den Gewässern um Bahamas ums Leben. Im Jahr 2007 ertranken 82 Haitianer*innen nahe der Turks- und Caicosinseln unter ähnlichen Umständen. Trotz der Risiken und Gefahren, die mit illegalisierten Bootsfahrten einhergehen, sehen immer mehr Haitianer*innen darin eine Alternative vor dem Elend im eigenen Land. Allein im Juli dieses Jahres griffen die Behörden der Turks- und Caicosinseln an ihren Seegrenzen fast 200 Haitianer*innen auf. Die US-amerikanische Küstenwache schickte eine Gruppe von 124 Illegalisierten nach Haiti zurück, die versucht hatte, die Küste der USA zu erreichen. In den USA sowie in einigen Staaten der Karibik werden daher die Maßnahmen zur Kontrolle und Beobachtung der karibischen See verstärkt, um der illegalisierten Migration, besonders aus Haiti, entgegenzuwirken. Normalerweise gibt es gemeinsame Patrouillen zur See, um Flüchtlinge aufzugreifen und in ihre Heimatländer zurückzubringen. Die Zivilgesellschaft Haitis kritisiert entschieden den fehlenden Willen der gegenwärtigen Regierung unter Präsident René Préval und Premierministerin Michèle Pierre-Louis, die Lebensbedingungen der Bevölkerung zu verbessern. „Migration ist immer häufiger die Antwort, die Haitianer*innen angesichts der schwierigen sozialen, politischen und wirtschaftlichen Situation zu geben suchen sowie eine Reaktion auf die Sicherheitslage und die Umweltbedingungen“, versicherte kürzlich etwa die haitianische Organisation UnterstützerInnengruppe für Zwangsrückkehrer*innen und Flüchtlinge GARR (Grupo de Apoyo a Repatriados y Refugiados).

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