Brasilien

Mehr Transparenz bei Entwicklungsbank in Brasilien


von Christian Russau

Wo das Geld der BNDES hinfließt und warum, soll transpartenter werden / Foto: BenjaminThompson, CC BY-SA 2.0, flickr(24. August 2014, amerika21.de).- Ein Bundesgericht im brasilianischen Bundesdistrikt Brasília hat laut einem Pressebericht in einem Urteil die staatliche Bank für soziale und wirtschaftliche Entwicklung (BNDES) aufgefordert, ab sofort alle Informationen bezüglich ihrer Kreditvergabe an private oder öffentliche Institutionen offenzulegen.

Entwicklungsbank BNDES muss Informationenen zu Kreditvergabe öffentlich machen

Die Richterin Adverci Rates Mendes de Abreu wies die Argumentation der BNDES zurück, nach der diese Informationen durch das Bankgeheimnis gedeckt seien. Der Richterin der 20. Kammer des Bundesgerichts in Brasília zufolge dürfe sich die BNDES nicht auf das Bankgeheimnis berufen, da sie als Kreditanstalt öffentliche Gelder vermittle und daher unter das Gesetz zur Informationsfreiheit falle.

Die BNDES-Bank muss nun dem Urteil zufolge alle Informationen über ihre Kreditvergabe der vergangenen zehn Jahre sowie alle künftigen Kreditvergabegeschäfte auf ihrer Internetseite der Öffentlichkeit zugänglich machen. Im Falle einer Zuwiderhandlung der Staatsbank gegen diesen Gerichtsentscheid legte die Richterin ein Strafgeld in Höhe von 50.000 Reais (umgerechnet 17.000 Euro) je Tag fest. Die Bank kündigte Berufung an.

Finanzierung von Großprojekten in der Kritik

Die BNDES-Bank zählt zu den größten staatlichen Kreditinstituten weltweit. Lag das von der Bank an Dritte vergebene Kreditvolumen 2011 noch bei 139,7 Milliarden Reais, so stieg die Kreditvergabe 2012 auf 156,0 Milliarden und im Jahr 2013 auf 190,4 Milliarden Reais (63 Milliarden Euro). Die Kredite, die die BNDES an private Firmen, Privatleute und öffentliche Institutionen vergibt, sind gegenüber den Marktsätzen zinsvergünstigt. Kritiker*innen monieren, dass diese Praxis einer staatlichen Subvention gleichkomme, da die BNDES sich ihre Mittel wiederum von privaten Banken zu handelsüblichen Zinssätzen borgt und so letztlich die öffentliche Hand die Differenz zu tragen habe.

Von Seiten der brasilianischen Zivilgesellschaft und den sozialen Bewegungen wird vor allem die vorrangige Zielgruppe der BNDES-Bank bemängelt: Seit Jahren fließt der weitaus größte Teil der staatlichen Kreditvergabe an die umstrittenen Projekte des umfangreichen “Programms zur Beschleunigung des Wachstums” (PAC). Daher hinterfragen soziale Bewegungen, was das “Soziale” an der Bank sei, wenn sie vor allem Staudamm- und Bergbauprojekte oder das Agrobusiness durch die Kreditvergabe zinsgünstig fördere.

Seit 2007 kritisiert das brasilienweite Netzwerk “Plataforma BNDES” diese Politik und hinterfragt den Begriff “soziale Entwicklung”: “Wir glauben, dass ein öffentliches Kreditinstitut transparent und sozialer Kontrolle gegenüber zugänglich sein muss sowie als Leitlinie seiner Programme und Finanzierungen die Überwindung der Ungleichheiten, die Verantwortung gegenüber der Klimafrage ebenso haben muss wie die Förderung einer Entwicklung, die als Ziel ökologische Nachhaltigkeit und die Verbesserung der Lebensbedingungen der brasilianischen Bevölkerung in Einklang bringen muss.” Die Aktivisten dieser neuen Plattform lancieren eine Kampagne mit dem Wahlspruch: “BNDES zu debattieren bedeutet, ein anderes Brasilien zu wollen”.

CC BY-SA 4.0 Mehr Transparenz bei Entwicklungsbank in Brasilien von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Colonia Dignidad: Bundestag fordert Aufklärung und Hilfe für Opfer Von Ute Löhning Michael Brand, Werner Schmidtke, Klaus Barthel, Wilhelm Wagner, Jürgen Karwelat im Bundestag, 29. Juni 2017. Foto: Ute Löhning (CC BY 2.0) (Berlin, 12. Oktober 2017, npl).- Bundestagsabgeordnete aller Fraktionen fordern die Bundesregierung auf, in der Colonia Dignidad begangene Verbrechen aufzuklären und ein Konzept für Hilfen für die Opfer dieser Verbrechen zu entwickeln. Ist das der Durchbruch in Sachen Aufarbeitung der Geschichte und der deutschen Ve...
Autoritärer Umbau von Staat und Justiz Von Jutta Blume Kämpft gegen den undemokratischen Umbau von Staat und Justiz: Die ehemalige Richterin Tirza Flores / Foto: Hondurasdelegation (Berlin, 23. Juli 2017, npl).- Im November finden in Honduras Präsidentschafts- und Parlamentswahlen statt. Der amtierende Präsident Juan Orlando Hernández wird sich dabei zur Wiederwahl stellen, obwohl die Verfassung das bislang verboten hatte. Da Hernández‘ Nationale Partei die staatlichen Institutionen weitgehend kontrolliert,...
Beschneidet das neues Strafgesetzbuch Grundrechte? Agua Zarca ist vielleicht einer der seltenen Fälle, in denen es doch noch Korruptionsermittlungen gegen Regierungsvertreter geben wird. Weitere Korruptionsskandale hat die regierende Nationale Partei weitgehend unbeschadet überstanden. Im November finden in Honduras Präsidentschafts- und Parlamentswahlen statt, zum dritten Mal nach dem Putsch im Jahr 2009. Der amtierende Präsident Juan Orlando Hernández wird sich dabei zur Wiederwahl stellen, obwohl die Verfassung das bislang...
Neue Gesetze zur Ahndung von Gewalt gegen Frauen erforderlich Von Anayeli García Martínez Eine Demonstration gegen Gewalt gegen Frauen in Ecatepec, Bundesstaat México. Foto: Cimac/César Martínez López (Mexiko-Stadt, 13. Februar 2017, cimacnoticias).- Die Misshandlung und mangelnde Versorgung von Frauen während der Schwangerschaft, Entbindung und dem Kindbett, Angriffe auf der Straße und im öffentlichen Verkehr sowie Bedrohungen gegen Frauen, die sich der Politik widmen, sind neue Formen von Gewalt, die landesweit Gesetze fordern....
Regierung muss Opfer der „falsos positivos“ entschädigen Falsos positivos: José Antonio Jacanamejoy und der erst 14-jährige Deivi López Ortega wurden im Mai 2014 in der Provinz Nariño vom Militär erschossen. Foto: Verdadabierta.com (Caracas, 14. Februar 2017, telesur).- Am 14. Februar gab das kolumbianische Verfassungsgericht bekannt, dass die Regierung sich nicht ihrer Verantwortung gegenüber den außergerichtlichen Hinrichtungen, den sogenannten „falsos positivos“ entziehen kann. Das Gericht wies darauf hin, dass die „falsos p...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.