Guatemala

Leiter der Kommission gegen die Straflosigkeit tritt zurück


(Buenos Aires, 08. Juni 2010, púlsar).- Der Direktor der internationalen Kommission gegen die Straflosigkeit in Guatemala (CICIG), Carlos Castresana, hat sein Amt aufgrund diverser Angriffe auf seine Person niedergelegt. Er erklärte dazu, verschiedene „kriminelle Gruppierungen haben es sich zum Ziel gesetzt, mein persönliches Ansehen zu zerstören, um so die Arbeit der Organisation zu behindern.“

Castreasana äußerte sich auf einer Pressekonferenz zu den Motiven seines Rücktritts und bemerkte, dass er nicht mehr für Guatemala tun könne, als er in den letzten zwei Jahren getan habe. Weiterhin berichtete er, dass UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon ihn nach seiner Rücktrittserklärung am 4.Juni gebeten habe, sein Amt weiterzuführen, bis ein geeigneter Ersatz gefunden sei.

Der Leiter der CICIG berichtete, dass die Kommission den guatemaltekischen Präsident Álvaro Colom um die Absetzung des erst kürzlich gewählten Generalstaatsanwaltes gebeten hatte. Conrado Reyes war am 25. Mai von dem guatemaltekischen Präsidenten zum Generalstaatsanwalt des Landes ernannt worden. Castresana warf Reyes vor, dieser habe „in seiner Laufbahn einen Rekord an Korruption erreicht und seinen Bund mit illegalen Organisationen bewiesen.“

Als Reaktion auf die Anschuldigungen berief Reyes seinerseits eine Pressekonferenz ein, auf der er den scheidenden UNO-Beauftragten beschuldigte, „mindestens fünf Straftaten“ begangen zu haben.

Castresana wurde 2007 als Direktor der CICG eingesetzt. Im Laufe seiner Amtszeit wurden zweitausend Polizisten, ein Generalstaatsanwalt der Republik und drei Richter des Obersten Gerichtshofes der Korruption beschuldigt und abgesetzt. Darüberhinaus wurden ein ehemaliger Präsident Guatemalas, ein Ex-Außenminister und ein Ex-Finanzminister, sowie zwei Polizeidirektoren wegen Korruptionsdelikten eingesperrt.

Der Rücktritt Castresanas hat erheblichen Wirbel ausgelöst. Beobachter sehen Präsident Colom angeschlagen. Das Verfassungsgericht hat Reyes inzwischen wieder entlassen und eine neue Wahl angeordnet.

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