Honduras

Maquilas: Frauenarbeit unter inakzeptablen Bedingungen


(Fortaleza, 28. März 2009, adital).- Mit 229 Unternehmen und insgesamt 130.000 Arbeitsplätzen stellen die Maquilas in Honduras einen wichtigen Arbeitsplatzanbieter dar. Wer in einem Land mit über 1,2 Millionen Arbeitslosen lebt, kann es sich nicht erlauben, wählerisch zu sein. Auch wenn das Angebot qualitativ zu wünschen übrig lässt.

So wurden wegen der unzumutbaren Arbeitsbedingungen in den Maquilas bereits etliche Strafanzeigen gegen die Maquilabetreiber*innen gestellt. Ende März erbat das honduranische Frauenkollektiv Condemuh (Colectiva de Mujeres Hondureñas) eine Audienz bei der Interamerikanischen Menschenrechtskommission CIDH (Comisión Interamericana de Derechos Humanos), um die unzumutbare Arbeitssituation insbesondere für Frauen anzuprangern. Condemuh fordert mehr Sicherheit und die Garantie annehmbarer Arbeitsbedingungen für die weiblichen Beschäftigten, die etwa 69 Prozent der Gesamtbelegschaft der Maquila-Betriebe ausmachen.

Frauen, die sich um eine Arbeit in den Maquilas bemühen, müssen sich oftmals einem Schwangerschaftstest unterziehen. Eine Kaiserschnittnarbe kann unter Umständen dazu führen, dass eine Frau nicht eingestellt wird. Immer noch werden Frauen aufgrund derartiger Vorurteile bei den Einstellungsverfahren ausgesiebt. Zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen müsse noch vieles unternommen werden, erklärt María Luisa Regalado, Mitglied des Kollektivs Condemuh, in einem Interview.

Frage: Immer noch ist die Situation der Arbeiter*innen in Maquilas besorgniserregend. Was hat der Staat bisher unternommen, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern?

María Luisa Regalado: Die honduranische Regierung hat Gesetze verabschiedet, die die Errichtung von Maquilas vereinfachen. Der Staat erlässt den Maquilabetreiber*innen zusätzlich sämtliche Steuern, Abgaben und Gebühren. Zur Verbesserung der wirtschaftlichen Gesamtsituation tragen die Maquilas lediglich durch die Löhne bei, die dort gezahlt werden. Die staatlichen Rechtsinstitute übernehmen keinerlei Garantien für die rechtliche Situation der Frauen, die in den Maquilas beschäftigt sind. Daher fordern wir eine regelmäßige Überwachung der Arbeitsbedingungen in den Fabriken durch die verantwortlichen juristischen Organe. Die Prüfungsgremien müssen freien Zugang zu den Betrieben erhalten, damit sie die Arbeitsbedingungen kontrollieren und erhöhte Produktionsziele, belastende Körperhaltungen, immer wiederkehrende Bewegungen, gesundheitsschädigende Vibrationen, Lärm, die Temperatur, bei der gearbeitet wird, prüfen können. Zurzeit übt nämlich niemand in irgendeiner Form Druck auf die Arbeitgeber*innen aus, damit sie die empfohlenen nationalen und internationalen Standards einhalten. In den Ausschüssen der Sozialversicherung und des Arbeitsministeriums, die die Gutachten über Berufsunfälle und Berufskrankheiten schreiben, fehlen Leute, die auf Arbeitsmedizin spezialisiert sind und entsprechende Untersuchungen durchführen und Gutachten fachgerecht verfassen können.

Frage:Oft sind es Frauen, die sich über die arbeitsrechtlichen Missstände beklagen. Warum gerade sie?

María Luisa Regalado: Die Diskriminierungen sind vielfältig. Das fängt schon bei der Einstellung an. Leibesvisitationen, Blutentnahmen und andere Untersuchungen sind an der Tagesordnung. Frauen über dreißig haben es generell schwer, angenommen zu werden. Die übrigen sollten nach Möglichkeit keine Krampfadern, kein Übergewicht und keine Kaiserschnittsnarben haben. Die Maquila-Arbeiterinnen sind in der Regel sehr jung, die meisten haben gerade mal die 6. Klasse hinter sich gebracht. Sie kommen aus dem Landesinneren. Alles junge Frauen, die sich noch nie als Arbeiterinnen oder sonst wie organisiert haben. Wenn sie erst einmal ins System der Lohnarbeit eingebunden sind, kommen auch schon die erhöhten Produktionsziele, die 10 bis 14–Stunden-Tage, von der für 2009 angesetzten Lohnangleichung sind diese jungen Arbeiter*innen ausgenommen. Es gibt keinerlei arbeitsmedizinische Betreuung, niemanden, der ihre arbeitsbedingten körperlichen Beschwerden einschätzt und behandelt.

Frage: Wie viele Menschen arbeiten derzeit in Honduras in Maquilas?

María Luisa Regalado: Laut dem Honduranischen Maquila-Verband AHM (Asociación Hondureña de Maquilas AHM) sind es derzeit 130.000 Personen, davon sind 69 Prozent junge Frauen.

Frage: Wie organisieren sich die Verbände, um bei der Regierung bessere Bedingungen für die Arbeiterinnen durchzusetzen?

María Luisa Regalado: Wir, das heißt die Frauenverbände und die NGOs, prangern die Missstände regelmäßig öffentlich an und hoffen, dass wir damit die Arbeitsbedingungen der Frauen verändern. Es wurden schon intensive Kampagnen gestartet und verschiedene Untersuchungen durchgeführt und viel politische Arbeit geleistet: bei Unternehmern, staatlichen Einrichtungen, den Medien und anderen Stellen.

Frage: Ist gerade eine größere Mobilisierung geplant?

María Luiza Regalado: In den nächsten Monaten werden wir uns auf die allgemeine öffentliche Mobilisierung konzentrieren, Diskussionsveranstaltungen, Konferenzen und Versammlungen organisieren, die auch einen kreativen Anteil mit Theater, Musik, Lesungen etc. haben sollen, um verschiedene wichtige Entscheidungsträger zu informieren und zu sensibilisieren.

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