Mexiko Mittelamerika USA

Massenabschiebungen zum Jahresbeginn


Same procedure as last year: Die USA starten mit Massenabschiebungen. Foto: Desinformemonos(Mexiko, 04. Januar 2016, desinformémonos).- Die USA haben von Januar bis September 2015 über 235.000 Menschen nach Mexiko und Zentralamerika abgeschoben. Und auch im neuen Jahr setzen die Behörden ihre Abschiebewelle fort: Bereits am Morgen des 2. Januar wurden in mehreren US-Bundesstaaten zeitgleich Häuser durchsucht und über 120 Männer, Frauen und Kinder verhaftet und in ein Abschiebezentrum nach Texas abtransportiert. Die Polizei- und Zollbehörde ICE, die dem US-Heimatschutzministerium untersteht, hat die Razzien hauptsächlich in den Bundestaaten Georgia, Texas und North Carolina durchgeführt. Das Ministerium teilte mit, dass die verhafteten Migrant*innen ohne Erlaubnis aus Mexiko und Zentralamerika eingereist seien und wieder dorthin deportiert werden sollen. Die verhafteten Familien hätten bereits gerichtlich einen Ausreisebefehl erhalten und alle Einspruchsmöglichkeiten ausgeschöpft, so die Behörde weiter.

Angebliche Gefahr für die nationale Sicherheit

Die 30-jährige Honduranerin Ana Liceth Mejía hatte einen Abschiebebefehl für den 5. Januar und wurde am 2. Januar zusammen mit ihrem neunjährigen Sohn im Haus von Angehörigen in Norcross, Georgia verhaftet. „Sie haben das Haus unter einem falschen Vorwand betreten, alle Kinder aufgeweckt und sie wie Kriminelle behandelt“, berichtete die Familienangehörige Johana Gutiérrez gegenüber lokalen Medien.

Wie die Behörde ICE (U.S. Immigration and Customs Enforcement) gegenüber der Zeitung Nuevo Georgia mitteilte, ist die Operation Teil eines im November 2014 angekündigten Schwerpunkts bei der Einwanderungskontrolle. Seitdem ist die Hauptaufgabe der Behörde, „Individuen zu verhaften und abzuschieben, die eine Gefahr für die nationale und öffentliche Sicherheit sowie den Grenzschutz darstellen.“ Das betreffe Einzelpersonen und Familien, die vor Allem seit 2014 bei einem illegalisierten Grenzübertritt aufgegriffen wurden und die nach dem 1. Januar 2014 einen Abschiebebefehl erhalten haben.

Am 23. Dezember 2015 hat die ICE ihre Jahresstatistik veröffentlicht; demnach sind im Steuerjahr 2015 bis zum September 235.413 Menschen aus den USA in ihre Heimatländer abgeschoben worden.

Familien werden zerstört

Kika Matos, Sprecherin der Organisation FIRM, die für eine legale Einwanderung kämpft, kritisierte das Vorgehen der Behörden scharf. Die Abschiebung von Familien, die vor der Gewalt in ihren Herkunftsländern fliehen, sei „keine angemessene Antwort auf die humanitäre Krise in Zentralamerika.“ Matos rief die Regierung von Präsident Obama auf, „sofort damit aufzuhören, Razzien durchzuführen und Familien zu terrorisieren und zu zerstören.“

Im Jahr 2015 haben die USA gemeinsam mit den Regierungen von Mexiko, Guatemala, Honduras und El Salvador Informationskampagnen gestartet, in denen vor dem „gefährlichen Potenzial“ gewarnt wird, die eine Reise in den Norden mit sich bringen würde. Wer ohne Erlaubnis die Grenze überquere, werde deportiert.

Seit dem Sommer 2014 ist die Zahl der Abschiebungen zentralamerikanischer Migrant*innen stark angestiegen und beläuft sich auf durchschnittlich 14 Abschiebeflüge pro Woche. In der honduranischen Stadt San Pedro Sula sind jetzt die ersten 115 abgeschobenen Menschen des neuen Jahres gelandet.

Mit Informationen des Movimiento Migrante Mesoamericano.

CC BY-SA 4.0 Massenabschiebungen zum Jahresbeginn von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Karawane der Mütter ist Brücke der Hoffnung: Wiedersehen zweier Schwestern nach 37 Jahren Wiedersehen nach 37 Jahren durch die Karawane der Mütter / Foto: Ivan Sah, avc-noticias bei desinformemonos.org(Mexiko-Stadt, 21. November 2016, desinformemonos).- Aida Amalia wartet in einer Taquería, einem Imbiss, am Busbahnhof in Córdoba. Ihre Tochter Viviana Guadalupe Rodríguez Chang aus Puebla hat die 53-Jährige zu einem Treffen mit dem Koordinator der Mesoamerikanischen Migrantenbewegung (Movimiento Migrante Mesoamericano), Rubén Figueroa, hier her gebracht. Von ih...
Der amerikanische Traum ist aus. Von Lydia Cacho, Plan B*"Die Nordamerikaner*innen müssen sich nun mit den Ruinen dessen, was einst ihr Land war, auseinandersetzen" / Foto: Cesar Martinez López, Cimacfoto(Mexiko-Stadt, 14. November 2016, cimac).- Der Wahlsieg Trumps, so brüchig sein Triumph aufgrund seiner trägen Unwissenheit auch sein mag, so sehr er auch für das Weltbild eines frauenfeindlichen, rassistischen Unternehmers im Kapitalismus eintritt, der sich allen Grundideen des Menschenrechts, de...
Zweieinhalb Wochen Migrant*innen-Karawane gingen zu Ende Die Karawane 2016 / Foto: Rometeo Lucero, Rubén Figueroa und Consuelo Pagaza, desinformemonos(Mexiko-Stadt, 06. Dezember 2016, poonal).- Die 12. Karawane “Wir suchen Leben auf Todeswegen” der Mütter – sowie dieses Mal auch einiger Väter – von Migrant*innen aus Nicaragua, Honduras, El Salvador und Guatemala endete am 3. Dezember in Tapachula, Chiapas, nahe der Grenze zu Guatemala. Ab Mitte November waren die Teilnehmer*innen auf der Suche nach ihren verschwundenen Kindern...
XII. Karawane: Mütter aus Mittelamerika suchen ihre Kinder Foto: Daniela Sánchez, desinformemonos(Guatemala-Stadt , 08. November 2016, cerigua-poonal).- Am 15. November kommt die Karawane mittelamerikanischer Mütter auf der Suche nach ihren verschwundenen Töchtern und Söhnen zum zwölften Mal nach Mexiko. Mütter aus Nicaragua, Guatemala, Honduras und El Salvador treffen sich im guatemaltekischen La Mesilla, an der Grenze zu Mexiko, im Departement Huehuetenango. Dort werden sie die Grenze nach Mexiko überqueren und, auf der Suche ...
Von Frontex zur Frontera Sur Von Mexiko mit dem Zug in Richtung USA. Bild: Hauke LorenzKaum ein Tag vergeht ohne Meldungen über Flüchtlinge, denen auf ihrem Weg nach Europa Schreckliches passiert ist. Die einen hängen unter schlechten Bedingungen in Lagern in der Türkei fest, andere sterben beim Versuch, mit Schrottkähnen das Mittelmeer zu kreuzen. Ähnlich sieht es in Mexiko aus. Dort werden Migrantinnen und Migranten abgeschoben, überfallen, verschleppt. Sie alle sind Opfer einer Politik, die vor a...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.