MEXIKO: Verdreifachung der Frauenmorde im Bundesstaat Mexiko


(Montevideo, 26. Mai 2008, comcosur).- Die Zahl der Frauenmorde hat sich im Bundesstaat Mexiko, der den Hauptstadtdistrikt umgibt, in den letzten sechs Jahren verdreifacht und damit selbst die Situation in Ciudad Juárez, im Bundesstaat Chihuahua, übertroffen. Dies gab die Parlamentsabgeordnete der Partei der Demokratischen Revolution PRD (Partido de la Revolución Democrática), Alliet Bautista Bravo, bei einem Treffen der Parlamentarischen Sonderkommission zur Erarbeitung von Maßnahmen und zur juristischen Aufklärung von Frauenmorden mit der Sonderstaatsanwältin für Straftaten gegen Frauen und Menschenhandel Fevimtra (Delitos de Violencia Contra las Mujeres y Trata de Personas), Guadalupe Morfín Otero, bekannt.

Bautista Bravo nannte während des Zusammentreffens konkrete Zahlen. Demnach stehen 32 dokumentierten Frauenmorden im Jahr 2002 nun 158 Fälle für 2007 gegenüber.

Die Politikerin forderte die Sonderstaatsanwältin dazu auf, diese Situation grundlegend zu untersuchen. Zudem verwies sie auf einen Bericht der Sonderstaatsanwaltschaft für Frauenmorde des Bundesstaates Mexiko, in dem von 401 Morden im Zeitraum von 2005 bis 2007 die Rede ist.

„Bis Oktober 2007 sind nur 21 der für die Frauenmorde verantwortlichen Täter bestraft worden, mehr als die Hälfte der dokumentierten Fälle sind bis heute nicht aufgeklärt“, so Bautista Bravo. Den Angaben der Abgeordneten zufolge wurden 30 Prozent der Fälle im Osten des Bundesstaat verübt. Für den Zeitraum von 2006 bis 2007 wurden bei der Unterstaatsanwaltschaft Nezahualcóyotl 49 und bei der Unterstaatsanwaltschaft Ecatepec 46 Mordfälle registriert. Bei diesen beiden Gebieten handelt es sich um urbane Erweiterungen der Hauptstadt, in denen miserable Lebensbedingungen vorherrschen und der Alltag sehr von Gewalt geprägt ist.

Nach Angaben der Abgeordneten waren im Jahr 2006 vor allem Mädchen und Frauen im Alter zwischen 11 und 20 Jahren gefährdet; 36,2 Prozent der Opfer waren allein stehend; Hausfrauen machten 28 Prozent der Fälle aus, Schülerinnen und Studentinnen 10,9 Prozent.

Die Vorsitzende der parlamentarischen Sonderkommission, Sofia Castro Romero von der rechtskonservativen Partei der Nationalen Aktion PAN (Partido Acción Nacional), äußerte hingegen, das Thema werde teilweise aufgebauscht, und selbst Fälle, die nichts mit geschlechtsspezifischer Gewalt zu tun hätten, wie etwa Verkehrsunfälle, seien in die Statistiken einbezogen worden.

Castro Romero betonte, es sei wichtig, zwischen Feminiziden und normalen Totschlagverbrechen zu unterscheiden. Letztere dürften nicht in die Statistiken der Frauenmorde einfließen. Zudem sagte sie, die Sonderstaatsanwaltschaft arbeite heute deutlich engagierter und bewusster daran, den Faktoren, die zur Ermordung von Frauen führten, mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Viele Fälle würden jedoch irrtümlich mit Gewalt gegen Frauen verwechselt.

von Alberto Vega

CC BY-SA 4.0 MEXIKO: Verdreifachung der Frauenmorde im Bundesstaat Mexiko von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Sinaloa-Kartell für Mord an Journalistin verantwortlich Die Journalistin Miroslava Breach aus Chihuahua wurde aufgrund ihrer Arbeit ermordet. Foto: Desinformémonos (Ciudad Juarez, 12. Oktober 2017, desinformémonos).- Wie die Generalstaatsanwaltschaft von Chihuahua mitteilte, ist die Korrespondentin der Tageszeitung La Jornada, Miroslava Breach Velducea von der kriminellen Organisation Gente Neva, dem bewaffneten Arm des Sinaloa-Kartells, ermordet worden. Die Identität der Person, die Breach am 23. März 2017 außerhalb ihres Hau...
Indigene Marathongewinnerin mit Rock und Sandalen Die 22-jährige Indigene María Lorena Ramírez gewinnt einen Marathonlauf in Sandalen und Rock. Foto: Servindi (Lima, 22. Mai 2017, servindi/hispantv).- Es ist eines der Bilder, von denen ganz Mexiko spricht: Eine junge Indigene hat den Bergmarathon in der Gemeinde Cerro Rojo, im Bundesstaat Puebla gewonnen. Und das ganz ohne professionelle Ausrüstung: ohne Sportschuhe, ohne speziellen Läufergürtel für Verpflegung und Getränke, sondern nur bekleidet mit einem Rock und einfa...
Auseinandersetzungen und Attentate beenden den Wahlkampf Zusammenstöße zwischen Polizei und Angehörigen aus Ayotzinapa In Guerrero kam es ebenfalls am Mittwoch auf der Straße zwischen Tixtla und Chilpancingo zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und Angehörigen und Unterstützer*innen der vermissten Lehramtsstudenten aus Ayotzinapa. Die etwa 120 Angehörigen hatten versucht, an einer Protestaktion in der Landeshauptstadt Chilpancingo gegen die Wahlen teilzunehmen. Als ihnen Einheiten der Bundes- und Landespolizei den Weg versperrten...
Chihuahua: La Jornada-Korrespondentin Miroslava Breach vor ihrem Haus erschossen Von Gerd Goertz Foto: Desinformémonos (Mexiko-Stadt, 24. März 2017, npl).- Nur wenige Tage nach dem Mord an dem Journalisten Ricardo Monlui im mexikanischen Bundesstaat  Veracruz hat die Erschießung der Journalistin Miroslava Breach Velducea am Donnerstagmorgen (23. März) in der Stadt Chihuahua im gleichnamigen Bundesstaat für landesweite Bestürzung und Wut gesorgt. Die 54-jährige wartete vor ihrem Haus am Steuer ihres Autos auf ihren Sohn, den sie zur Schule bringen w...
Weiterer Aktivist der Rarámuri ermordet Wieder ein Rarámuri ermordet. Juan Ontiveros. Foto: Desinformémonos (Mexiko-Stadt, 9. Februar 2017, poonal).- Nur zwei Wochen nach der Ermordung des bekannten indigenen Umweltschützers Isidro Baldenegro López im nordmexikanischen Bundesstaat Chihuahua wurde mit Juan Ontiveros Ramos ein weiterer Verteidiger der Rechte der Rarámuri ermordet. Der 32-jährige Ontiveros, in seiner Gemeinde Choreachi Polizeibeauftragter, war mit seinem Bruder am 31. Januar im Landkreis Guadalupe...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.