Argentinien

Lebenslang für zwölf Ex-Militärs


Die Mütter der Plaza de Mayo / subcomandanta, flickr(Buenos Aires, 26. Oktober 2011, púlsar/poonal).- Ein Gericht in Buenos Aires verurteilte am 26. Oktober zwölf ehemalige Militärs zu lebenslanger Haft. Die Angeklagten wurden für schuldig befunden, während der Militärdiktatur in der ehemaligen Militärschule ESMA Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen zu haben. Die ESMA fungierte während der Diktatur von 1976 bis 1983 als geheimes Gefängnis und Folterzentrum.

Die bekanntesten jetzt verurteilten Täter sind Alfredo Astíz und dessen Vorgesetzter Jorge Acosta, alias der „Tiger“. Mehr als 250 Zeug*innen wurden während der 22-monatigen Gerichtsverhandlung vernommen. Verhandelt wurden 86 Fälle von illegaler Verhaftung, Mord und Folter, darunter auch Verbrechen gegen die Mütter der Plaza de Mayo und deren Unterstützer*innen.

5.000 Menschen in die ESMA verschleppt

Das Gericht befand vier weitere Angeklagte für schuldig, die Freiheitsstrafen zwischen 18 und 25 Jahren erhielten. Zwei Personen wurden freigesprochen.

Mit diesem Urteil geht der erste Prozess wegen Verbrechen in der ESMA zu Ende. Überlebende des Folterzentrums werteten dies als einen großen Erfolg, kritisierten jedoch gleichzeitig, dass nur ein Teil der Anklagen überhaupt verhandelt worden sei. Unverständnis äußerten sie über die beiden Freisprüche.

Schätzungen zu Folge sind während der Diktatur rund 5.000 Menschen in das Folterzentrum verschleppt worden und verschwunden. Etwa 30.000 Menschen sind durch den damaligen Staatsterror ums Leben gekommen. Der Verbleib vieler Opfer ist bis heute oft ungeklärt.

 

Weiterhören:

onda

Argentiniens Kampf um die Wahrheit | Wolf-Dieter Vogel und Kristin Gebhardt

Radio onda | November 2010


Weiterlesen:

Dokumentation des ECCHR

Tauziehen um Genprobe (Von Valeria Durán, in: Lateinamerikachrichten Juli/August 2010)

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