Brasilien

Legendäres Maracanã-Stadion soll privatisiert werden


macarana-stadion. Foto: Flickr/Jose Daniel Martinez (CC BY-NC-SA 3.0)(Fortaleza, 15. September 2012, adital).- Wird eines der berühmtesten Fußballstadien der Welt sich bald in Privatbesitz befinden? Das Maracanã-Stadion (Estádio do Maracanã), im gleichnamigen Stadtteil Rio de Janeiros gelegen, weckt auf jeden Fall Begierden. Bei einer öffentlichen Anhörung hätte es am 13. September eigentlich um dieses umstrittene Thema gehen sollen. Das Treffen wurde allerdings kurzfristig und ohne Angabe von Gründen abgesagt.

 

 

Kommunalwahl in Rio am 7. Oktober

Am gleichen Tag demonstrierten Mitglieder der Kampagne “Das Maracanã gehört uns” (“O Maraca é nosso”), um ihre Ablehnung einer möglichen Privatisierung zum Ausdruck zu bringen. Sie zogen vor das Parlamentsgebäude des Bundesstaates Rio de Janeiro, wo die Anhörung hätte stattfinden sollen. Diese war auf ihren Druck hin angesetzt worden. Die Gegner*innen befürchten, dass die Politik die Kommunalwahl in Rio am 7. Oktober abwarten will, um danach die Privatisierung durchzuziehen. Im Oktober muss diese ausgeschrieben werden.

Shoppen im Stadion

Das 1950 eingeweihte Maracanã-Stadion muss im Zusammenhang mit der Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien mehreren Anforderungen des Weltfußballverbandes FIFA (Fédération Internationale de Football Association) gerecht werden. Derzeit entsteht eine Multifunktionsarena, unter anderem mit Restaurants, Geschäften und einem Museum. Das Stadion soll bereits im Februar 2013 wieder eröffnet werden, dann bereits unter privater Kontrolle. Für Fußball-Fans stellt das Ganze eine Entweihung im Zeichen des Kommerzes dar. Sie kämpfen für den Erhalt von Stehplätzen, um auch weniger Betuchten künftig den Besuch von Fußballspielen zu ermöglichen. Ganz abgesehen vom atmosphärischen Aspekt.

Zwei Fußballvereine als Kaufinteressenten

Es gibt mehrere Interessenten für einen Kauf. Neben dem deutschstämmigen Unternehmer Eike Batista sind das auch Rios Fußballvereine Flamengo und Fluminense. Die Umbauarbeiten an Maracanã sollen zu etwa zwei Dritteln bereits abgeschlossen sein. Sie haben bis jetzt 869 Millionen Reais (knapp 330 Millionen Euro) verschlungen.

CC BY-SA 4.0 Legendäres Maracanã-Stadion soll privatisiert werden von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Diskuswerferin kämpft gegen Diskriminierung Die brasilianische Sportlerin kämpft für Medaillen und gegen DiskriminierungNoch trainiert Rosinha dos Santos - aber im September bei den Paralympischen Sommerspielen in Rio möchte die brasilianische Sportlerin wieder Medaillen gewinnen. Zweimal Gold holte sie bereits bei den Spielen in Sydney 2000 - jetzt möchte sie auch in Rio gewinnen. Ihre Disziplinen sind Kugelstoßen und Diskuswerfen. Für viele Menschen in Brasilien, die mit Behinderungen leben, ist die Athletin ein...
Krisen, Proteste und so gar kein olympischer Elan: Rio de Janeiro ist pleite und die Stimmung miserabel Von Andreas Behn, Rio de JaneiroKein Geld? Macht nichts, bitte weiter lächeln / Foto: agencia brasil de fotografias, cc-by-2-0(Rio de Janeiro-Berlin, 25. Juli 2016, npl).- „Die beiden Hubschrauber dort drüben? Die kreisen hier schon die ganze Woche, wohl wegen dieser Olympiade“, sagt eine Frau an einer Bushaltestelle im Rio de Janeiro. „Stimmt, das ist ja bald. Wird ein einziges Chaos werden“, stimmt ihre Begleiterin zu und schüttelt heftig den Kopf: „Diese Stadt i...
Brasilien erklärt finanziellen Notstand für Rio während der Olympischen Spiele 2016 Kein Geld? Macht nichts, bitte weiter lächeln! / Foto: agencia brasil de fotografias, cc-by-2-0(29. Juni 2016, telesur-poonal).- Die brasilianische Interimsregierung von Michel Temer hat am vergangen 17. Juni für den Zeitraum der Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro den finanziellen Notstand erklärt. Dieser Schritt soll es der Regierung erleichtern, besondere Maßnahmen zu ergreifen, mit denen sie den reibungslosen Ablauf der Spiele sichern will. Nach Angaben der Age...
Olympische Spiele in Rio: Mehr Sport und weniger Rechte Von Andreas Behn.Maria da penha steht vor den Trümmern ihres Hauses. Foto: Volkskomitee WM und OlympiaFür die Olympischen Spiele wird in Rio de Janeiro weiter geräumt. In der Vila Autodromo, Symbol des Widerstands gegen eine verfehlte Stadtpolitik, stehen nur noch wenige Häuser. Die wenigen BewohnerInnen, die noch ausharren, machen deutlich, dass ihre Bedürfnisse nicht berücksichtigt werden, wenn es um sportliche Großveranstaltungen geht. Während bei den auch von Bra...
Olympische Spiele in Rio: Mehr Sport, weniger Rechte Von Andreas BehnNach 23 Jahren wurde das Haus von Maria da penha eingerissen. Foto: Volkskomitee WM und Olympia(Rio de Janeiro, 15. März 2016, npl).- Früh am Morgen rückte die Polizei in der Vila Autodromo an. Mit einem Schaufelbagger und schwerem Räumgerät wurde das Haus von Maria da Penha eingerissen. Seit 23 Jahren lebt sie in der Gemeinde und wollte nicht weichen. Direkt daneben entsteht der Olympiapark, in dem im August dieses Jahres eine ganze Reihe von Wettbew...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.